Oracle will in Port Washington, Wisconsin, für rund 13 Milliarden Euro ein KI-Rechenzentrum bauen. Doch bevor der erste Server Strom zieht, verlangt der Netzbetreiber eine Sicherheit von mehr als 6 Milliarden Euro. Der Grund ist nicht der Strompreis, sondern Oracles gesunkene Bonität.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin KI-Rechenzentrum scheitert selten am Bauantrag und in diesem Fall auch nicht am Strom selbst. Bei Oracles Projekt steht plötzlich eine Bonitätsnote zwischen Konzern und Netzanschluss. Für Betreiber großer Lasten in Europa ist der Fall ein Lehrstück.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Netzaufsicht in Wisconsin fordert von Oracle mehr als 6 Milliarden Euro Sicherheit, bevor das Rechenzentrum ans Netz darf.
- Auslöser ist die Herabstufung durch S&P auf BBB-, eine Stufe unter der Schwelle, ab der der Tarif eine Sicherheit verlangt.
- Die Anlage in Port Washington gehört zu Oracles rund 260 Milliarden Euro schwerem Rechenpakt mit OpenAI.
- Oracle hat gegen die Auflage geklagt und bietet rund 610 Millionen Euro plus eine Konzernbürgschaft an.
Warum verlangt eine Netzbehörde Milliarden im Voraus?

Der Tarif von We Energies schützt die übrigen Stromkunden: Bindet ein Großverbraucher fast ein Gigawatt, zahlt zunächst er selbst für den nötigen Netzausbau, nicht die Allgemeinheit. Absichern muss er das mit einer Bürgschaft oder einem Akkreditiv.
Die Public Service Commission of Wisconsin hat den Sondertarif für sehr große Kunden im Frühjahr genehmigt, aber vorher nachgebessert, um die Haushalte zu schützen.[1] Springt ein Rechenzentrum später ab, trägt der Betreiber die gestrandeten Netzkosten, nicht die Region. Genau deshalb muss die Sicherheit vor dem Anschluss stehen.
Wie wird aus einer Herabstufung ein Milliardenpfand?
Der Tarif fordert die Sicherheit nur von Kunden unter der Note A-. Am 9. Juli hat S&P Oracle auf BBB- gesenkt, damit fällt der Konzern unter die Schwelle und muss mehr als 6 Milliarden Euro hinterlegen, jährliche Kosten von über 87 Millionen Euro inklusive.
Oracle steckt mitten in einem Investitionsschub: Im Geschäftsjahr 2026 sind die Investitionen auf 48,5 Milliarden Euro gestiegen, ein Plus von 162 Prozent, während der freie Cashflow auf minus 20,6 Milliarden Euro gerutscht ist.[2] Genau diese Kennzahlen haben den Konzern die Bonität gekostet, ein Zusammenhang, den wir schon bei der Herabstufung auf BBB- beschrieben haben.
Der Konzern hat die Auflage vor Gericht angefochten und bietet an, nur 610 Millionen Euro als Akkreditiv zu stellen und den Rest per Konzernbürgschaft abzudecken. Wie hart der Kapitalbedarf drückt, zeigt auch Oracles Griff zu Brennstoffzellen für ein Rechenzentrum in New Mexico.
Nicht die Grafikkarte und nicht das Kraftwerk bremsen den KI-Ausbau, sondern die Bonität. Großverbraucher müssen künftig beweisen, dass sie auch für den Netzausbau geradestehen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Europas Strommarkt?
Deutschland kennt das Prinzip längst: Der Baukostenzuschuss lässt Großabnehmer für ihren Netzanschluss zahlen. Neu ist die Frage, ob auch die Bonität zur Bedingung wird, sobald Rechenzentren ganze Kraftwerksblöcke binden.
Der leistungsabhängige Baukostenzuschuss verteilt die Netzkosten hierzulande bereits auf den Verursacher, und die Bundesnetzagentur arbeitet an einem Kapazitätspreis für Großverbraucher. In dieselbe Richtung zielt der Vorstoß, wonach Rechenzentren den Netzausbau mitfinanzieren sollen. Dass der Engpass des KI-Booms weniger der Chip als der Strom ist, zeigt auch Liebherrs Ausbau der Motorenfertigung.
Standortplaner in Deutschland sollten die Anschlusskosten und mögliche Sicherheiten früh in die Rechnung nehmen und die eigene Bonität als Anschlussrisiko behandeln. Der Wisconsin-Fall macht sichtbar, dass die Finanzierung der Kraftwerksblöcke die eigentliche Hürde ist, wie schon Metas Gaskraftwerke in Louisiana gezeigt haben.
Quellen
[1] Public Service Commission of Wisconsin: Pressemitteilung zum überarbeiteten Rechenzentrums-Tarif von We Energies (Docket 6630-TE-113) ↩
[2] U.S. Securities and Exchange Commission: Oracle Corporation, Form 10-K (Geschäftsjahr 2026) ↩
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