Aumovio verkauft künftig nicht nur die Fahrzeugelektronik, sondern auch die Ladesäulen davor. Auf der IAA Transportation zeigt der aus Continental hervorgegangene Zulieferer erstmals VDO-Ladehardware, die über dieselbe Flottenplattform läuft wie Tachograf und Telematik. Für Betreiber von E-Lkw- und E-Bus-Depots rückt damit ein Anbieter näher, der Ladepunkt, Fahrzeug und Software aus einer Hand liefert.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAuf der IAA Transportation in Hannover stellt Aumovio an diesem Wochenende ein Ladeportfolio vor, das die eigene Kernkompetenz verlängert. Der Zulieferer sitzt mit Tachografen, Steuergeräten und Telematik längst im Nutzfahrzeug. Jetzt kommt die Ladeinfrastruktur fürs Depot dazu, verzahnt mit der bestehenden Flottensoftware.
Das Wichtigste in Kürze
- Aumovio zeigt auf der IAA Transportation 2026 erstmals VDO-Ladelösungen für Flottendepots, vom AC- bis zum DC-Lader.
- Über die Plattform VDO Fleet verwalten Betreiber Ladepunkte, Fahrzeuge und Fahrer gemeinsam.
- Mit dem Dienstleister ENERANDO deckt die Gruppe auch Planung, Netzanschluss und Betrieb der Depots ab.
- EU-Vorgaben zwingen Bus- und Lkw-Flotten zum Umstieg; der Engpass sitzt im Depot, nicht an der Autobahnsäule.
Warum das Depot über die Nutzfahrzeug-Wende entscheidet

Anders als Privatleute laden Speditionen und Verkehrsbetriebe ihre Fahrzeuge fast immer am eigenen Standort, über Nacht und in der Pause. Der Ladeort ist das Depot, nicht die Schnellladesäule an der Autobahn. Große Logistiker ordern längst E-Lkw in Serie, etwa Amazon mit über 200 eActros 600, während Hersteller parallel auf Wasserstoff im schweren Fernverkehr setzen. Am Depot entscheidet sich, ob eine E-Flotte morgens vollgeladen losrollt: am Netzanschluss, am Lastmanagement und an der Zuverlässigkeit jeder einzelnen Säule. Aumovio-Vorstand Ismail Dagli, zuständig für Autonomous and Commercial Mobility, will Innovationen „nicht nur entwickeln, sondern auch wirtschaftlich skalierbar umsetzen“.[1]
Was Aumovio unter der Marke VDO auffährt
Unter der Traditionsmarke VDO bündelt Aumovio künftig Ladehardware für Depots und die passende Software. Das Portfolio reicht vom AC-Lader bis zur DC-Schnellladung, dazu kommt die Plattform VDO Fleet Cloud, die den Ladezustand der Batterien überwacht. Adressiert sind Busdepots, Logistikflotten, kommunale Fuhrparks und Werksgelände. Der Zulieferer deckt im Nutzfahrzeug damit vier Ebenen aus einer Hand ab: die Bordelektronik, die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladepunkt, die Ladehardware und die Flottensoftware darüber. Genau diese Verzahnung zählt, denn Hersteller öffnen gerade ihre Fahrzeug-Betriebssysteme für Partner. Georg Fässler, bei Aumovio Leiter des Segments Nutz- und Spezialfahrzeuge, sieht die Aufgabe „nicht mehr in einzelnen Technologien, sondern in ihrem Zusammenspiel“.[1]
Der Wettbewerb im Nutzfahrzeug verschiebt sich vom besten Steuergerät zum reibungslosen Ladehof. Aumovio verkauft nicht mehr einzelne Teile, sondern die Gewissheit, dass die Flotte morgens fährt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was der ENERANDO-Deal für Flottenbetreiber ändert
