Groq hat am 17. August 305 Millionen Euro eingesammelt, bewertet mit 3,05 Milliarden Euro. Im September 2025 stand der Chipentwickler noch bei knapp 6 Milliarden. Dazwischen liegt ein Lizenzvertrag, der Nvidia den Zugriff auf Groqs Inferenztechnik eröffnet hat.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Nvidia zahlte dafür im Dezember 2025 rund 17,4 Milliarden Euro. Das Geld floss nach Angaben von TechCrunch an die Investoren, nicht in die Firmenkasse. Gründer Jonathan Ross wechselte mit Präsident Sunny Madra und weiteren Fachleuten zum Lizenznehmer.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Groq nimmt 305 Millionen Euro auf, bewertet mit 3,05 Milliarden Euro nach knapp 6 Milliarden im September 2025.
  • Nvidia lizenzierte die Inferenztechnik im Dezember 2025 nicht exklusiv und stellte das Führungsteam ein.
  • Groq entwickelt keine eigenen Beschleuniger mehr, sondern betreibt als Nvidia Cloud Partner fremde Hardware.
  • Weder in Washington noch in Bonn löst diese Vertragsform eine Fusionskontrolle aus.

Warum ist die Firma nach 17 Milliarden weniger wert?

Offener Karton mit Aufschrift „Restbestand“ neben Chip auf Sockel und Schild „halber Wert“
Groq lizenziert Technik nicht-exklusiv und verliert Entwicklungsteam. Ausschüttung an Anteilseigner, Betrieb läuft ohne Entwicklung weiter

Der Lizenzvertrag war ausdrücklich nicht exklusiv.[2] Groq behielt die eigene Technik, verlor aber die Fachleute, die daran gearbeitet hatten. Die Ausschüttung ging an die Anteilseigner, der Betrieb lief ohne Entwicklungsmannschaft weiter. Bepreist wird seit dem 17. August nur noch dieser Rest.

Was davon übrig ist, steht in der Mitteilung zur Finanzierungsrunde. Groq betreibt 13 Rechenzentren in Nordamerika, Europa, Nahost und Asien nach Nvidias Referenzarchitektur, als zertifizierter Nvidia Cloud Partner.[1] Der schärfste Angreifer auf Nvidias Beschleuniger vermietet heute Nvidias Beschleuniger. Dass sich mit Inferenz Geld verdienen lässt, bestreitet dabei niemand: Der Preisverfall pro Token spricht dafür, dass KI-Inferenz billiger wird als lange gedacht. Kapazität dafür mietet inzwischen auch Together AI ein, für das IBM einen Cluster für 209 Millionen Euro baut.

Warum prüft keine Kartellbehörde diesen Vorgang?

Eine Lizenz plus Arbeitsverträge begründet keinen Kontrollerwerb. Damit entfällt in den USA die Anmeldepflicht nach dem Hart-Scott-Rodino Act, obwohl die Summe jede Schwelle überschreitet. Die Senatoren Elizabeth Warren und Richard Blumenthal nennen die Konstruktion einen „reverse acquihire“ und verlangten im März 2026 eine Prüfung durch Justizministerium und Handelsaufsicht.[3]

Das Muster ist älter als der Groq-Fall. Meta zahlte im Juni 2025 rund 12,4 Milliarden Euro an Scale AI und holte dessen Chef Alexandr Wang, Google zahlte im Juli 2025 rund 2,1 Milliarden Euro für eine nicht exklusive Lizenz von Windsurf. Bei KI-Beschleunigern hält Nvidia nach Marktschätzungen etwa 90 Prozent. Wie weit die Aufsicht inzwischen schaut, zeigt der Fall Andreessen Horowitz mit Doppelmandaten bei Databricks und Fivetran. Andere Konzerne wählen offenere Wege, etwa Google mit einer Aktienoption auf Marvell.

Nvidia hat die stärkste Alternative zur eigenen Hardware nicht gekauft, sondern ausgehöhlt. Die Fusionskontrolle in Bonn und Brüssel prüft Beteiligungen, nicht Abwerbungen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was der Nvidia-Vertrag von Groq übrig gelassen hat

Vier Zahlen zum Umbau vom Chipentwickler zum Rechenzentrumsbetreiber.

17,4 Mrd.
Euro zahlte Nvidia im Dezember 2025 für die Lizenz, ausgeschüttet an die Investoren
3,05 Mrd.
Euro Bewertung seit dem 17. August 2026, nach knapp 6 Milliarden im September 2025
13
Rechenzentren betreibt Groq nach eigenen Angaben für mehr als 6 Millionen Entwickler
54 MW
Anschlussleistung heute, geplant sind mehr als 200 Megawatt bis 2027

870 Millionen Euro in drei Monaten

Schon im Juni 2026 nahm Groq 566 Millionen Euro auf. Zusammen mit der Runde vom 17. August ergibt das binnen drei Monaten rund 870 Millionen Euro frisches Kapital. Trotz früherer Finanzierungen führt Groq die jüngste Runde als Series A.

Was heißt das für europäische Anbieter?

Die deutsche Fusionskontrolle greift bei dieser Vertragsform ebenfalls nicht. Die Transaktionswertschwelle nach Paragraf 35 Absatz 1a GWB erfasst seit 2017 auch Käufe umsatzschwacher Zielunternehmen, sobald der Kaufpreis 400 Millionen Euro übersteigt. Voraussetzung bleibt allerdings ein Zusammenschluss nach Paragraf 37 GWB, also Anteile, Vermögen oder Kontrolle. Eine nicht exklusive Lizenz erfüllt keine dieser drei Formen.

Das Bundeskartellamt hat diese Grenze schon einmal gezogen. Im November 2023 prüfte die Behörde die Zusammenarbeit von Microsoft und OpenAI unter allen denkbaren Gesichtspunkten und verneinte eine Anmeldepflicht.[4] Ein Lizenz- und Abwerbeangebot eines Marktführers kommt kartellrechtlich also schneller durch als eine Übernahme.

Für Gründer im DACH-Raum hat das zwei praktische Folgen. Sehen Sie die Wettbewerbsverbote und Vesting-Regeln Ihrer Schlüsselentwickler gerne früh durch, lange bevor ein solches Angebot auf dem Tisch liegt. Im Gesellschaftsvertrag sollte zudem geregelt sein, ob eine Lizenzeinnahme an die Anteilseigner geht oder im Unternehmen bleibt. Rechenkapazität für Inferenz vermieten übrigens auch europäische Anbieter, etwa Hetzner mit einer eigenen Inferenz-API.

Quellen

[1] Groq: „Groq Closes $350 million Series A, Building the World’s Leading AI Inference Cloud“, 17. August 2026

[2] Groq: „Groq and Nvidia Enter Non-Exclusive Inference Technology Licensing Agreement to Accelerate AI Inference at Global Scale“, 24. Dezember 2025

[3] US-Senat, Büro von Senatorin Elizabeth Warren: Schreiben von Elizabeth Warren und Richard Blumenthal an Nvidia-Chef Jensen Huang, 19. März 2026 (PDF)

[4] Bundeskartellamt: „Kooperation von Microsoft und OpenAI derzeit kein Fall für Fusionskontrolle“, 15. November 2023

Mehr Newshunger?

4,1 10 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?