Micron gründet in Boise ein Institut für Speicherforschung und stellt dafür über zehn Jahre 8,7 Milliarden Euro bereit. Nvidia-Chef Jensen Huang und Apple-Chef Tim Cook loben den Schritt in derselben Mitteilung. In Dresden forschen rund 50 Menschen an den Materialien künftiger Speicher.

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Der Speicher entscheidet heute darüber, wie schnell ein KI-Rechenzentrum arbeitet, nicht allein der Prozessor. Micron zieht daraus eine teure Konsequenz und richtet in Boise die Micron Research Labs ein, ein Institut für die Grundlagen der Speichertechnik.[1] Das Budget von 8,7 Milliarden Euro entspricht 10 Milliarden US-Dollar zum Kurs von 0,87 Euro je US-Dollar am 20. August 2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Micron baut in Boise ein Institut für Speicherforschung und gibt dafür über zehn Jahre 8,7 Milliarden Euro aus.
  • Der Spatenstich ist für 2027 geplant, der Campus bietet mehreren hundert Forschern Platz.
  • Die Rechenleistung der Serverhardware stieg in 20 Jahren um das 60.000-Fache, die Speicherbandbreite nur um das Hundertfache.
  • Volumenfertigung von DRAM endete in Europa mit der Qimonda-Insolvenz von 2009.

Warum ist der Speicher zum Engpass der KI geworden?

RAM-Riegel fallen in einen Trichter mit einem „Stau!“-Schild und fallen vereinzelt heraus
Die Leistung von Serverhardware wächst 60.000-mal schneller als die Speicherbandbreite, was eine zunehmende Effizienzlücke schafft

Zwischen Rechenwerk und Speicher klafft eine Lücke, die seit zwanzig Jahren wächst. Die Spitzenleistung von Serverhardware stieg in dieser Zeit um das 60.000-Fache, die Bandbreite des Arbeitsspeichers nur um das Hundertfache und die der Verbindungen um das Dreißigfache. Amir Gholami und sein Team an der University of California in Berkeley vermaßen diese Schere in IEEE Micro und nannten das Ergebnis Speicherwand.[2] Große Sprachmodelle warten seitdem öfter auf Daten, statt zu rechnen.

Ein wachsender Teil der DRAM-Fertigung wandert in den Ausbau der KI-Rechenzentren. Für den freien Modulmarkt bleibt bis 2027 nur ein Drittel übrig. Wie ungewöhnlich der Ausschlag bei den Preisen ausfällt, zeigt der Rückblick auf die Speicherpreise seit 1960. Auch die Chiparchitektur ändert sich bereits, etwa mit Rechenwerken direkt in der Speicherzelle.

Was baut Micron in Boise?

Der Spatenstich für den Campus ist für 2027 vorgesehen. Neben dem Standort in Boise plant Micron Satellitenlabore und Kooperationen mit Hochschulen.[1] Die Themen reichen von den Materialien der Speicherzelle bis zur Aufbau- und Verbindungstechnik. „Amerikas Zukunft in der KI wird auf Speicher aus amerikanischer Fertigung gebaut“, sagt Sanjay Mehrotra, Vorstandsvorsitzender von Micron.[1]

Die 8,7 Milliarden Euro kommen zu den 217,5 Milliarden Euro für Fertigung und Entwicklung in den USA hinzu. Sieben Tage zuvor hatte Lam Research 2,6 Milliarden Euro in ein globales Labornetz gesteckt. Beide Konzerne kaufen damit Tempo in der Entwicklung, keine zusätzliche Fabrikkapazität.

Der Engpass der KI sitzt im Arbeitsspeicher. Die Milliarden für dessen Erforschung fließen nach Idaho, nicht nach Sachsen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Micron Research Labs: 8,7 Milliarden Euro für die Speicherforschung

Wohin das Geld fließt und woran der KI-Ausbau hängt. Alle Beträge in Euro.

8,7 Mrd.
Euro für das neue Forschungsinstitut, verteilt auf zehn Jahre
217,5 Mrd.
Euro hat Micron insgesamt für Fertigung und Forschung in den USA zugesagt
60.000-fach
mehr Rechenleistung in 20 Jahren, bei nur 100-fach mehr Speicherbandbreite
2027
Spatenstich für den Campus in Boise mit mehreren hundert Plätzen

Was Europa vom Speichergeschäft blieb

Volumenfertigung von DRAM endete in Europa mit der Qimonda-Insolvenz von 2009. Am Dresdner NaMLab arbeiten heute rund 50 Beschäftigte an Materialien für künftige Speicher.

Was bedeutet der Vorstoß für Europa?

Von Europas letztem großen DRAM-Hersteller blieb ein Institut mit rund 50 Beschäftigten. Das Dresdner NaMLab entstand 2006 als Gemeinschaftsunternehmen von Qimonda Dresden und der TU Dresden und gehört heute als gemeinnützige Gesellschaft zur Universität. Die Arbeit dort dreht sich um ferroelektrisches Hafniumoxid, ein Materialsystem für künftige Speicherzellen.[3]

Der EU-Chips-Act finanziert vor allem Fabriken, etwa Infineons Fünf-Milliarden-Werk in Dresden. Die Materialforschung für Speicher liegt in Europa dagegen bei wenigen Instituten. Ein Budget in Microns Größenordnung stellt daneben niemand. Prüfen Sie deshalb bei Beschaffungen für 2027 gerne früh, welche Speicherkapazität Ihr Lieferant zugesagt bekommt, weil die Verträge der KI-Rechenzentren zuerst bedient werden.

Quellen

[1] Micron Technology: „Micron Unveils Micron Research Labs, a U.S.-Based Long-Horizon Innovation Hub to Shape the Future of Memory and AI“

[2] Amir Gholami, Zhewei Yao, Sehoon Kim, Coleman Hooper, Michael W. Mahoney und Kurt Keutzer: „AI and Memory Wall“, IEEE Micro 2024

[3] NaMLab gGmbH: Selbstdarstellung des Instituts an der TU Dresden

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