Ein Batteriewerk, das bis heute keine einzige Zelle ausgeliefert hat, bekommt einen neuen Miteigentümer: Chinas Marktaufsicht gab dem Zellhersteller CATL am 3. September 2026 ohne Auflagen frei, Anteile am Werk Chongqing Yaoning zu übernehmen.[1] Verkäufer ist ausgerechnet Zeekr, die Elektromarke des Geely-Konzerns, die die Fabrik selbst mit aufgebaut hat.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- CATL übernimmt Anteile am Batteriewerk Chongqing Yaoning; die chinesische Marktaufsicht SAMR genehmigte den Zusammenschluss ohne Auflagen.
- Die Fabrik ist auf 30 Gigawattstunden Jahreskapazität ausgelegt, die erste Stufe auf 18 Gigawattstunden, und soll ab Dezember 2026 testweise produzieren.
- Aufgebaut hat das Werk die Geely-Gruppe über ihre Marke Zeekr; die Gesamtinvestition liegt bei rund 8,5 Milliarden Yuan, umgerechnet etwa 1,1 Milliarden Euro.
- Für europäische Autobauer verschärft der Zukauf die Konzentration im Zellmarkt, den CATL als weltgrößter Anbieter ohnehin anführt.
Eine 30-GWh-Fabrik ohne einzige Zelle

Die Fabrik in Chongqing firmierte früher als Chihang New Energy und entstand 2021 unter Führung der Geely-Gruppe, damals gemeinsam mit dem Zellhersteller Farasis. Nach dem Ausstieg von Farasis zog Geely die Fabrik über seine Marke Zeekr an sich und benannte sie in Chongqing Yaoning um.
Die Anlage soll 30 Gigawattstunden im Jahr fertigen, ausgelegt für Zellen, Module und Batteriepakete. Bislang steht nur die erste Stufe über 18 Gigawattstunden, der Probelauf ist für Dezember 2026 geplant, die Serienfertigung für das erste Quartal 2027. Der erwartete Jahresumsatz liegt bei rund 10 Milliarden Yuan, etwa 1,3 Milliarden Euro.
Warum CATL zukauft, statt neu zu bauen
Der Zukauf spart CATL Zeit und Kapazität. Statt eine Fabrik von Grund auf hochzuziehen, sichert sich der Konzern eine fast fertige Anlage direkt am Standort eines großen Abnehmers und bindet Zeekr fester an sich.
Dahinter steckt ein Verdrängungskampf um Chinas Batterieüberkapazität. Autobauer ziehen eigene Zelllinien hoch oder streuen ihre Zulieferer, so investierte Li Auto zuletzt 339 Millionen Euro in den Zellhersteller Sunwoda. Übernimmt CATL nun ein Werk, das zu einer konkurrierenden Versorgung hätte werden können, dreht der Marktführer diese Diversifizierung wieder zurück.
CATL kauft hier keine Produktion, sondern Marktmacht. Ein Werk ohne einzige Zelle sichert dem Marktführer den nächsten Großkunden und sollte Europas Autobranche beunruhigen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Konsolidierung mit Behördensegen
Chinas Kartellbehörde genehmigt solche Zusammenschlüsse derzeit bewusst. Gegen die Überkapazität in der Solarbranche setzt die Aufsicht offen auf Fusion statt Verbot, und im Batteriegeschäft läuft es ähnlich.
Der Preiskampf hat bereits Opfer gefordert: Der einstige E-Auto-Star Neta rutschte in die Insolvenz, während CATLs Geschäft mit Stromspeichern schneller wächst als das mit Autobatterien. Ein Werk mehr unter Kontrolle des Marktführers festigt dessen Vorsprung.
Geely und Zeekr
Der Autokonzern baut die Fabrik selbst auf und plant damit eine eigene, unabhängige Zellversorgung.
CATL steigt ein
Der Marktführer übernimmt Anteile, sichert sich die fast fertige Kapazität und bindet Zeekr als Kunden.
Was heißt das für Europa?
In Europa hängt der Antrieb längst an CATL. Zwei von fünf Antriebsbatterien weltweit stammen vom Konzern, während eigene europäische Werke kaum Zellen liefern. Jede weitere Fabrik unter CATL-Kontrolle vergrößert diese Abhängigkeit.
Für Einkauf und Strategie im DACH-Raum heißt das vor allem, die Zellbezugsquellen breiter aufzustellen. Der Aufbau europäischer LFP-Kapazität wie im Batterielabor von Lanxess gehört auf die Beobachtungsliste, ebenso die EU-Antisubventionszölle und der Critical Raw Materials Act als Faktor der Lieferantenwahl. Auch Geely selbst rückt näher, seit der Konzern mit Ford E-Autos im Werk Valencia baut.
Der Deal ist kein Einzelfall, sondern ein weiterer Schritt in Chinas Batteriekonsolidierung. Bei neuen Zellverträgen gehören Laufzeit und ein zweiter Lieferant auf den Tisch, bevor der Markt noch enger wird.
Was hat CATL bei Zeekr übernommen?
CATL hat Anteile am Batteriewerk Chongqing Yaoning New Energy übernommen. Chinas Marktaufsicht SAMR genehmigte den Zusammenschluss am 3. September 2026 ohne Auflagen. Als beteiligten Verkäufer nennt die Behörde Zeekr Auto (Shanghai), die Elektromarke des Geely-Konzerns, der das Werk aufgebaut hat.
Wie groß ist das Batteriewerk Chongqing Yaoning?
Die Fabrik ist auf 30 Gigawattstunden Jahreskapazität ausgelegt, die erste Stufe auf 18 Gigawattstunden. Die Gesamtinvestition liegt bei rund 8,5 Milliarden Yuan, etwa 1,1 Milliarden Euro. Produziert hat das Werk bislang keine Zelle; der Probelauf ist für Dezember 2026 geplant, die Serie für Anfang 2027.
Was bedeutet der CATL-Deal für europäische Autobauer?
Europas Autobranche bezieht schon heute rund zwei von fünf Antriebsbatterien von CATL. Ein weiteres Werk unter Kontrolle des Marktführers erhöht diese Abhängigkeit. Für Einkauf und Strategie im DACH-Raum lohnt es sich, die Zellquellen zu streuen und EU-Zölle sowie den Critical Raw Materials Act einzurechnen.
Quelle
[1] i-CABLE: „寧德時代收購重慶耀寧新能源通過反壟斷審查“
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