Meta gibt 80 Prozent seines neuen KI-Rechenzentrums in El Paso an BlackRock ab und mietet den Campus anschließend zurück. Der Bau kostet rund 12,2 Milliarden Euro, finanziert überwiegend mit Schulden, die nie im Konzernabschluss auftauchen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin KI-Rechenzentrum mit einem Gigawatt Rechenleistung entsteht derzeit im Nordosten von El Paso, und Meta hat am 28. Juli 2026 mitgeteilt, wem der Campus künftig gehört.[1] Die Antwort lautet: zu vier Fünfteln Fonds von BlackRock. Meta behält ein Fünftel und sämtliche Nutzungsrechte.
Das Wichtigste in Kürze
- BlackRock-Fonds halten 80 Prozent an der gemeinsamen Gesellschaft, Meta 20 Prozent.
- Die Entwicklungskosten liegen bei rund 12,2 Milliarden Euro, davon rund 10,9 Milliarden Euro Fremdkapital.
- Meta mietet den kompletten Campus zurück: vier Jahre Grundlaufzeit, verlängerbar auf bis zu 20 Jahre.
- Für den Restwert haftet Meta bis zu einer Schwelle von rund 11,3 Milliarden Euro.
Warum steht das Geld nicht in Metas Bilanz?

Zweckgesellschaft. Meta hat Grundstück und angefangene Bauten im Wert von rund 2,0 Milliarden Euro eingebracht, BlackRock rund 4,3 Milliarden Euro in bar. Weil Meta nur ein Fünftel der Anteile hält, wird die Gesellschaft nicht konsolidiert. Die rund 10,9 Milliarden Euro Fremdkapital bleiben damit außerhalb des Konzernabschlusses, obwohl allein Meta den Campus nutzt.
Kurze Grundlaufzeit. Der eigentliche Hebel steckt im Mietvertrag. Vier Jahre feste Laufzeit stehen einer Anlage gegenüber, die erst 2028 ans Netz gehen soll und über zwei Jahrzehnte laufen kann. In die Leasingverbindlichkeit fließt nur die nicht kündbare Laufzeit samt jener Optionen, deren Ausübung als hinreichend sicher gilt.
870 Millionen Euro zurück. Zum Ausgleich der Anteile fließt zusätzlich eine einmalige Ausschüttung von rund 870 Millionen Euro an Meta. Begleitet haben die Transaktion J.P. Morgan Securities und Morgan Stanley. Garantien und Zweckgesellschaften prägen den KI-Ausbau inzwischen überall, zuletzt bei Nvidias Bürgschaft für OpenAIs Rechenzentrum.
Was kostet die Bilanzentlastung?
Restwertgarantie. Der Preis steht im Kleingedruckten. Meta garantiert den Restwert des Campus bis zu einer Schwelle von rund 11,3 Milliarden Euro, die im Zeitverlauf sinkt; fällig werden kann die maximale Zahlung innerhalb der ersten 16 Jahre. Damit hängt die Anleihe nicht am Cashflow eines Rechenzentrums, sondern an der Bonität von Meta.
Zweite Auflage. Neu ist die Konstruktion nicht. Für den Campus Hyperion in Louisiana, den Hochtief für Meta baut, hat der Konzern dieselbe Aufteilung mit Blue Owl Capital gewählt. Aus einem Einzelfall ist binnen weniger Monate eine Vorlage geworden, und darauf gründet ein Teil der Sorge um eine KI-Blase.
Nicht die Milliardensumme ist die Nachricht, sondern dass eine Restwertgarantie inzwischen als Kreditersatz durchgeht. Der Anleihemarkt finanziert Metas Ausbau, das Risiko bleibt trotzdem bei Meta.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Woher das Kapital kommt
Drei getrennte Kapitalquellen der gemeinsamen Gesellschaft, keine Summenrechnung: Die Sacheinlage von Meta steckt bereits in den Entwicklungskosten.
Die Laufzeit als Hebel
4 Jahre fest
So lange läuft die Grundmietzeit, zu der sich Meta verbindlich verpflichtet. Nur diese feste Zeit bindet den Konzern vertraglich.
Bis zu 20 Jahre
Vier Verlängerungsoptionen dehnen die Miete auf zwei Jahrzehnte. Die Rechenleistung soll ab 2028 ans Netz gehen.
Was bedeutet das für Europa?
IFRS ändert wenig. Der Unterschied zu Europa liegt nicht im Rechnungslegungsstandard. IFRS 16 verlangt von kapitalmarktorientierten EU-Konzernen seit 2019 ebenfalls, Mietverträge zu bilanzieren, und kennt keine Off-Balance-Miete mehr. Was fehlt, ist ein Private-Credit-Markt, der eine Restwertgarantie dieser Größe überhaupt in eine handelbare Anleihe verwandelt.
Vier gegen zwölf. Über die InvestAI-Fazilität stellt die EU 20 Milliarden Euro für bis zu fünf KI-Gigafactories bereit, also grob vier Milliarden Euro je Standort aus öffentlicher Hand.[2] Ein einziger texanischer Campus kostet das Dreifache und kommt ohne Steuergeld aus. Wie knapp Fläche und Strom dabei werden, zeigen das Moratorium des Bundesstaats New York und die Bonitätsdebatte um Oracles Standort in Wisconsin.
Klauseln prüfen. Dieselbe Mechanik greift im Kleinen bei jedem längeren Colocation-Vertrag: Kurze Grundlaufzeiten mit Verlängerungsoptionen halten die Bilanz schlank und verlagern das Risiko in Garantien. Vor dem nächsten Abschluss gehört deshalb die Frage auf den Tisch, welche Abnahme- und Restwertzusagen im Anhang stehen, auch bei den größten Rechenzentren Deutschlands.
Quellen
[1] Meta: „Meta Announces New Strategic Venture with BlackRock to Develop Data Center in El Paso“
[2] Europäische Kommission: „EU launches InvestAI initiative to mobilise €200 billion of investment in artificial intelligence“
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