Mit einem Rückruf holen Volkswagen und Audi in Deutschland rund 954.000 Autos in die Werkstatt, weil eine Schraube am Lenkgetriebe abreißen kann. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) veröffentlichte die beiden Aktionen am 22. September.[1]
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenWeltweit umfasst der Rückruf laut ADAC mehr als 2,1 Millionen Fahrzeuge.[2] Unfälle oder Verletzte sind dem KBA bisher nicht bekannt. Für die Halter ist die Reparatur kostenlos.
Das Wichtigste in Kürze
- In Deutschland ruft Volkswagen 895.832 Golf, Golf Variant, Tiguan, Touran und Caddy aus den Baujahren 2013 bis 2024 zurück.
- Audi holt 58.555 Q3 aus den Jahren 2017 bis 2024 in die Werkstatt.
- Eine Schraube am Lenkgetriebe kann durch eindringende Feuchtigkeit rosten und abreißen.
- Die Werkstatt ersetzt die Schraube durch eine korrosionsbeständigere Ausführung.
Wie kann eine einzelne Schraube die Lenkung ausfallen lassen?

Zwei Befestigungspunkte. Das Lenkgetriebe überträgt die Drehung des Lenkrads auf die Vorderräder und ist an zwei Punkten mit dem Vorderachsträger verschraubt. Über die Jahre kann Feuchtigkeit in eine der beiden Verschraubungen eindringen. Die Schraube beginnt dann zu rosten. Bricht ihr Kopf ab, hängt das Lenkgetriebe nur noch am zweiten Befestigungspunkt.
Einparken als Belastungsprobe. Kritisch wird der Defekt bei hoher Last, vor allem beim Einparken. Beim Rangieren wirken die größten Lenkkräfte, weil der Fahrer die Räder fast im Stand einschlägt. Ein nur einseitig gehaltenes Lenkgetriebe kann diese Kräfte nicht mehr sicher aufnehmen, im schlimmsten Fall fällt die Lenkung aus. Streusalz beschleunigt die Korrosion, Autos aus den ersten Baujahren waren dem Salz also schon mehr als zehn Winter lang ausgesetzt.
Warum trifft der Rückruf so viele Modelle auf einmal?
Ein Baukasten, viele Modelle. Golf, Tiguan, Touran und Audi Q3 stehen auf dem Modularen Querbaukasten (MQB), dem Konzernbaukasten für Autos mit quer eingebautem Motor. Gleichteile senken die Kosten über Millionen Fahrzeuge. Ein Fehler in einem solchen Teil betrifft allerdings genauso viele Autos, hier aus fast elf Produktionsjahren zwischen September 2013 und Juli 2024.
Mechanik statt Software. Ein Update über das Mobilfunknetz behebt diesen Mangel nicht, jedes betroffene Auto muss auf die Hebebühne. Der VW-Fall reiht sich damit in eine Serie mechanischer Rückrufe ein: BMW holte wegen defekter Starterrelais mehr als 740.000 Fahrzeuge zurück, Mercedes-Benz zuletzt 23.606 GLE wegen eines falsch montierten Abschirmblechs. Auch bei Daimler Truck lag die Ursache für den Rückruf von 131.000 Lkw in der Hardware.
Eine einzige Schraube entscheidet hier darüber, ob sich ein Auto beim Einparken noch lenken lässt. Fuhrparks mit Golf, Touran oder Caddy prüfen ihre Fahrgestellnummern besser sofort, statt auf Post vom Hersteller zu warten.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was sollten Halter und Fuhrparkleiter jetzt tun?
Fahrgestellnummer prüfen. Ob ein Auto betroffen ist, klären Halter über die Fahrgestellnummer beim Hersteller oder in einer Vertragswerkstatt. Das KBA führt die Aktionen unter den Referenzen 17016R für Volkswagen und 17014R für Audi, die Hersteller unter den Codes 48VS und 48LG.[2] Mit diesen Angaben lässt sich der Werkstatttermin gezielt anfragen.
Halterpflicht im Fuhrpark. Caddy und Touran fahren häufig als Dienst- und Handwerkerfahrzeuge. Nach § 31 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung darf ein Halter die Inbetriebnahme eines Fahrzeugs nicht zulassen, sobald er weiß oder wissen muss, dass das Fahrzeug nicht vorschriftsmäßig ist.[3] Fuhrparkleiter gleichen deshalb am besten jetzt ihre Flottenliste mit Modellen und Baujahren ab und legen die Werkstatttermine in ruhige Wochen.
Quellen
[1] Kraftfahrt-Bundesamt: „Rückrufe“ (Rückrufdatenbank, Einträge vom 22.09.2026)
[2] ADAC: „Schraubenabriss am Lenkgetriebe: Rückruf bei Audi und VW“
[3] Bundesministerium der Justiz: „§ 31 StVZO: Verantwortung für den Betrieb der Fahrzeuge und Züge“
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