Real Madrid - Taylor Swift & Co. müssen draußen bleiben
10. April 2026 16. April 2026
Reading Time: 42 minutes

Real Madrid seziert: Wie lange trägt das teuerste Stadion der Welt?

Michael Dobler

Michael Dobler

Autor Dr. Web

Der wertvollste Fußballklub der Welt verbrennt gerade seine Liquidität schneller, als Kylian Mbappé sprintet. Willkommen in der Bilanz hinter dem Glanz.

Real Madrid erzielte 2024/25 einen Rekordumsatz von 1,185 Milliarden Euro. Kein anderer Fußballklub hat diese Marke je erreicht. Gleichzeitig schmolzen die liquiden Mittel des Vereins innerhalb von sechs Monaten von 175,8 Millionen auf 3,4 Millionen Euro. Der Nettogewinn brach um 80 Prozent ein. Hinter der Fassade des erfolgreichsten Klubs aller Zeiten steckt ein Geschäftsmodell, das gerade seine bisher größte Wette eingeht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Real Madrid ist laut Forbes mit 6,75 Milliarden Dollar der wertvollste Fußballklub der Welt und brach 2024/25 zum zweiten Mal in Folge die Umsatz-Milliarden-Grenze
  • Die Renovierung des Santiago Bernabéu kostete 1,347 Milliarden Euro statt der ursprünglich geplanten 575 Millionen. Der offene Kredit beträgt 1,132 Milliarden Euro
  • Konzerteinnahmen von geschätzt 50 bis 100 Millionen Euro pro Jahr fallen seit September 2024 komplett weg, weil Anwohner erfolgreich gegen Lärmbelästigung klagten
  • Präsident Florentino Pérez will erstmals in 123 Jahren Vereinsgeschichte bis zu 10 Prozent an externe Investoren verkaufen und bewertet den Klub dabei mit 10 Milliarden Euro
  • Die Liquiditätskrise (3,4 Millionen Euro Barmittel Ende 2025) steht im krassen Widerspruch zur offiziellen Erzählung finanzieller Stärke
Die Bernabéu-Wette: Vom Sonnenschein zum Geldregen
Real Madrids Geschäftsmodell in 12 Sekunden
1,185 Mrd. € Umsatz. 1,78 Mrd. € Schulden. Und es regnet trotzdem Geld.

Wie verdient Real Madrid seine 1,185 Milliarden Euro?

London Stadium bei Nacht, nasser Boden, Menschen, ein roter Bus, beleuchtete Fenster, Bauzäune
Real Madrid erreicht 1,185 Mrd. Euro Umsatz und wächst um 10,4 Prozent. Barcelona und Bayern München folgen deutlich dahinter

Real Madrid meldete für das Geschäftsjahr 2024/25 einen Betriebsumsatz von 1,185 Milliarden Euro vor Spielerverkäufen. Dieser Wert lag 10,4 Prozent über dem Vorjahr, in dem der Klub als erster Fußballverein überhaupt die Milliarden-Grenze durchbrochen hatte. Kein Konkurrent kam auch nur in die Nähe: Der FC Barcelona folgte mit 975 Millionen Euro auf Platz zwei, Bayern München mit 861 Millionen auf Platz drei in der Deloitte Money League, die Transfererlöse ausklammert. Rechnet man diese ein, kommt Bayern auf einen Konzernumsatz von 978 Millionen Euro und rückt deutlich näher an die Milliarden-Grenze.

Die Einnahmen verteilen sich auf drei große Säulen. Das Stadiongeschäft bildet inzwischen die wichtigste Einzelkategorie. Der renovierte Bernabéu generierte trotz eingeschränkter Nutzung rund 233 Millionen Euro an Spieltag-Erlösen. Trotz eines Rückgangs von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr wäre dieser Wert der zweithöchste, den je ein Klub in der Deloitte Money League erzielt hat. Dazu kommen Einnahmen aus VIP-Logen, dem RM Experience Museum mit über zwei Millionen Besuchern pro Jahr und dem Merchandising.

Die kommerziellen Erlöse stiegen um 23 Prozent. Hier schlägt sich die Marke Real Madrid in konkreten Zahlen nieder. Der Adidas-Vertrag bringt rund 120 Millionen Euro jährlich, Emirates als Trikothauptsponsor steuert 70 Millionen Euro bei, HP zahlt als Ärmel-Sponsor zusätzlich. Zusammengerechnet werden allein die drei Trikotpartner ab der Vertragserneuerung 2026 rund 300 Millionen Euro pro Saison einbringen. Dazu kommen über ein Dutzend weitere Sponsoren von BMW bis Coca-Cola.

Die Medienerlöse bilden die dritte Säule, fielen allerdings leicht. Alle Geschäftsbereiche verzeichneten Wachstum mit Ausnahme der TV-Einnahmen, die durch geringere LaLiga-Ausschüttungen und die Abschaffung des UEFA-Marktpools im Rahmen eines neuen Verteilungsmodells sanken.

Wichtig für das Verständnis des Geschäftsmodells: Real Madrids Umsatz hängt weniger vom sportlichen Erfolg ab, als die meisten Fans glauben. Die kommerziellen Erlöse übertrafen die TV-Einnahmen deutlich. Selbst in einer Saison ohne Meisterschaft oder Champions-League-Titel wuchsen die Gesamteinnahmen um über zehn Prozent.

Warum hat ein Milliarden-Klub nur noch 3,4 Millionen Euro auf dem Konto?

Büro mit geöffnetem Safe und einer Glasvitrine voller goldener Pokale im Vordergrund
1,185 Milliarden Euro Umsatz, 3,4 Millionen auf dem Konto. Real Madrids Liquiditätskrise im Winter 2025 offenbart den Widerspruch zwischen operativer Stärke und bilanzieller Anspannung.

Hier beginnt die Geschichte, die Real Madrid lieber nicht erzählen würde. Die Barreserven des Klubs kollabierten bis zum 31. Dezember 2025 auf gerade einmal 3,4 Millionen Euro. Nur sechs Monate zuvor hatte der Kontostand noch bei 175,8 Millionen Euro gelegen.

