Ein kalifornisches Gesetz will unter 16-Jährige von Plattformen mit Endlos-Scrollen, Autoplay und Push-Benachrichtigungen aussperren. Das Parlament hat den Entwurf einstimmig verabschiedet, seit Anfang Juli 2026 verhandelt der Senat eine überarbeitete Fassung. Für Betreiber in der EU ist der Vorstoß mehr als eine US-Randnotiz.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Endlos-Scrollen könnte in Kalifornien bald unter Auflagen fallen, zumindest für Minderjährige. Assembly Bill 1709 verbietet Plattformen, unter 16-Jährigen Feeds mit sogenannten süchtig machenden Funktionen vorzusetzen. Hinter der Schlagzeile steckt eine Grundsatzfrage: Reguliert ein Staat damit Inhalte oder nur deren Verpackung?
Das Wichtigste in Kürze
- AB 1709 sperrt unter 16-Jährige von Plattformen mit Endlos-Scrollen, Autoplay und Push-Benachrichtigungen aus.
- Plattformen müssen das Alter prüfen und Konten Minderjähriger löschen, sonst drohen Geldbußen.
- Australien zieht das seit Dezember 2025 bereits durch, die EU plant mit dem Digital Fairness Act einen vergleichbaren Schritt.
- Der eigentliche Aufwand steckt in der Altersprüfung, die mit der DSGVO kollidiert.
Warum ist Endlos-Scrollen kein Zufall?

Endlos-Scrollen, Autoplay und Push-Nachrichten sind kein Nebenprodukt, sondern bewusst gebaut. Eine klassische Seite mit Blättern gibt ein Ende vor. Der endlose Feed nimmt diesen Haltepunkt weg und lädt automatisch nach.
Das Muster arbeitet mit unregelmäßiger Belohnung, ähnlich einem Spielautomaten. Der nächste Wisch könnte den einen guten Beitrag bringen, also scrollt man weiter. AB 1709 zielt deshalb auf die Bauweise der Plattform, nicht auf die Inhalte, und genau darin liegt vor US-Gerichten die juristische Sprengkraft.
Was verlangt AB 1709 konkret?
Der Entwurf von Josh Lowenthal, Abgeordneter aus Long Beach, verpflichtet betroffene Plattformen zu einer Altersprüfung[1]. Konten von unter 16-Jährigen müssen gelöscht werden, andernfalls drohen zivilrechtliche Geldbußen. Eine neue e-Safety Advisory Commission im Justizministerium soll die Umsetzung überwachen.
Kalifornien steht damit nicht allein. Australien sperrt unter 16-Jährige schon seit dem 10. Dezember 2025 von Plattformen wie Instagram, TikTok und Snapchat aus und setzt das Verbot mit empfindlichen Bußgeldern gegen die Betreiber durch, nicht gegen die Familien[2]. Schon 2022 hatte Kalifornien mit einem ähnlichen Gesetz gegen süchtig machendes Design vor Gericht Schiffbruch erlitten. Wie Eltern ein Social-Media-Verbot praktisch durchsetzen sollen, bleibt ohnehin offen.
Ein Verbot einzelner Design-Muster behandelt das Symptom, nicht das Geschäftsmodell dahinter. Solange Aufmerksamkeit die Währung bleibt, bauen Plattformen den nächsten Sog einfach anders.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
AB 1709 einstimmig durchs Parlament, seit Juli 2026 im Senat
Verbot für unter 16-Jährige in Kraft seit 10.12.2025
DSA-Verfahren gegen Meta läuft, Digital Fairness Act in Planung
Was bedeutet das für Plattformen in der EU?
In der EU läuft eine ähnliche Debatte, nur über einen anderen Hebel. Die EU-Kommission wirft Instagram und Facebook bereits vor, mit süchtig machendem Design gegen den Digital Services Act zu verstoßen. Für Ende 2026 plant Brüssel zusätzlich einen Digital Fairness Act, der Dark Patterns, Autoplay und Endlos-Scrollen direkt regeln soll[3].
Anwendbar wird der Digital Fairness Act aber frühestens 2028. Bis dahin liegt der eigentliche Aufwand in der Altersprüfung, die mit dem DSGVO-Grundsatz der Datensparsamkeit kollidiert. Betreiber in der DACH-Region sollten jetzt prüfen, welche Standardeinstellungen für junge Nutzer greifen und ob eine rechtssichere Altersverifikation ohne Ausweis-Upload machbar bleibt.
Quellen
[1] California Legislative Information: „AB-1709 Covered platforms: age restriction: e-Safety Advisory Commission“ ↩
[2] eSafety Commissioner: „Social media age restrictions“ ↩
[3] Europäisches Parlament: „Digital Fairness Act“ ↩
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