Schneider Electric übernimmt den US-Softwarehersteller PTC für rund 20,1 Milliarden Euro in bar. Mit Windchill und Creo gehört die Konstruktionssoftware vieler Maschinenbauer künftig einem Konzern, der selbst Steuerungen und Antriebe verkauft. Offenheit gegenüber anderen Herstellern verspricht Schneider bisher nur in der Pressemitteilung, ohne Preise oder Fristen zu nennen.

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Für die PTC-Übernahme zahlt Schneider Electric 205 US-Dollar je Aktie, umgerechnet rund 178 Euro und 42,3 Prozent mehr als der letzte Schlusskurs vor der Ankündigung am 5. Oktober 2026.[1] Einschließlich der Schulden bewertet der französische Konzern den Softwarehersteller aus Boston mit 21,1 Milliarden Euro. Der Abschluss ist bis zum dritten Quartal 2027 geplant.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schneider Electric finanziert den Kauf mit 5 bis 6 Milliarden Euro aus neuen Aktien und 16 bis 17 Milliarden Euro neuen Schulden.
  • PTC beschäftigt mehr als 7.000 Menschen, betreut über 30.000 Kunden und setzte 2025 rund 2,4 Milliarden Euro um.
  • Mit PTC, AVEVA und Cognite käme Software rechnerisch auf 24 Prozent des Schneider-Umsatzes.
  • Kepware und ThingWorx gehören nicht zum Kauf, PTC verkaufte beide Sparten im März 2026 an den Finanzinvestor TPG.

Warum kauft ein Automatisierer Konstruktionssoftware?

Zahnrad auf Plan mit Schild „NEUER BESITZER“ und Papierrolle
Schneider Electric übernimmt PTC und ergänzt sein Angebot um Konstruktions- und Lifecycle-Management-Software für den Produktentwicklungsprozess

Mit der britischen Tochter AVEVA deckt Schneider Electric bereits den Betrieb von Industrieanlagen ab. Bisher fehlte der Anfang des Produktlebenszyklus: In Creo konstruieren Ingenieure Bauteile am Rechner, Windchill verwaltet Stücklisten, Zeichnungen und Änderungsstände, Codebeamer die Anforderungen an die Software im Produkt. Konzernchef Olivier Blum will mit PTC „einen einzigartigen digitalen Faden für die nächste Generation industrieller KI“ knüpfen, der Daten von der Konstruktion bis zur Wartung verbindet.[1]

Siemens verfolgt dieses Modell seit Jahren: Der Konzern verknüpft die Konstruktionssoftware NX und das PLM-System Teamcenter mit den eigenen Steuerungen. 2025 kaufte der Münchner Konzern den Simulationsspezialisten Altair für 10,6 Milliarden US-Dollar, rund 9,2 Milliarden Euro.[2] Inzwischen steckt die Altair-Technik in der Simulationssoftware Simcenter. Wie Siemens Konstruktions- und Betriebsdaten zusammenführt, zeigt auch das Datenmodell für die KI-Werft von HD Hyundai.

Was kostet Schneider der Kauf?

Schneider bewertet PTC mit dem 21-Fachen des für 2027 erwarteten bereinigten Ebita, gerechnet ohne Synergien.[1] Ab dem dritten Jahr sollen jährlich 250 Millionen Euro Kosten wegfallen, dazu erwartet der Konzern rund 800 Millionen Euro zusätzlichen Umsatz aus gemeinsamen Verkäufen. Die Aktienrückkäufe setzt Schneider 2027 und 2028 aus, die Bonitätsnoten sollen im A-Bereich bleiben.

Schneider bekommt einen schlankeren Hersteller als noch vor einem Jahr. Im März 2026 schloss PTC den Verkauf der Industrievernetzung Kepware sowie der IoT-Plattform ThingWorx an TPG ab und erhielt dafür 523 Millionen US-Dollar, rund 455 Millionen Euro.[3] Parallel läuft die Übernahme von Shelly: Im September bot Schneider für den Smart-Home-Hersteller 70 Euro je Aktie.