Dieser Liquiditätseinbruch hat mehrere Ursachen. Die Gehälter stiegen im ersten Halbjahr 2025/26 um 26,2 Prozent auf 318,9 Millionen Euro. Die Ersthalbjahreserlöse sanken gleichzeitig auf 571,3 Millionen Euro, 18,5 Millionen weniger als im Vorjahreszeitraum. Die kommerziellen Einnahmen gingen um 11,7 Prozent zurück, die Store-Umsätze um 22,4 Prozent, die Event-Erlöse um 28,3 Prozent.

Die Kennzahl, die Analysten am meisten beunruhigt, heißt negatives Working Capital. Die Lücke zwischen kurzfristigen Schulden und den verfügbaren Mitteln zu deren Begleichung wuchs auf 406 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte dieser Wert bei 186 Millionen gelegen.

Die offizielle Kommunikation des Klubs zeichnet ein anderes Bild. Real Madrid meldete zum 30. Juni 2025 ein Eigenkapital von 598 Millionen Euro, Barmittel von 166 Millionen und eine Nettoverschuldung von nur 12 Millionen Euro. Diese Zahlen sind nicht falsch. Sie klammern allerdings den Stadionkredit bewusst aus, weil der Verein diesen als separates Investitionsprojekt behandelt.

Genau diese Bilanzierungspraxis sorgt für die Diskrepanz zwischen dem offiziellen Narrativ und den Zahlen, die ein halbes Jahr später ans Licht kamen. Die Gesamtverbindlichkeiten betrugen laut den den Mitgliedern zugänglich gemachten Unterlagen 1,78 Milliarden Euro. Davon entfielen 467 Millionen auf kurzfristige und 1,312 Milliarden auf langfristige Schulden, wobei der Großteil mit der laufenden Stadionrenovierung zusammenhängt.

Ein Vergleich macht die Dimension greifbar: Die Gesamtschulden von Real Madrid übersteigen den Jahresumsatz um fast 600 Millionen Euro. Für einen Verein, der sich als finanziell gesündester Klub der Welt präsentiert, ist das erklärungsbedürftig.

Was hat die Bernabéu-Renovierung wirklich gekostet?

Luftaufnahme der Baustelle des Santiago-Bernabéu-Stadions bei Sonnenuntergang in Madrid
Von 575 Millionen auf 1,347 Milliarden Euro: Die Bernabéu-Renovierung wurde zum teuersten Stadionumbau der Fußballgeschichte.

Die Antwort auf diese Frage hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach verändert. Als Florentino Pérez das Projekt 2019 startete, sprach der Klub von 575 Millionen Euro. In diesem Umfang wurde der erste Kredit aufgenommen, strukturiert von Key Capital Partners und begleitet von JP Morgan, Bank of America Merrill Lynch, Banco Santander und CaixaBank.

2021 kamen 225 Millionen Euro dazu. 2023 weitere 370 Millionen. Insgesamt zog der Klub bis November 2023 die gesamte Kreditsumme von 1,17 Milliarden Euro ab. Die tatsächlichen Baukosten stiegen auf 1,347 Milliarden Euro.

Die Kostenexplosion hat nachvollziehbare Gründe. Die Pandemie verteuerte Baumaterialien und verzögerte die Arbeiten. Pérez entschied sich zudem für technische Lösungen, die kein anderes Stadion der Welt bietet: ein versenkbares Spielfeld auf sechs Plattformen mit klimatisiertem Gewächshaus darunter, ein verschließbares Dach mit 33.000 Tonnen Stahl, ein umlaufender 360-Grad-LED-Bildschirm. Die Renovierung umfasste ein versenkbares Dach auf zwei massiven Stahlträgern mit jeweils 176 Metern Spannweite sowie ein versenkbares Spielfeld, das in nur 25 Minuten gegen einen massiven Betonboden ausgetauscht werden kann.

Die zentrale Frage lautet: Rechnet sich das? Die Tilgung des Kredits hat begonnen. Der Verein zahlte 15 Millionen Euro in 2023/24 und 23 Millionen in 2024/25 zurück, sodass ein offener Saldo von 1,132 Milliarden Euro verbleibt.

Bei einem Umsatz von 1,185 Milliarden Euro und einem EBITDA von 243 Millionen Euro muss der Klub also einen Kredit bedienen, der fast fünfmal so hoch ist wie sein operativer Gewinn vor Abschreibungen. Das funktioniert nur, wenn die Stadionerlöse wie geplant steigen. Und genau hier liegt das Problem.

Der Kontrast zum FC Bayern München könnte kaum schärfer ausfallen: Die Münchener finanzierten ihre Allianz Arena für 340 Millionen Euro, tilgten den Kredit bis 2014 und wirtschaften seitdem komplett schuldenfrei. Real Madrid investierte das Vierfache und wird den Kredit frühestens in den 2040er-Jahren vollständig zurückgezahlt haben.

Warum schweigt das teuerste Konzerthaus Europas?

Leeres, modernes Stadion bei Nacht mit verhüllter Bühne und Lichtkegel im Zentrum
Seit September 2024 schweigt der Bernabéu als Konzertsaal. Das Konzertverbot kostet Real Madrid geschätzt 50 bis 100 Millionen Euro pro Jahr.

Der Businessplan für den neuen Bernabéu fußte auf einer einfachen Idee: Das Stadion sollte 365 Tage im Jahr Geld verdienen, nicht nur an 25 Heimspieltagen. Konzerte bildeten den Kern dieser Strategie. Der Architekt Josep Ribas formulierte die Logik unmissverständlich: „Dieses Stadion muss 365 Tage im Jahr bespielt werden, nicht nur für Fußball. Sonst rechnet sich das nicht. Real Madrid hat das von Anfang an verstanden.“

Im Mai 2024 eröffnete Taylor Swift die Konzertreihe im renovierten Stadion. Ihre Shows sollten der Beweis sein, dass Reals Transformation funktioniert. Stattdessen offenbarten sie die Unfähigkeit des Stadions, den Schall einzudämmen.

