SMIC hat sein Halbjahresergebnis verdoppelt, während ASMLs modernste Maschinen für China gesperrt bleiben. Getragen hat den Sprung die heimische KI-Nachfrage, allen voran DeepSeeks Umstieg auf Huawei-Chips. Für Infineon und Bosch wächst damit ein subventionierter Konkurrent im Geschäft mit reifen Chips heran.

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Rekordgewinn trotz Embargo: SMIC hat im ersten Halbjahr 2026 den höchsten Gewinn seiner Firmengeschichte verbucht, mitten in den US-Exportsperren. Chinas größter Auftragsfertiger für Chips verdoppelte das Ergebnis, obwohl die modernsten Belichtungsmaschinen für das Land gesperrt bleiben. Der Treiber sitzt im eigenen Land.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Halbjahresgewinn stieg um 111 Prozent auf 589 Millionen Euro, der Umsatz nur um knapp 24 Prozent.
  • Im zweiten Quartal überschritt der Umsatz erstmals die Marke von 2,6 Milliarden Euro.
  • Treiber sind die heimische KI-Nachfrage und der staatlich forcierte Umstieg auf chinesische Chips.
  • Für Europas Hersteller reifer Chips wächst damit ein subventionierter Konkurrent heran.

Woher kommt der Gewinnsprung?

Siliziumwafer mit Raketen-Logo und Preisaufkleber für „Halbleiter-Zuschlag“ (+111%)
SMIC steigerte Umsatz im ersten Halbjahr um 23,7 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro, Gewinn wuchs um 111 Prozent, Bruttomarge kletterte auf 25,3 Prozent

Der Umsatz von SMIC kletterte im ersten Halbjahr auf 4,8 Milliarden Euro, ein Plus von 23,7 Prozent.[1] Der Gewinn legte mit 111 Prozent fast fünfmal so schnell zu. Diese Schere öffnet die Marge: Im zweiten Quartal sprang die Bruttomarge auf 25,3 Prozent, gut fünf Punkte über dem Vorjahreswert. Die Fabriken laufen nahe der Vollauslastung. Zugleich steigt der Anteil teurerer Aufträge. SMIC bilanziert in US-Dollar, umgerechnet zum Kurs vom 5. September 2026.

Wie trotzt SMIC den Export-Sperren?

Washington sperrt China seit Jahren den Zugang zu den EUV-Belichtern von ASML. Die eigene Fertigung liegt nach Einschätzung von Zeiss rund fünfzehn Jahre zurück. Den Ausgleich liefert die heimische Nachfrage: DeepSeek bestückt sein neues Rechenzentrum mit Zehntausenden Huawei-Beschleunigern statt mit Nvidia-Technik. Solche Chips entstehen bei chinesischen Fertigern. Peking treibt den Umstieg auf einheimische Bauteile mit Milliardenprogrammen voran.

Allein steht SMIC dabei nicht. Der Rivale Hua Hong vervierfachte im selben Zeitraum den Gewinn. Auch JCET finanziert fortgeschrittenes Packaging, um die Belichtungsgrenze zu umgehen. Ein ganzer Sektor wächst am Sanktionsdruck vorbei.

Ein Embargo, das den Gewinn der Zielfirma verdoppelt, hat sein Ziel verfehlt. SMIC finanziert die eigene Aufholjagd inzwischen aus dem laufenden Geschäft.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Europa?

SMIC drängt vor allem bei reifen Chips nach vorn, dem Kernrevier von Infineon, Bosch und STMicroelectronics. Subventionierte Überkapazität drückt hier die Preise, spürbar für jeden Autozulieferer und Maschinenbauer, der solche Bauteile einkauft. Der EU Chips Act zielt auf Fertigung in Europa, adressiert aber kaum die reifen Knoten, in denen China gerade Marktanteile gewinnt. Einkaufsabteilungen sollten Zweitquellen aufbauen und die Herkunft ihrer Chips kennen.

SMIC im ersten Halbjahr 2026
Chinas größte Chipfabrik verdoppelt den Gewinn, trotz Export-Sperren. Alle Beträge umgerechnet in Euro (Kurs vom 5. September 2026).
+111 %
Halbjahresgewinn gegenüber Vorjahr
589 Mio. €
Gewinn im ersten Halbjahr 2026
4,8 Mrd. €
Halbjahresumsatz, ein Plus von 23,7 Prozent
25,3 %
Bruttomarge im zweiten Quartal, plus 5,2 Punkte

Rekordquartal von 2,6 Milliarden Euro

Erstmals überschritt der Quartalsumsatz die Marke von 2,6 Milliarden Euro. Getragen wird das Wachstum von der heimischen KI-Nachfrage und dem staatlich forcierten Umstieg auf chinesische Chips, während ASMLs modernste Belichter für das Land gesperrt bleiben.

Für europäische Entscheider zählt weniger die Rekordzahl aus Schanghai als die Richtung: Chinas Chipindustrie wächst trotz Sanktionen. Der Preisdruck bei Standardchips erreicht in den nächsten Quartalen den Einkauf. Bei der Lieferkettenplanung gehört der subventionierte Wettbewerber ab jetzt in die Kalkulation.

Quelle

[1] SMIC: „SMIC Reports 2026 Second Quarter Results“

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