Den Betrieb der Ladepunkte übernimmt Aumovio nicht allein. Am 9. September kündigte die Gruppe auf der Messe eine Partnerschaft mit dem Spezialisten ENERANDO Technologies an, der Planung und Betrieb der Depotladeinfrastruktur abdeckt, von der Standortanalyse über den Netzanschluss bis zu Lastmanagement und Abrechnung. VDO liefert Hardware und Plattform. Das Charge-Point-Management-System von ENERANDO wandert in VDO Fleet, sodass Betreiber Ladepunkte, Fahrer und Fahrzeuge über eine Oberfläche steuern. ENERANDO-Geschäftsführer Matthias Schmid betont, entscheidend im gewerblichen Bereich sei, „dass die Ladeinfrastruktur zuverlässig im Betrieb funktioniert“.[2]
Den Druck macht Brüssel. Die EU verlangt von neuen schweren Nutzfahrzeugen 45 Prozent weniger CO2 ab 2030, 65 Prozent ab 2035 und 90 Prozent ab 2040, jeweils gegenüber 2019; Stadtbusse müssen noch früher lokal emissionsfrei fahren.[3] Für Flottenbetreiber liegt die eigentliche Hürde damit woanders: Nicht der Ladepreis entscheidet, sondern der Netzanschluss und ein Lastmanagement, das Dutzende Fahrzeuge über Nacht sauber verteilt. Für Pkw lässt sich der günstigste Ladetarif längst durchrechnen, im Depot zählen Anschlussleistung und Vorlaufzeit. Aumovio setzt nach der Abspaltung von Continental sichtbar auf dieses Bündel aus Hardware und Software, wie zuvor schon ZF, das das Nutzfahrzeug zum Wachstumskern erklärt.
FAQ: Aumovio, VDO und das Laden im Nutzfahrzeug-Depot
Was ist VDO Fleet?
VDO Fleet ist die digitale Flottenmanagement-Plattform von Aumovio, die unter der Marke VDO Fahrzeuge, Fahrer und neuerdings auch Ladepunkte verwaltet. Über die Ergänzung VDO Fleet Cloud überwacht sie den Ladezustand der Batterien und steuert das Laden im Depot als Teil des Flottenbetriebs.
Worin unterscheidet sich Depotladen vom öffentlichen Schnellladen?
Depotladen findet am eigenen Standort statt, meist über Nacht und mit vielen Fahrzeugen gleichzeitig. Entscheidend sind Netzanschluss und Lastmanagement, nicht die maximale Ladeleistung einer einzelnen Säule wie beim öffentlichen Schnellladen an der Autobahn.
Ab wann müssen schwere Nutzfahrzeuge in der EU weniger CO2 ausstoßen?
Die EU verlangt von neu zugelassenen schweren Nutzfahrzeugen 45 Prozent weniger CO2 ab 2030, 65 Prozent ab 2035 und 90 Prozent ab 2040, jeweils gegenüber dem Wert von 2019. Für Stadtbusse gelten zusätzlich frühere Vorgaben zum lokal emissionsfreien Betrieb.
Was hat Aumovio mit Continental zu tun?
Aumovio ist die 2025 von Continental abgespaltene Automotive-Sparte und firmiert seither eigenständig. Das Unternehmen setzte 2025 rund 18,5 Milliarden Euro um und beschäftigt weltweit etwa 82.000 Menschen.
Was bringt die Partnerschaft mit ENERANDO?
ENERANDO Technologies plant, baut und betreibt die Ladeinfrastruktur im Depot, von der Standortanalyse über den Netzanschluss bis zu Lastmanagement und Abrechnung. VDO liefert Hardware und Software, und das Charge-Point-Management-System von ENERANDO läuft in VDO Fleet zusammen.
Quellen
[1] Aumovio: „AUMOVIO auf der IAA Transportation 2026“
[2] ENERANDO Technologies und VDO: „ENERANDO und VDO bündeln Kompetenzen für Ladedepots von Nutzfahrzeugflotten“
[3] Europäische Kommission: „EU-Parlament und Rat einigen sich auf neue CO2-Standards für LKW und Busse“
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