Die Lärmbelastung erreichte laut Messungen 85 Dezibel in der Nachbarschaft. Der zulässige Grenzwert in dicht besiedelten Gebieten liegt bei 53 Dezibel. Die Anwohner klagten, die Stadt Madrid bestätigte die Überschreitung, und im September 2024 setzte Real Madrid alle Konzerte auf unbestimmte Zeit aus.

Das finanzielle Loch ist beträchtlich. Die geschätzten jährlichen Einnahmeausfälle durch das Konzertverbot liegen bei 50 bis 100 Millionen Euro. Im Januar 2026 folgte der nächste Schlag: Ein spanischer Richter erhob Anklage gegen Real Madrid wegen der Lärmbelästigung durch Konzerte im Stadion, was den Weg für ein Gerichtsverfahren ebnete.

Real Madrid arbeitet an Schallisolierungen und verspricht eine Lösung bis 2026. Ob die Konzerte dann tatsächlich wieder stattfinden können, ist juristisch und technisch unsicher. Der Businessplan des Bernabéu funktioniert ohne Konzerte nur eingeschränkt. Die Lücke drückt direkt auf die Liquidität.

Einen Lichtblick gab das NFL-Spiel am 16. November 2025, als die Miami Dolphins im Bernabéu auf die Washington Commanders trafen. Dieses einzelne Spiel generierte geschätzte 8 bis 10 Millionen Euro an Einnahmen. Die NFL plant laut Vereinbarung bis 2028 weitere Spiele in Madrid. Doch zwei oder drei Football-Spiele pro Jahr ersetzen nicht 10 bis 15 ausgefallene Konzerte.

Wer hat wirklich die Kontrolle über den Bernabéu?

Beleuchtetes Glasbürogebäude bei Nacht mit Menschen, davor ein beleuchtetes Architekturmodell
Sixth Street investierte 360 Millionen Euro für 30 Prozent der Stadionerlöse über 20 Jahre. Im März 2026 erzwang der Fonds eine Nachverhandlung.

2022 schloss Pérez einen Deal, den viele Beobachter als Reals ersten Hebel bezeichneten, in Anlehnung an Barcelonas berüchtigte „Palancas“. Der amerikanische Investmentfonds Sixth Street übernahm gemeinsam mit dem Stadionbetreiber Legends die Vermarktung des Bernabéu für 20 Jahre. Im Gegenzug zahlte Sixth Street 360 Millionen Euro.

Die genauen Konditionen: Real Madrid behält 70 Prozent der Stadionerlöse. Die restlichen 30 Prozent gehen an Sixth Street und Legends. Saisonkartenverkäufe sind ausgenommen. Der Deal umfasst alles andere: VIP-Logen, Events, Gastronomie, Touren, Merchandising im Stadion.

Im März 2026 wurde allerdings bekannt, dass Sixth Street eine Nachverhandlung erzwungen hatte. Die Vereinbarung wurde rückwirkend zum laufenden Geschäftsjahr angepasst. Sixth Street erhielt verlängerte Beteiligungsrechte bis März 2043, also fast eine zusätzliche Saison. Im Gegenzug reduzierte sich das Gesamtinvestment um rund 30 Millionen Euro. Eine vertraglich zugesagte Zahlung von 32,5 Millionen Euro, die an die offizielle Stadion-Eröffnung gekoppelt war, wurde ersatzlos gestrichen.

Die Gründe für die Nachverhandlung: Verzögerungen im Stadionbetrieb, das Konzertverbot, juristische Auseinandersetzungen mit Anwohnern und Änderungen am ursprünglichen Geschäftsmodell. Sixth Street hatte einen funktionierenden Veranstaltungsort gekauft. Geliefert wurde ein Stadion, das seine wichtigste Nicht-Fußball-Funktion nicht ausüben darf.

STAGE OVER: Die Bernabéu-Konzertpleite
85 Dezibel, 53 erlaubt. Die Anwohner schlagen zurück.
SCORE: 85dB
MAX: 53dB
♪ LIVE ♪
85 dB!
STAGE OVER
ANWOHNER GEWINNEN • 0 KONZERTE üBRIG

Für Real Madrid bedeutet dieser Deal eine langfristige Abhängigkeit. Über 20 Jahre fließen 30 Prozent aller Stadionerlöse (ohne Saisonkarten) an einen amerikanischen Investmentfonds. Bei prognostizierten 400 Millionen Euro Jahreserlösen aus dem Stadion sind das 120 Millionen Euro pro Jahr, die nicht beim Verein ankommen. Über die Gesamtlaufzeit summiert sich das auf über zwei Milliarden Euro.

Warum will Pérez den Klub jetzt teilweise verkaufen?

Versammlungssaal mit Wappen, Rednerpult und Bildschirm: „€ 10 MILLIARDEN EURO“
100.000 Socios müssen entscheiden, ob Real Madrid nach 123 Jahren erstmals externe Investoren aufnimmt.

Im November 2025 trat Florentino Pérez vor die Generalversammlung der Socios und kündigte an, was in 123 Jahren Vereinsgeschichte nie geschehen war: Real Madrid soll einen externen Investor aufnehmen.

Der Plan: Eine Tochtergesellschaft gründen, die die kommerziellen Aktivitäten bündelt. An dieser Tochter sollen Investoren maximal 5 bis 10 Prozent erwerben können. Pérez bewertet den Verein dabei mit 10 Milliarden Euro. Der Verkauf brächte zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro ein.

Pérez‘ Argumentation vor den Mitgliedern: „Warum sollten wir diesen Schritt gehen? Weil das der klarste und überzeugendste Weg ist, den Wert unseres Klubs zu belegen.“ Die Mitglieder würden nie die Kontrolle verlieren. Investoren hätten keine Stimmrechte und keine Einflussnahme auf die Vereinsführung.

Die Skepsis unter den Socios ist erheblich. Der ehemalige Vizepräsident der Real Madrid Veteranen Peña, Alejandro Dominguez, fragte: „Warum brauchen wir mehr Geld, wenn wir schon der reichste Klub der Welt sind?“

Die Antwort liegt in den Zahlen, die der Verein so ungern zeigt. Mit 3,4 Millionen Euro Liquidität, einem offenen Stadionkredit von 1,132 Milliarden und ausfallenden Konzerteinnahmen braucht Real Madrid frisches Kapital. Die regulären Einnahmen reichen für den laufenden Betrieb und die Tilgung, aber nicht für das Niveau an Spielertransfers, das die Fans erwarten.

