Chinas KI-Rechenzentren wachsen schneller, als das Stromnetz mithält. Genau in diese Lücke stößt der weltgrößte Batteriehersteller CATL, der sich für umgerechnet rund 820 Millionen Euro beim Betreiber VNET einkauft und dessen Serverhallen künftig mit eigener Speichertechnik versorgen will.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- CATL übernimmt über den Fonds PJ Millennium 38,1 Prozent an VNET und wird größter Einzelaktionär des Nasdaq-Konzerns.
- Der Kaufpreis liegt bei umgerechnet rund 820 Millionen Euro; Firmengründer Josh Sheng Chen behält die operative Kontrolle.
- Beide Partner planen ein Ökosystem aus Rechenleistung und Energie mit Gigawatt-Anlagen, verteilten Netzen und einem Zero-Carbon-Token.
- Für Europa rücken die Kontrolle über Energie und die über Recheninfrastruktur enger zusammen.
Was steckt hinter dem Einstieg bei VNET?

Den Einstieg wickelt CATL über die nicht konsolidierte Fondsgesellschaft PJ Millennium ab, die 38,1 Prozent der VNET-Aktien vom bisherigen Großaktionär Shangao Holdings übernimmt.[1] Damit wird der Batteriekonzern größter Einzelaktionär des 1996 gegründeten Rechenzentrums-Betreibers, der als einziger großer Anbieter Chinas sowohl Hyperscale-Standorte als auch städtische Colocation-Flächen betreibt. Die Stimmrechte übt die CATL-Gesellschaft nach Weisung von Firmengründer Josh Sheng Chen aus, der die operative Führung behält.
Über den Anteilskauf hinaus vereinbaren VNET und CATL eine strategische Zusammenarbeit.[2] Geplant ist ein dreistufiges Ökosystem aus Rechenleistung und Energie: Rechenzentren im Gigawatt-Maßstab, verteilte Energienetze zwischen den Standorten und ein Handelssystem für Zero-Carbon-Zertifikate. Grundlage bilden grün versorgte Rechenzentren mit direktem Anschluss an Wind- und Solarstrom.
Nicht der Chip entscheidet über Chinas KI-Vorsprung, sondern die Frage, wer den Strom dahinter kontrolliert. CATLs Einstieg bei VNET macht aus einem Zulieferer den Eigentümer der Infrastruktur.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Warum braucht ein Rechenzentrum einen Batteriekonzern?
Der Engpass beim KI-Ausbau ist längst nicht mehr der Chip, sondern die Stromversorgung. Grafikprozessoren ziehen ihre Last in kurzen, heftigen Spitzen, die ein normaler Netzanschluss schlecht abfedert. Speicher von CATL glätten diese Spitzen, ersetzen Diesel-Notstrom und puffern schwankenden Ökostrom, damit ein Standort trotz knapper Netzkapazität rechnen kann.
CATL folgt damit demselben Muster wie der weltweite Wettlauf um Rechenleistung, in dem Oracle eine Gaspipeline für ein KI-Rechenzentrum bauen lässt und Nvidia Kreditgarantien für Serverfarmen stellt. Für den Batteriehersteller entsteht zugleich ein zweites Standbein: Während das Wachstum bei Autobatterien reift, öffnet die Energieversorgung von Rechenzentren einen neuen, kapitalstarken Markt.
Was bedeutet der Batteriepakt für Europa?
Für deutsche Betreiber trifft der Pakt einen wunden Punkt: Das Energieeffizienzgesetz verlangt seit Juli 2026 einen PUE-Wert von höchstens 1,2 für neue Rechenzentren und ab 2027 hundert Prozent Grünstrom. Genau die grüne, netznahe Versorgung, die VNET und CATL als Produkt verkaufen, schreibt der deutsche Gesetzgeber vor. Anders als in Lübbenau, wo Schwarz Digits die Abwärme seines KI-Rechenzentrums ins Fernwärmenetz speist, koppelt der chinesische Ansatz die Rechenhalle direkt an Speicher und Ökostrom.
Heikler ist die Eigentumsfrage. Mit CATL kontrolliert künftig ein chinesischer Konzern nicht nur Batteriezellen aus seinen Werken in Thüringen und Ungarn, sondern auch die Energieschicht großer Rechenzentren. Europäische Entscheider sollten Lieferverträge für Speicher und Netzanschlüsse deshalb auf Abhängigkeiten prüfen und die EU-Gigafactory-Programme als Gegengewicht im Blick behalten.
FAQ: CATL und die KI-Rechenzentren von VNET
Wer ist VNET?
VNET, früher 21Vianet, ist einer der größten unabhängigen Rechenzentrums-Betreiber Chinas, gegründet 1996 und an der Nasdaq notiert. Das Unternehmen betreibt mehr als 50 Rechenzentren in über 30 Städten und bedient rund 7.000 Geschäftskunden.
Wie viel zahlt CATL für den VNET-Anteil?
CATL übernimmt über den Fonds PJ Millennium 38,1 Prozent an VNET für umgerechnet rund 820 Millionen Euro und wird damit größter Einzelaktionär. Der bisherige Großaktionär Shangao Holdings verkauft das Aktienpaket, Firmengründer Josh Sheng Chen behält die operative Kontrolle.
Warum investieren Batteriehersteller in Rechenzentren?
KI-Rechenzentren brauchen enorme, stark schwankende Strommengen. Batteriespeicher glätten die Lastspitzen der Grafikprozessoren, ersetzen den Diesel-Notstrom und binden Wind- und Solarstrom ein. So lässt sich ein Standort auch bei knapper Netzkapazität betreiben und CO2-ärmer versorgen.
Was ist ein Zero-Carbon-Token?
Der Zero-Carbon-Token ist ein geplantes Handelssystem, mit dem VNET und CATL den grünen Stromverbrauch ihrer Rechenzentren als handelbare Zertifikate abbilden wollen. Die genaue Ausgestaltung steht noch aus.
Welche Rolle spielt CATL in Europa?
CATL fertigt Batteriezellen unter anderem in Arnstadt in Thüringen und im ungarischen Debrecen und beliefert europäische Autohersteller. Der Einstieg bei VNET weitet das Geschäft von Fahrzeugbatterien auf die Energieversorgung von Rechenzentren aus.
Quellen
[1] VNET Group: SEC-Form 6-K vom 13. August 2026
[2] VNET Group: „VNET Announces Strategic Cooperation with CATL“
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