UEFA Champions League: Wer kassiert die 4,4 Milliarden?

Michael Dobler
Autor Dr. Web
Aktualisiert:
28 Min. Lesezeit
UEFA Champions League: Wer kassiert die 4,4 Milliarden?

Die UEFA Champions League schüttet in der Saison 2025/26 mehr Preisgeld aus, als der Gesamthaushalt Montenegros beträgt. Drei Säulen, eine Wertsäule, sechs Global Partner, fünfzehn Milliarden Euro TV-Geld. Wer profitiert, wer zahlt drauf, und wo verschwindet der Rest?

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Die UEFA Champions League hat sich seit ihrer Gründung 1955 von einem Pokalwettbewerb für sechzehn Landesmeister zu einer Milliardenindustrie entwickelt, und am Samstag, den 30. Mai 2026, duellierten sich Paris Saint-Germain und Arsenal London in Budapest um die Trophäe.

Hinter dem sportlichen Spektakel arbeitet ein Verteilungsapparat, der allein in dieser Saison über alle UEFA-Klubwettbewerbe der Männer hinweg 4,4 Milliarden Euro umsetzt. Wir öffnen die Black Box und folgen jedem Euro vom Streamingvertrag bis ins Stadion.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die UEFA generiert mit Champions League, Europa League, Conference League und Supercup 2026/25 zusammen 4,4 Milliarden Euro Bruttoeinnahmen, davon stammen rund 84 Prozent aus Medienrechten
  • Genau 2,467 Milliarden Euro fließen als Preisgeld an die 36 Klubs der UEFA Champions League und an die zwei Supercup-Teilnehmer
  • Das Startgeld beträgt 18,62 Millionen Euro pro Klub, unabhängig vom sportlichen Abschneiden
  • Der TV-Rechte-Vertrag 2024–2027 spült der UEFA 15 Milliarden Euro in die Kasse, 40 Prozent mehr als im Vorgängerzyklus
  • Trotz Rekordeinnahmen hat die UEFA im Geschäftsjahr 2024/25 ein Nettoergebnis von minus 46,2 Millionen Euro ausgewiesen

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Champions League und das große Geld
10 Fragen rund um Ausschüttungen, Wertsäule und Skandale. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Wieviel Bruttoeinnahmen generiert die UEFA mit ihren Klubwettbewerben in der Saison 2024/25? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Die UEFA hat über Champions League, Europa League, Conference League und Supercup zusammen rund 4,4 Milliarden Euro umgesetzt. Rund 84 Prozent stammen aus dem Verkauf der Medienrechte.
2 Wie hoch ist das garantierte Startgeld pro Klub für die Ligaphase der Champions League 2024/25? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Jeder der 36 Ligaphase-Klubs bekommt 18,62 Millionen Euro garantiert, unabhängig vom sportlichen Abschneiden. Die Summe macht 27,5 Prozent des gesamten Preisgeld-Pots aus.
3 Welcher Anteil der UEFA-Einnahmen stammt aus dem Verkauf von Medienrechten? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Rund 84 Prozent der UEFA-Einnahmen kommen aus dem Verkauf von TV- und Streaming-Rechten. Die Sponsoring-Säule trägt 14 Prozent bei, der Rest entfällt auf Ticketing und Sonstiges. Eine extreme Abhängigkeit vom Medienmarkt.
4 Wieviel Preisgeld erhält ein Klub für einen einzigen Sieg in der Ligaphase? Aufklappen ↓
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Richtig: A. 2,1 Millionen Euro pro Sieg in der Ligaphase, 700.000 Euro pro Remis. Erfolgsprämien bilden zusammen mit den Runden-Boni 37,5 Prozent des Preisgeld-Pots, das sind 914 Millionen Euro.
5 Wie heißt die seit 2024 neu eingeführte dritte Säule des Verteilungsschlüssels? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Die Wertsäule kombiniert nationale TV-Marktstärke mit dem zehnjährigen Klub-Koeffizienten. 35 Prozent des Pots, immerhin 853 Millionen Euro, fließen nach diesem Schlüssel. Strukturell bevorzugt das die ohnehin schon großen Klubs aus den Big-Five-Ligen.
6 Wieviel Euro spült der TV-Rechte-Vertrag der UEFA für den Zyklus 2024 bis 2027 in die Kasse? Aufklappen ↓
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Richtig: C. 15 Milliarden Euro für drei Saisons, 40 Prozent mehr als im Vorgängerzyklus. Treiber sind die Verdreifachung des US-Marktwerts plus 50 Prozent mehr Spiele durch das Schweizer Modell.
7 Welcher Klub hat in der Saison 2024/25 das meiste Geld von der UEFA kassiert? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Paris Saint-Germain hat rund 140 Millionen Euro eingenommen, Titelgewinn plus französischer TV-Markt plus Klub-Koeffizient. Inter Mailand als Finalverlierer landete bei 137,5 Millionen Euro, Real Madrid bei 119,8 Millionen Euro.
8 Welches Geschäftsergebnis hat die UEFA selbst im Geschäftsjahr 2024/25 ausgewiesen? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Trotz 4,4 Milliarden Euro Bruttoeinnahmen hat die UEFA einen Nettoverlust von 46,2 Millionen Euro ausgewiesen. Über 86 Prozent der UEFA-Gesamtausgaben sind Preisgelder und Solidaritätszahlungen. Eine Durchleitungsstation, kein Profit-Konzern.
9 Wieviel haben die drei deutschen Klubs Bayern, BVB und Leverkusen gemeinsam aus der Champions League 2024/25 eingenommen? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Rund 289 Millionen Euro zusammen, FC Bayern führt mit 108,4 Millionen Euro vor BVB (100,9 Millionen) und Leverkusen (79,3 Millionen). Das entspricht etwa einem Drittel der gesamten DFL-Vermarktungseinnahmen der Bundesliga.
10 Mit welchem Format hat die FIFA im Sommer 2025 erstmals eine Klub-WM ausgetragen, die nun mit der Champions League konkurriert? Aufklappen ↓
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Richtig: A. 32 Klubs, rund eine Milliarde Dollar Preisgeld, primär saudisch finanziert. Die FIFA und die UEFA konkurrieren erstmals offen um dieselben Klubs und Spielfenster.

 

Wie wurde aus dem Europapokal die heutige UEFA Champions League?

