Geely hat im ersten Halbjahr 2026 über 474.000 Fahrzeuge außerhalb Chinas verkauft, ein Plus von 158 Prozent. Damit dieser Kurs in Europa nicht an den EU-Zöllen zerschellt, verlagert der Konzern die Fertigung kurzerhand auf den Kontinent. Gemeinsam mit Ford entsteht dafür ein Werk im spanischen Valencia.

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Ford und Geely haben das Gemeinschaftsunternehmen Ende Juli angekündigt.[1] Hinter der Meldung steckt mehr als eine Werksauslastung: Sie zeigt, wie chinesische Hersteller die europäische Zollmauer nicht überwinden, sondern umgehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ford und Geely gründen ein Gemeinschaftsunternehmen am Ford-Standort Valencia; Ford hält 66 Prozent, Geely 34 Prozent.
  • Der Betrieb startet vorbehaltlich der Freigabe im ersten Halbjahr 2027, die ersten Fahrzeuge laufen 2028 vom Band.
  • Geely baut dort zwei Elektro-SUV, Ford drei Modelle mit unterschiedlichen Antrieben; das Werk fasst rund 500.000 Fahrzeuge im Jahr.
  • In der EU gefertigte Autos entgehen den Ausgleichszöllen, die Geely auf Importe aus China knapp 29 Prozent Aufschlag kosten.

Was steckt hinter dem Werk in Valencia?

Schranke mit „EU-Zoll“-Schild, Karton auf Laufband vor Fliesen auf weißem Grund
Ford und Geely nutzen Fords Werk Valencia gemeinsam. Ford hält 66 Prozent, Geely 34 Prozent. Kapazität: 500.000 Fahrzeuge jährlich

Geteilte Fabrik. Ford und Geely bündeln ihre Europa-Fertigung an Fords Standort Valencia, einem der produktivsten Autowerke des Kontinents mit einer Kapazität von rund 500.000 Fahrzeugen pro Jahr. Ford führt das Gemeinschaftsunternehmen mit 66 Prozent, Geely hält die restlichen 34 Prozent.

Fünf Modelle. Ab 2028 sollen dort drei Ford-Modelle mit unterschiedlichen Antrieben und zwei rein elektrische Geely-SUV entstehen. Der Betrieb beginnt, die Freigabe der Kartellbehörden vorausgesetzt, in der ersten Jahreshälfte 2027. Alex Nan, Vice President der Geely Auto Group, nennt den Schritt einen „Meilenstein in Geelys globaler Entwicklung“.

Warum baut ein chinesischer Hersteller ausgerechnet in Europa?

Zoll-Arithmetik. Seit Oktober 2024 belegt die Europäische Kommission in China gebaute Elektroautos mit Ausgleichszöllen, weil Brüssel die dortige Lieferkette als unfair subventioniert einstuft.[2] Für Geely summieren sich 18,8 Prozent Sonderzoll und der reguläre Importzoll von 10 Prozent auf knapp 29 Prozent Aufschlag pro Fahrzeug.

Standort schlägt Zoll. Ein in Valencia montiertes Auto gilt als in der EU gefertigt und fällt gar nicht erst unter diese Zölle. Genau diesen Weg gehen chinesische Hersteller reihenweise: BYD baut in Ungarn, der Batteriekonzern CATL errichtet Werke in Ungarn und Deutschland. Die chinesischen Marken haben ihren Anteil am EU-Markt binnen eines Jahres verdoppelt, und beim Export hat BYD Tesla längst überholt.

Die EU-Zölle sollten chinesische Autos vom Markt fernhalten. Stattdessen holen sie die Fertigung samt Arbeitsplätzen nach Europa, nur eben unter geteilter Flagge.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Geely und Ford: das Werk Valencia in Zahlen
Wie ein Gemeinschaftswerk in Spanien die EU-Zölle umschifft
66 / 34 %
Anteile von Ford und Geely am Gemeinschaftsunternehmen
~500.000
Fahrzeuge Jahreskapazität des Werks Valencia
2028
erste Fahrzeuge vom Band, Betriebsstart bereits 2027
≈ 29 %
EU-Zoll auf Geelys China-Importe, den die lokale Fertigung spart
474.228 Fahrzeuge verkaufte Geely im ersten Halbjahr 2026 außerhalb Chinas, ein Plus von 158 Prozent.

Was heißt das für Europas Autobauer?

Konkurrenz im Haus. Für die deutschen Hersteller verschiebt sich der Wettbewerb vom Import in die Nachbarschaft. Ein Geely-SUV aus Valencia trägt kein Zoll-Handicap mehr und konkurriert zu gleichen Bedingungen mit einem Fahrzeug aus Wolfsburg oder Zwickau. Wie schnell der heimische Markt kippt, zeigen die jüngsten deutschen Neuzulassungszahlen.

Ford gewinnt Zeit. Ford sichert mit dem Deal die Auslastung eines europäischen Werks, das unter der schwachen Nachfrage gelitten hätte. Der US-Konzern teilt Entwicklungskosten und Bandbreite, Geely bekommt im Gegenzug den zollfreien Marktzugang. Käufer profitieren zunächst vom Preisdruck, sollten dabei aber den Wertverlust ihres Elektroautos im Blick behalten.

Neue Rechnung. Bei der Flottenplanung zählen künftig Restwert, Ladekosten und Garantie mehr als die reine Zollersparnis auf dem Preisschild. Die Zollmauer verschiebt den Wettbewerb, sie beendet ihn nicht.

Quellen

[1] Geely Auto: „Geely Auto and Ford Establish Joint Venture in Spain for Localized Production in Ford’s Valencia Plant“

[2] Europäische Kommission: „EU imposes duties on unfairly subsidised electric vehicles from China“

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