Die Spedition Gartner aus dem oberösterreichischen Lambach kauft 40 elektrische Sattelzugmaschinen, je 20 bei MAN und beim chinesischen Hersteller Superpanther. Dessen Modell eTopas 600 montiert Steyr Automotive seit Juli aus vormontierten Baugruppen, deren Kern aus China kommt. Der EU-Ausgleichszoll auf chinesische Elektroautos fällt für die Zugmaschinen nicht an, weil die Verordnung nur Pkw erfasst.

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Rund 9,6 Millionen Euro investiert Gartner in die 40 E-Lkw und zwölf Gleichstrom-Ladestationen am Firmensitz, 60 Prozent davon entfallen auf die Fahrzeuge. Etwa 3,5 Millionen Euro steuert die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG bei, wie das Fachportal electrive berichtet.[1] Die Auslieferung beginnt laut der Österreichischen Verkehrszeitung im Januar 2027.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Gartner bestellt 20 MAN eTGX und 20 Superpanther eTopas 600.
  • Für Superpanther ist das der größte bekannte Einzelauftrag in Europa.
  • Seit August 2024 hält Lidl 35 Prozent an der Spedition.

Was steckt in der Zugmaschine aus Steyr?

Karton mit Triebwerk, Schild „STEIERNOCK“, Schuhen und Aufkleber „Endmontage Steyr“
Steyr Automotive montiert den eTopas 600 aus europäischen und chinesischen Komponenten. Superpanther liefert E-Achse und Elektronik, CATL die Batterie. Serienproduktion seit 27. Juli

Steyr Automotive, das Werk des Industriellen Siegfried Wolf, montiert den eTopas 600 aus teilzerlegt angelieferten Baugruppen. Superpanther liefert aus China die E-Achse mit zwei Motoren und die Leistungselektronik, die Batterie stammt von CATL. Europäische Zulieferer wie ZF, Schaeffler, Continental und Infineon steuern weitere Systeme bei. Der erste Serien-Lkw lief am 27. Juli vom Band.[3]

Steyr Automotive gibt rund 600 Kilometer Reichweite bei gemischter Beladung an, den Verbrauch mit etwa 0,95 Kilowattstunden je Kilometer. Geladen wird über zwei CCS2-Buchsen gleichzeitig, also an zwei gewöhnlichen Schnellladepunkten. Eine Ladung von 20 auf 80 Prozent dauert so unter 38 Minuten.[3] Rechnerisch fließen dabei rund 370 Kilowattstunden in den Akku, genug für knapp 390 Kilometer. Der Ladestopp passt damit in die gesetzliche Lenkpause von 45 Minuten, für die Scania bei seinem ersten E-Lkw mit Megawatt-Laden auf den neuen MCS-Stecker setzt.

Warum greift der EU-Zoll bei diesen Lkw nicht?

Die Ausgleichszölle der EU-Kommission gelten seit dem 30. Oktober 2024 für neue Elektrofahrzeuge, die in erster Linie bis zu neun Personen befördern.[4] Sattelzugmaschinen fallen nicht darunter. Chinesische Pkw-Hersteller weichen dem Zoll über Auftragsfertiger in Europa aus: GAC lässt seine Elektroautos in Österreich bauen, und auch XPeng produziert inzwischen bei Magna in Graz.

Superpanther muss Speditionen vor allem mit dem Service überzeugen, denn bei einem Lkw-Kauf zählen Werkstattnetz und Ersatzteilversorgung ebenso wie der Antrieb. Die Marke bindet dafür den Werkstattverbund Alltrucks mit einem Pannendienst rund um die Uhr ein.[3] Bis Ende 2027 sollen laut Europachef Michael Ruf 1.000 Superpanther-Lkw in Europa fahren.[1]

40 E-Lkw für Gartner in Lambach
Eckdaten des Auftrags an MAN und Superpanther
20 + 20
elektrische Sattelzugmaschinen von MAN und Superpanther, Auslieferung ab Januar 2027
9,6 Mio. €
investiert Gartner in Fahrzeuge und Ladestationen, 40 Prozent davon in die Ladetechnik
3,5 Mio. €
Förderung durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG
621 kWh
fasst die LFP-Batterie von CATL im eTopas 600, geladen über zwei CCS2-Buchsen

Was bedeutet der Auftrag für Flottenbetreiber?

Den Takt geben die CO2-Vorgaben für schwere Nutzfahrzeuge vor. Nach der EU-Verordnung 2024/1610 müssen die Lkw-Hersteller den Ausstoß ihrer Neufahrzeuge bis 2030 um 45 Prozent gegenüber 2019 senken.[5] MAN baut dafür Krakau zum zweiten E-Lkw-Werk aus und rüstet mit Partnern für 700 Millionen Euro das Servicenetz auf.

Brüssel hat eine Zollmauer um chinesische Elektroautos gezogen und das Tor für Elektro-Lkw offen gelassen.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Den Anstoß liefert oft der Auftraggeber. Der Lebensmittelhandel elektrifiziert seine Logistik, wie die verdreifachte E-Lkw-Flotte von REWE zeigt, und bei Gartner war Lidl als Miteigentümer bei der Vertragsunterzeichnung vertreten. Flottenleiter im DACH-Raum sollten bei chinesischen Anbietern Werkstattabdeckung und Ersatzteilfristen vertraglich festhalten. Für die Restwertrechnung lohnt der Blick auf die Alterung von Akkus: Steyr Automotive nennt für den eTopas bis zu 4.500 Vollzyklen.[3] Rund 40 Prozent der Gartner-Investition fließen ins Depot, die Ladetechnik gehört deshalb von Anfang an in die Kalkulation.

Quellen

[1] electrive.net: „Gartner beschafft 40 E-Lkw, darunter 20 Superpanther eTopas 600“ (5. Oktober 2026)

[2] Österreichische Verkehrszeitung: „Gartner KG bestellt 40 E-Lkw von MAN und SuperPanther“ (5. Oktober 2026)

[3] Steyr Automotive: „Series production of SuperPanther starts in Steyr“

[4] EU-Kommission, Access2Markets: „EU-Kommission verhängt Ausgleichszölle auf Einfuhren von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen (BEV) aus China“ (12. Dezember 2024)

[5] EUR-Lex: Verordnung (EU) 2024/1610 zur Verschärfung der CO2-Emissionsnormen für neue schwere Nutzfahrzeuge (14. Mai 2024)

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