Gleichzeitig verfolgt Pérez eine strategische Dimension. Indem externe Käufer die Bewertung validieren, stärkt Pérez seine Position bei künftigen internen Verhandlungen. Sein Ziel: den Socios beweisen, dass das, was sie besitzen, mehr wert ist, als sie je geahnt haben.

Mögliche Investoren sind nach Einschätzung von Branchenbeobachtern Staatsfonds wie der Public Investment Fund aus Saudi-Arabien oder sportfokussierte Private-Equity-Firmen wie Arctos Partners. Sixth Street, das bereits über den Stadion-Deal mit dem Verein verbunden ist, gilt ebenfalls als Kandidat.

Die Abstimmung über die Statutenänderung stand bei Redaktionsschluss noch aus. Rund 2.000 Delegierte sollen in einer außerordentlichen Vollversammlung zunächst votieren, bevor ein Referendum unter allen 100.000 Mitgliedern über 18 Jahre stattfinden kann.

Wie funktioniert die Gehaltsdisziplin bei einer Milliarden-Lohnliste?

Real Madrids Transferpolitik der vergangenen Jahre folgt einem Muster, das auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt: Der reichste Klub der Welt kauft bevorzugt ablösefreie Spieler.

Kylian Mbappé kam 2024 ohne Ablöse von Paris Saint-Germain. Trent Alexander-Arnold wechselte im Sommer 2025 von Liverpool. Antonio Rüdiger, David Alaba, Aurélien Tchouaméni und Jude Bellingham wurden teilweise unter Marktwert verpflichtet, weil Real Madrid die Verträge mit den Spielern direkt aushandelte, bevor die Ablösesummen mit den abgebenden Vereinen feststanden.

Das Kalkül dahinter: Was der Verein an Ablöse spart, fließt in die Gehälter. Mbappé verdient ein Bruttojahresgehalt von 31,25 Millionen Euro, dazu rund 30 Millionen Euro pro Jahr an Boni einschließlich einer Handgeld-Zahlung. Über fünf Jahre zahlt Real Madrid insgesamt circa 150 Millionen Euro allein als Signing Fee.

Die Gehaltsstruktur ist hierarchisch gestaffelt. Mbappé steht mit 31,25 Millionen an der Spitze. Dahinter folgen David Alaba mit 22,5 Millionen, Jude Bellingham und Vinícius Júnior mit je 20,8 Millionen, Federico Valverde mit 16,67 Millionen Euro. Die Gesamtlohnsumme für 2025/26 liegt bei rund 305 bis 375 Millionen Euro, je nach Berechnungsmethode.

Der entscheidende Kennwert heißt Lohnquote: das Verhältnis von Gehältern zu Umsatz. Real Madrid hielt diese Quote zuletzt bei rund 45 Prozent. Damit liegt der Verein unter dem goldenen Standard von 50 Prozent, den die European Club Association als Obergrenze empfiehlt. Zum Vergleich: Während der Corona-Jahre lag die Quote bei über 70 Prozent.

Diese Disziplin hat einen Preis. Spieler wie Rodrygo, Brahim Díaz und Arda Güler verdienen deutlich weniger als ihre Leistung auf dem Platz vermuten ließe. Mbappés Jahresgehalt allein entspricht fast dem kombinierten Verdienst der vier Rechtsaußen im Kader: Rodrygo, Brahim Díaz, Franco Mastantuono und Arda Güler kommen zusammen auf 32,2 Millionen Euro.

Real Madrid kann sich diese Asymmetrie leisten, weil die Marke als Argument funktioniert. Spieler akzeptieren weniger Geld als bei Konkurrenten, weil ein Vertrag bei Real Madrid die eigene Vermarktung, den Sponsoringwert und den Legendenstatus steigert.

QUIZ

Wissenstest
Real Madrid: Wie gut kennen Sie die Zahlen?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Wie hoch war der Rekordumsatz von Real Madrid im Geschäftsjahr 2024/25? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Real Madrid erzielte 2024/25 einen Betriebsumsatz von 1,185 Milliarden Euro vor Spielerverkäufen. Kein anderer Fußballklub hat diese Marke je erreicht. Der FC Barcelona folgte mit 975 Millionen Euro auf Platz zwei.
2 Wie viel kostete die Bernabéu-Renovierung ursprünglich laut dem ersten Kredit von 2019? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Der erste Kredit wurde 2019 über 575 Millionen Euro aufgenommen. Bis 2025 stiegen die tatsächlichen Baukosten auf 1,347 Milliarden Euro, also das 2,3-Fache der ursprünglichen Planung.
3 Warum darf der Bernabéu seit September 2024 keine Konzerte veranstalten? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Messungen ergaben bis zu 85 Dezibel in der Nachbarschaft. Der zulässige Grenzwert liegt bei 53 Dezibel. Anwohner klagten erfolgreich, und im Januar 2026 wurde sogar Anklage gegen den Verein erhoben. Die geschätzten Einnahmeausfälle betragen 50 bis 100 Millionen Euro pro Jahr.
4 Welchen Anteil an den Stadionerlösen erhält der Investmentfonds Sixth Street über 20 Jahre? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Sixth Street investierte 360 Millionen Euro und erhält dafür 30 Prozent aller Stadionerlöse (ohne Saisonkarten) über 20 Jahre. Bei prognostizierten 400 Millionen Euro Jahreserlösen summiert sich das auf über zwei Milliarden Euro über die Gesamtlaufzeit.
5 Auf welchen Betrag schrumpften Real Madrids Barmittel bis Ende Dezember 2025? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Die Barreserven kollabierten von 175,8 Millionen Euro (Juni 2025) auf nur noch 3,4 Millionen Euro (Dezember 2025). Hauptursachen: gestiegene Gehälter (+26,2 %), gesunkene Event-Erlöse und ausbleibende Konzerteinnahmen.

