Die US-Umweltbehörde EPA bescheinigt dem neuen Mercedes EQS 500 4Matic eine Reichweite von 443 Meilen, umgerechnet 713 Kilometer. Für dasselbe Modell nennt Mercedes in Deutschland bis zu 869 Kilometer nach WLTP. Den Abstand von 156 Kilometern verursachen die Prüfregeln, nicht das Auto.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Reichweite des Mercedes EQS schrumpft auf dem Papier, sobald die Limousine den Atlantik überquert und nach amerikanischen Regeln geprüft wird. Inzwischen stehen die offiziellen US-Werte für das Modelljahr 2027 im Verbrauchsportal fueleconomy.gov,[1] also für die Modellpflege mit 800-Volt-Technik, die Mercedes im April vorgestellt hat. Für Fuhrparkleiter in Deutschland ist die US-Zahl die nützlichere.
Das Wichtigste in Kürze
- Für den EQS 500 4Matic nennt Mercedes bis zu 869 Kilometer nach WLTP, die EPA kommt auf 713 Kilometer.
- Gegenüber dem Vorjahresmodell legt der EQS 580 4Matic nach EPA um 17 % zu, vor allem dank geringerem Verbrauch.
- Im ADAC-Ecotest bleiben E-Autos im Schnitt 15 bis 20 % unter ihrer WLTP-Reichweite.
Warum fällt die Reichweite nach EPA kürzer aus als nach WLTP?

Der WLTP-Zyklus dauert auf dem Prüfstand 30 Minuten und führt über 23,25 Kilometer, im Schnitt mit 46,5 km/h und in der Spitze mit 131 km/h.[2] Geprüft wird bei 23 und 14 Grad. Autobahntempo erreicht die Normrunde nur kurz.
Die EPA misst ebenfalls im Labor, rechnet das Ergebnis aber herunter. Im gängigen Verfahren multipliziert die Behörde die gemessene Reichweite mit dem Faktor 0,7. Der Abschlag soll Klimaanlage, Kälte sowie hohes Tempo und forsche Fahrweise abbilden, die der Labortest nicht erfasst.[3] Der Faktor setzt am US-Laborwert an, nicht am WLTP-Wert. Unterm Strich liegt der EPA-Wert des EQS 500 4Matic deshalb nicht 30, sondern 18 % unter dem WLTP-Bestwert.
Wie viel sparsamer fährt der neue EQS?
Der EQS 580 4Matic kommt nach US-Norm auf 434 Meilen, das Vorjahresmodell schaffte 371 Meilen, ein Plus von 17 %. Gleichzeitig sinkt der Verbrauch von 36 auf 30 kWh pro 100 Meilen, umgerechnet von gut 22 auf knapp 19 kWh pro 100 Kilometer.[1] Den Zuwachs erklärt damit fast allein der geringere Verbrauch.
Als Hebel nennt Mercedes ein Zweiganggetriebe an der Hinterachse, dessen lang übersetzter zweiter Gang auf Autobahntempo und Effizienz ausgelegt ist.[4] Für die nächste Generation soll LG Energy Solution laut dem koreanischen Fachportal The Elec große Rundzellen aus Polen liefern.
Mit der neuen 800-Volt-Technik lädt der EQS zudem mit bis zu 350 kW.[4] Beim ID. Tiguan verzichtet Volkswagen dagegen auf 800 Volt. Was die beiden Spannungsebenen im Alltag unterscheidet, erklärt der Überblick zu 800 und 400 Volt im Elektroauto.
Mit welcher Reichweite sollten Sie planen?
Der ADAC landet mit seinem Ecotest bei ähnlichen Abschlägen. Elektroautos verbrauchen dort im Schnitt 15 bis 20 % mehr Strom als nach WLTP angegeben, die Reichweite sinkt entsprechend.[5] Der EPA-Wert des EQS liegt mit 18 % Abstand mitten in dieser Spanne und eignet sich deshalb auch hierzulande als Planungsgröße.
Die WLTP-Zahl taugt für den Prospekt, für die Dienstreise rechnet ein Fuhrparkleiter besser mit dem EPA-Wert.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Bei Modellen aus China kommt eine dritte Norm ins Spiel. Die 1008 Kilometer des BYD Da Han beruhen auf dem chinesischen CLTC-Zyklus und lassen sich mit WLTP- oder EPA-Werten nicht direkt vergleichen.
Vergleichen Sie Reichweiten am besten nur innerhalb derselben Norm und planen Sie Langstrecken mit rund 80 % des WLTP-Werts, im Winter mit weniger. Wie viel Reichweite die Kälte kostet und was eine Wärmepumpe davon zurückholt, zeigt der Reichweiten-Rechner für E-Autos. Auch die Ladeangabe von Mercedes, 320 Kilometer in zehn Minuten, bezieht sich auf WLTP.[4] Mit dem Abschlag der US-Norm blieben davon rechnerisch rund 260 Kilometer.
Quellen
[1] fueleconomy.gov (U.S. Department of Energy und EPA): „Compare Side-by-Side: 2027 Mercedes-Benz EQS 500 4matic, 2027 EQS 580 4matic, 2026 EQS 580 4matic“ (abgerufen am 5. Oktober 2026)
[2] ADAC: „WLTP statt NEFZ: So funktioniert das aktuelle Messverfahren“ (5. März 2024)
[3] U.S. Environmental Protection Agency: „Fuel Economy and EV Range Testing“
[4] Mercedes-Benz USA: „The new Mercedes-Benz EQS: Smarter than ever. Travel further than ever.“ (13. April 2026)
[5] ADAC: „Fakten zur Elektromobilität: Das sind die Vor- und Nachteile“ (1. September 2025)
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