Daimler Truck ruft weltweit mehr als 131.000 Lastwagen der Marke Mercedes-Benz zurück. Auslöser ist ein unscheinbarer Chip an der Batterie, dessen schadhafte Versiegelung im Extremfall einen Brand auslösen kann. Für Fuhrparkbetreiber im DACH-Raum heißt das: Werkstatttermin statt Tagesgeschäft.

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Der Daimler-Truck-Rückruf trifft mit Actros, Arocs und E-Actros gleich drei tragende Baureihen auf einmal. In der Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts steht seit dem 29. Juli ein Mangel, der Diesel- und Elektro-Lkw gleichermaßen betrifft. Der Grund dahinter sagt mehr über moderne Bordnetze aus als über einen einzelnen Fertigungsfehler.

Das Wichtigste in Kürze

  • Weltweit sind über 131.000 Mercedes-Benz-Lkw betroffen, davon 27.084 in Deutschland.
  • Zurückgerufen werden Actros, Arocs und E-Actros aus der Produktion von Ende März 2021 bis Ende Oktober 2025.
  • Ursache ist Korrosion an den Kontakten eines unzureichend versiegelten Chips an der Batterie, im Extremfall droht ein Brand.
  • Die Abhilfe: Der Chip wird in der Werkstatt abgeklemmt, Personenschäden sind bislang keine bekannt.

Was Daimler Truck zurückruft

Autobatterie mit aufgeklebtem Chip und Warnaufkleber auf weißem Hintergrund
Batteriefehlerhaft: Konzern ruft weltweit 131.000 Fahrzeuge zurück, davon 27.084 in Deutschland. Ursache ist ein fehlerhaft versiegelter Chip

Die nackten Zahlen stehen in der Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamts, in der der Konzern die Aktion hinterlegt hat.[1] Betroffen sind weltweit rund 131.000 Fahrzeuge, in Deutschland genau 27.084.

Der Fehler steckt in einem Chip an der Batterie. Beim Zulieferer wird dieser mit Kunstharz versiegelt, doch in Einzelfällen ist die Versiegelung mangelhaft ausgefallen.

Die Folge: Feuchtigkeit erreicht die Kontakte, es bildet sich Korrosion. Nach Angaben von Daimler Truck sind bisher nur einzelne Vorfälle und keine Personenschäden bekannt.

Warum ein Chip an der Batterie brennen kann

Elektrisch, nicht kosmetisch: Korrosion an einem stromführenden Kontakt greift den Stromfluss an. Das angegriffene Metall erhöht den Übergangswiderstand, unter Last entsteht daraus Wärme, im ungünstigsten Fall ein Schwelbrand.

Bemerkenswert breit ist die Palette der betroffenen Modelle. Dass der Diesel-Actros und der batterieelektrische E-Actros im selben Rückruf stehen, verrät die eigentliche Schwachstelle: Der Chip sitzt nicht am Antrieb, sondern im Bordnetz, das beide Baureihen teilen.

Ein Gleichteil im Niedervolt-Bordnetz multipliziert genau deshalb jeden Fehler. Der Sensor steckt über Antriebsarten und Baureihen hinweg im selben Fahrzeug, und ein einziger Zulieferpatzer wird so zum sechsstelligen Rückruf.

Daimler-Truck-Rückruf 2026 in Zahlen
Ein Chip an der Batterie zwingt drei Mercedes-Benz-Baureihen in die Werkstatt.
131.000
betroffene Lkw weltweit
27.084
davon in Deutschland
3
Baureihen: Actros, Arocs, E-Actros
0
bekannte Personenschäden

So entsteht die Brandgefahr

Schritt 1
Versiegelung mangelhaft
Der Zulieferer vergießt den Chip mit Kunstharz, in Einzelfällen unzureichend.
Schritt 2
Korrosion an den Kontakten
Feuchtigkeit dringt ein, das Metall korrodiert, der Übergangswiderstand steigt.
Schritt 3
Wärme bis zum Brand
Unter Last entsteht Hitze, im ungünstigsten Fall ein Schwelbrand.
Abhilfe: Der Chip wird in der Werkstatt abgeklemmt. Betroffen ist die Produktion von Ende März 2021 bis Ende Oktober 2025.

Nicht der Antrieb wird den Herstellern zum Verhängnis, sondern das unscheinbare Gleichteil im Bordnetz. Ein schlecht vergossener Sensor legt lahm, was Hunderttausende Fahrzeuge gemeinsam haben.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was Flottenbetreiber jetzt tun sollten

Kein Einzelfall: Der Rückruf reiht sich in eine Serie ein. Erst im Juli musste BMW wegen Brandgefahr am Starter über 740.000 Fahrzeuge in die Werkstätten rufen, den dritten Rückruf dieser Art binnen eines Jahres. Auch Daimlers US-Marke Western Star steht mit einem Batterie-Kurzschluss auf der Rückrufliste der US-Behörde NHTSA.[2]

Verbindlicher Termin: Für Halter ist die Aktion nicht verhandelbar. Das Kraftfahrt-Bundesamt kann sicherheitskritische Rückrufe überwachen und im Ernstfall die Zulassung ruhen lassen, ein versäumter Termin kann die Betriebserlaubnis kosten.

Zwei Dinge sind jetzt sinnvoll: die Fahrzeug-Identnummer gegen die KBA-Datenbank prüfen und den Werkstatttermin fest in die Tourenplanung einplanen, bevor er zum ungeplanten Ausfall wird. Wichtig ist zudem die Frage, welche Batteriefunktion nach dem Abklemmen des Chips entfällt.

Gemischte Flotten profitieren vom Blick über die Marke hinaus. Trifft ein Bordnetz-Chip ganze Baureihen gemeinsam, ist die eigene Fahrzeugliste die bessere Frühwarnung als jede einzelne Herstellermeldung. Der Nutzfahrzeugmarkt wächst dabei kräftig, wie zuletzt Tratons deutlich gestiegene Bestellzahlen zeigen.

Quellen

[1] Kraftfahrt-Bundesamt: Rückrufdatenbank des KBA

[2] NHTSA: Safety Recall Acknowledgement 25V326 (Western Star)

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