SMIC ist im zweiten Quartal 2026 zur drittgrößten Chip-Foundry der Welt aufgestiegen und liegt nur noch 226 Millionen Euro hinter Samsung. Hinter dem Sprung steht nicht die modernste Technik, sondern die heimische Nachfrage nach KI-Chips und ein Fertigungstrick mit alten Belichtungsmaschinen. Für Europas Chippolitik verschiebt dieser Aufstieg die Rechnung hinter den Exportkontrollen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Marktforscher TrendForce hat die weltweiten Foundry-Umsätze für das zweite Quartal 2026 sortiert, und SMIC steht darin erstmals auf Platz drei. Chinas größter Auftragsfertiger schiebt sich an UMC und GlobalFoundries vorbei, direkt hinter Samsung. Der Abstand zur Nummer zwei beträgt nur noch einen halben Prozentpunkt.
Das Wichtigste in Kürze
- SMIC erreichte im zweiten Quartal 2026 rund 2,61 Milliarden Euro Foundry-Umsatz und damit Platz drei weltweit.
- Der Rückstand auf Samsung schrumpfte auf 226 Millionen Euro, umgerechnet einen halben Prozentpunkt Marktanteil.
- Den Schub liefern heimische KI-Chips sowie vorgezogene Bestellungen aus der PC- und Serverbranche.
- TSMC bleibt mit 72,5 Prozent Marktanteil außer Reichweite; SMICs Aufstieg spielt sich unterhalb der Spitze ab.
Wie schließt SMIC zu Samsung auf?

SMIC erreichte im zweiten Quartal 2026 rund 2,61 Milliarden Euro Foundry-Umsatz und rückte damit auf Platz drei der Welt vor, nur 226 Millionen Euro hinter Samsung. Die Zahlen stammen aus der Quartalsauswertung des Marktforschers TrendForce.[1] Alle Dollar-Beträge sind zum Kurs vom 10. September 2026 umgerechnet, rund 0,87 Euro je Dollar.
Gegenüber dem Vorquartal legte der Fertiger um 20 Prozent zu, während Samsung nur 1,8 Prozent gewann. Der Umsatz baut auf dem im August gemeldeten Rekordquartal auf. TSMC bleibt mit 72,5 Prozent Marktanteil und rund 35 Milliarden Euro außer Reichweite, der Zweikampf läuft allein um Rang zwei.
Warum wächst SMIC trotz Chip-Bann?
SMIC bleibt von den modernsten Belichtungsmaschinen abgeschnitten und fertigt seine 7-Nanometer-Chips trotzdem, indem alte ASML-Maschinen mehrfach über denselben Wafer laufen. Diese Vielfachbelichtung ersetzt die gesperrte EUV-Technik, kostet zusätzliche Durchläufe und drückt die Ausbeute, liefert aber funktionsfähige Chips nahe der Spitze.
Die Nachfrage kommt aus zwei Richtungen. Heimische Kunden ordern verstärkt bei SMIC, weil Exportkontrollen westliche Alternativen verteuern oder sperren; DeepSeek etwa bestückt sein Rechenzentrum mit heimischen Chips statt mit Nvidia-Hardware. Zusätzlich trieben vorgezogene Bestellungen aus der PC-Branche und der Sog aus der Speicherknappheit die Fabriken an die Kapazitätsgrenze. Wie weit Chinas Belichtungstechnik dennoch zurückliegt, hat Zeiss auf den Stand von 2004 datiert.
Chinas Foundry-Aufstieg findet nicht an der Spitze statt, sondern eine Etage darunter, wo Stückzahl und Preis zählen. Für 7-Nanometer-Chips braucht SMIC kein einziges gesperrtes EUV-System, und genau dort verlieren die Exportkontrollen ihre Wirkung.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Europas Chippläne?
Für Europa zeigt der Bericht, dass Exportkontrollen China bei Massen- und Mittelklasse-Chips nicht mehr aufhalten. Der EU Chips Act will bis 2030 einen Weltmarktanteil von 20 Prozent erreichen und steckt dafür 43 Milliarden Euro in neue Fabriken, etwa in Dresden.
Die eigentliche Konkurrenz für europäische Werke liegt im breiten Mittelfeld, in das SMIC nun mit voller Auslastung drängt, während TSMC die absolute Spitze für sich behält. Für Einkauf und Fertigung in der DACH-Region bedeutet das Preisdruck von unten: Chinesische Kapazität senkt die Kosten für Consumer- und Industrieelektronik, macht Lieferketten aber abhängiger von einem Anbieter unter Sanktionsdruck. Beschaffungsteams sollten Zweitquellen außerhalb Chinas früh sichern und die Fabrikpläne in Europa im Blick behalten.
Ob aus dem Rückstand von 226 Millionen Euro im nächsten Bericht ein Überholmanöver wird, hängt an der heimischen Nachfrage. Für europäische Abnehmer zählt weniger die Rangfolge als die Frage, wie schnell die eigenen Fabriken Kapazität liefern. Bis dahin bleibt die nüchterne Empfehlung, Bezugsquellen breit aufzustellen und die Abhängigkeit von einzelnen Standorten zu senken.
FAQ: SMIC und das weltweite Foundry-Ranking
Was ist eine Chip-Foundry?
Eine Chip-Foundry ist eine Auftragsfabrik, die Halbleiter nach den Entwürfen anderer Firmen fertigt und selbst keine eigenen Chips vermarktet. Kunden wie Apple, Nvidia oder Huawei entwerfen die Schaltungen, die Foundry produziert die Wafer. Weltmarktführer ist TSMC aus Taiwan mit rund 72,5 Prozent Marktanteil.
Steht SMIC auf einer US-Sanktionsliste?
Ja. Die USA setzten SMIC 2020 auf die Entity List, seit 2022 gelten zusätzliche Exportkontrollen für Fertigungsausrüstung. SMIC darf deshalb keine modernen EUV-Belichtungsmaschinen kaufen und kommt nur eingeschränkt an fortgeschrittene DUV-Technik.
Was ist der Unterschied zwischen DUV und EUV?
DUV und EUV sind zwei Belichtungsverfahren der Chipfertigung. EUV nutzt extrem kurzwelliges Licht und erzeugt feinste Strukturen in einem Durchgang. DUV arbeitet mit längerer Wellenlänge und braucht für dieselbe Feinheit mehrere Durchläufe, was Kosten und Ausschuss erhöht.
Welche Chips fertigt SMIC?
SMIC fertigt überwiegend ältere und mittlere Fertigungsklassen für Autos, Haushaltsgeräte und Industrieelektronik. Über die Vielfachbelichtung mit DUV-Maschinen erreicht der Konzern zusätzlich 7-Nanometer-Chips, die in KI-Beschleunigern und Smartphones nahe der technischen Spitze liegen.
Quelle
[1] TrendForce: „Global Foundry Revenue Approaches US$53.49 Billion in 2Q26 as SMIC Narrows Market Share Gap with Samsung“
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