Google schiebt seit Ende August vor jeden Treffer in den Suchergebnissen eine Umleitung namens /goto.[1] Jeder Klick läuft über die Zwischenstation google.com/goto, erst ein zweiter Abruf zeigt das echte Ziel.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Für Nutzer ändert sich fast nichts, für die halbe SEO-Tool-Branche ziemlich viel. Rank-Tracker müssen die verschleierten Adressen einzeln auflösen, und das treibt Aufwand wie Preise.

Das Wichtigste in Kürze

  • Google bezeichnet die /goto-Umleitung als technische Maßnahme gegen Missbrauch und lässt die Weiterleitung dauerhaft laufen.
  • Ein 302-Redirect verbirgt die Ziel-URL, blockierte HEAD-Anfragen erzwingen 500 bis 1.000 Abrufe pro fünfseitigem Ranking.
  • Nach dem Aus für num=100 im September 2025 folgt mit /goto die zweite Sperre gegen das Auslesen der Ergebnisse.
  • Sistrix meldete Störungen bei den Tagesdaten und löst die Umleitungen inzwischen selbst wieder auf.

Was passiert bei einer /goto-Umleitung?

Oranges Umleitungsschild mit Aufkleber „/goto“ und Lego-Figur, nach rechts weisend
Google verschlüsselt Ziel-Adressen in der Suche hinter google.com/goto-Links und nutzt 302-Redirects, um URLs vor Rank-Trackern zu verbergen

Google kapselt die Ziel-Adresse jetzt in einen verschlüsselten Parameter hinter google.com/goto und schickt jeden Klick über einen 302-Redirect; die echte URL erscheint erst, sobald ein Programm der Weiterleitung folgt.

Bislang stand die Adresse offen im Quelltext der Ergebnisseite, genau dort greifen Rank-Tracker sie ab. Zurückrechnen lässt sich der verschlüsselte Wert lokal nicht, und Google blockiert die sparsame HEAD-Anfrage: Jede Verlinkung erzwingt einen vollständigen GET-Aufruf. Angemeldete Nutzer sehen die Adresse nur noch beim Überfahren mit der Maus.

Warum trifft das die Rank-Tracker so hart?

Ein einziges Ranking über fünf Ergebnisseiten kostet jetzt 500 bis 1.000 Anfragen statt eines Abrufs, weil ein Programm jede verschleierte Adresse einzeln auflösen muss.

Der Engpass ist das Rate-Limit, nicht die Bandbreite, denn Google drosselt jeden, der zu schnell zu viel abfragt. Derek Perkins vom Anbieter Nozzle fand /goto bereits bei fast allen Treffern, auch über Wohn-IP-Adressen. Die höheren Serverkosten landen am Ende bei Agenturen und Inhouse-Teams.

Neu ist der Griff nach der Datenhoheit nicht. Im September 2025 verschwand der Parameter num=100, mit dem Tools 100 Treffer auf einmal luden, und über Nacht verzehnfachte sich der Aufwand. Zwei Sperren in zwölf Monaten ergeben ein Muster: Google verriegelt seine Ergebnisse für Dritte, während derselbe Konzern das offene Web weiter ausliest, um die eigenen AI Overviews zu füttern. Diese Schieflage rückt die generative Suche ins Zentrum und macht aus einer Fußnote eine strategische Frage.

Google schließt seinen Datentresor für alle ab und füllt ihn zugleich mit dem gescrapten Web der anderen. Diese Asymmetrie ist der Grund, warum SEO-Teams ihre Werkzeugkette jetzt auf den Prüfstand stellen sollten.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Googles Zugriffssperren in zwölf Monaten

Wie Google das Auslesen der Suchergebnisse in zwei Schritten verteuert

10-fach
höherer Abrufaufwand seit dem Aus für num=100 im September 2025
500–1.000
Anfragen kostet ein einziges fünfseitiges Ranking seit /goto
rund 88 %
der Websites meldeten danach weniger Impressionen in der Search Console

September 2025: num=100

  • 100 Treffer pro Abfrage entfallen
  • Tools fragen zehnmal so oft ab
  • Bot-Impressionen fallen aus der Statistik

August 2026: /goto

  • 302-Redirect verbirgt die Ziel-URL
  • blockierte HEAD-Anfragen erzwingen volle GET-Abrufe
  • das Rate-Limit wird zur Grenze, nicht die Bandbreite
Google verriegelt seine Ergebnisse für Dritte und liest zugleich das offene Web weiter aus, um die eigenen AI Overviews zu füttern.

Was heißt das für SEO-Teams im DACH-Raum?

Sistrix, das Referenz-Tool im deutschsprachigen Markt, löst die /goto-Weiterleitungen bereits zu ihren echten Zielen auf und weitet dieses Verfahren gerade auf alle betroffenen Treffer aus.

Mitte August geriet die tägliche Aktualisierung der Keyword-Daten kurz ins Stocken und lief binnen zwei Tagen wieder.[1] Für die eigene Arbeit zählt vor allem Vorsicht: Kurzfristige Ausschläge in den Rankings gehen teils auf die Umstellung zurück, nicht auf echte Positionswechsel.

Mittelfristig sind steigende Tool-Preise wahrscheinlich, weil die Anbieter den Mehraufwand einpreisen. Prüfen sollten Sie, welche Ihrer SEO-Tools die Umleitung sauber auflösen und wie tragfähig Ihr Reporting aus der Search Console noch ist. Der größere Umbruch hin zu Agentic Search läuft ohnehin weiter.

Quelle

[1] Sistrix: „System Status“ (Eintrag vom 27. August 2026)

Mehr Newshunger?

4,6 12 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?