Nvidia wollte für OpenAIs Rechenzentrum in Ohio Kredite über 217,5 Milliarden Euro absichern. Jetzt bleiben laut Wall Street Journal weniger als 104 Milliarden Euro übrig. Die Garantie deckt nur noch die erste Ausbaustufe. Nvidia schiebt damit einen Teil des Kreditrisikos zurück an den Kapitalmarkt.

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Ein KI-Rechenzentrum im Süden Ohios soll das größte je angekündigte Bauprojekt seiner Art werden, errichtet von SB Energy, einer Tochter von SoftBank. Die Kredite dafür wollte Nvidia absichern. Genau diese Zusage schrumpft gerade.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nvidia senkt die Kreditgarantie für OpenAIs Standort in Ohio laut Wall Street Journal von 217,5 auf unter 104 Milliarden Euro.
  • Die verbleibende Zusage deckt nur die erste Ausbaustufe des geplanten 10-Gigawatt-Campus.
  • Am 10. August kündigte Nvidia mit sechs Finanzhäusern Plattformen an, die 435 Milliarden Euro Fremdkapital mobilisieren sollen.
  • Europa finanziert seine KI-Gigafabriken über öffentliches Ankergeld von bis zu 10 Milliarden Euro.

Wie funktioniert eine Garantie für fremde Kredite?

Zwei gefaltete Blätter Papier, eines mit Notiz und Schere daneben auf weißem Grund
Nvidia bürgt für OpenAIs Kreditwürdigkeit und verkauft gleichzeitig die Chips für dessen Rechenzentren

Eine Kreditgarantie verwandelt Nvidias Bilanzstärke in Kreditwürdigkeit für den Kunden. OpenAI schreibt bislang keine Gewinne und bereitet zugleich den Börsengang vor, erreicht allein also kein Investment-Grade-Rating. Nvidia liefert die fehlende Sicherheit als Ausfallbürgschaft und verkauft im selben Zug die Chips, die im Gebäude landen.

Die Zusage steht nicht als Schuld in der Bilanz, sondern als Eventualverbindlichkeit im Anhang. Daran stören sich die Investoren: Ein Hersteller, der die Nachfrage nach den eigenen Produkten selbst besichert, verschiebt sein Absatzrisiko in eine Zeile, die kaum jemand im Quartalsbericht liest. Das Kreislaufgeschäft zwischen Nvidia, CoreWeave und Nebius folgt derselben Logik.

Wo hat dieses Muster schon einmal versagt?

Herstellerkredite trugen schon einmal einen Infrastrukturboom. In der Telekom-Blase um das Jahr 2000 finanzierte Lucent seinen Kunden Netztechnik über rund 9,1 Milliarden Euro, Nortel und Cisco spannten kleinere Programme auf. Als die Betreiber reihenweise ausfielen, schrieb Lucent 2001 und 2002 gut 3 Milliarden Euro auf diese Forderungen ab.

Der Unterschied zu damals steckt im Restwert der Hardware. Jensen Huang, Vorstandschef von Nvidia, beschreibt Rechenleistung als Anlageklasse: „Nvidia-Compute eignet sich dafür einzigartig. Der Einsatz ist breit, flexibel über Modelle und Aufgaben hinweg, fungibel und übertragbar.“[1] Verlegte Glasfaser ließ sich kaum weiterverkaufen, ein Rechenzentrum voller Beschleuniger schon. Einen Ausfall dieser Größenordnung hat der Zweitmarkt allerdings noch nie aufgenommen.

Nvidia zieht die Bürgschaft ein, bevor der Kapitalmarkt sie einfordert. Einkäufer von Rechenleistung sollten diese Zahl als Frühwarnsignal für ihre Vertragslaufzeiten lesen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Das Kreditrisiko des KI-Ausbaus in Zahlen
Was Nvidia für OpenAIs Standort in Ohio zusagt und wie Europa dieselbe Aufgabe löst. Alle Beträge in Euro, Umrechnungskurs 0,87, Stand 17. August 2026.

Die Garantie für Ohio schrumpft

Ursprünglich verhandelt
217,5 Mrd. €
Kreditgarantie für den gesamten 10-Gigawatt-Campus
Jetzt im Gespräch
unter 104 Mrd. €
Garantie nur noch für die erste Ausbaustufe

Wovon die Zusage abhängt

Nvidia und sechs Finanzhäuser
435 Mrd. €
Zielvolumen der Compute-Finanzierungsplattformen vom 10. August 2026
Lucent im Jahr 2000
9,1 Mrd. €
Herstellerkredite an Telekom-Kunden auf dem Höhepunkt der Blase
Lucent 2001 und 2002
3,0 Mrd. €
Abschreibungen auf genau diese Kundenforderungen
Europa verteilt das Risiko anders
Die EuroHPC-Ausschreibung für bis zu sieben KI-Gigafabriken läuft bis zum 12. November 2026. Öffentliches Geld dient als Anker, das Ausfallrisiko trägt kein Chiplieferant.
10 Mrd. €
aus EU- und nationalen Mitteln
20 Mrd. €
erwartetes privates Kapital
über 30 Mrd. €
Gesamtvolumen der sieben Standorte

Was bedeutet der Rückzug für europäische Rechenzentren?

Europa baut seine Rechenkapazität nach einem anderen Muster. Die EuroHPC-Ausschreibung für bis zu sieben KI-Gigafabriken stellt bis zu 10 Milliarden Euro öffentliches Ankergeld bereit und erwartet mindestens 20 Milliarden Euro privates Kapital dazu, Bewerbungsschluss ist der 12. November 2026.[2] Das Ausfallrisiko liegt damit bei Staaten und Fonds, nicht beim Chiplieferanten. Am Bau hakt es trotzdem, wie der volle Auftragsbestand von Nebius zeigt.

Für Unternehmen im deutschsprachigen Raum hängt daran die Preisstabilität der eigenen Inferenz-Rechnungen. Zwei Punkte gehören in die nächste Vertragsrunde: Laufzeiten für GPU-Kapazität nicht über die Bauphase der finanzierten Standorte hinaus binden und für kritische Lasten eine zweite Bezugsquelle festschreiben. Als Ausweichkapazität kommen auch die größten Rechenzentren Deutschlands in Betracht.

Die endgültige Vereinbarung zwischen Nvidia und OpenAI steht noch aus. Nvidia äußerte sich zu dem Bericht nicht, OpenAI lehnte eine Stellungnahme ab. Bis belastbare Zahlen aus einem Quartalsbericht vorliegen, bleibt der Blick auf die Eventualverbindlichkeiten im Anhang die verlässlichste Kennzahl für alle, die 2027 Rechenleistung für KI-Anwendungen einkaufen.

Quellen

[1] Nvidia Newsroom: „NVIDIA Partners With Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs and KKR to Establish AI Compute Infrastructure Financing Platforms“ (10. August 2026)

[2] EuroHPC Joint Undertaking: „The EuroHPC Joint Undertaking launches the AI Gigafactories Call“ (30. Juli 2026)

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