Der Drohnenabwehr-Spezialist Aaronia will seinen Standort in der Eifel deutlich ausbauen: Auf einer früheren Weihnachtsbaumplantage bei Euscheid sollen bis zu 150 neue Arbeitsplätze entstehen. Heute beschäftigt das Unternehmen dort rund 70 Menschen. Der Verbandsgemeinderat Arzfeld stimmte den Plänen einstimmig zu, eine Investitionssumme nennt Aaronia nicht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenVon der Straße aus sieht man auf dem Firmengelände bei Strickscheid und Euscheid nur einen Zaun, Bäume, Felder und einige große Antennen. Dahinter entwickelt Aaronia Systeme, die Funkverkehr überwachen sowie Drohnen erkennen und abwehren.[1] Zu den Kunden zählen Unternehmen, Militärs, Polizeien und Regierungen in aller Welt.
Das Wichtigste in Kürze
- Aaronia plant in Euscheid und Strickscheid (Eifelkreis Bitburg-Prüm) bis zu 150 neue Arbeitsplätze, heute arbeiten dort rund 70 Menschen.
- Für den Ausbau hat das Unternehmen eine angrenzende Fläche von knapp 4,4 Hektar erworben, das Firmengelände würde sich damit etwa verdreifachen.
- Der Verbandsgemeinderat Arzfeld stimmte am 1. Oktober einstimmig zu, Investitionssumme und Zeitplan sind nicht bekannt.
- Parallel baut Aaronia in Bitburg eine zweite Produktion auf, die 2027 anlaufen soll.
Was plant Aaronia in der Eifel?

Westlich des bestehenden Geländes hat das Unternehmen ein 43.586 Quadratmeter großes Grundstück erworben, auf dem früher Weihnachtsbäume wuchsen. Dort sollen künftig bis zu 150 zusätzliche Arbeitskräfte beschäftigt werden, wie die Planbegründung der Verbandsgemeinde Arzfeld festhält.[2] Weil ein Bebauungsplan von 2004 für einen älteren Betriebsteil in Strickscheid nie bekannt gemacht wurde und deshalb nicht rechtskräftig ist, fassen die Ortsgemeinden Euscheid und Strickscheid nun alle Flächen in einem gemeinsamen Plan von rund 7,4 Hektar zusammen.
Das Vorhaben steckt damit mitten in der Bauleitplanung. Das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans läuft seit Juli 2025, die beiden Dörfer gründeten dafür eigens einen Planungsverband. Am Donnerstagabend gab der Verbandsgemeinderat ohne Diskussion grünes Licht.[1] Bauantrag und Baugenehmigung folgen erst nach Abschluss des Verfahrens. Aaronia selbst wollte sich gegenüber dem SWR nicht äußern, die Verbandsgemeinde nennt „betriebliche Erfordernisse“ als Grund.
Warum wächst ein Drohnenabwehr-Hersteller ausgerechnet auf dem Dorf?
Die Planbegründung wird deutlicher: Aaronias Messtechnik braucht einen Standort, der von Störquellen wie Funkmasten und Antennenanlagen abgeschirmt ist. Weil der Betrieb zudem als sicherheitsrelevant gilt, scheiden die Gewerbegebiete der Umgebung aus, realistische Alternativen sehen die Planer keine.[2] Der Mainzer Managementprofessor Andranik Tumasjan verweist auf die Testbedingungen: Wenige Funkstörungen böten in der Eifel bessere Möglichkeiten für Tests im freien Gelände.[1]
Den Platz braucht das Unternehmen für wachsende Aufträge. Im August meldete Aaronia einen Einzelauftrag über mehr als 72 Millionen Euro für die Ortungssysteme Aartos Hawk und Aartos X9, den Kunden nannte das Unternehmen nicht.[3] Mitte September kündigte die Firma eine zweite Produktionsstätte in Bitburg an: rund 10.500 Quadratmeter Nutzfläche, ein zweistelliger Millionenbetrag für Kauf, Umbau und Ausstattung, Fertigungsstart 2027.[4] Wie gefragt Abwehrtechnik ist, zeigen auch die Verträge von Diehl, Hensoldt und Quantum Systems beim Merz-Besuch in Kiew.
