Ein US-Gericht lässt Google sein Werbetechnik-Geschäft behalten und verzichtet auf die geforderte Zerschlagung. Statt die Anzeigenbörse AdX und den Ad-Server DFP abzuspalten, schreibt Richterin Leonie Brinkema dem Konzern nur neue Auktionsregeln vor. Für Werbekunden und Publisher zählt jetzt, was sich im Maschinenraum der Anzeigenauktion wirklich ändert.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIm Streit um Googles Ad-Tech-Geschäft ist am 2. September 2026 das mit Spannung erwartete Sanktionsurteil gefallen. Das Bundesbezirksgericht in Virginia bestätigte das Monopol, lehnte eine Aufspaltung aber ab. Damit endet ein Verfahren völlig anders, als es das US-Justizministerium verlangt hatte.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein US-Gericht untersagt die vom Justizministerium geforderte Aufspaltung: Googles Anzeigenbörse AdX und der Publisher-Ad-Server DFP bleiben im Konzern.
- Stattdessen gelten Verhaltensauflagen, die die Regeln der Anzeigenauktion neu schreiben, ohne die Eigentümerstruktur anzutasten.
- Google muss die Echtzeitgebote seiner Börse für konkurrierende Ad-Server öffnen und die Unified Pricing Rules abschaffen.
- Die EU verfolgt den Gegenkurs: 2,95 Milliarden Euro Bußgeld und die klare Ansage, nur ein Verkauf löse den Interessenkonflikt.
Was hat das Gericht entschieden?

Keine Zerschlagung, aber neue Regeln. Richterin Leonie Brinkema am Bundesbezirksgericht für den Eastern District of Virginia wies die Kernforderung des US-Justizministeriums zurück, Google müsse seine Anzeigenbörse AdX und Teile des Ad-Servers DFP verkaufen. Bereits im April 2025 hatte dasselbe Gericht dem Konzern ein illegales Monopol im offenen Display-Werbemarkt bescheinigt.[1] Das Sanktionsurteil bleibt bei diesem Befund, zieht daraus aber nur Verhaltensauflagen.
Der volle Urteilstext ist vorerst unter Verschluss, damit beide Seiten vertrauliche Passagen schwärzen können. Binnen 30 Tagen sollen die Parteien einen gemeinsamen Urteilsentwurf vorlegen, der die neuen Betriebsregeln festschreibt. Auffällig ist das Muster: Schon im Suchmaschinen-Verfahren kam Google 2025 ohne Aufspaltung davon, auch dort blieb es bei Verhaltensauflagen.
Wie ändert sich die Anzeigenauktion?
Die Auktionsmechanik wird geöffnet. Google verliert zentrale Stellhebel, mit denen es die eigene Börse bevorzugte. Der Konzern muss die Echtzeitgebote aus AdX künftig auch konkurrierenden Ad-Servern zugänglich machen und die sogenannten Unified Pricing Rules abschaffen, die Publishern einheitliche Preisuntergrenzen aufzwangen. Verlage dürfen dann je Bieter eigene Mindestpreise setzen.
Für Werbetreibende und Publisher liegt hier der eigentliche Hebel. Mehr Transparenz über die Gebote und eigene Preisuntergrenzen erhöhen den Wettbewerbsdruck auf Googles Marge in der offenen Online-Werbung. Der Fall zeigt, wie stark versteckte Auktionsregeln die Preise bestimmen, ähnlich wie die FTC-Klage gegen Amazons Werbeauktionen.
Google behält die Maschine, verliert aber die Fernbedienung. Einkäufer von Anzeigen sollten die neuen Auktionsregeln kennen, bevor sie über Budgets entscheiden.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für europäische Werbekunden?
Europa geht den härteren Weg. Während US-Gerichte auf Verhaltensauflagen setzen, verhängte die Europäische Kommission am 5. September 2025 ein Bußgeld von 2,95 Milliarden Euro und hält einen Verkauf von Googles Ad-Tech für den einzig wirksamen Ausweg.[2] Vizepräsidentin Teresa Ribera drohte offen mit strukturellen Maßnahmen, sollten Googles Zugeständnisse nicht reichen.
Für Entscheider im DACH-Raum bedeutet das eine gespaltene Rechtslage. Bei der Planung von Mediabudgets lohnt es sich, die weiteren EU-Schritte zu den Abhilfen zu beobachten und die neuen Preisuntergrenzen aktiv zu testen, statt Googles Voreinstellungen zu übernehmen. Ein Blick auf die jüngsten EU-Wettbewerbsurteile lohnt sich, weil Brüssel bei Plattformmacht schärfer vorgeht als Washington.
Quellen
[1] US-Justizministerium: „Department of Justice Prevails in Landmark Antitrust Case Against Google“ (17. April 2025)
[2] Europäische Kommission: „Commission fines Google €2.95 billion over abusive practices in online advertising technology“ (5. September 2025)
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