Chinesische Leistungshalbleiter sitzen erstmals mit zwei Herstellern in der globalen Top 10. Silan Microelectronics und BYD waren 2024 die einzigen beiden Aufsteiger unter den zehn größten Anbietern, während Marktführer Infineon fast drei Prozentpunkte Anteil abgab. Für Europas Autobauer und die Energiewende verschiebt sich damit die Machtfrage bei einem Chip, der in jedem E-Antrieb und jedem Wechselrichter steckt.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Silan Microelectronics (Platz 6, 3,3 Prozent) und BYD (Platz 7, 3,1 Prozent) rückten 2024 als einzige Anbieter der Top 10 im Anteil vor.
  • Infineon bleibt mit 17,7 Prozent Weltmarktanteil klar die Nummer eins, verlor gegenüber 2023 aber 2,9 Prozentpunkte.
  • Treiber ist Chinas E-Auto-Boom: Das Land verbraucht 43 Prozent aller Leistungshalbleiter weltweit.
  • Europas Autozulieferer beziehen einen wachsenden Teil ihrer IGBT- und Siliziumkarbid-Chips aus China.

Wer klettert in der globalen Rangliste?

Drei Chips auf einem Siegerpodest, mit einem Anhänger „Aufsteiger“ am dritten Chip
Der Markt für Leistungshalbleiter sank 2024 um 8 Prozent auf 28 Milliarden Euro. Infineon führt mit 17,7 Prozent Marktanteil, gefolgt von onsemi und STMicroelectronics

Der weltweite Markt für Leistungshalbleiter schrumpfte 2024 auf rund 28 Milliarden Euro, ein Minus von gut 8 Prozent.[1] An der Spitze steht laut den Marktforschern von Omdia weiter Infineon aus Neubiberg mit 17,7 Prozent Anteil, gefolgt von onsemi mit 8,7 und STMicroelectronics mit 7 Prozent. Zusammen halten die drei rund 40 Prozent des Marktes.

Bemerkenswert sind Platz sechs und sieben. Silan Microelectronics kam auf 3,3 Prozent, der Autokonzern BYD auf 3,1 Prozent. Unter den zehn größten Anbietern legten 2024 nur diese beiden zu, alle anderen verloren. BYD baut die Chips für seine über vier Millionen verkauften Elektro- und Hybridautos gleich selbst.

Dahinter drängt die nächste Reihe. Der Konzern Wingtech, Eigentümer des früheren Philips-Ablegers Nexperia, setzte 2024 rund 1,89 Milliarden Euro um, Silan 1,44 Milliarden, China Resources Microelectronics 1,30 Milliarden. Chinas Hersteller sind bei einfacheren Bauteilen wie MOSFETs und IGBTs am stärksten, noch nicht bei den teuersten Hochvolt-Modulen.

Warum steigen chinesische Anbieter gerade jetzt?

Der Aufstieg hat einen strukturellen Grund. Leistungshalbleiter steuern Strom, statt zu rechnen. Gefertigt werden sie auf reifen Prozessknoten von 90 Nanometern und gröber, für die es weder moderne EUV-Belichter noch die schärfsten US-Exportsperren braucht. Genau dort, wo westliche Kontrollen ins Leere laufen, baut China seine Kapazitäten frei aus.

Die Nachfrage liefert das Land gleich mit. China verbaut 43 Prozent aller Leistungshalbleiter weltweit, vor allem in Elektroautos, Ladesäulen, Solarwechselrichtern und Rechenzentren. Der heimische Markt schrumpfte 2024 leicht auf rund 12 Milliarden Euro, bleibt damit aber der größte der Welt.

Das Muster kennt die Branche von den KI-Beschleunigern, wo Cambricon dank der Nvidia-Sperre den Umsatz verdoppelte. Dieselbe Logik greift nun eine Etage tiefer, bei den unscheinbaren Strom-Chips, wo China ohne Spitzenlithografie auskommt.

