Nvidia will OpenAI mit einer Bürgschaft über rund 218 Milliarden Euro helfen, ein riesiges Rechenzentrum in Ohio zu mieten. Das berichtet das Wall Street Journal. Für Entscheider ist weniger die Summe brisant als die Frage, ob sich hier Geld im Kreis dreht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenNvidia und OpenAI verhandeln über einen Rückhalt von rund 218 Milliarden Euro für ein einzelnes Rechenzentrum.[1] Laut Wall Street Journal stünde der Chiphersteller dafür gerade, dass OpenAI die nötigen Kredite und Mietverträge bedienen kann. Bestätigt hat keines der beiden Unternehmen die Gespräche, und sie könnten noch scheitern.
Das Wichtigste in Kürze
- Nvidia soll laut Wall Street Journal für rund 218 Milliarden Euro (250 Milliarden Dollar) bürgen, damit OpenAI ein 10-Gigawatt-Rechenzentrum in Ohio mieten kann.
- Die Bürgschaft deckt Miete und Kredite ab, nicht die Chips. Deren Finanzierung von bis zu 305 Milliarden Euro verhandeln beide Firmen zusätzlich.
- Das Gesamtprojekt kostet mehr als 435 Milliarden Euro und wäre das größte Rechenzentrum der Welt. Die erste Ausbaustufe soll 2028 stehen.
- Kritiker sehen darin Kreislauffinanzierung: Nvidia sichert Geld ab, mit dem am Ende Nvidia-Chips gekauft werden.
Wofür soll Nvidia 218 Milliarden Euro garantieren?

Nvidia bürgt laut Wall Street Journal nicht mit Bargeld, sondern als Ausfallgarantie: Kann OpenAI die Miete und Kredite für sein Ohio-Rechenzentrum nicht bedienen, springt der Chiphersteller ein. Die Chips im Gebäude deckt die Zusage ausdrücklich nicht ab.
Das Projekt entsteht im Süden Ohios, entwickelt von SB Energy, einer Tochter des japanischen SoftBank-Konzerns. Geplant sind zehn Gigawatt Leistung, mehr als große deutsche Kraftwerke liefern. Rechenzentrum der Superlative: Inklusive Chips summiert sich das Vorhaben auf über 435 Milliarden Euro (500 Milliarden Dollar, umgerechnet zum Kurs von 0,87 Euro je Dollar, Stand Juli 2026).
Bürgschaft statt Kredit: Weil Banken einem noch defizitären KI-Anbieter solche Summen nicht ohne Sicherheit leihen wollten, tritt Nvidia als Garantiegeber auf. Für OpenAI ist es der erste Schritt, eigene Infrastruktur zu kontrollieren, statt sie bei Microsoft, Amazon und Oracle zu mieten.
Warum warnen Kritiker vor Kreislauffinanzierung?
Weil dasselbe Geld im Kreis läuft: Nvidia sichert die Finanzierung, OpenAI kauft davon Nvidia-Chips, und Nvidia bucht daraus Umsatz. Kritiker wie der Investor Michael Burry sehen darin ein Zeichen, dass die KI-Nachfrage künstlich robust aussieht.
Schon im Herbst 2025 hatte Nvidia zugesagt, bis zu 87 Milliarden Euro in OpenAI zu investieren. Nun kämen Bürgschaft und eine mögliche Chip-Finanzierung von bis zu 305 Milliarden Euro hinzu. Geld im Kreis: Der Chiphersteller finanziert damit faktisch seinen eigenen größten Kunden. Nvidia baut seine Rolle im KI-Stack aus, zuletzt mit einer KI-Sicherheitsallianz mit Microsoft und Siemens.
Neu ist das Muster nicht. Bei den Rechenzentrumsbetreibern CoreWeave und Nebius läuft ein ähnliches Kreislaufgeschäft hinter dem GPU-Boom. Branchenweit summieren sich solche Verflechtungen 2026 auf rund 700 Milliarden Euro.
Solange dieselben Dollar zwischen Chiphersteller und KI-Labor hin- und herwandern, sieht die Nachfrage robuster aus, als sie ist. Fällt die reale Auslastung zurück, trifft der Rückschlag alle Beteiligten gleichzeitig.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Nvidia bürgt
Der Chiphersteller sichert die Finanzierung ab, damit Banken OpenAI die Milliarden überhaupt leihen.
OpenAI kauft
Mit dem abgesicherten Geld mietet OpenAI das Rechenzentrum und ordert bis zu 305 Mrd. € an Nvidia-Chips.
Nvidia verdient
Der Umsatz landet wieder bei Nvidia. Kritiker fragen, wie viel Nachfrage davon wirklich neu ist.
Was heißt das für Europas Entscheider?
Europas Unternehmen bauen zunehmend auf einer KI-Infrastruktur auf, die wenigen US-Konzernen gehört und über verflochtene Finanzierungen zusammenhängt. Ein Rückschlag im Kreislauf würde Preise, Verfügbarkeit und Projektpläne im Mittelstand unmittelbar treffen.
Für den deutschsprachigen Markt zählt das Klumpenrisiko dahinter. Konzentrationsrisiko: Produktive KI-Anwendungen hängen an Chips, Cloud und Kapital derselben Handvoll Anbieter. Ob die KI-Blase wirklich platzt, treibt die Branche längst um.
Der Vergleich mit der Dotcom-Zeit liegt nahe. Ende der 1990er haben Netzwerkausrüster ihre Kunden finanziert, um Umsätze zu treiben; als die Käufer nicht mehr zahlen konnten, hat der Einbruch beide Seiten mitgerissen. Praktische Lehre: Verträge mit mehreren Anbietern absichern, Wechseloptionen offenhalten und Budgets nicht auf dauerhaft fallende KI-Preise bauen.
Quelle
[1] Wall Street Journal: „Nvidia in Talks With OpenAI to Guarantee $250 Billion Financing for Data Center“ ↩
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