Ein goldener Siegerpokal mit zwei Henkeln auf weißem Hintergrund
Französischer Sportjournalist Gabriel Hanot schlägt 1954 einen europäischen Vereinswettbewerb vor, um englische Medienbehauptungen zu widerlegen

Die Geburtsstunde lässt sich auf den Dezember 1954 datieren. Der französische Sportjournalist Gabriel Hanot von der Zeitung L’Équipe veröffentlichte einen Vorschlag für einen kontinentalen Vereinswettbewerb, nachdem englische Medien Wolverhampton Wanderers nach einem Freundschaftsspiel gegen Honvéd Budapest zum „Weltmeister“ erklärt hatten.

Hanot fand die Behauptung lächerlich und entwarf ein Turnier, das den Titel sportlich entschied. Im April 1955 hat die frisch gegründete UEFA zugestimmt, und am 4. September 1955 ist mit Sporting Lissabon gegen Partizan Belgrad das erste Spiel der Pokalgeschichte angestoßen worden.

Sechzehn Klubs sind zur Premiere angetreten, darunter Real Madrid, der AC Mailand und der 1. FC Saarbrücken als Vertreter des damals noch unabhängigen Saarlands. Die englische Football League hat die Teilnahme des FC Chelsea blockiert, woraufhin der polnische Klub Gwardia Warszawa nachgerückt ist.

Das erste Endspiel hat Real Madrid am 13. Juni 1956 im Pariser Prinzenpark gegen Stade Reims mit 4:3 gewonnen. Die Königlichen haben die ersten fünf Auflagen in Serie geholt, ein Rekord, der bis heute Bestand hat. Bis heute führt Real Madrid mit 15 Titeln die ewige Bestenliste an. Wie der Klub aus diesem sportlichen Erbe ein Milliardengeschäftsmodell gebaut hat, haben wir an anderer Stelle seziert.

Bis 1991/92 lief der Wettbewerb als reines K.-o.-Turnier. Die Idee einer Gruppenphase reifte Ende der achtziger Jahre, als das Fernsehgeld zu strömen begann und Großklubs die Vorstellung hassten, ihre teuersten Stars könnten schon im September einem unbekannten Gegner ausscheiden.

Die UEFA-Spitze unter Lennart Johansson beauftragte 1991 die schweizer Marketingagentur TEAM Marketing AG unter Leitung der Deutschen Klaus Hempel und Jürgen Lenz. Zur Saison 1992/93 ist der Wettbewerb umbenannt und um eine Gruppenphase erweitert worden. Aus dem Pokalturnier ist ein Liga-Format mit garantierten Spielen, kalkulierbarer TV-Präsenz und vermarktbaren Plätzen geworden.

In den neunziger Jahren sind vier weitere Reformen gefolgt. 1997 sind auch Vize- und Drittplatzierte zugelassen worden, 1999 hat die UEFA auf 32 Mannschaften aufgestockt, 2003 ist die zweite Gruppenphase weggefallen, und im Sommer 2024 hat die UEFA Champions League die größte Reform ihrer Geschichte erlebt: das Schweizer Modell mit 36 Klubs in einer einzigen Tabelle, acht Spielen pro Verein gegen acht verschiedene Gegner.

Wann sind die Ausschüttungen explodiert, und warum?

Stapel Euro-Geldscheine in Wellenform auf weißem Hintergrund mit Leuchten
Vom 580-Millionen-Euro-Pot 2007 zum 4,4-Milliarden-Euro-Apparat 2025: die UEFA Champions League hat ihr Einnahmenvolumen in 18 Jahren versiebenfacht.

Die Zahlen erzählen die ganze Geschichte. In der Saison 2007/08 hat die UEFA gut 580 Millionen Euro an die teilnehmenden Klubs ausgeschüttet. Zehn Jahre später ist der Topf auf 1,3 Milliarden Euro angewachsen.

2023/24 lagen die Gesamteinnahmen der UEFA Champions League bei rund 3,2 Milliarden Euro. Für 2024/25 sind sie auf gut 4 Milliarden Euro gesprungen, ein Plus von 23 Prozent in einer einzigen Saison. Der Treiber ist immer derselbe: Fernsehgeld.

SaisonGesamteinnahmen (in Mrd. €)Kontext
2007/08rund 0,9Vor der Finanzkrise
2014/15rund 1,8Erste Marken-Sponsoring-Welle
2019/20rund 3,25Coronabedingt verkürzt
2023/24rund 3,2Letzte Saison im alten Modus
2024/25rund 4,4 (gesamt UEFA-Klubwettbewerbe)Erste Saison Schweizer Modell
2025/26rund 4,4Aktuell laufend, Finale Budapest

Quellen: UEFA-Finanzberichte, Statista-Datenbank, eigene Zusammenstellung

Die Vermarktung der Medienrechte ist der mit Abstand größte Hebel. Für den Vertragszyklus 2021–2024 hat die UEFA über alle drei Wettbewerbe rund 9,1 Milliarden Euro eingenommen. Im Februar 2022 hat der Verband die Rechte für 2024–2027 vergeben und 15 Milliarden Euro kassiert, ein Plus von 40 Prozent.

Die Sportschau hat den Sprung dokumentiert. Zwei Faktoren erklären das Plus. Zum einen hat sich der US-Marktwert der UEFA Champions League nach UEFA-Angaben verdreifacht, was Paramount und Apple zu höheren Geboten getrieben hat. Zum anderen verkauft die UEFA seit 2024 rund 50 Prozent mehr Spiele: aus 125 Partien pro Saison sind 189 geworden.

Die zweite Beschleunigung kam politisch. Am 18. April 2021 haben zwölf europäische Großklubs die Gründung einer Super League verkündet. Das Erdbeben hat 48 Stunden gedauert, dann ist das Projekt unter dem Druck der Fans zusammengebrochen.

Doch der Schock saß tief: die UEFA reagierte mit der weitestgehenden Reform ihrer Geschichte, hat 50 Prozent mehr Spiele auf den Markt gebracht und den großen Klubs strukturell mehr Geld zugewiesen. Eine kritische Lesart der Reformlogik sieht darin keine Modernisierung, sondern eine Erpressungsdynamik, in der die UEFA sich kaufen lassen musste, um den Wettbewerb zu retten.

Wie verdient die UEFA mit der Champions League tatsächlich ihr Geld?