Was hat Florentino Pérez in 25 Jahren aufgebaut?

Florentino Pérez übernahm das Präsidentenamt erstmals im Jahr 2000, trat 2006 zurück und kehrte 2009 zurück. Seitdem regiert er ununterbrochen. In diesen 25 Jahren verwandelte er Real Madrid von einem sportlich erfolgreichen, aber finanziell konventionellen Fußballklub in ein globales Unterhaltungsunternehmen.

Sein Instrument war immer dasselbe: Investieren, solange andere sparen. Als die Pandemie 2020 die Nettoverschuldung auf 241 Millionen Euro trieb und andere Vereine ihre Ausgaben kürzten, verdoppelte Pérez die Wette auf den Stadionumbau. Zwischen 2020 und 2025 gelang dem Verein, einen Umsatzausfall von fast 400 Millionen Euro durch die Pandemie, die daraus resultierenden niedrigeren Cashflows und die entsprechend höhere Nettoverschuldung zu kompensieren.

Die sportliche Bilanz seiner Amtszeit: 15 Champions-League-Titel insgesamt (sechs davon unter Pérez seit 2009), 7 Liga-Meisterschaften seit 2009, dazu unzählige Supercups und den Interkontinentalcup. Die Galácticos-Ära (Figo, Zidane, Ronaldo, Beckham) ging, die zweite Galácticos-Ära (Ronaldo, Bale, Kroos, Modric) kam, und jetzt dominiert die dritte Generation (Mbappé, Bellingham, Vinícius, Valverde).

Pérez versteht den Fußball als Infrastrukturgeschäft. Der Bernabéu ist sein Vermächtnis. Das Stadion soll pro Tag eine Million Euro generieren, 365 Tage im Jahr. Wenn die Konzerte wieder laufen und die Gastronomie voll operiert, prognostiziert der Verein Stadionerlöse von über 500 Millionen Euro jährlich. Dieser Wert würde den Bernabéu unter die profitabelsten Veranstaltungsorte der Welt katapultieren, auf Augenhöhe mit dem SoFi Stadium in Los Angeles oder dem AT&T Stadium in Dallas.

Pérez‘ Machtfülle ist dabei beispiellos für einen demokratisch gewählten Vereinspräsidenten. Die Socios wählen ihn alle vier Jahre, doch kein ernsthafter Gegenkandidat tritt mehr an. Die Mitglieder bestätigen seine Vorschläge routinemäßig. Kritiker wie der ehemalige Saisonkarteninhaber David García sehen eine schleichende Aushöhlung der Mitgliederrechte. García wies darauf hin, dass Pérez den Mitgliedern wiederholt versprochen hatte, den Zugang zum Klub auf Kinder und Enkel bestehender Mitglieder zu beschränken. In den vergangenen Jahren seien die Aufnahmeregeln jedoch mehrfach geändert worden.

Warum braucht Real Madrid die Super League?

Fußballfeld bei Nacht mit Tor, beleuchteter Werbetafel und Gewitterhimmel
Die Premier League verteilt jährlich über fünf Milliarden Euro an TV-Geldern. LaLiga kommt auf 1,6 Milliarden. Pérez sieht in der Super League die einzige Antwort.

Pérez wirbt seit 2021 unermüdlich für die European Super League. Im November 2025 nannte er sie vor den Socios ein „unverzichtbares Projekt für die Zukunft des Fußballs“. Ohne die Super League wäre die Lücke zwischen dem englischen Fußball und dem Rest Europas „endgültig unüberbrückbar“, argumentierte Pérez.

Die Logik dahinter ist ökonomisch: Die Premier League verteilt jährlich über fünf Milliarden Euro an TV-Geldern an ihre 20 Klubs. LaLiga kommt auf rund 1,6 Milliarden. Ein Mittelklasse-Verein wie Brighton verdient mehr TV-Geld als Real Madrid. Diese Asymmetrie erklärt, warum Pérez die Super League als existenzielle Notwendigkeit betrachtet und nicht als Gier.

Gleichzeitig hat sich das Blatt juristisch zugunsten Reals gewendet. Der Europäische Gerichtshof entschied 2023, dass die UEFA ihr Monopol auf die Organisation europäischer Wettbewerbe nicht uneingeschränkt durchsetzen darf. Real Madrid interpretiert das als Grundsatzurteil für das Recht, eigene Wettbewerbe zu gründen.

In der Praxis hat die Super League allerdings bisher weder ein Spiel ausgetragen noch einen verbindlichen Verteilungsschlüssel vorgelegt. Pérez‘ Engagement liest sich daher weniger als konkretes Geschäftsmodell und mehr als Druckmittel gegenüber der UEFA, die 2024 die Champions League im Sinne der großen Klubs reformierte.

„Real Madrid hat ein Stadion für 1,3 Milliarden Euro gebaut, in dem keine Konzerte stattfinden dürfen. Wer verstehen will, wie Macht im Fußball funktioniert, muss nur auf die Differenz zwischen Pressemitteilung und Bilanz schauen.“ — Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Wie schneidet Real Madrid im Vergleich zur Konkurrenz ab?

Büro: Hand korrigiert Finanzberichte mit rotem Stift. Im Hintergrund drei Stadionmodelle
Im Vergleich mit Barcelona, Bayern München und Manchester United zeigt sich Real Madrids Doppelgesicht: operativ dominant, strukturell hoch verschuldet.