Aaronia sucht bis zu 150 Leute in einem Kreis mit 3,2 Prozent Arbeitslosigkeit. Das Grundstück hat Aaronia schon gekauft, die Belegschaft wird zur eigentlichen Baustelle.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Woher sollen die neuen Fachkräfte kommen?
Im Eifelkreis Bitburg-Prüm lag die Arbeitslosenquote im September bei 3,2 Prozent, 1.774 Menschen waren arbeitslos gemeldet. Gleichzeitig standen bei der Arbeitsagentur 720 offene Stellen im Kreis, die meisten im verarbeitenden Gewerbe.[5] Beide vom SWR befragten Wissenschaftler bezweifeln, dass Aaronia die neuen Jobs sofort besetzt. Schon heute holt ein Shuttle-Dienst einen großen Teil der Belegschaft am Wohnort ab und fährt die Beschäftigten nach Feierabend zurück.[2]
Den Weg in die Rüstung gehen derzeit vor allem Industriekonzerne mit bestehenden Werken. Hensoldt baut das frühere Triumph-Werk in Aalen zur Radarfertigung um, Heidelberger Druckmaschinen setzt mit dem ONBERG-Werk auf autonome Drohnenabwehr und Schaeffler will mit Delair Kampfdrohnen bauen. In der Eifel wächst dagegen ein Mittelständler aus eigener Technik heraus und braucht dafür neues Planungsrecht im Außenbereich.
Kommunen mit ähnlichen Anfragen zeigt der Fall, wie lange die Bauleitplanung für einen standortgebundenen Betrieb dauert: Das Verfahren läuft seit über einem Jahr, ein Baubeginn ist nicht terminiert. Personalverantwortliche im Eifelkreis sollten einplanen, dass ein wachsender Arbeitgeber mit eigenem Fahrdienst um dieselben Fachkräfte aus der Elektronik wirbt. In der Debatte um den Standort Deutschland bildet der Fall einen seltenen Gegenpol zu den Abbaumeldungen dieses Herbsts.
Quellen
[1] SWR Aktuell: „Drohnenabwehr: Hightech-Firma aus der Eifel schafft bis zu 150 Jobs“ (05.10.2026)
[2] Verbandsgemeinde Arzfeld: 45. Fortschreibung des Flächennutzungsplans, Teilbereich „Sondergebiet Aaronia AG“, Städtebauliche Begründung (Vorentwurf) (08.07.2025)
[3] Militär Aktuell: „Aaronia: Mega-Auftrag für Aartos X9 und Hawk-Drohnendetektion“ (12.08.2026)
[4] Militär Aktuell: „Aaronia fährt seine Produktionskapazitäten hoch“ (15.09.2026)
[5] Agentur für Arbeit Trier: „Arbeitslosigkeit im Bezirk der Agentur für Arbeit Trier gesunken“ (30.09.2026)
Mehr Newshunger?
- Iris-T und Abfangdrohnen: Diehl, Hensoldt und Quantum Systems schließen beim Merz-Besuch Verträge mit Kiew
- ZF verleiht Fachkräfte an Diehl Defence: Entwicklungszeit als Dienstleistung für die Rüstung
- Deutz macht das Wehrgeschäft zur vierten Säule: Hybridantrieb für Hypercrafts Bodenroboter
- Vom Kugellager zur Kampfdrohne: Schaeffler und Delair planen 100 Stück am Tag
- Telekom teilt die Drohnenerkennung: eine Sensorik für mehrere KRITIS-Betreiber
- Heidelberger Druckmaschinen: vom Offsetdruck zu Drohnen und Batteriezellen