Wo die 4,4 Milliarden hinfließen
Der Geldfluss der UEFA-Klubwettbewerbe in der Saison 2024/25 in drei Stufen, von den Einnahmen bis ans Klubkonto.
Stufe 1: Wer bezahlt die UEFA?
Medienrechte
3,7 Mrd. €
84 %
TV, Streaming, Pay-per-View weltweit. Der Vertragszyklus 2024–2027 spielt 15 Mrd. € ein, 40 % mehr als zuvor.
Sponsoring
616 Mio. €
14 %
Sechs Global Partner (Heineken, PlayStation, Mastercard, Lay's, Just Eat, Qatar Airways) plus drei Premium Partner.
Ticketing & Sonstiges
88 Mio. €
2 %
Einnahmen aus Finalspielen, Hospitality, Lizenzen und sonstigen Geschäftsfeldern.
Bruttoumsatz 2024/25
4,4 Mrd. €
UEFA-Männerwettbewerbe (CL, EL, Conference League, Supercup)
Stufe 2: Wer bekommt was?
Ligaphase-Klubs
3,3 Mrd. €
Verteilt an die 36 Klubs der Champions-League-Ligaphase plus EL- und ECL-Teilnehmer.
Verwaltung
387 Mio. €
Organisations- und Betriebskosten, Schiedsrichter, Logistik, Personal.
Solidarität
240 Mio. €
Zahlungen an ca. 600 Klubs, die sich nicht qualifiziert haben. Pro Klub 250.000 bis 1,5 Mio. €.
Qualifikationsklubs
132 Mio. €
Prämien für ausgeschiedene Vereine aus den Qualifikationsrunden.
UEFA-Saldo 2024/25

Trotz 4,4 Milliarden Euro Bruttoumsatz hat die UEFA das Geschäftsjahr mit einem Nettoverlust von 46,2 Mio. € abgeschlossen. Über 86 Prozent der Ausgaben fließen als Preisgeld oder Solidarität an Klubs und Verbände, weniger als 9 Prozent verbleiben im Verband selbst.

Vom Klub-Topf entfällt allein auf die Champions-League-Preisgeldkasse 2,467 Milliarden Euro, verteilt nach drei Saulen.
Stufe 3: Die drei Säulen des Preisgeldes
Startgeld
670 Mio. €
27,5 %
18,62 Mio. € pro Klub, garantiert, unabhängig vom sportlichen Abschneiden.
Erfolgsprämien
914 Mio. €
37,5 %
2,1 Mio. € pro Sieg, 700.000 € pro Remis, plus Runden-Boni bis zur Titelprämie.
Wertsäule
853 Mio. €
35,0 %
TV-Markt-Wert kombiniert mit dem zehnjährigen Klub-Koeffizienten. Bevorzugt strukturell die Großen.
Stufe 4: Die Top-Verdiener 2024/25
Paris SG
140,2 Mio. €
Inter Mailand
137,5 Mio. €
Real Madrid
119,8 Mio. €
FC Bayern
108,4 Mio. €
FC Arsenal
105,7 Mio. €
Borussia Dortmund
100,9 Mio. €
Erkenntnis
Wer in der UEFA-Hierarchie oben steht, kassiert über die Wertsäule strukturell mehr. Aus einer sportlichen Tabelle wird eine Vermögensumverteilung von unten nach oben.
Drei weiße Säulen unterschiedlicher Höhe mit orangefarbenen Ringen vor weißem Hintergrund
Drei Säulen verteilen 2,467 Milliarden Euro: Startgeld, Erfolgsprämien und die umstrittene Wertsäule, die strukturell die größten Klubs bevorzugt.

An dieser Stelle öffnet sich die Black Box. Für die UEFA Champions League 25/26 kalkuliert die UEFA mit Einnahmen von rund 4,4 Milliarden Euro über alle Männerwettbewerbe.

Aus der UEFA-Bilanz 2024/25 lassen sich die Anteile rekonstruieren: rund 84 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Verkauf von Medienrechten, rund 14 Prozent aus kommerziellen Rechten (Sponsoring, Werbung, Merchandising), die verbleibenden 2 Prozent entfallen auf Ticketing für Endspiele und sonstige Einnahmen. Die UEFA-Tochtergesellschaft UEFA Club Competitions SA fungiert dabei als zentrale Vermarkterin.

TV-Rechte-Geographie: Wer zahlt am meisten?

Mehr als die Hälfte der TV-Einnahmen kommt aus den fünf großen europäischen Märkten. In Deutschland zahlen DAZN, Amazon Prime Video und der Free-TV-Sender ZDF gemeinsam etwa 530 Millionen Euro pro Saison für die Übertragungsrechte. In Großbritannien sind TNT Sports und Amazon Prime Hauptrechteinhaber, in Spanien Movistar Plus, in Italien Sky und Amazon.

Der mit Abstand größte Wachstumstreiber sitzt jedoch jenseits des Atlantiks. Paramount und CBS haben die Rechte für die USA für rund 1,5 Milliarden Dollar über vier Saisons gesichert. Auch im asiatischen Markt klettern die Preise, in Indien hat Sony Sports Network seinen Vertrag 2024 verdreifacht.

Sponsoring-Pyramide: Sechs Global Partner finanzieren das Schaufenster

Sechs Global Partner finanzieren die Sponsoring-Säule der UEFA Champions League: Heineken, PlayStation, Mastercard, Lay’s, Just Eat und seit 2024 Qatar Airways. Hinzu kommen drei Premium Partner: bet365, Crypto.com und Hisense.

Die Verträge laufen typischerweise über drei bis vier Saisons und sind im hohen zweistelligen Millionenbereich pro Partner angesiedelt.

Insgesamt generiert die Sponsoring-Säule für die UEFA-Klubwettbewerbe rund 600 Millionen Euro pro Saison. Die Zusammensetzung ist branchenpolitisch bemerkenswert: ein Brauerei-Konzern, ein Spielwarenhersteller, ein Wett-Anbieter und eine Kryptobörse stehen Schulter an Schulter mit einer staatlichen Fluggesellschaft aus Katar.

Verteilungs-Logik: Drei Säulen, ein Pot

Der Preisgeld-Topf für die UEFA Champions League 2024/25 beträgt 2,467 Milliarden Euro, inklusive Supercup. Dieser Betrag verteilt sich auf drei Säulen:

SäuleAnteilVolumenLogik
Startgeld27,5 %670 Mio. €18,62 Mio. € pro Klub, garantiert
Erfolgsprämien37,5 %914 Mio. €2,1 Mio. € pro Sieg, 700.000 € pro Remis, plus Runden-Boni
Wertsäule35,0 %853 Mio. €TV-Markt-Wert plus Klub-Koeffizient

Quelle: Kicker, UEFA-Circular 2024/13

Die einzelnen K.-o.-Prämien staffeln sich wie folgt: Achtelfinale 11 Millionen Euro, Viertelfinale 12,5 Millionen Euro, Halbfinale 15 Millionen Euro, Finaleinzug 18,5 Millionen Euro, Titelgewinn zusätzlich 6,5 Millionen Euro. Sollte ein Klub die Ligaphase auf Platz 1 abschließen und die Trophäe holen, kommen über alle Säulen rund 140 Millionen Euro zusammen. Der Vorjahressieger Paris Saint-Germain hat laut Sportschau genau diese Größenordnung kassiert.

