OpenAI hat aktuellen und früheren Mitarbeitern Anteile für 6,1 Milliarden Euro abgekauft. Beim Angebot im Oktober 2025 zahlten noch fremde Investoren, diesmal kam das Geld aus der Konzernkasse. Für den Börsengang fehlt damit ein frischer Referenzwert.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDen OpenAI-Rückkauf vom 10. August erklärt ein Satz des Unternehmens selbst: „Einen Zeitpunkt haben wir noch nicht festgelegt; das kann dauern, weil wir Dinge vorhaben, die sich als privates Unternehmen wahrscheinlich leichter erledigen lassen.“[1] Der Preis blieb dabei fünf Monate ohne Aufschlag, während Anthropic in der Bewertung an OpenAI vorbeigezogen ist. Wichtiger als dieser Preis ist für Entscheider die Frage, wie lange der Lieferant seine Zahlen für sich behält.
Das Wichtigste in Kürze
- Bloomberg berichtet von einem Rückkauf über 7 Milliarden US-Dollar am 10. August 2026, umgerechnet rund 6,1 Milliarden Euro zum Kurs von 0,87.
- Die Bewertung blieb bei 741 Milliarden Euro und damit auf dem Stand der Finanzierungsrunde vom März 2026.
- Beim Angebot im Oktober 2025 kauften Thrive Capital und SoftBank für 5,7 Milliarden Euro, diesmal trat OpenAI selbst als Käufer auf.
- Den vertraulichen S-1-Entwurf bestätigte OpenAI am 8. Juni 2026, ein Datum für den Börsengang nennt das Unternehmen bis heute nicht.
Warum kauft OpenAI diesmal auf eigene Rechnung?

Der Unterschied zwischen den beiden Angeboten liegt in der Preisfindung. Im Oktober 2025 kauften Thrive Capital und SoftBank Mitarbeiteranteile für 5,7 Milliarden Euro und setzten damit eine Bewertung von 435 Milliarden Euro an. Fremde Käufer sehen sich die Bücher an, bevor sie zahlen. Diesmal hat OpenAI selbst gekauft. Den Preis setzte also der Verkäufer.
Ein Rückkauf kostet Kapital und bringt keines ein. Die Märzrunde brachte 106 Milliarden Euro frisches Geld.[2] Knapp sechs Prozent davon fließen jetzt an die Belegschaft zurück, statt in Rechenleistung. Wie hoch der Bedarf dort liegt, zeigt Nvidias Bürgschaft über 218 Milliarden Euro für einen einzelnen Standort.
Was verrät der Rückkauf über den Börsengang?
Ein Rückkauf ist das Ventil für Unternehmen, die lange privat bleiben: Die Belegschaft kommt an ihr Geld, der Druck zur Notierung sinkt. Seit der vertraulichen Einreichung bei der Börsenaufsicht am 8. Juni 2026 ist kein Termin dazugekommen. Das dritte Angebot in 21 Monaten fällt zugleich am größten aus.
Unbegrenzt Zeit bleibt OpenAI damit nicht. Anthropic bereitet ein eigenes Listing vor. Ein Börsenkurs des Konkurrenten wäre der erste öffentliche Vergleichsmaßstab der Branche, an dem sich jede selbst gesetzte Bewertung messen lassen muss.
Ein Rückkauf zum selbst gesetzten Preis ist kein Markttest, sondern eine Buchung. Solange OpenAI die eigene Bewertung festschreibt, erfahren Kunden über die Finanzlage ihres wichtigsten KI-Lieferanten genau so viel wie bisher, nämlich nichts.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Stand 11. August 2026, alle Beträge umgerechnet zum Kurs von 0,87
Volumen des Rückkaufs vom 10. August 2026
Bewertung, unverändert seit der Finanzierungsrunde vom März 2026
an die Belegschaft seit November 2024, jedes größer als das vorige
Monatsumsatz, den OpenAI im März 2026 für sich beziffert hat
Die drei Rückkaufangebote im Vergleich
Was bedeutet das für Kunden im deutschsprachigen Raum?
Ein privates Unternehmen legt keine geprüfte Bilanz vor. OpenAI beziffert den Monatsumsatz auf 1,7 Milliarden Euro,[2] diese Zahl prüft von außen niemand nach. Einkaufsabteilungen, die Lieferanten nach Bonität bewerten müssen, arbeiten hier ohne Testat. Wie eng die Verflechtung ist, zeigt Microsofts KI-Umsatz: 21 Milliarden Euro davon stammen aus dem Geschäft mit OpenAI.
Aufsichtsrechtlich ändert der Rückkauf nichts, die Pflichten laufen weiter. Als Anbieter eines KI-Modells mit allgemeinem Verwendungszweck und systemischem Risiko trifft OpenAI Artikel 55 der KI-Verordnung: Modellevaluierung, Minderung systemischer Risiken, Meldung schwerwiegender Vorfälle an das KI-Büro und angemessene Cybersicherheit.[3] Brüssel prüft die Modelle von OpenAI und Anthropic seit dem 2. August 2026. Klären Sie vor der nächsten Vertragsverlängerung deshalb zwei Punkte: welche Preisanpassungen Ihr Vertrag zulässt und ob ein zweites Modell Ihre Anwendungsfälle abdeckt.
Quellen
[1] OpenAI: „Confidential submission of draft S-1 to the SEC“ (8. Juni 2026)
[2] OpenAI: „OpenAI raises $122 billion to accelerate the next phase of AI“
[3] EUR-Lex: Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 55
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