Ein nüchterner Blick auf die wichtigsten Kennzahlen im Vergleich mit den direkten Wettbewerbern:

KennzahlReal MadridFC BarcelonaFC Bayern MünchenManchester United
Umsatz 2024/251.185 Mio. € *975 Mio. €978 Mio. € **ca. 700 Mio. €
Forbes-Bewertung 20256,75 Mrd. $5,6 Mrd. $5,0 Mrd. $6,6 Mrd. $
Nettoverschuldung (offiziell)12 Mio. €469 Mio. €0 €k. A.
Gesamtverbindlichkeiten1.780 Mio. €k. A.0 € (schuldenfrei)k. A.
Lohnquoteca. 43–45 %ca. 54 %ca. 50 %ca. 65 %
EBITDA 2024/25243 Mio. €191 Mio. €k. A.k. A.
Stadionkredit1.132 Mio. €Stadionbau läuft0 € (getilgt 2014)kein Neubau

* Betriebserlöse ohne Spielertransfers (Vereinsangabe) | ** Konzernumsatz inkl. Transfererlöse von 117,7 Mio. € (Vereinsangabe / Dr. Web)

Die Tabelle zeigt Reals Doppelgesicht: Im operativen Geschäft führt der Verein nahezu jede relevante Kategorie an. Die Lohnquote liegt unter dem Branchendurchschnitt, das EBITDA ist das höchste aller Zeiten. Gleichzeitig türmt kein anderer Top-Klub eine vergleichbare Schuldenlast auf. Barcelona klammert den eigenen Stadionumbau ebenfalls aus der offiziellen Verschuldung aus. Real Madrid hat in diesem Spiel allerdings die deutlich größere Wette abgeschlossen.

Der Wettbewerbsvorteil gegenüber Barcelona: Real Madrid renovierte, ohne umzuziehen. Barça riss Camp Nou ab und spielt seit 2023 provisorisch im Olympiastadion Montjuïc. Real Madrid renovierte, ohne den Betrieb einzustellen und während der gesamten Bauzeit Einnahmen zu generieren. Barcelona riss Camp Nou für einen kompletten Neubau ab, der voraussichtlich 2028 fertig wird.

Finanzduell: Bayern vs. Real Madrid
Zwei Geschäftsmodelle, zwei Philosophien, eine Frage: Wer wirtschaftet besser?
FCB
FC Bayern
50+1 · schuldenfrei · 432.500 Mitglieder
VS
Real Madrid
Socios · 1,13 Mrd. € Kredit · 100.000 Mitglieder
RM
Umsatz 2024/25
978 Mio. €
1.185 Mio. €
EBITDA
k. A.
243 Mio. €
Gesamtverbindlichkeiten
0 €
1.780 Mio. €
Lohnquote
~50 %
~43 %
Stadionkredit
0 €
1.132 Mio. €
Barmittel (Dez. 2025)
solvent
3,4 Mio. €
Forbes-Bewertung 2025
5,0 Mrd. $
6,75 Mrd. $
Bayerns Stärke
Null Schulden, demokratische Kontrolle, stabiles Wachstum ohne externe Abhängigkeit. Dafür weniger Umsatzpotenzial ohne Mega-Stadionprojekt.
Reals Wette
Höchster Umsatz aller Zeiten, aber 1,78 Mrd. € Schulden und eine Bernabéu-Investition, die nur mit Konzerten aufgeht. Alles oder nichts.

Welche Risiken bedrohen das Geschäftsmodell?

Drei Szenarien verdeutlichen die Bandbreite möglicher Entwicklungen:

Szenario 1 (optimistisch): Die Schallisolierung des Bernabéu funktioniert, Konzerte werden 2026/27 wieder aufgenommen (10 bis 15 pro Jahr). Die Stadionerlöse steigen auf über 500 Millionen Euro. Der Investorenverkauf bringt 500 bis 1.000 Millionen Euro frisches Kapital. Die neuen Sponsorenverträge mit Adidas und Emirates (zusammen 300 Millionen pro Jahr) stabilisieren die Einnahmen. Die sportliche Dominanz hält an. In diesem Szenario rechtfertigt sich die Stadioninvestition innerhalb von 10 bis 15 Jahren.

Szenario 2 (realistisch): Konzerte kehren mit Einschränkungen zurück (weniger Events, niedrigere Lautstärke, Auflagen). Die Stadionerlöse erreichen 350 bis 400 Millionen Euro. Der Investorenverkauf gelingt, bringt aber weniger als erhofft, weil Käufer die Risiken einpreisen. Die Schuldentilgung streckt sich über 25 Jahre. Real Madrid bleibt operativ profitabel, bewegt sich aber auf einem schmalen Grat zwischen Investition und Überdehnung.

Szenario 3 (pessimistisch): Die Konzertlizenz wird gerichtlich dauerhaft verweigert. Die Stadionerlöse stagnieren bei 250 Millionen Euro. Der Investorenverkauf scheitert am Widerstand der Socios oder an ungünstigen Marktbedingungen. Sixth Street erzwingt weitere Vertragsanpassungen. Real Madrid muss die Transferausgaben über Jahre drastisch kürzen, um die Schuldenlast zu bedienen. Die sportliche Konkurrenzfähigkeit leidet.

Keines dieser Szenarien wäre für den Verein existenzbedrohend. Die Marke Real Madrid, 500 Millionen Fans weltweit und ein Stadion in der Madrider Innenstadt bilden einen Substanzwert, der auch eine Phase finanzieller Anspannung übersteht. Die Frage ist nicht, ob Real Madrid überlebt. Die Frage lautet: Zu welchem Preis?

Was bedeutet der Fall Real Madrid für den Profifußball?

Real Madrids Geschäftsmodell offenbart eine Grundsatzfrage, die über den Fußball hinausreicht: Ab welcher Verschuldungshöhe wird ein „too big to fail“-Verein zum Systemrisiko für seine Liga, seine Gläubiger und seine Mitglieder?

LaLiga-Präsident Javier Tebas kommentierte Pérez‘ Klagen über die Finanzkrise des Fußballs mit ungewöhnlicher Schärfe. „Hätte ich Florentino Pérez‘ Weinkrampf vor ein paar Jahren ernst genommen, würden wir immer noch in seinen Tränen ertrinken“, spottete Tebas. Die Liga selbst meldete für 2024/25 normalisierte Einnahmen von 5,464 Milliarden Euro, ein Plus von 8,1 Prozent und Rekordwert.

Der Widerspruch zwischen Pérez‘ Krisenrhetorik und den Rekordzahlen hat System. Pérez braucht die Erzählung der Bedrohung durch die Premier League, um drei Projekte voranzutreiben: die Super League, den Investorenverkauf und den Stadionumbau. Alle drei erfordern die Zustimmung der Socios, und die stimmen leichter zu, wenn sie glauben, der Verein stehe unter Druck.