Wertsäule: Wer schon viel hat, bekommt mehr

Die Wertsäule ist der politisch heikelste Teil des Verteilungsschlüssels. 35 Prozent des Pots, immerhin 853 Millionen Euro, werden nach einem Schlüssel verteilt, der die TV-Marktstärke des jeweiligen Landes mit dem historischen UEFA-Klub-Koeffizienten kombiniert.

73 Prozent der Wertsäule fließen in einen „europäischen Teil“ auf Basis der nationalen TV-Einnahmen, 27 Prozent in einen „nicht-europäischen Teil“ auf Basis des Zehn-Jahres-Klub-Koeffizienten.

Im Klartext: ein Klub aus England, Spanien oder Italien startet finanziell auf einem höheren Sockel als ein Klub aus Polen oder Norwegen, weil sein TV-Markt mehr generiert. Die Wertsäule begünstigt strukturell die ohnehin schon Großen. Aus einer sportlichen Tabelle wird eine Vermögensumverteilung von unten nach oben.

Was die UEFA für sich behält

Von den 4,4 Milliarden Euro Bruttoeinnahmen 2024/25 zieht die UEFA zunächst 387 Millionen Euro für organisatorische und administrative Kosten ab. Weitere 132 Millionen Euro gehen an Klubs aus den Qualifikationsrunden. Nach diesen Abzügen verbleiben 3,6 Milliarden Euro Nettoeinnahmen, von denen 3,3 Milliarden Euro an die Klubs der Ligaphase fließen.

Den Rest behält die UEFA für Solidaritätszahlungen, das HatTrick-Programm zur Verbandsförderung sowie für allgemeine Verwaltung.

Verblüffend: die UEFA selbst hat das Geschäftsjahr 2024/25 mit einem Nettoverlust von 46,2 Millionen Euro abgeschlossen. Über 86 Prozent der UEFA-Gesamtausgaben sind Preisgelder und Solidaritätszahlungen. Wer den Verband als profitorientierten Konzern darstellt, übersieht die Bilanz. Eine Idealisierung als gemeinnützige Solidargemeinschaft übersieht die Verteilungslogik.

Wie groß ist die Marktmacht der UEFA?

Ein überwiegend weißer Gavel mit orangefarbenem Griffsegment liegt auf weißem Grund
Das EuGH-Urteil vom Dezember 2023 hat das Fundament des UEFA-Monopols erschüttert, ohne die Super League zu legitimieren.

In Europa hält die UEFA das Monopol auf den Klubfußball. Der Verband fungiert als Verbandshaube, Wettbewerbsausrichter und Schiedsstelle in einer Person. Wer einen kontinentalen Vereinswettbewerb organisieren will, braucht die Genehmigung der UEFA, sonst drohen den teilnehmenden Klubs und Spielern Sanktionen bis hin zum Ausschluss aus nationalen Ligen und der WM.

Genau diese Konstellation hat im Dezember 2023 der Europäische Gerichtshof in einem Aufsehen erregenden Urteil als kartellrechtlich problematisch eingestuft.

Im EuGH-Urteil C-333/21 vom 21. Dezember 2023 haben die Luxemburger Richter zu Gunsten der Super-League-Initiatoren A22 Sports entschieden. Die UEFA dürfe kein „absolutes“ Genehmigungsmonopol auf konkurrierende Wettbewerbe ausüben, sofern dies nicht an transparente und überprüfbare Kriterien gebunden sei.

Der EuGH hat damit das Fundament des UEFA-Geschäftsmodells erschüttert, ohne die Super League selbst zu genehmigen. A22 hat daraufhin ein neues, 96 Klubs umfassendes Format namens Unify League vorgeschlagen.

Die UEFA hat reagiert. Im Sommer 2024 hat der Verband ein neues Genehmigungsregelwerk veröffentlicht und betont, dass die UEFA Champions League „offen“ sei.

Die Macht des Verbands bleibt vorerst intakt, denn die meisten Topklubs haben sich nach dem Super-League-Debakel an die UEFA zurückgebunden. Die Drohkulisse existiert weiter: jeder Reformschritt seit 2021 lässt sich als Friedensgeld an die European Club Association lesen, die offiziell als Klub-Lobby fungiert und de facto die Reformagenda mitschreibt.

Wer ist bei der UEFA Champions League eigentlich das Produkt?

Moderner Flachbildfernseher mit komplett orangefarbenem Bildschirm auf weißem Grund
Zwischen 350 und 450 Millionen Zuschauer verfolgen das Champions-League-Finale jährlich. Der Fan im Wohnzimmer ist Konsument, Werbeziel und Stimmungslieferant zugleich.

Vier Akteursgruppen sind beteiligt, und jede befindet sich in einer anderen Asymmetrie:

Die Klubs

Die Klubs sind die sichtbarsten Profiteure. Diese Vereine kassieren Preisgelder, vermarkten Hospitality und nutzen den Wettbewerb als Akquisitionshebel für Sponsoren. Trotzdem hängen die Klubs am Tropf der UEFA.

Eine Nicht-Qualifikation kostet eine zweistellige Millionensumme im Jahresbudget. Der Brand-Value-Schub durch eine erfolgreiche Champions-League-Saison übersteigt die direkten Preisgelder oft, was sich gut an der Bilanz des FC Bayern München beobachten lässt.

Die Spieler

Die Spieler sind formal die Stars und materiell die Verlierer der jüngsten Reform. Pro Saison absolvieren die Profis acht statt sechs Ligaphase-Spiele, plus mögliche Playoffs, Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale, Finale, FIFA-Klub-WM und nationale Liga. Ein Profi, der das durchspielt, kommt auf 70 Pflichtspiele. Vom Champions-League-Preisgeld kommt bei den Spielern selbst kaum etwas an.

