49,65 Prozent: So nah ist die italienische UniCredit inzwischen an der Mehrheit bei der Commerzbank, ohne dafür eine einzige neue Aktie gekauft zu haben. Den letzten Schritt erledigte am 20. August die Commerzbank selbst, indem sie ihre zurückgekauften eigenen Aktien einzog. Für den wichtigsten Mittelstandsfinanzierer des Landes rückt die faktische Kontrolle aus Mailand damit spürbar näher.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Am 20. August zog die Commerzbank ihre letzten eigenen Aktien ein, dadurch stieg UniCredits Zugriff von 47,59 auf 49,65 Prozent.
- Von diesen 49,65 Prozent sind 46,29 Prozent direkte Beteiligung, die restlichen 3,36 Prozent stecken in Kaufoptionen.
- Neue Aktien kaufte UniCredit für den Sprung nicht: Der Einzug schrumpft die Aktienbasis und hebt den fremden Anteil rein rechnerisch.
- Die EZB-Zustimmung liegt vor, die abschließende Entscheidung wird noch für 2026 erwartet.
Wie erreicht UniCredit die Mehrheit ohne neuen Zukauf?

Die Rechnung läuft über den Nenner. Die Commerzbank hielt zuletzt 4,14 Prozent eigene Aktien. Mit deren Einzug sinkt die Zahl der ausstehenden Aktien und jeder fremde Anteil wächst prozentual, ohne dass sich ein Depot bewegt.
Für UniCredit summiert sich daraus ein Zugriff von 49,65 Prozent, davon 46,29 Prozent direkt und 3,36 Prozent über jederzeit einlösbare Kaufoptionen.[1] Auf der Hauptversammlung genügt das längst: Eigene Aktien tragen kein Stimmrecht und weil nie alle Aktionäre erscheinen, stellt UniCredit dort seit dem Ende des Angebots faktisch die Mehrheit.
Warum das eine kalte Übernahme ist
Die Kontrolle kommt vor der Genehmigung. Formal steht die abschließende Freigabe noch aus, die EZB hat ihre Zustimmung aber bereits signalisiert und die BaFin den Weg freigemacht. Die eigentliche Machtverschiebung ist da schon vollzogen.
Neu ist das Muster nicht. UniCredit übernahm bereits 2005 die HypoVereinsbank und sitzt seither in München. Diesmal treibt die EU-Bankenunion den Druck zur grenzüberschreitenden Fusion und schon vor Wochen öffnete Vorstandschefin Bettina Orlopp die Tür für Gespräche. Selbst der Bund, der die Bank seit der Rettung 2008 mitträgt, gab seinen Widerstand am Ende auf, ähnlich wie er bei der Telekom-Fusion die Sperrminorität verlor.
Die entscheidende Bewegung kommt nicht aus Mailand, sondern aus Frankfurt: Der eigene Aktienrückkauf der Commerzbank hebt UniCredits Anteil, ohne dass die Italiener nachlegen müssen. So läuft eine faktische Übernahme, bevor die formale Genehmigung überhaupt vorliegt.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie sich UniCredits Zugriff auf die Commerzbank nach dem Aktieneinzug vom 20. August 2026 zusammensetzt
Für den jüngsten Sprung kaufte UniCredit keine einzige neue Aktie. Der Aktieneinzug der Commerzbank hob die Quote und auf der Hauptversammlung stellt UniCredit faktisch längst die Mehrheit.
Was bedeutet der Deal für den Mittelstand?
Für deutsche Firmenkunden trifft der Machtwechsel einen empfindlichen Punkt. Die Commerzbank finanziert einen großen Teil des industriellen Mittelstands und wickelt einen erheblichen Anteil des deutschen Außenhandels ab. Wandert die Steuerung nach Mailand, stehen Kreditlinien, Ansprechpartner und Konditionen mittelfristig auf dem Prüfstand.
Finanzsouveränität wird zur Standortfrage. Eine europäisch integrierte Großbank kann günstiger und breiter finanzieren, doch die Entscheidungen über heimische Firmenkredite fallen dann außerhalb Deutschlands. Für den einzelnen Betrieb zählt weniger die Bankenpolitik als die Frage, wie abhängig er von einem einzigen Institut ist.
- Bestehende Kreditlinien und die Zuständigkeit im Firmenkundengeschäft frühzeitig mit der Bank klären.
- Eine zweite Bankverbindung aufbauen, um nicht allein von der Commerzbank abzuhängen.
- Bei der Außenhandelsfinanzierung Alternativen sondieren, falls UniCredit das Geschäft umbaut.
Abwarten ist die teuerste Option. Der Aktieneinzug zeigt, dass die Übernahme längst Fahrt aufgenommen hat, unabhängig vom Datum der formalen Freigabe. Firmenkunden, die ihre Finanzierung jetzt breiter aufstellen, verhandeln aus einer besseren Position als nach dem Kontrollwechsel.
Wie hoch ist UniCredits Anteil an der Commerzbank?
Nach dem Aktieneinzug vom 20. August 2026 hat UniCredit Zugriff auf 49,65 Prozent der Commerzbank, zuvor waren es 47,59 Prozent. Davon sind 46,29 Prozent eine direkte Beteiligung, die restlichen 3,36 Prozent stecken in Kaufoptionen, die UniCredit jederzeit in Aktien tauschen kann.
Warum steigt UniCredits Anteil ohne neuen Aktienkauf?
Die Commerzbank hat eigene, zurückgekaufte Aktien eingezogen. Dadurch sinkt die Zahl der insgesamt ausstehenden Aktien und der prozentuale Anteil jedes anderen Aktionärs steigt automatisch. UniCredit musste für den jüngsten Sprung von 47,59 auf 49,65 Prozent also keine einzige neue Aktie kaufen.
Ist die Übernahme der Commerzbank schon genehmigt?
Die formale Entscheidung steht noch aus, sie wird für 2026 erwartet. Die EZB hat ihre Zustimmung bereits signalisiert und die BaFin den Weg freigemacht. Auf der Hauptversammlung hält UniCredit faktisch schon die Mehrheit, weil eigene Aktien kein Stimmrecht haben und selten alle Aktionäre erscheinen.
Was bedeutet die Übernahme für Firmenkunden?
Die Commerzbank ist einer der wichtigsten Finanzierer des deutschen Mittelstands. Mit einem Kontrollwechsel nach Mailand können sich Kreditlinien, Ansprechpartner und Konditionen mittelfristig ändern. Firmenkunden sollten ihre Bankverbindung breiter aufstellen und Alternativen in der Außenhandelsfinanzierung prüfen.
Quelle
[1] Commerzbank: Stimmrechtsmitteilung und Position zum Übernahmeangebot der UniCredit (20. August 2026)
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