Für den europäischen Fußball setzt Real Madrid einen Präzedenzfall. Wenn der reichste Klub der Welt sein Mitgliedermodell aufweicht und externe Investoren hereinlässt, werden Barcelona, Athletic Bilbao und Osasuna als letzte Socios-Klubs in Spanien unter Druck geraten, nachzuziehen. Das Gegenmodell des FC Bayern München, der mit seiner 50+1-Struktur, drei strategischen Partnern und null Euro Schulden wirtschaftet, zeigt, dass ein mitgliedergeführter Spitzenklub auch ohne externe Minderheitsbeteiligung auf Augenhöhe konkurrieren kann. Ob dieses Modell gegen die Finanzkraft der Premier League langfristig bestehen kann, bleibt die offene Frage für beide Vereine.

Gleichzeitig zeigt Real Madrid, dass sich Infrastrukturinvestitionen im Fußball auszahlen können. Der Bernabéu generiert bereits heute mehr Umsatz als jedes andere Fußballstadion der Welt. Wenn die Konzerte zurückkehren, könnte er zum profitabelsten Veranstaltungsort Europas werden. Die Wette ist riskant, aber sie basiert auf einem realen Vermögenswert in einer der teuersten Stadtlagen der Welt.

Ob Pérez‘ Vision aufgeht, hängt von drei Variablen ab, die er nicht kontrolliert: einem Richterspruch über Konzerte, der Bereitschaft eines Investors für eine Milliardenbewertung und der Loyalität von 100.000 Socios, die zum ersten Mal in 123 Jahren ein Stück ihres Klubs hergeben sollen.

Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zu Real Madrids Geschäftsmodell

Lego-Figur auf einem Turm aus Marmorblöcken, die Einnahmequellen zeigen, auf Holzsockel
Amortisation verteilt Ablösesummen über die Vertragslaufzeit. Bei 100 Millionen Euro über fünf Jahre fallen jährlich 20 Millionen Bilanzkosten an. Real Madrid vermeidet diese durch ablösefreie Transfers

Amortisation

Amortisation beschreibt die buchhalterische Verteilung einer Ablösesumme über die Vertragslaufzeit eines Spielers. Zahlt ein Verein 100 Millionen Euro Ablöse bei einem Fünfjahresvertrag, belastet das die Bilanz mit 20 Millionen pro Saison. Für Real Madrids Transferstrategie ablösefreier Spieler bedeutet das: Keine Ablöse, keine Amortisationskosten.

EBITDA

EBITDA (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization) misst den operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Real Madrids EBITDA von 243 Millionen Euro zeigt die operative Ertragskraft unabhängig von Finanzierungsentscheidungen und Stadioninvestitionen.

Financial Fair Play

Financial Fair Play (FFP) bezeichnet die UEFA-Regeln zur Begrenzung von Vereinsausgaben. Klubs dürfen nicht dauerhaft mehr ausgeben, als sie einnehmen. Real Madrids Lohnquote von 43 Prozent liegt deutlich unter dem Grenzwert, den die European Club Association bei 70 Prozent ansetzt.

Lohnquote

Die Lohnquote setzt die Gehaltsausgaben eines Vereins ins Verhältnis zum Gesamtumsatz. Eine Quote unter 50 Prozent gilt als gesund, über 70 Prozent als kritisch. Real Madrid hält diesen Wert trotz Mbappés Spitzengehalt bei rund 43 bis 45 Prozent.

Nettoverschuldung

Nettoverschuldung ergibt sich aus den Finanzverbindlichkeiten abzüglich der liquiden Mittel. Real Madrids offiziell gemeldete Nettoverschuldung von 12 Millionen Euro klammert den Stadionkredit aus. Mit Stadionkredit läge der Wert bei über einer Milliarde Euro.

Palanca

Palanca (spanisch: Hebel) bezeichnet im spanischen Fußball den Verkauf zukünftiger Einnahmen gegen sofortiges Kapital. Barcelonas Verkauf von TV-Rechten machte den Begriff berühmt. Reals Sixth-Street-Deal für Stadionerlöse folgt dem gleichen Prinzip.

Personal Seat License

Eine Personal Seat License (PSL) ist eine einmalige Gebühr, die Zuschauern das Recht einräumt, eine bestimmte Dauerkarte zu erwerben. Real Madrid führte PSL im Zuge der Stadionrenovierung ein und generierte damit einmalige Erlöse in zweistelliger Millionenhöhe.

Private Equity

Private Equity bezeichnet die Beteiligung von Investmentfonds an nicht börsennotierten Unternehmen. Sixth Street (Stadionvertrag) und mögliche Käufer des geplanten 5-10-Prozent-Anteils an Real Madrid operieren in diesem Segment.

Revenue Participation Agreement

Ein Revenue Participation Agreement ist ein Vertrag, bei dem ein Investor Kapital gegen einen Anteil an zukünftigen Einnahmen bereitstellt, ohne Eigentumsanteile zu erwerben. Reals Sixth-Street-Deal für den Bernabéu folgt dieser Struktur.

Signing Fee

Die Signing Fee ist eine einmalige Zahlung an einen Spieler bei Vertragsunterzeichnung. Bei ablösefreien Transfers wie dem von Mbappé ersetzt sie faktisch die Ablösesumme. Real Madrid zahlt Mbappé rund 150 Millionen Euro über fünf Jahre als Handgeld.

Socios-Modell

Das Socios-Modell bezeichnet die Vereinsstruktur, bei der zahlende Mitglieder den Klub besitzen, den Präsidenten wählen und über strategische Entscheidungen abstimmen. Real Madrid, Barcelona, Athletic Bilbao und Osasuna sind die letzten vier LaLiga-Klubs mit dieser Struktur.

Too big to fail

Too big to fail beschreibt Institutionen, deren Zusammenbruch so weitreichende Folgen hätte, dass Staat oder Liga einen Bankrott nicht zulassen würden. Im Fußball trifft das auf Klubs wie Real Madrid zu, deren Insolvenz das gesamte LaLiga-Ökosystem destabilisieren würde.