Wie der Sportökonomie-Blog Tribuna vorgerechnet hat, machen leistungsabhängige Boni in den Spielerverträgen weniger als 40 Prozent dessen aus, was ein Klub tatsächlich von der UEFA bekommt. Topspieler wie Kylian Mbappé verzichten in der Vertragsgestaltung mittlerweile auf Champions-League-Klauseln zugunsten höherer Grundgehälter.

Die Fans zahlen drei Mal. Tickets kaufen, Streamingdienste abonnieren und gleichzeitig die Werbung konsumieren, die Heineken, PlayStation oder bet365 schalten. Das Endspiel-Ticket in Budapest kostete auf dem offiziellen UEFA-Portal zwischen 70 und 1.700 Euro.

Auf dem Sekundärmarkt sind 5.000 Euro pro Ticket keine Seltenheit. Der Fan im Stadion ist Konsument und gleichzeitig Stimmungslieferant für die TV-Übertragung, die für die UEFA das eigentliche Produkt ist.

Die nationalen Ligen

Die nationalen Ligen stehen am unteren Ende der Wertschöpfungskette. Diese Ligen sind Zulieferer von Spielern und sportlicher Fitness, müssen aber den Spielplan an die UEFA-Termine anpassen. Eine kleinere Liga ohne Champions-League-Klubs fällt in der Wertsäule zurück und verliert weitere Anschlussfähigkeit.

Der Kicker hat das im September 2025 die „europäische Dreiklassengesellschaft“ genannt: die Big Five oben, ein Mittelfeld aus Niederlande, Portugal, Belgien dazwischen, der Rest abgehängt. Wie sich ein Bundesligaklub aus der dritten Reihe in dieser Asymmetrie behauptet, zeigt unsere Analyse zum SC Freiburg.

Die Reform 2024 ist keine Modernisierung, sondern Friedensgeld. Die UEFA hat sich von der Super-League-Drohung 2021 freikaufen lassen, in Form von 50 Prozent mehr Spielen und einer Wertsäule, die strukturell die Großen bevorzugt. Die UEFA Champions League ist deshalb so reich, weil sie sich teuer erpressen lässt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was kostet ein Champions-League-Abend wirklich?

Weiße Karte mit abgerundeten Ecken, diagonalem orangefarbenem Streifen links oben, vor weißem Hintergrund
Zwischen 70 und 1.700 Euro hat das Finale-Ticket gekostet. Auf dem Sekundärmarkt sind 5.000 Euro pro Platz keine Seltenheit.

Eine Beispielrechnung am 2026er Finale in Budapest macht die Geld-Architektur greifbar.

Die UEFA verkauft offiziell etwa 25.000 Tickets über die direkte Webseite, weitere 30.000 gehen an die teilnehmenden Klubs, der Rest an Sponsoren, Hospitality-Partner, UEFA-Mitarbeiter und Funktionäre. Ein Standardplatz in Kategorie 4 hat 70 Euro gekostet, ein Platz in Kategorie 1 lag bei 1.700 Euro.

Hospitality-Pakete bei Match Hospitality, dem offiziellen UEFA-Vermarkter, haben Preise zwischen 5.700 und 22.500 Euro pro Person abgerufen. Inklusive Catering, Getränke und Geschenken hat eine Acht-Personen-Loge eine sechsstellige Summe gekostet.

Hinzu kommen die Reisekosten für Fans aus Paris und London. Direktflüge nach Budapest sind im Mai 2026 auf rund 850 Euro Hin- und Rückflug geklettert, Hotelpreise haben sich verdreifacht.

Ein Wochenendtrip für ein Pärchen schlägt mit gut 2.500 Euro zu Buche. Daraus ergibt sich für die Gastgeberstadt nicht nur ein Marketing-Event, sondern eine Schock-Subvention für die Tourismuswirtschaft. Allein in Budapest dürfte das Finalwochenende eine Bruttowertschöpfung von 80 bis 120 Millionen Euro erzeugen.

Aus Sicht des UEFA-Wirtschaftsmodells ist das Endspiel das margenstärkste Einzelereignis der Saison. Die TV-Übertragung erreicht über alle Sender hinweg zwischen 350 und 450 Millionen Zuschauer weltweit.

Jede Minute Sendezeit ist mit Werbung im sechsstelligen Bereich pro Sender bestückt. Über die LED-Banden im Stadion laufen pro Spiel rund 90 Minuten Werbung der sechs Global Partner.

Wer profitiert, wer zahlt drauf?

Ein weißes Ticket mit goldener Umrandung zerspringt auf der rechten Seite in kleine Stücke
289 Millionen Euro für drei Bundesligaklubs in einer Saison: die UEFA-Töpfe verteilen das Geld nicht gleichmäßig, sondern nach TV-Marktstärke und historischem Koeffizient.

Die Top-Verdiener der vergangenen Saison zeigen die Verteilungsdynamik in Reinkultur.

KlubUEFA-Einnahmen 2024/25 (Mio. €)Hauptquelle
Paris Saint-Germainca. 140,2Titelgewinn plus französischer TV-Markt
Inter Mailandca. 137,5Finaleinzug plus italienischer TV-Markt
Real Madridca. 119,8Klub-Koeffizient plus spanischer TV-Markt
FC Bayern Münchenca. 108,4Klub-Koeffizient plus Viertelfinale
FC Arsenalca. 105,7Halbfinale plus britischer TV-Markt
Borussia Dortmundca. 100,9Viertelfinale plus Klub-Koeffizient
Bayer Leverkusenca. 79,3Achtelfinale plus deutscher TV-Markt

Quelle: Sportschau, Januar 2026, eigene Zusammenstellung

Die deutschen Klubs haben in einer einzigen Champions-League-Saison gemeinsam rund 289 Millionen Euro eingenommen. Diese Summe entspricht etwa einem Drittel des gesamten DFL-Vermarktungsumsatzes der Bundesliga. Frühere Bewertungen der UEFA Champions League für einen Bundesligaklub haben sportlich argumentiert, heutige müssen bilanziell argumentieren.

Auf der Verliererseite stehen die kleineren Verbände. Slowakische, slowenische oder zypriotische Klubs erhalten in der Wertsäule rund eine Million Euro pro Anteil, während englische Klubs auf zweistellige Millionensummen pro Anteil kommen. Der Solidaritätsmechanismus der UEFA versucht das auszugleichen: 7 Prozent der Nettoeinnahmen, in der Saison 2024/25 rund 240 Millionen Euro, gehen an Klubs, die sich nicht für die Ligaphase qualifiziert haben. Pro Klub kommt dabei zwischen 250.000 Euro und 1,5 Millionen Euro heraus. Ein gut gemeinter Tropfen auf einem zunehmend heißen Stein.

