Wasserstoff-Tankstellen für schwere Lkw sind in Europa bislang die Ausnahme. Daimler Truck, Volvo und Toyota spannen deshalb mit den Energiekonzernen Air Liquide und TotalEnergies ein gemeinsames Bündnis für ein europäisches Tankstellennetz. Die konkreten Zahlen zu Standorten und Investitionen nennen die Partner erst am 15. September auf der IAA Transportation in Hannover.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenWasserstoff-Lkw scheitern in der Praxis selten am Fahrzeug und fast immer an der fehlenden Tankstelle. Das neue Bündnis will diesen Knoten lösen, indem Fahrzeuge, Infrastruktur und ein wettbewerbsfähiger Wasserstoffpreis zum ersten Mal zusammen geplant werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Daimler Truck, Volvo und Toyota bauen mit Air Liquide, TotalEnergies, Bosch und weiteren Partnern ein europäisches Wasserstoff-Tankstellennetz auf.
- Die Stationen entstehen entlang strategischer Güterkorridore, zeitlich abgestimmt auf die anrollenden Lkw-Flotten.
- Ziel ist ein wettbewerbsfähiger Wasserstoffpreis, damit die Gesamtkosten mit Diesel und Batterie-Lkw mithalten.
- Die Details folgen am 15. September auf der IAA Transportation in Hannover.
Warum scheitert der Wasserstoff-Lkw bisher an der Zapfsäule?

Henne-Ei-Problem beschreibt die Lage genau. Ohne Tankstellennetz kaufen Speditionen keine Wasserstoff-Lkw, ohne Fahrzeuge baut niemand die teuren Stationen. Genau diese Blockade will das Bündnis auflösen, indem es den Flottenhochlauf und den Stationsbau eng aufeinander abstimmt.
Zwei Antriebe, ein Fernziel prägen die Strategie der Hersteller. Für die lange Strecke mit schwerer Last setzen sie neben dem Batterie-Lkw auf Wasserstoff, weil dort kurze Tankzeiten und hohe Reichweite zählen. Dieselben Konzerne treiben parallel die Ladeinfrastruktur voran, wie das Ziel von 40.000 Megawatt-Ladepunkten bis 2030 zeigt.
Wer steht hinter der Wasserstoff-Allianz?
Hersteller und Energieriesen teilen sich die Aufgaben. Daimler Truck, Volvo und Toyota liefern die Fahrzeuge, Air Liquide und TotalEnergies die Tankinfrastruktur, dazu kommen Bosch, TEAL Mobility und MB Energy für Technik und Versorgung. Das verbindende Ziel ist ein Wasserstoff-Hochlauf bis 2030.[1]
Aus der Erprobung in den Alltag führt der nächste Schritt bei Daimler Truck. Rund 100 Exemplare des Mercedes-Benz NextGenH2 mit flüssigem Wasserstoff sollen ab Ende 2026 in den Kundeneinsatz gehen.[2] Dass die Branche auch beim Diesel-Nachfolger Milliarden in Werkstätten und Netze steckt, zeigt zudem MANs 700-Millionen-Investment ins Servicenetz.
Ein Wasserstoff-Lkw ohne Tankstelle ist ein teures Standbild. Erst wenn Fahrzeug, Zapfsäule und Preis zusammen geplant werden, entsteht ein Markt statt einzelner Vorzeigeprojekte.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Speditionen im DACH-Raum?
Die EU macht Druck mit der AFIR-Verordnung. Ab Ende 2030 muss entlang des europäischen Kernnetzes mindestens alle 200 Kilometer eine Wasserstoff-Tankstelle stehen, die auch schwere Lkw bedient. Das Bündnis besetzt damit ein Feld, das der Gesetzgeber ohnehin erzwingt.
Rechnen statt hoffen lautet der Rat für Fuhrparkleiter. Entscheidend wird der versprochene wettbewerbsfähige Wasserstoffpreis, denn er bestimmt, ob die Kosten je Kilometer mit dem Diesel und dem Laden zu günstigen Stromtarifen mithalten. Bis zur IAA am 15. September bleiben Standortkarte und Preismodell aber offen. Daran entscheidet sich der Wert der Ankündigung.
Quellen
[1] Toyota / gemeinsame Erklärung der Partner: „Industry leaders to join forces to scale hydrogen mobility“
[2] Daimler Truck: „Daimler Truck presents Mercedes-Benz NextGenH2 Truck with small-series production planned from end of 2026“
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