CTS Eventim verkauft mehr Tickets und mehr Konzerte als je zuvor, doch der Anteil, der als Gewinn hängen bleibt, wird kleiner. Der Umsatz kletterte im ersten Halbjahr 2026 um 16,9 Prozent auf 1,513 Milliarden Euro, die operative Marge fiel zugleich von 15,5 auf 14,9 Prozent. Hinter diesem Widerspruch steckt kein schwaches Geschäft, sondern die Mechanik einer Plattform, die an zwei sehr ungleichen Enden verdient.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Bremer Konzern steigerte sein bereinigtes Ergebnis im Halbjahr um 12,4 Prozent auf 225,4 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie um 34,2 Prozent auf 1,25 Euro.[1] Dahinter arbeiten zwei sehr verschiedene Geschäfte. Das Ticketing ist klein und hochprofitabel, das Live-Entertainment groß und dünnmargig.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Konzernumsatz stieg im ersten Halbjahr 2026 um 16,9 Prozent auf 1,513 Milliarden Euro.
- Das Ticketgeschäft erreicht eine bereinigte Marge von 36,4 Prozent, das Konzertgeschäft nur 5,0 Prozent.
- Weil das margenschwache Live-Entertainment schneller wächst, sank die Konzernmarge von 15,5 auf 14,9 Prozent.
- In Deutschland laufen laut Bundeskartellamt 60 bis 70 Prozent aller Ticketsystemverkäufe über Eventim.
Warum sinkt die Marge, obwohl der Umsatz steigt?

Der Mix verschiebt sich: Das Live-Entertainment, also das Veranstalten von Konzerten, Tourneen und Festivals, wuchs um 18,6 Prozent auf 1,061 Milliarden Euro und steht damit für gut zwei Drittel des Konzernumsatzes.[1] Dieses Geschäft kommt aber nur auf eine bereinigte Marge von 5,0 Prozent, weil Gagen, Hallenmieten und Produktion den Löwenanteil verschlingen. Je stärker dieser Teil wächst, desto mehr zieht er den Konzernschnitt nach unten.
Das Ticketing bleibt der Motor: Der Ticketverkauf legte um 13,9 Prozent auf 473,3 Millionen Euro zu und warf davon 172,5 Millionen Euro bereinigtes Ergebnis ab, eine Marge von 36,4 Prozent.[1] Ein verkauftes Ticket kostet die Plattform fast nichts extra, jede weitere Buchung fließt fast vollständig ins Ergebnis. Ähnlich rechnet Delivery Hero sein Liefergeschäft profitabel, indem die margenstarke Vermittlung die dünne Auslieferung quersubventioniert.
Wo verdient eine Ticketplattform ihr Geld?
An der Maut, nicht auf der Bühne: Eine integrierte Ticketplattform verdient vor allem an der Gebühr, die auf jedem verkauften Platz liegt, unabhängig davon, wer das Konzert veranstaltet. Genau dieses Modell verbindet Ticketverkauf und Veranstaltung unter einem Dach. Die Bündelung sichert dem System einen stetigen Strom an Buchungen. Dieselbe Logik einer Plattform, die an jeder Transaktion mitverdient, kennt man von Stripe im Zahlungsverkehr.
Ein Muster mit Präzedenz: Der weltgrößte Wettbewerber Live Nation verbindet Konzertveranstaltung und Ticketverkauf über die Tochter Ticketmaster nach demselben Prinzip. Das US-Justizministerium klagt seit Mai 2024 gegen diesen Verbund und verlangt die Zerschlagung, weil die Bündelung von Veranstaltung und Vertrieb den Wettbewerb aushebele. Auch CTS Eventim wächst zunehmend über Zukäufe im Veranstaltungsgeschäft und beim internationalen Ticketvertrieb.
Die Führung bleibt optimistisch: Vorstandschef Klaus-Peter Schulenberg sieht das Geschäftsmodell trotz der schmaleren Marge auf Kurs. „Unsere starke Position in Europa und unsere wachsende globale Präsenz unterstreichen die ungebrochene Stärke unseres Geschäftsmodells“, erklärte er zur Bilanz.[1] Der Vorstand bestätigte zugleich die Prognose für das Gesamtjahr 2026.
Der eigentliche Wert von CTS Eventim liegt nicht auf der Bühne, sondern an der Kasse davor. Solange jeder Sitzplatz durch dasselbe System läuft, verdient das Ticketgeschäft an jedem Konzert mit, gleich welcher Veranstalter dahintersteht.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet die Marktmacht von Eventim für Sie?
Eine Frage der Marktmacht: Für Veranstalter und Kartenkäufer im deutschsprachigen Raum ist die Bündelung von Ticketsystem und Veranstaltung heikel, weil sie über Preise und über die Wahl der Vertriebswege mitentscheidet. Das Bundeskartellamt untersagte CTS Eventim bereits am 4. Dezember 2017 Exklusivverträge mit Veranstaltern und Vorverkaufsstellen. Die Behörde stufte den Konzern schon damals als marktbeherrschend ein.[2] Veranstalter durften ihre Kontingente seither nicht mehr fast vollständig an EVENTIM.NET binden.
So handeln Sie konkret: Veranstalter sichern sich das vom Kartellamt zugestandene Recht, bei Verträgen ab zwei Jahren mindestens 20 Prozent des Ticketvolumens über andere Kanäle zu verkaufen, und legen die Systemgebühren offen. Kartenkäufer prüfen vor dem Klick die aufgeschlagenen Vorverkaufs- und Servicegebühren, die schnell ein Zehntel des Ticketpreises ausmachen. Die Marktmacht einer einzelnen Plattform kennt man aus anderen Branchen, etwa von Flixbus im Fernbusmarkt.
FAQ: CTS Eventim und die Marge im ersten Halbjahr 2026
Wie hoch war der Umsatz von CTS Eventim im ersten Halbjahr 2026?
CTS Eventim steigerte den Konzernumsatz im ersten Halbjahr 2026 um 16,9 Prozent auf 1,513 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis wuchs um 12,4 Prozent auf 225,4 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie um 34,2 Prozent auf 1,25 Euro.
Warum sinkt die Marge von CTS Eventim trotz Wachstum?
Die operative Marge fiel von 15,5 auf 14,9 Prozent, weil das margenschwache Live-Entertainment mit 5,0 Prozent Marge schneller wächst als das hochprofitable Ticketgeschäft mit 36,4 Prozent. Dieser Mix zieht den Konzernschnitt nach unten.
Womit verdient CTS Eventim das meiste Geld?
Den größten Gewinnbeitrag liefert das Ticketgeschäft: 172,5 Millionen Euro bereinigtes Ergebnis bei 473,3 Millionen Euro Umsatz, eine Marge von 36,4 Prozent. Das Live-Entertainment setzt zwar mehr um, kommt aber nur auf 5,0 Prozent Marge.
Wie groß ist der Marktanteil von CTS Eventim in Deutschland?
Nach Feststellung des Bundeskartellamts laufen 60 bis 70 Prozent aller Ticketsystemverkäufe in Deutschland über CTS Eventim. Die Behörde untersagte dem Konzern 2017 Exklusivverträge mit Veranstaltern und stufte ihn als marktbeherrschend ein.
Quellen
[1] CTS Eventim: Halbjahresfinanzbericht 2026, Investor Relations
[2] Bundeskartellamt: „Bundeskartellamt untersagt Exklusivvereinbarungen zwischen CTS Eventim und Veranstaltern sowie Vorverkaufsstellen“ (04.12.2017)
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