Das Bundeskartellamt hat den Weg für Mercks größten Zukauf seit über einem Jahrzehnt frei gemacht. Der Darmstädter Konzern darf den US-Spezialisten Bio-Techne für rund 10 Milliarden Euro übernehmen und sich damit die Reagenzien und Analysegeräte sichern, mit denen Labore weltweit forschen. Für das Geschäft mit Laborwerkzeugen verschiebt der Zukauf das Kräfteverhältnis spürbar.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 10 Milliarden Euro lässt sich Merck den US-Konzern Bio-Techne kosten. Seit dem 17. August 2026 steht dem Kauf aus deutscher Sicht nichts mehr im Weg, denn das Bundeskartellamt gab die Übernahme nach kurzer Prüfung frei. Damit rückt der teuerste Zukauf des Konzerns seit der Sigma-Aldrich-Übernahme von 2015 näher.
Das Wichtigste in Kürze
- Merck bietet 73 US-Dollar je Aktie und bewertet Bio-Techne mit rund 10 Milliarden Euro, ein Aufschlag von 36 Prozent auf den Börsenkurs.
- Das Bundeskartellamt gab den Zusammenschluss am 17. August 2026 nach einer Vorprüfung frei; starke Wettbewerber wie Thermo Fisher, Danaher und Bio-Rad bleiben im Markt.
- Bio-Techne liefert Proteine, Antikörper, Immunoassays und Analysegeräte, darunter die Spatial-Biology-Technologie RNAscope.
- Der Abschluss ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 geplant, weitere Freigaben und das Ja der Bio-Techne-Aktionäre stehen aus.
Warum zahlt Merck einen Aufschlag von 36 Prozent?

Merck kauft sich in ein Geschäft mit hohen, wiederkehrenden Margen ein. Bio-Techne verkauft keine Medikamente, sondern die Grundstoffe der Forschung: Proteine, Antikörper und Testkits, die Labore laufend nachbestellen. Dieses Verbrauchsmaterial wirft stabile Erträge ab, ähnlich wie Klingen zum Rasierer. Genau dafür zahlt der Konzern den Aufschlag von 36 Prozent.[1]
Die Life-Science-Sparte gilt längst als Wachstumsmotor von Merck. Mit Bio-Techne baut der Konzern diese Sparte weiter aus, statt sich auf das schwankende Pharmageschäft zu verlassen. Der Zukauf übertrifft im Preis jede Merck-Akquisition seit dem Kauf von Sigma-Aldrich im Jahr 2015.
Was macht Bio-Techne für die moderne Forschung wertvoll?
Bio-Techne liefert die Werkzeuge, mit denen Forscher einzelne Zellen und Proteine sichtbar machen. Der Katalog umfasst rund 6.000 Proteine und 425.000 Antikörper. Dazu kommt die Technologie RNAscope, die zeigt, wo im Gewebe ein Gen aktiv ist.
Solche Verfahren aus der Spatial Biology und der Multi-Omics-Forschung erzeugen riesige Datenmengen. Genau diese Daten füttern die Modelle, mit denen die Pharmabranche Wirkstoffe per KI sucht. Die Messgeräte liefern den Rohstoff für die KI-gestützte Wirkstoffsuche. Mit dem Kauf sichert sich Merck einen Platz an dieser Datenquelle.
Merck kauft nicht ein einzelnes Medikament, sondern die Werkzeuge, mit denen die halbe Pharmabranche forscht. Der Konzern verdient künftig an jedem Experiment mit, ganz gleich, welches Präparat am Ende gewinnt.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der Deal für Labore und die Branche in Europa?
Der Markt für Laborwerkzeuge rückt weiter zusammen. Große Anbieter wie Thermo Fisher und Danaher haben in den vergangenen Jahren reihenweise Spezialisten geschluckt. Merck reiht sich mit Bio-Techne in diese Konsolidierung ein und wird selbst zu einem der ganz Großen.
Das Bundeskartellamt sah keine Gefahr für den Wettbewerb, weil Kunden weiter zwischen mehreren Anbietern wählen können. Andere Behörden prüfen den Zusammenschluss noch, etwa in der EU und in den USA. Anders als bei Henkels gestopptem Klebstoff-Zukauf in den USA steht diesem Deal aus Kartellsicht bislang wenig im Weg.
Die Übernahme dreht die übliche Richtung um. Deutsche Familienunternehmen wie ebm-papst gehen zuletzt an US-Konzerne, hier dagegen kauft ein deutscher Konzern amerikanische Spitzentechnik ein. Für die Branche bündelt sich damit noch mehr Marktmacht bei wenigen Anbietern.
Für Labore und Einkäufer in Forschung und Diagnostik lohnt sich jetzt ein genauer Blick auf die Lieferverträge. Ein Vergleich laufender Rahmenverträge und der Alternativen wie Bio-Rad oder DiaSorin sichert Spielraum bei künftigen Preisen.
FAQ: Merck übernimmt Bio-Techne
Wie hoch ist der Kaufpreis für Bio-Techne?
Merck bietet 73 US-Dollar je Aktie in bar und bewertet Bio-Techne damit mit rund 10 Milliarden Euro. Das entspricht einem Aufschlag von 36 Prozent auf den durchschnittlichen Börsenkurs des vergangenen Monats und ist Mercks größter Zukauf seit über einem Jahrzehnt.
Wann soll die Übernahme abgeschlossen sein?
Merck rechnet mit einem Abschluss Ende 2026 oder Anfang 2027. Bis dahin müssen weitere Wettbewerbsbehörden sowie die Aktionäre von Bio-Techne dem Angebot zustimmen.
Welche Behörden müssen dem Deal noch zustimmen?
Das deutsche Bundeskartellamt hat den Zusammenschluss am 17. August 2026 freigegeben. Ausstehend sind unter anderem Freigaben in der EU und in den USA sowie in weiteren Ländern, in denen der Zusammenschluss anzumelden ist.
Wer sind die größten Wettbewerber von Merck und Bio-Techne?
Im Geschäft mit Laborwerkzeugen konkurrieren Merck und Bio-Techne vor allem mit Thermo Fisher Scientific, Danaher, Bio-Rad und DiaSorin. Auf diese Alternativen verwies auch das Bundeskartellamt bei seiner Freigabe.
Quelle
[1] Bio-Techne und Merck KGaA, Darmstadt: „Merck KGaA, Darmstadt, Germany, Agrees to Acquire Bio-Techne, Strengthening Leadership Position in Fast-Growing Life Sciences Markets“
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