Ein Chiphersteller aus Peking verbucht in sechs Monaten mehr Gewinn als im gesamten Vorjahr. GigaDevice hat seinen Halbjahresgewinn um 1.091,5 Prozent gesteigert. Dahinter steht kein neues Produkt, sondern der KI-getriebene Speicher-Superzyklus, der weltweit die Preise für Arbeitsspeicher, Flash und NOR-Chips nach oben zieht. Was in einer chinesischen Bilanz auftaucht, verteuert am Ende auch Server, Notebooks und Steuergeräte in Europa.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Der Halbjahresgewinn von GigaDevice springt auf umgerechnet rund 878 Millionen Euro, ein Plus von 1.091,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Treiber ist der Speicher-Superzyklus: HBM-Chips für KI-Rechenzentren binden Fertigungskapazität und verknappen gewöhnlichen Speicher.
  • Rund 256 Millionen Euro des Gewinns stammen aus Wertpapiergeschäften. Bereinigt bleibt ein operatives Plus von 791 Prozent.
  • Europa besitzt seit der Qimonda-Insolvenz 2009 keine eigene Volumen-DRAM-Fertigung und trägt die höheren Preise voll mit.

Warum explodiert der Gewinn eines Speicherherstellers?

Eine goldene Stele mit Münzen, ein Etikett trägt den Aufschrift „ausverkauft“
KI-Boom verstärkt Speichermangel: HBM-Nachfrage für Nvidias Beschleuniger bindet Waferkapazität, die gewöhnlichem DRAM und Flash-Speicher fehlt

Reine Knappheit. Die Ursache liegt in den Rechenzentren: Der Bedarf an teurem HBM-Speicher für die KI-Beschleuniger von Nvidia und anderen bindet Waferkapazität, die den Herstellern für gewöhnlichen Arbeits- und Flash-Speicher fehlt. GigaDevice, Chinas größter Anbieter von NOR-Flash und ein wachsender DRAM-Verkäufer, setzt dieselben Chips nun in größerer Menge und zu höheren Preisen zugleich ab.[1] Der Umsatz kletterte auf rund 1,48 Milliarden Euro, ein Plus von 178,7 Prozent. Auch das Geschäft mit Mikrocontrollern zog wieder an, getragen von Industrie, Konsumgütern und Autos. Dass Huawei denselben Engpass beim schnellen Speicher mit eigenen Mitteln umgeht, zeigt, wie eng der Flaschenhals inzwischen ist.

Ist der Rekord echt oder gerechnet?

Beides zugleich. Rund 256 Millionen Euro des Halbjahresgewinns stammen aus Kursgewinnen auf eigene Wertpapiere, nicht aus dem Verkauf von Chips. Bereinigt um solche Sondereffekte bleibt ein operatives Plus von 791 Prozent, immer noch ein Ausnahmewert.[1] Der Speichermarkt läuft seit jeher in Wellen. Dieser Aufschwung erfasst die ganze Branche: SMIC meldete einen Rekordumsatz, Transsion verdient an teureren Smartphones mit, Hoster wie Hostinger legen sich Server auf Vorrat.

Der Speicher-Superzyklus ist kein fernes China-Thema. Die Rechnung dafür steht am Jahresende im Budget jedes europäischen Rechenzentrums.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Wie tief der Engpass reicht, zeigen verwandte Fälle: YMTC greift vor dem Börsengang Micron an, der Speichermangel bremst sogar den Marktstart des iPhone 18 Pro, die größten Rechenzentren Deutschlands spüren die Kostenwelle direkt. Die KI-Rubrik von Dr. Web ordnet solche Entwicklungen laufend ein.

GigaDevices Halbjahr 2026: der Speicher-Superzyklus in Zahlen
Alle Beträge in Euro, umgerechnet zum Kurs von 0,128 Euro je Yuan (Stand 18. August 2026)
+1.091,5 %
Halbjahresgewinn gegenüber dem Vorjahr
878 Mio €
Nettogewinn im ersten Halbjahr 2026
1,48 Mrd €
Umsatz im ersten Halbjahr, ein Plus von 178,7 %
+791 %
Gewinnplus bereinigt um Wertpapiergeschäfte
256 Mio €
Gewinnanteil aus Kursgewinnen statt aus Chips

Was heißt das für Europa?

Höhere Kosten ohne eigenen Hebel. Europa besitzt seit der Qimonda-Insolvenz 2009 keinen großen DRAM-Hersteller mehr und bezieht Arbeitsspeicher fast vollständig aus Asien. Qimonda war 2006 aus dem Münchner Konzern Infineon hervorgegangen. Der EU Chips Act fördert vor allem Logikfabriken wie das künftige TSMC-Werk in Dresden, für Speicher gibt es keinen vergleichbaren Plan. Der Europäische Rechnungshof erwartet für 2030 nur rund 11,7 Prozent Weltmarktanteil statt der angepeilten 20 Prozent. Beim Einkauf von Servern, Notebooks und Steuergeräten lohnt deshalb der frühe Abschluss mit Preisgleitklauseln. Budgets für 2027 gehören nach oben korrigiert.

GigaDevices Bilanz ist damit weniger eine Firmengeschichte als ein Frühindikator. Der Zyklus dreht erfahrungsgemäß auch wieder nach unten, doch für die nächsten Quartale zeigt die Kurve klar nach oben. Beschaffungsverantwortliche planen Speicher deshalb jetzt fest ein, statt auf sinkende Preise zu warten.

Quelle

[1] GigaDevice Semiconductor: Investor Relations, Halbjahresbericht 2026

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