Working Capital

Working Capital (Betriebskapital) misst die Differenz zwischen kurzfristigen Vermögenswerten und kurzfristigen Verbindlichkeiten. Negatives Working Capital bedeutet, dass ein Verein mehr kurzfristige Schulden hat als Mittel, diese zu begleichen. Real Madrids negatives Working Capital von 406 Millionen Euro signalisiert Liquiditätsdruck.

Wertberichtigung

Wertberichtigung (Impairment) ist die buchhalterische Abschreibung eines Spielerwerts, wenn dessen Marktwert unter den Buchwert fällt. Verletzungen, Leistungsabfall oder verfrühte Vertragsauflösungen können Wertberichtigungen auslösen und die Bilanz belasten.

FAQ: Real Madrid seziert: Wie lange trägt das teuerste Stadion der Welt?

Hat Real Madrid wirklich Schulden in Milliardenhöhe?

Real Madrids Gesamtverbindlichkeiten betrugen Ende 2025 rund 1,78 Milliarden Euro. Der größte Einzelposten ist der Stadionkredit über 1,132 Milliarden Euro für die Bernabéu-Renovierung. Die offizielle Nettoverschuldung von nur 12 Millionen Euro klammert diesen Kredit bewusst aus.

Warum darf das Bernabéu-Stadion keine Konzerte veranstalten?

Seit September 2024 sind alle Konzerte im Bernabéu ausgesetzt. Anwohner klagten erfolgreich gegen Lärmbelästigung, nachdem Messungen Werte von 85 Dezibel ergaben. Der Grenzwert in dicht besiedelten Gebieten liegt bei 53 Dezibel. Im Januar 2026 wurde der Verein wegen der Lärmbelästigung angeklagt.

Was kostet die Bernabéu-Renovierung insgesamt?

Die Renovierung kostete bisher 1,347 Milliarden Euro. Ursprünglich geplant waren 575 Millionen Euro. Die Kosten stiegen durch pandemiebedingte Verteuerungen, technische Innovationen wie das versenkbare Spielfeld und das verschließbare Dach.

Wem gehört Real Madrid?

Real Madrid gehört seinen rund 100.000 Mitgliedern (Socios), die den Präsidenten wählen und über strategische Entscheidungen abstimmen. Seit 1902 hatte kein externer Investor Anteile. Präsident Pérez plant nun den Verkauf von bis zu 10 Prozent an einer kommerziellen Tochtergesellschaft.

Wie viel verdient Kylian Mbappé bei Real Madrid?

Mbappé verdient ein Bruttojahresgehalt von 31,25 Millionen Euro. Dazu kommen Boni und ein Handgeld (Signing Fee) von insgesamt rund 150 Millionen Euro über fünf Jahre. Trotz des Spitzengehalts liegt Real Madrids Lohnquote bei rund 43 bis 45 Prozent vom Umsatz.

Ist Real Madrid finanziell gefährdet?

Real Madrid ist operativ hochprofitabel mit einem EBITDA von 243 Millionen Euro und dem höchsten Umsatz aller Fußballklubs. Die Herausforderung liegt in der Kombination aus hoher Schuldenlast durch den Stadionumbau, ausfallenden Konzerteinnahmen und geschrumpfter Liquidität. Der Verein ist nicht insolvenzgefährdet, steht aber unter Druck.

Quellen

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Managing Madrid – Stadium Debt? Concert Fiasco? Truth About Finances – https://www.managingmadrid.com/2025/5/2/24421833/stadium-debt-concert-fiasco-heres-the-truth-about-real-madrids-finances – besucht am 08.04.2026

El Confidencial via Tribuna.com – Six Economic Data Real Madrid Financial Situation – https://tribuna.com/en/blogs/six-economic-data-that-reveal-the-delicate-financial-situati/ – besucht am 08.04.2026

Football España – Financial Report Reveals Precaution Situation for Real Madrid – https://www.football-espana.net/2026/04/05/financial-report-real-madrid – besucht am 08.04.2026

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FOX Sports / Associated Press – Real Madrid President Wants Investors to Buy Up to 10% Stake – https://www.foxsports.com/articles/soccer/real-madrid-president-wants-investors-to-buy-up-to-10-stake-in-club-backs-super-league-again – besucht am 08.04.2026

Al Jazeera – Real Madrid’s New Ownership Plan Divides Fans – https://www.aljazeera.com/sports/2025/11/25/real-madrids-new-ownership-plan-divides-fans-at-worlds-richest-club – besucht am 08.04.2026

Front Office Sports – Why Real Madrid Wants to Shake Up Ownership Structure – https://frontofficesports.com/real-madrid-stake-sale-could-prove-its-worlds-most-valuable-franchise/ – besucht am 08.04.2026

Tribuna.com – Florentino Perez Forced to Renegotiate Deal with Sixth Street – https://tribuna.com/en/news/2026-03-07-florentino-perez-forced-to-renegotiatedela-with-sponsor-for-bernabeu-following-a-series-o/ – besucht am 08.04.2026

Football España – Real Madrid Agree New Deals with Adidas and Emirates – https://www.football-espana.net/2026/03/09/real-madrid-e300m-deals-agreed-sponsors – besucht am 08.04.2026

Footy Headlines – Official: Real Madrid Extends Emirates Kit Deal Until 2031 – https://www.footyheadlines.com/2026/03/official-real-madrid-extends-emirates.html – besucht am 08.04.2026

Fast Company – Real Madrid’s Stadium Cancels All Concerts – https://www.fastcompany.com/91191539/real-madrids-stadium-cancels-all-concerts-because-the-music-was-too-loud – besucht am 08.04.2026

Sports Illustrated – Architect Who Designed the New Bernabeu Gives Update On Noise Problem – https://www.si.com/soccer/real-madrid/news/the-architect-who-designed-the-new-bernabeu-gives-update-on-noise-problem – besucht am 08.04.2026

Swiss Ramble – Real Madrid Finances 2024/25 – https://swissramble.substack.com/p/real-madrid-finances-202425 – besucht am 08.04.2026

Capology – Real Madrid CF Salaries 2025/26 – https://www.capology.com/club/real-madrid/salaries/ – besucht am 08.04.2026

 

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