Broadcom verhandelt laut Bloomberg mit Kreditgebern über mehr als 52 Milliarden Euro Fremdkapital für Anthropic. Ein Teil davon fließt umgehend zurück an Broadcom, denn Anthropic kauft von dem Geld Broadcom-Chips. Weder der Chipkonzern noch das KI-Labor haben den Bericht bestätigt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAuf bis zu 87 Milliarden Euro könnte die Runde laut Bloomberg wachsen: eine vorrangig besicherte Tranche von 52,2 bis 60,9 Milliarden Euro und eine nachrangige über rund 26,1 Milliarden Euro. Ausgegeben werden die Papiere über eine Zweckgesellschaft. Für einen Teil der vorrangigen Tranche soll Broadcom selbst geradestehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Broadcom verhandelt laut Bloomberg über 52,2 bis 87 Milliarden Euro Fremdkapital, ausgegeben über eine Zweckgesellschaft.
- Finanziert werden damit Rechenzentren für Anthropic, bestückt mit Broadcom-Chips.
- Bestätigt ist die Plattform AI XPV vom 9. Juni 2026: 30,5 Milliarden Euro von Apollo und Blackstone, Ziel über 20 Gigawatt bis 2028.
- Versicherer im Euroraum halten 211 Milliarden Euro in Private-Credit-Fonds, konzentriert auf wenige große Institute.
Warum beschafft der Chiphersteller das Geld seines Kunden?

Anthropic bezahlt Rechenzentren dieser Größenordnung nicht aus dem laufenden Geschäft. Broadcom verkauft die Chips trotzdem, indem der Verkäufer die Finanzierung des Käufers gleich mitorganisiert. Bestätigt hat Broadcom diese Konstruktion am 9. Juni 2026 mit der Plattform AI XPV.[1]
Apollo führte dort eine erste Tranche von 30,5 Milliarden Euro an, gemeinsam mit dem Kredit- und Versicherungsgeschäft von Blackstone. Zunächst entsteht daraus über ein Gigawatt Rechenleistung für Anthropic an Standorten von Fluidstack, bis 2028 dann über 20 Gigawatt mit Broadcoms XPU-Chips.[1] Umrechnung durchgehend zum Kurs 0,87, Stand 21. August 2026.
„Wir stehen an einem historischen Wendepunkt, an dem die Nachfrage nach KI-Rechenleistung die globale Wirtschaftslandschaft grundlegend umformt“, sagte Broadcom-Chef Hock Tan bei der Ankündigung.[1] Mit der neuen Runde wächst dieselbe Struktur weiter. Für das kommende Jahr erwartet Broadcom über 87 Milliarden Euro Umsatz mit KI-Chips, mehr als 40 Prozent davon aus einer einzigen Kundenbeziehung, wie Branchenmedien berichten.
Ist dieses Kreisgeschäft ein Einzelfall?
Nein. Über solche Konstruktionen läuft inzwischen ein großer Teil des KI-Ausbaus, überwiegend über Zweckgesellschaften außerhalb der Konzernbilanz.
Nvidia ging denselben Weg und organisierte 435 Milliarden Euro Fremdkapital. BlackRock übernahm 80 Prozent an Metas Rechenzentrum in El Paso samt 10,9 Milliarden Euro Schulden, ByteDance lieh sich 17 Milliarden Euro für eigene Anlagen.
Am Kapitalmarkt schlägt die Verschuldung längst durch. Standard & Poor’s stufte Oracle auf BBB- herab, nur noch eine Stufe über Ramschniveau. Wie belastbar der Aufbau insgesamt ausfällt, prüft unsere Analyse zur KI-Blase.
Broadcom verkauft Chips an einen Kunden, für dessen Schulden Broadcom anschließend selbst geradesteht. Solche Kreisgeschäfte sehen so lange nach Wachstum aus, bis der erste Schuldendienst ausfällt.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Broadcoms Finanzierung für Anthropic, Beträge zum Kurs 0,87 umgerechnet, Stand 21. August 2026
Was bedeutet das für Entscheider im DACH-Raum?
Ein erheblicher Teil dieses Geldes stammt aus Europa. Versicherer im Euroraum halten 211 Milliarden Euro in Private-Credit-Fonds, also 2,3 Prozent ihrer Bilanzsumme. Pensionsfonds und Banken kommen zusammen auf weitere 114,5 Milliarden Euro, konzentriert auf wenige große Institute.[2]
Bis zu 30 Prozent der rund 2,6 Billionen Euro für den weltweiten Rechenzentrumsausbau dürften aus dem Private-Credit-Markt kommen. Die Europäische Zentralbank nennt diesen Markt undurchsichtig und mahnt zu genauer Beobachtung.[2]
Auch physisch fällt die Zusage aus dem Rahmen. 20 Gigawatt unter Dauerlast ergeben rechnerisch rund 175 Terawattstunden im Jahr, gut ein Drittel des deutschen Bruttostromverbrauchs von 495 Terawattstunden im Jahr 2025.[3]
Zwei Prüfungen lohnen sich sofort. Die Private-Credit-Quote der eigenen Lebensversicherung oder der betrieblichen Altersvorsorge steht im Anlagebericht des Anbieters. IT-Verantwortliche verhandeln Modellpreise besser mit kurzer Laufzeit, denn im Tokenpreis steckt künftig der Schuldendienst dieser Anleihen. Anthropic entwickelt parallel eigene Chips für Claude und bereitet einen Börsengang vor. Den laufenden Überblick über den Modellmarkt liefert unser KI-Ressort.
Quellen
[1] Broadcom, Apollo und Blackstone: „Broadcom, Apollo, and Blackstone Establish Landmark Strategic Platform to Accelerate More Than 20 Gigawatts of Global AI Deployments“, 9. Juni 2026
[2] Europäische Zentralbank: „Stress in global private credit markets and its implications for euro area financial stability“, Financial Stability Review, Mai 2026
[3] BDEW: „Stromerzeugung und -verbrauch in Deutschland“
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