Ein Satz zur Offenheit in einer Pressemitteilung ersetzt keine Klausel im Lizenzvertrag.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Schneider Electric kauft PTC
Die wichtigsten Zahlen zur Übernahme des US-Softwareherstellers
20,1 Mrd. €
zahlt Schneider in bar für alle PTC-Aktien
42,3 %
Aufschlag auf den letzten Schlusskurs der PTC-Aktie vor der Ankündigung
2,4 Mrd. €
Umsatz von PTC im Jahr 2025, bei rund 40 Prozent bereinigter Ebita-Marge
24 %
Anteil der Software am Schneider-Umsatz nach dem Kauf, pro forma gerechnet
Woher das Geld kommt
Neue Schulden16–17 Mrd. €
Neue Aktien5–6 Mrd. €
Der Weg zum Abschluss
März 2026Verkauf: PTC gibt Kepware und ThingWorx an den Finanzinvestor TPG ab
5. Okt. 2026Vertrag: Schneider bietet 205 US-Dollar je PTC-Aktie in bar
16. Okt. 2026Zahlen: Schneider legt den Umsatz des dritten Quartals früher als geplant vor
Bis Q3 2027Abschluss geplant: Die PTC-Aktionäre und die Kartellbehörden müssen noch zustimmen

Was sollten Maschinenbauer jetzt verhandeln?

Ein Maschinenbauer kann mit Creo konstruieren, in Windchill seine Produktdaten verwalten und seine Anlagen mit Steuerungen von Siemens oder Beckhoff ausrüsten. Nach dem Kauf gehört sein PLM-System einem Konzern, der mit eigenen Modicon-Steuerungen um dieselben Kunden wirbt. Schneider will laut Mitteilung einen „offenen Ansatz über Hersteller und Hardware hinweg“ bewahren,[1] nennt aber weder Preiszusagen noch Fristen für die Produktpflege. Windchill-Server stehen zudem im Visier von Angreifern: Im August behauptete die Erpressergruppe Cl0p, über eine Windchill-Lücke Konstruktionsdaten von knapp 50 Konzernen erbeutet zu haben.

Bis zum Abschluss lohnen Nachverhandlungen über diese Punkte im Lizenzvertrag:

  • eine Obergrenze für Preiserhöhungen bei den nächsten Verlängerungen,
  • ein Sonderkündigungsrecht für den Fall, dass der neue Eigentümer ein Produkt abkündigt,
  • ein festgeschriebener Export der Produktdaten in neutrale Formate wie STEP,
  • verbindliche Fristen für Sicherheitsupdates der eingesetzten Windchill-Versionen.

FAQ: Schneider Electric übernimmt PTC

Wie viel zahlt Schneider Electric für PTC?

Schneider Electric zahlt 205 US-Dollar je PTC-Aktie in bar, insgesamt rund 20,1 Milliarden Euro. Einschließlich der Schulden bewertet der Konzern PTC mit 21,1 Milliarden Euro. Das Angebot liegt 42,3 Prozent über dem letzten Schlusskurs vor der Ankündigung am 5. Oktober 2026.

Welche Software gehört zu PTC?

PTC entwickelt die CAD-Software Creo und Onshape, das PLM-System Windchill, die Anforderungsverwaltung Codebeamer sowie Software für den Kundendienst. Kepware und ThingWorx gehören seit März 2026 dem Finanzinvestor TPG.

Wann wird die Übernahme von PTC abgeschlossen?

Schneider Electric und PTC planen den Abschluss bis zum dritten Quartal 2027. Vorher müssen die PTC-Aktionäre auf einer außerordentlichen Versammlung und die zuständigen Kartellbehörden zustimmen.

Quellen

[1] Schneider Electric und PTC: „Schneider Electric to acquire PTC, creating the next level of Energy and Industrial Intelligence“

[2] Siemens: „Siemens strengthens leadership in industrial software and AI with acquisition of Altair Engineering“

[3] PTC: „TPG Acquires PTC’s Industrial Connectivity and IoT Businesses“

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