Stellantis trennt sich vom Carsharing und gibt das Geschäft von Free2move an den Münchner Sanierungsinvestor Mutares ab. Betroffen sind Flotten in 14 Städten, darunter sechs deutsche und Wien. Die Kundschaft erlebt den dritten Eigentümerwechsel seit 2019.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFree2move hat seit 2019 zweimal den Eigentümer gewechselt, der dritte kommt aus der Sanierungsbranche. Mutares kauft Randgeschäfte aus Konzernen heraus und führt sie eigenständig weiter. Der Verkauf soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Stellantis gibt seine gesamte Beteiligung am Carsharing-Geschäft von Free2move an Mutares ab, Abschluss bis Ende 2026.
- Die Flotten stehen in 14 Städten in Europa und den USA, darunter sechs deutsche Städte sowie Wien.
- Free2move ist 2019 aus car2go von Daimler und DriveNow von BMW hervorgegangen und hat bis 2023 Share Now geheißen.
- Die frei abstellbare Flotte in Deutschland ist zum 1. Januar 2026 um 9,5 Prozent gesunken, stationsbasierte Anbieter haben um 2,2 Prozent zugelegt.
Was gibt Stellantis genau ab?

Verkauft wird das Carsharing-Geschäft von Free2move, also die frei abstellbaren Mietwagen samt App, nicht die komplette Mobilitätsmarke. Einen Kaufpreis nennen beide Seiten nicht, der Vollzug hängt an den Freigaben der Behörden.[1]
Virgilio Cerutti, bei Stellantis für Geschäftsentwicklung zuständig, begründet den Schritt mit der Konzentration auf das Kerngeschäft: „Indem wir unseren Fokus auf die zentralen Automobilaktivitäten schärfen, stärken wir unsere Fähigkeit, langfristig Leistung zu liefern.“ Johannes Laumann, Investmentchef von Mutares, sieht in der Marke „klares Potenzial für operative Verbesserungen nach einer geplanten Herauslösung aus Stellantis“.
Warum schrumpft das frei abstellbare Carsharing?
Das frei abstellbare Carsharing bindet Kapital in der Flotte, und die Auslastung entscheidet sich in jeder Stadt neu: In Deutschland ist dieser Bestand zum 1. Januar 2026 um 9,5 Prozent auf rund 24.800 Fahrzeuge gefallen.[2]
Der Bundesverband CarSharing zählt zum selben Stichtag 43.190 Fahrzeuge im deutschen Markt, 4,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.[2] Der gesamte Rückgang stammt aus dem frei abstellbaren Segment, denn die stationsbasierten Anbieter haben ihre Flotte auf 18.390 Fahrzeuge ausgebaut.
Der Mechanismus dahinter ist unspektakulär. Jedes Auto steht in der Bilanz und verdient nur in den Stunden, in denen jemand fährt. Stationsbasierte Anbieter kalkulieren mit fester Station und Vorausbuchung, die frei abstellbare Flotte trägt zusätzlich Umverteilung und teuren Parkraum. Wie schwer der Restwert wiegt, zeigt der Wertverlust beim Elektroauto.
Das Muster kennt die Branche. Daimler und BMW haben car2go mit DriveNow 2019 zu Share Now zusammengelegt, 2020 den Nordamerika-Betrieb eingestellt, 2022 den Rest an Stellantis abgegeben. Mutares hat erst im Juli 2026 das Autolicht-Geschäft von Magna übernommen, greift also erneut nach einem Randgeschäft der Autoindustrie.
Bei Free2move kauft Mutares eine Flotte mit Restwert und eine App mit Nutzerbasis, das Wachstum muss der Sanierer selbst herstellen. Über den Erfolg entscheiden die Städte, in denen die Autos heute noch stehen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Vier Zahlen zum deutschen Carsharing
Sieben Jahre, drei Eigentümer
Was ändert sich für deutsche Städte?
Kommunen dürfen seit dem Carsharing-Gesetz von 2017 öffentliche Stellplätze für Carsharing reservieren, verlieren die Planungsgrundlage aber in dem Moment, in dem ein Anbieter eine Stadt aufgibt. Genau dieses Risiko bringt der Verkauf für Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf, Frankfurt und Wien zurück auf den Tisch.
Ein Sanierungsinvestor prüft jeden Standort nach Deckungsbeitrag, unrentable Städte fallen dabei zuerst weg. Der Nordamerika-Rückzug von Share Now im Jahr 2020 hat gezeigt, wie schnell aus einer Konsolidierung ein Marktaustritt wird. Fuhrparkverantwortliche brauchen dieselbe Vorsicht wie bei der Streichung der E-Dienstwagen in der Schwarz-Gruppe.
Bis zum Abschluss Ende 2026 ändert sich im Betrieb nichts. Unternehmen mit Geschäftskonten bei Free2move prüfen jetzt gerne die Kündigungsfristen und nehmen einen stationsbasierten Anbieter als Zweitoption auf, weil dieses Segment als einziges noch wächst. Der Kostenvergleich lohnt ohnehin, denn zwischen Minutenpreis und eigenem Ladetarif liegen deutliche Unterschiede, und die Preise für gebrauchte E-Autos verschieben die Rechnung zusätzlich.
Quellen
[1] Stellantis: „Stellantis Announces Agreement to Sell Free2move’s Car-sharing Business to Mutares“ (28. Juli 2026)
[2] Bundesverband CarSharing: Carsharing-Statistik 2026 (Stichtag 1. Januar 2026)
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