Bei den Strom-Chips entscheidet nicht das schärfste Nanometer, sondern die Fabrikkapazität. Diesen Vorsprung hat Europa noch, verspielt ihn aber, sobald Infineon und STMicro allein gegen einen ganzen Subkontinent anbauen.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Leistungshalbleiter: Chinas Aufstieg in die Top 10
Wer 2024 den Weltmarkt anführte und wer aufholte. Alle Beträge in Euro.
Weltmarkt
28 Mrd. €
Weltmarkt für Leistungshalbleiter 2024, ein Minus von 8 Prozent
Marktfuehrer
17,7 %
Infineons Weltmarktanteil auf Platz 1, ein Minus von 2,9 Prozentpunkten
Aufsteiger
Platz 6 & 7
Silan (3,3 %) und BYD (3,1 %), Chinas Aufsteiger in der Top 10
Nachfrage
43 %
Chinas Anteil an der weltweiten Nachfrage nach Leistungshalbleitern
Umsatz
1,44 Mrd. €
Halbleiterumsatz von Silan Microelectronics im Jahr 2024
Unter den zehn größten Anbietern legten 2024 nur zwei im Anteil zu, Silan Microelectronics und BYD, beide aus China.

Was bedeutet der Vormarsch für Europa?

Für europäische Entscheider steckt darin eine doppelte Nachricht. Infineon führt den Weltmarkt weiter an und meldet dank des KI-Strombedarfs sogar ein Rekordquartal, doch der Anteil bröckelt. Jeder Prozentpunkt, den chinesische Anbieter gewinnen, drückt später auf Preise und Margen der europäischen Zulieferer.

Die Abhängigkeit reicht bis in die Lieferkette. Deutsche Autobauer verbauen schon heute chinesische Batteriezellen von CATL und beziehen zunehmend auch die Strom-Chips aus derselben Region. Infineon wehrt sich zwar juristisch, etwa im GaN-Patentstreit gegen den Rivalen Innoscience, doch der Kostenvorteil der chinesischen Anbieter bleibt bestehen.

Der European Chips Act mobilisiert 43 Milliarden Euro und zielt auf 20 Prozent Weltmarktanteil bis 2030,[2] adressiert aber vor allem Logikchips, kaum die Strom-Halbleiter. Unternehmen mit Elektroflotten, Solaranlagen oder Rechenzentren sollten die Herkunft ihrer Leistungselektronik kennen. Prüfen Sie bei Ausschreibungen, welche Chips in Wechselrichtern und Ladegeräten stecken, bevor der nächste Handelsstreit die Konditionen bewegt.

FAQ: Chinas Leistungshalbleiter und der Weltmarkt

Welche chinesischen Hersteller stehen in der Top 10 der Leistungshalbleiter?

Silan Microelectronics belegte 2024 mit 3,3 Prozent Marktanteil Platz sechs, der Autokonzern BYD mit 3,1 Prozent Platz sieben. Beide waren die einzigen Anbieter unter den zehn größten, die ihren Anteil gegenüber dem Vorjahr steigerten.

Wer ist Weltmarktführer bei Leistungshalbleitern?

Infineon aus Neubiberg führt den Markt 2024 mit 17,7 Prozent Anteil an, vor onsemi mit 8,7 und STMicroelectronics mit 7 Prozent. Infineon verlor gegenüber 2023 allerdings 2,9 Prozentpunkte Marktanteil.

Warum holen chinesische Anbieter so schnell auf?

Leistungshalbleiter entstehen auf reifen Prozessknoten, für die es keine hochmodernen Belichter und keine US-Exportsperren gibt. China baut dort ungehindert Kapazität auf und verbraucht mit 43 Prozent der Weltnachfrage zugleich den größten Absatzmarkt selbst.

Was bedeutet das für Europa?

Infineon und STMicroelectronics führen noch, verlieren aber Anteile. Europas Autozulieferer beziehen wachsende Mengen chinesischer Chips. Der European Chips Act fördert vor allem Logikchips, kaum die Strom-Halbleiter, die in E-Autos und Wechselrichtern stecken.

Quellen

[1] TechInsights: „What does the ascent of Silan Microelectronics mean for the broader power semiconductor industry?“. Marktanteile 2024 nach Omdia, Umsätze nach 集微咨询 (JW Insights), umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 8. August 2026.

[2] Europäische Kommission: European Chips Act.

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