Wie politisch und wie korrupt ist die UEFA?

Draufsicht auf einen geöffneten Ringbuchordner mit leeren weißen Seiten auf grauem Grund
Drei Großskandale in zehn Jahren, kein einziger durch unabhängige Untersuchung aufgearbeitet: die UEFA-Akte bleibt unter Verschluss.

Diese Frage hat in den vergangenen zehn Jahren mindestens drei Skandale produziert, deren Verbindungslinien bis heute nicht vollständig aufgearbeitet sind:

Der Platini-Komplex.

Am 27. Mai 2015 haben Schweizer Behörden im Auftrag des US-Justizministeriums sieben FIFA-Funktionäre in einem Zürcher Hotel festgenommen. Wenige Monate später ist ans Licht gekommen, dass FIFA-Präsident Sepp Blatter 2011 eine Zahlung von 2 Millionen Schweizer Franken an UEFA-Präsident Michel Platini angewiesen hatte, deklariert als nachträgliches Beraterhonorar für Arbeit aus den späten neunziger Jahren. Im Dezember 2015 hat die FIFA-Ethikkommission beide für acht Jahre gesperrt, später reduziert auf sechs.

Im Juli 2022 hat das Schweizer Bundesstrafgericht die beiden freigesprochen. Im August 2025 ist der Freispruch rechtskräftig geworden, weil die Bundesanwaltschaft die Berufung zurückgezogen hat. Politisch hat Platinis Karriere damit dennoch geendet: 2016 hat sein damaliger UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino die FIFA-Präsidentschaft gewonnen.

Die Football Leaks.

Im November 2018 hat Der Spiegel im Verbund mit dem Recherchenetzwerk European Investigative Collaborations eine Dokumentenflut aus internen UEFA-Akten publiziert. Darin: Hinweise, dass Paris Saint-Germain und Manchester City unter Beteiligung Infantinos in seiner Zeit als UEFA-Generalsekretär die UEFA-Klubfinanzkontrolle (Financial Fairplay) durch fingierte Sponsoring-Verträge umgangen hatten.

PSG sollte demnach von katarischen Eigentümern eine 1,8-Milliarden-Euro-Spritze erhalten haben. Die UEFA hat die Berichte zurückgewiesen, ein offizielles Ermittlungsverfahren ist nicht eröffnet worden.

Der EuGH und die Super League.

Die Klage der Super-League-Initiatoren A22 hat im Dezember 2023 zu einem für die UEFA kritischen Urteil geführt. Der Gerichtshof hat zwar die Super League nicht genehmigt, hat aber das absolute Genehmigungsmonopol der UEFA als kartellrechtlich problematisch eingestuft. Die Reform 2024 lässt sich auch als Versuch lesen, dem Urteil zuvorzukommen und die ECA-Klubs bei Stange zu halten.

Eine Bewertung: Die UEFA hat in zehn Jahren keinen einzigen ihrer Großskandale durch unabhängige Untersuchung aufgeklärt. Der Verband hat institutionell mehrfach die Position gewechselt, vor 2015 als Platini-Verteidiger, danach unter Aleksander Čeferin als Reformer, nach 2023 als Verhandler mit jenen Klubs, die der Verband zuvor sanktionieren wollte. Vertrauen in die UEFA bedeutet Vertrauen in einen Akteur, der gleichzeitig Regelgeber, Profiteur und Schiedsrichter ist.

Was könnte die UEFA Champions League in die Krise stürzen?

Eine Sanduhr mit weißem Rand und orangefarbenem Sand, der auf weißem Grund herunterläuft
Super League 2.0, FIFA-Klub-WM, Spieler-Streiks: drei Szenarien, die das UEFA-Geschäftsmodell innerhalb weniger Jahre kippen können.

Drei Risikoszenarien sind realistisch.

Super League 2.0. A22 Sports hat im Dezember 2024 ein konkretes Konzept namens Unify League vorgestellt: 96 Klubs in vier Wettbewerben, Spiele werktags, Vermarktung über eine eigene Plattform nach DAZN-Logik. Real Madrid hält an dem Projekt fest, der FC Barcelona ist Anfang 2026 ausgestiegen. Sollten zehn bis zwölf englische Premier-League-Klubs sich dem Konzept anschließen, bricht das UEFA-Modell zusammen.

Die FIFA-Klub-WM. Im Sommer 2025 hat die FIFA erstmals eine aufgeblähte Klub-Weltmeisterschaft mit 32 Teams ausgetragen. Der Wettbewerb hat rund eine Milliarde Dollar an Preisgeld ausgeschüttet, finanziert primär durch saudische Quellen. Die FIFA und die UEFA konkurrieren erstmals offen um dieselben Klubs und Spielfenster. Sobald die FIFA das Format vierjährlich oder gar zweijährlich etabliert, droht der UEFA-Champions-League-Markenwert zu erodieren.

Spieler-Streiks. Die internationale Spielergewerkschaft FIFPro hat seit 2024 mehrfach mit Streikmaßnahmen gedroht. Profis spielen in einer Top-Saison mehr als 70 Pflichtspiele, eine Steigerung von rund 20 Prozent gegenüber den späten 2010er Jahren. Sobald ein prominenter Klub-Boykott eines Champions-League-Spieltags Realität wird, gerät die UEFA in die Defensive.

Was bedeutet die UEFA Champions League für die deutsche Wirtschaft?

Vertikale, weiß-orangefarbene Kompassnadel mittig auf weißem Grund
Rund ein Fünftel der Einnahmen deutscher Topklubs hängt am Schweizer Modell. Ein Wegfall der Champions League wäre ein wirtschaftlicher Schock für die Bundesliga.

Die UEFA Champions League ist für die Bundesliga ein kritisches Komplementärgeschäft. Die DFL-Vermarktung bringt der Liga national rund 1,25 Milliarden Euro pro Saison, hinzu kommen rund 200 Millionen Euro aus internationaler Vermarktung. Die UEFA-Einnahmen der deutschen Klubs in der Saison 2024/25 lagen bei rund 289 Millionen Euro. Über alle Töpfe gerechnet macht die Champions League rund ein Fünftel der Einnahmen der teilnehmenden deutschen Klubs aus.

Für Standorte wie München, Dortmund oder Leverkusen ist die UEFA Champions League überdies ein Soft-Power-Hebel. Die Allianz Arena ist im Champions-League-Kalender doppelt so präsent wie in der Bundesliga.

