Ein Jahr nach der 10-Milliarden-Übernahme zieht Siemens die Simulationswerkzeuge von Altair in die eigene Simcenter-Plattform. Das erste gemeinsame Release verspricht Ingenieuren Ergebnisse in Sekunden statt in einer durchgerechneten Nacht. Für den Maschinenbau entscheidet sich damit, wer die Produktentwicklung künftig bezahlbar hält.

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Siemens Simcenter rechnet Strömungs- und Festigkeitssimulationen nach dem jüngsten Release bis zu 1000-mal schneller, sobald eine trainierte KI das Ergebnis vorhersagt statt es klassisch zu lösen.[1] Dahinter steht die Integration von Altair, dem 2025 für 10,6 Milliarden Dollar übernommenen Simulationsspezialisten. Der Schritt ordnet sich in eine breite Bewegung ein, in der Industriekonzerne künstliche Intelligenz von der Fabrikhalle bis ins Konstruktionsbüro tragen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Siemens hat die Simulationsprodukte von Altair erstmals in einem gemeinsamen Simcenter-Release zusammengeführt.
  • Simcenter PhysicsAI sagt Ergebnisse bis zu 1000-mal schneller voraus als ein herkömmlicher Solver.
  • Ein generativer Modus entwirft Konstruktionsvarianten in Sekunden statt in Tagen.
  • Die Altair-Übernahme hat 10,6 Milliarden Dollar gekostet und soll langfristig über eine Milliarde Dollar Zusatzumsatz pro Jahr bringen.

Was steckt im ersten gemeinsamen Simcenter-Release?

Knetauto im Windkanal aus Papier, Stoppuhr und Schnecke
Siemens integriert Simcenter Inspire, STAR-CCM+, Simsolid, Flux und Hypermesh in der Xcelerator-Plattform mit abgestimmten Arbeitsabläufen

Werkzeugkasten vereint: Siemens hat Produkte wie Simcenter Inspire, STAR-CCM+, Simsolid, Flux und Hypermesh in aufeinander abgestimmte Arbeitsabläufe gebracht und in die Xcelerator-Plattform eingehängt.[1] Die einst getrennten Altair- und Siemens-Solver arbeiten damit erstmals im selben Ablauf, ohne dass Konstrukteure Daten zwischen Programmen umkopieren müssen.

KI im Kern: Simcenter PhysicsAI nutzt geometrisches Deep Learning, um Berechnungen vorherzusagen, ein generativer Modus schlägt neue Entwürfe vor, und die Orchestrierung läuft über Siemens Intelligence Center X. Dieselbe Handschrift hat Siemens schon gezeigt, als der Konzern einen KI-Agenten die industrielle Automatisierung selbst programmieren ließ und HD Hyundai das Datenmodell für die KI-Werft lieferte.

Warum 1000-mal schneller die Ingenieursarbeit verändert

Vorhersage statt Berechnung: Ein klassischer Solver löst die Physik Schritt für Schritt und blockiert dafür Stunden im Rechenzentrum. PhysicsAI ist ein Ersatzmodell, das aus früheren Läufen gelernt hat und das Ergebnis nahezu sofort schätzt. Dadurch wandert die Simulation von der späten Absicherung durch wenige Spezialisten zur frühen Erprobung an jedem Konstruktionsplatz.

Konsolidierungswelle: Der Fall reiht sich in einen Umbau der Ingenieur-Software ein, in dem wenige Plattformanbieter den Markt aufteilen, von der Fusion von Synopsys und Ansys bis zu Siemens und Altair. Den Kaufpreis von 10,6 Milliarden Dollar rechtfertigt Siemens vor allem mit Kreuzverkäufen und rechnet langfristig mit mehr als einer Milliarde Dollar Zusatzumsatz pro Jahr.[2] Wie stark KI die Entwurfsarbeit rafft, hat zuletzt der Fall gezeigt, in dem eine KI in 48 Stunden einen Chip entwarf.

Die eigentliche Nachricht ist nicht die schnellere Rechnung, sondern dass die Simulation aus der Spezialabteilung an jeden Konstruktionsplatz wandert. Genau dort entscheidet sich, ob deutsche Entwicklungsteams ihren Vorsprung halten.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Siemens und Altair: die neue KI-Simulation in Zahlen
Das erste gemeinsame Simcenter-Release, Juli 2026
bis zu 1000×
schneller: PhysicsAI gegenüber einem klassischen Solver
10×
schnelleres Multi-GPU-Training für Strömungssimulation (CFD)
10,6 Mrd. USD
Kaufpreis für Altair, abgeschlossen 2025
> 1 Mrd. USD
angepeilter Zusatzumsatz pro Jahr, langfristig
So verschiebt sich die Simulation

Klassischer Solver

Rechnet die Physik Schritt für Schritt aus.

Stunden bis Nächte pro Lauf.

Späte Prüfung durch Spezialisten.

Simcenter PhysicsAI

Sagt das Ergebnis aus Trainingsdaten voraus.

Antwort in Sekunden.

Frühe Erprobung an jedem Konstruktionsplatz.

Was das für die deutsche Industrie bedeutet

Digitaler Zwilling: Der deutsche Maschinenbau steht unter Kostendruck, und beim durchgängigen Einsatz digitaler Modelle hinkt die Branche hinterher, wie unsere Analyse zur Frage zeigt, warum die deutsche Industrie den digitalen Zwilling verschläft. Nach der Fusion von Synopsys und Ansys unter US-Kontrolle bleibt mit Siemens ein europäischer Anbieter, der die komplette Simulationskette abdeckt, ein Argument für Souveränität bei kritischen Entwicklungsdaten.

Konkret jetzt: Betriebe mit bestehenden Altair- und Simcenter-Lizenzen sollten prüfen, welche Verträge sich zusammenlegen lassen. Ein Ersatzmodell wie PhysicsAI ist zudem nur so gut wie die eigenen Trainingsdaten, weshalb Unternehmen ihre bisherigen Simulationsläufe sichern und aufbereiten sollten, bevor sie auf die KI-Vorhersage setzen. Parallel gehören die Konstruktionsteams geschult, damit die frühe Simulation im Alltag ankommt.

Der Nutzen entsteht nicht durch das Update allein, sondern durch die Datenbasis dahinter. Den vollen Tempovorteil holt aus dem Release nur heraus, wer jetzt die eigene Simulationshistorie ordnet und ein kleines Team an PhysicsAI heranführt.

Quellen

[1] Siemens: „Siemens accelerates engineering simulation with a unified AI-powered Simcenter portfolio“ (28. Juli 2026)

[2] Siemens: „Siemens strengthens leadership in industrial software and AI with acquisition of Altair Engineering“

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