Mercedes-Benz Trucks hat die ersten 27 eActros 600 an Amazon übergeben, den Auftakt einer Bestellung von über 200 Elektro-Lkw. Der Onlinehändler setzt die Fahrzeuge auf der mittleren Meile ein, zwischen Verteilzentren und Ballungsräumen. Für Logistik-Entscheider zeigt der Fall, wo sich der schwere Stromantrieb zuerst rechnet.

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Der eActros 600 fährt künftig für Amazon: Der Onlineriese rollt die schweren Stromer in seinem europäischen Transportnetz aus.[2] Bis Jahresende sollen mehr als 50 auf deutschen und über 140 auf britischen Strecken den Diesel ablösen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Amazon hat über 200 eActros 600 bestellt, die bislang größte Order des Konzerns für schwere Elektro-Lkw.
  • Die Lastwagen fahren auf der mittleren Meile und sollen jährlich über 350 Millionen Pakete ohne Abgase befördern.
  • Der eActros 600 bietet 621 kWh Batterie, 500 Kilometer Reichweite und lädt mit bis zu 400 kW.
  • Amazon baut hunderte Lkw-Ladepunkte an seinen europäischen Standorten.

Amazons größte Bestellung von Elektro-Lkw

Turm aus Pappkartons mit E-Auto-Ladestecker und grünem CO2-Blatt-Etikett auf weißem Grund
Amazon bestellt über 200 Mercedes-Benz eActros 600 Elektro-Lkw. Die Lastwagen sollen jährlich 350 Millionen Pakete emissionsfrei transportieren

Über 200 Fahrzeuge. Amazon hat bei Mercedes-Benz Trucks mehr als 200 eActros 600 geordert, die bislang größte Bestellung des Konzerns für schwere Elektro-Lkw.[1] Die ersten 27 laufen bereits in Deutschland, bis Ende 2026 kommen mehr als 50 zusammen. Mit den britischen Fahrzeugen sollen die Lastwagen pro Jahr über 350 Millionen Pakete ohne Abgase befördern.[2]

Serienreifer Antrieb. Der eActros 600 läuft seit Ende 2024 im Werk Wörth am Rhein vom Band und wurde zum International Truck of the Year 2025 gekürt. Andreas Marschner, Vice President Worldwide Sustainable Operations bei Amazon, ordnet den Einsatz so ein: „Mit den leistungsstarken Elektro-Lkw von Mercedes-Benz Trucks schaffen wir es nun, längere Transportwege nachhaltiger zu gestalten.“

Warum zuerst die mittlere Meile?

Planbare Routen. Die mittlere Meile verbindet Verteilzentren mit Ballungsräumen, auf festen Touren mit Rückkehr ins Depot. Genau dort spielt der eActros 600 seine 500 Kilometer Reichweite aus: laden über Nacht am eigenen Standort, fahren am Tag. Amazon baut dafür hunderte Lkw-Ladepunkte, ein Sprung von 20 auf 80 Prozent dauert bei 400 kW gut eine Stunde.[2]

Rechnung im Depot. Der schwere Stromantrieb rechnet sich zuerst für Flottenbetreiber mit eigenem Hof und festen Touren, nicht für den Fernverkehr. Handelslogistiker gehen denselben Weg, etwa REWE, das die eigene Flotte genau dort ausbaut, wo sich der Stromantrieb zuerst rechnet. Über die Gesamtkosten entscheiden Strompreis und Ladetarife ebenso wie die CO2-Maut, die den Diesel seit Ende 2023 verteuert.

Der Durchbruch beim Elektro-Lkw kommt nicht vom Fernverkehr, sondern aus dem Depot. Feste Routen, ein eigener Hof und die CO2-Maut auf Diesel machen die Rechnung, nicht die Reichweite allein.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was ändert sich für den DACH-Raum?

Strengere CO2-Ziele. Die EU verschärft die CO2-Flottengrenzwerte für schwere Nutzfahrzeuge auf minus 45 Prozent bis 2030 und minus 90 Prozent bis 2040 gegenüber 2019. Für Speditionen und Verlader wird der Diesel damit absehbar teurer. Der eActros 600 lädt heute mit bis zu 400 kW, das Megawattladen für kurze Zwischenstopps folgt.[1]

Netz als Engpass. Die Ladeinfrastruktur entlang der Routen bremst den Umstieg stärker als die Fahrzeugtechnik. Der Aufbau öffentlicher Lkw-Ladepunkte bleibt hinter den Fahrzeugen zurück, weshalb große Flotten wie Amazon zunächst auf eigene Depotladung setzen. Parallel rüsten Werkstätten und Servicenetze für den Hochvolt-Antrieb um.

Amazons eActros-600-Flotte in Zahlen
Die Elektro-Lkw von Mercedes-Benz Trucks in Amazons Paketlogistik, Stand September 2026.
27
eActros 600 bereits an Amazon übergeben
über 200
bestellte Fahrzeuge, Amazons größte Elektro-Lkw-Order
350 Mio.
Pakete pro Jahr ohne Abgase, Deutschland und Großbritannien
621 kWh
Batteriekapazität, 500 km Reichweite ohne Zwischenladen
400 kW
Ladeleistung, 20 auf 80 Prozent in gut einer Stunde
−45 %
EU-CO2-Ziel für schwere Lkw bis 2030 gegenüber 2019

Touren prüfen. Logistik- und Fuhrparkverantwortliche prüfen zuerst die eigenen Strecken: feste Touren bis rund 500 Kilometer mit Rückkehr ins Depot passen am besten zum eActros 600. Ebenso früh lohnt der Blick auf Netzanschluss und Ladeleistung am Standort, denn dort entscheidet sich der Zeitplan des Umstiegs.

Quellen

[1] Daimler Truck: „Großauftrag für Mercedes-Benz Trucks: Amazon bestellt über 200 eActros 600“

[2] Amazon: „Amazon bringt mehr als 50 Mercedes-Benz eActros 600 auf deutsche Straßen“

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