Der Westfalenstadion-Effekt für die Stadt Dortmund ist tourismusökonomisch im hohen zweistelligen Millionenbereich angesiedelt. Die Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH zahlt jeden Euro mehr in Spielerverpflichtungen über die Champions-League-Quote zurück.

Drei mögliche Szenarien bis 2030:

  1. Konsolidierungsszenario. Die UEFA gewinnt den Reform-Wettbewerb gegen FIFA und A22 und stabilisiert die Champions League als Premium-Format. Deutsche Klubs profitieren weiter, Bayern bleibt regelmäßiger Teilnehmer, Dortmund und Leverkusen mit Schwankungen. Wertschöpfungseffekt für die deutsche Wirtschaft: stabile 300 bis 350 Millionen Euro pro Saison.
  2. Bruchszenario. Eine Super League oder Unify League startet 2027/28. Die UEFA Champions League verliert die englischen und spanischen Topklubs. Deutsche Bundesligaklubs ohne Eigner-Konstrukte müssten sich entscheiden: bleiben oder gehen. Die 50+1-Regel wird zur strategischen Fessel und zugleich zum Schutzschild.
  3. FIFA-Übernahme-Szenario. Die FIFA-Klub-WM wächst zur zentralen Bühne und die UEFA Champions League schrumpft auf ein Vorrunden-Format. Die deutschen Klubs verlieren TV-Volumen, gewinnen aber neue Vermarktungsmärkte im Nahen Osten und in Nordamerika.

In jedem der drei Szenarien ist klar: die deutsche Fußballwirtschaft hat sich in den vergangenen 30 Jahren strukturell an die Champions-League-Logik gebunden. Ein Ausstieg aus dem Wettbewerb wäre ein wirtschaftlicher Schock von Ligabewertung-erschütternder Größe.

Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zur UEFA Champions League

Ein aufgeschlagenes Buch mit leeren, weißen Seiten und orangefarbenem Buchrücken auf weißem Grund
Zwölf Fachbegriffe der Sportökonomie kompakt erklärt.

Bosman-Urteil

Bosman-Urteil bezeichnet das EuGH-Urteil aus dem Jahr 1995, das ablösefreie Wechsel nach Vertragsende ermöglicht und Ausländer-Beschränkungen innerhalb der EU aufgehoben hat. Das Urteil hat die wirtschaftliche Machtverteilung im europäischen Fußball nachhaltig zugunsten der Spieler verschoben.

ECA (European Club Association)

ECA bezeichnet den Dachverband der wichtigsten europäischen Fußballklubs mit Sitz in Nyon. Die ECA verhandelt mit der UEFA über Formate, Spielkalender und Vermarktung. Die ECA ist faktisch Mitautor der Reform 2024.

EuGH-Urteil C-333/21

EuGH-Urteil C-333/21 bezeichnet die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs vom 21. Dezember 2023 zur Klage von A22 Sports gegen das UEFA-Genehmigungsmonopol. Das Urteil hat den Verband zwar nicht entmachtet, hat aber transparente Genehmigungskriterien für konkurrierende Wettbewerbe vorgeschrieben.

Financial Fairplay (FFP)

Financial Fairplay bezeichnet das UEFA-Klubfinanzkontrollsystem, das Vereinen verbietet, mehr Geld auszugeben als einzunehmen. Seit 2022 unter neuem Namen „Financial Sustainability Regulations“. Football Leaks 2018 hat dokumentiert, wie PSG und Manchester City das System umgangen haben.

Klub-Koeffizient

Klub-Koeffizient bezeichnet eine zehn Jahre umfassende Erfolgsmessung jedes Vereins in UEFA-Wettbewerben. Der Koeffizient bestimmt die Setzliste bei Auslosungen und einen Teil der Wertsäule-Verteilung. Eine starke Vergangenheit bringt dauerhaft mehr Geld als ein aktueller Aufsteiger.

Ligaphase

Ligaphase bezeichnet das seit 2024/25 geltende Vorrunden-Format mit 36 Klubs in einer gemeinsamen Tabelle. Jeder Klub spielt acht Partien gegen acht verschiedene Gegner. Die ersten acht ziehen direkt ins Achtelfinale, die Plätze 9 bis 24 spielen Playoffs.

Marktpool

Marktpool bezeichnet das alte Verteilungselement, das die nationalen TV-Einnahmen anteilig an die Klubs des jeweiligen Landes ausschüttete. Mit der Reform 2024 ist der Marktpool in der neuen Wertsäule aufgegangen.

Multi-Club-Ownership

Multi-Club-Ownership bezeichnet das Eigentum eines Investors an mehreren Klubs gleichzeitig (City Football Group, Red Bull, INEOS). Die UEFA hat 2024 Sonderregeln erlassen, um Interessenkonflikte bei gleichzeitiger Teilnahme zweier Klubs derselben Eigner-Gruppe an der UEFA Champions League einzudämmen.

Schweizer Modell

Schweizer Modell bezeichnet die seit 2024/25 angewandte Vorrunden-Logik: eine Liga mit allen Teilnehmern in einer Tabelle, jedes Team spielt eine feste Zahl ausgeloster Gegner. Der Begriff stammt aus dem Schach-Turnierwesen.

Solidaritätszahlungen

Solidaritätszahlungen bezeichnen Ausschüttungen der UEFA an Klubs, die sich nicht für die Ligaphase qualifiziert haben. 2024/25 rund 240 Millionen Euro, verteilt auf rund 600 Vereine. Pro Klub kommt zwischen 250.000 Euro und 1,5 Millionen Euro heraus.

UEFA Club Competitions SA

UEFA Club Competitions SA bezeichnet die Tochtergesellschaft der UEFA mit Sitz in Nyon, die für die kommerzielle Vermarktung der Klubwettbewerbe zuständig ist. Die UCC SA verhandelt TV-Rechte und Sponsoring-Verträge und zahlt anschließend an die UEFA und die Klubs aus.

Wertsäule

Wertsäule bezeichnet die 2024 eingeführte dritte Säule des Verteilungsschlüssels (35 Prozent des Pots, 853 Mio. €). Die Säule kombiniert nationale TV-Marktstärke mit dem zehnjährigen Klub-Koeffizienten. Strukturell begünstigt die Wertsäule die ohnehin schon großen Klubs aus den Big-Five-Ligen.

Häufig gestellte Fragen zur UEFA Champions League

Ein dreidimensionales, weißes Fragezeichen mit Schattenwurf steht mittig auf weißem Grund
Sechs Häufig-gestellt-Fragen rund um die Ökonomie der Königsklasse.

Wie viel Geld verdient die UEFA mit der Champions League?

Die UEFA generiert in der Saison 2026/26 über die UEFA Champions League, Europa League, Conference League und den Supercup zusammen rund 4,4 Milliarden Euro Bruttoeinnahmen. Rund 84 Prozent stammen aus Medienrechten, 14 Prozent aus Sponsoring und Werbung, der Rest aus Ticketing und sonstigen Quellen. Trotzdem hat die UEFA das Geschäftsjahr 2024/25 mit einem Nettoverlust von 46,2 Millionen Euro abgeschlossen, weil über 86 Prozent der Einnahmen direkt an Klubs und Verbände weitergegeben werden.

Wer bekommt das Champions-League-Preisgeld?

Das Champions-League-Preisgeld geht zu 100 Prozent an die teilnehmenden Klubs als juristische Personen, nicht an die Spieler. In der Saison 2024/25 stehen 2,467 Milliarden Euro für die 36 Klubs der Ligaphase plus die zwei Supercup-Teilnehmer bereit. Die Verteilung erfolgt nach drei Säulen: Startgeld (670 Mio. €), Erfolgsprämien (914 Mio. €) und Wertsäule (853 Mio. €). Die einzelnen Klubs nutzen das Geld für Spielergehälter, Transfers und Investitionen.

Wie viel Preisgeld gibt es in der UEFA Champions League 2025/26?

Der Preisgeld-Pool der UEFA Champions League 2025/26 liegt bei rund 2,467 Milliarden Euro, identisch zur Vorsaison. Jeder Teilnehmer der Ligaphase bekommt ein garantiertes Startgeld von 18,62 Millionen Euro. Pro Sieg in der Ligaphase gibt es 2,1 Millionen Euro, pro Remis 700.000 Euro. Das Achtelfinale bringt 11 Millionen Euro, das Viertelfinale 12,5 Millionen Euro, das Halbfinale 15 Millionen Euro, der Finaleinzug 18,5 Millionen Euro und der Titelgewinn weitere 6,5 Millionen Euro on top.

Warum heißt die UEFA Champions League auch Königsklasse?

Die Bezeichnung Königsklasse stammt aus dem deutschen Sportjargon der 1990er Jahre, ist 1996 erstmals im Rechtschreibduden aufgenommen worden und bezieht sich auf den höchsten europäischen Vereinswettbewerb. Der Begriff hebt die UEFA Champions League von anderen UEFA-Wettbewerben wie Europa League und Conference League ab. Inhaltlich begründet sich der Anspruch durch das höchste Preisgeld, die größte TV-Reichweite und die strengsten Qualifikationskriterien.

Wie viel verdienen die Bundesliga-Klubs in der Champions League?

In der Saison 2024/25 haben FC Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen zusammen rund 289 Millionen Euro aus der UEFA Champions League eingenommen. Der FC Bayern lag mit ca. 108,4 Millionen Euro vorn, Dortmund bei ca. 100,9 Millionen Euro, Leverkusen bei ca. 79,3 Millionen Euro. Das entspricht etwa einem Fünftel der Gesamteinnahmen dieser Klubs und einem Drittel der gesamten DFL-Vermarktungseinnahmen der Bundesliga.

Was unterscheidet die neue Champions League von der alten?

Seit der Reform 2024/25 spielt die UEFA Champions League im Schweizer Modell mit 36 statt 32 Klubs. Die alte Gruppenphase mit acht Vierergruppen ist weggefallen. Stattdessen treten alle 36 Teams in einer gemeinsamen Tabelle an. Jeder Klub absolviert acht Spiele gegen acht verschiedene Gegner (vier Heim, vier Auswärts). Die Plätze 1 bis 8 erreichen direkt das Achtelfinale, die Plätze 9 bis 24 spielen Playoffs. Das Format produziert pro Saison 189 statt 125 Spiele und entsprechend höhere TV-Einnahmen.

Quellen

Gläserne Spardose in Fußballform, gefüllt mit Geldmünzen und Scheinen, vor weißem Hintergrund
UEFA verteilt Einnahmen aus Männerwettbewerben 2024-27 gemäß Circular 2024/13 an Clubs und Verbände
  • UEFA – Finanzergebnis der UEFA 2024/25 – de.uefa.com/news-media/news/02a2-1fe83bc1804d-28dfbfd0a192-1000 – besucht 27.05.2026
  • UEFA – Männerwettbewerbe Zyklus 2024-27 – de.uefa.com/news-media/news/028e-1b0ad7565854-9ebdc3c5a408-1000 – besucht 27.05.2026
  • UEFA – Circular 2024/13 zur Verteilung der Einnahmen – editorial.uefa.com/resources/028b-1a7881a2d0ef-71fd36841153-1000/20240322_circular_2024_13_de.pdf – besucht 27.05.2026
  • Sportschau – PSG kassiert am meisten, Bayern und BVB dreistellig – sportschau.de/fussball/championsleague/psg-kassiert-am-meisten-bayern-und-bvb-dreistellig – besucht 27.05.2026
  • Kicker – Champions League Startgelder und Prämien 2025/26 – kicker.de/champions-league-startgelder-und-praemien-2025-26-958972/artikel – besucht 27.05.2026
  • Der Spiegel – Football Leaks Dossier – spiegel.de/sport/fussball – besucht 27.05.2026
  • T-Online – UEFA vergibt TV-Rechte und kassiert 15 Milliarden Euro – t-online.de/sport/fussball/champions-league/id_91668838 – besucht 27.05.2026
  • Absatzwirtschaft – Wie ein Milliarden-System den Fußball spaltet – absatzwirtschaft.de/champions-league-wie-ein-milliarden-system-den-fussball-spaltet-268487 – besucht 27.05.2026
  • ZDF heute – Blatter Platini Freispruch rechtskräftig – zdfheute.de/panorama/blatter-platini-fifa-uefa-freispruch-rechtskraeftig-100.html – besucht 27.05.2026
  • Tribuna – Champions-League-Geld: Warum die Spieler so wenig abbekommen – tribuna.com/de/blogs/championsleaguegeld-warum-die-spieler-so-wenig – besucht 27.05.2026
  • EuGH – Urteil C-333/21 European Superleague Company – curia.europa.eu – besucht 27.05.2026
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Michael Dobler
Autor
Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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