Henkel darf den US-Klebstoffhersteller Liquid Nails nicht übernehmen. Ein Bundesbezirksgericht in Manhattan untersagte dem Dax-Konzern den 725 Millionen Dollar schweren Zukauf Mitte August 2026 dauerhaft, umgerechnet rund 631 Millionen Euro.[2] Die US-Handelsbehörde FTC hatte gegen den Zusammenschluss der beiden größten Marken für Bau-Klebstoffe geklagt.

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Betroffen sind die Marken Loctite und Liquid Nails, die an US-Baumärkten wie Home Depot, Lowe’s und Ace Hardware um dieselben Kunden konkurrieren. Aus Sicht der Wettbewerbshüter hätte der Kauf den stärksten Rivalen vom Markt genommen. Für Henkels Sparte Adhesive Technologies platzt damit ein Baustein der Wachstumsstrategie.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein US-Gericht untersagte Henkel die rund 631 Millionen Euro teure Übernahme von Liquid Nails dauerhaft.
  • Die FTC sah in Loctite und Liquid Nails die zwei mit Abstand größten Marken für Bau-Klebstoffe im US-Einzelhandel.
  • Die Behörde klagte bereits am 11. Dezember 2025 und setzte auf ein Verbot durch ein Bundesgericht statt auf ein eigenes Verwaltungsverfahren.
  • Der Fall zeigt, wie stark eine verschärfte Fusionskontrolle Zukäufe deutscher Konzerne im US-Markt bremst.

Warum darf der Marktführer den Zweiten nicht schlucken?

Hammer zwischen Silikonkartuschen, Etikett mit Aufschrift „Getrennt“, vor weißem Hintergrund
Fusion von Loctite und Liquid Nails beseitigt Preiskonkurrenz auf dem Baumarkt. Handwerker und Händler müssen mit höheren Preisen rechnen

Der Zusammenschluss der Nummer eins mit der Nummer zwei in einem eng gefassten Markt schaltet den direkten Preiswettbewerb aus. Genau darauf zielte die Klage der FTC: Loctite und Liquid Nails treiben sich an der Baumarkt-Regalfläche gegenseitig zu niedrigeren Preisen und mehr Innovation.[1] Fällt dieser Druck weg, zahlen Handwerker und Händler drauf.

Die Wettbewerbshüter definierten den Markt bewusst schmal, nämlich Bau-Klebstoffe im stationären Einzelhandel. In dieser Abgrenzung führen beide Marken das Feld an, sodass der Kauf einer Beinahe-Monopolstellung im Regal gleichkäme. Das Kommissionsvotum für den Gang vor Gericht fiel mit zwei zu null Stimmen einstimmig aus.

Warum scheitern gerade jetzt so viele Übernahmen?

Die US-Behörden ziehen bei horizontalen Zusammenschlüssen die Zügel an und gehen direkt vor die Bundesgerichte. Statt eines langwierigen eigenen Verwaltungsverfahrens beantragte die FTC gleich ein dauerhaftes Verbot, ein deutliches Signal an fusionswillige Konzerne.

Das Muster reicht über die Chemiebranche hinaus. Beim IT-Ausrüster Hewlett Packard Enterprise ließ sich die Übernahme von Juniper nur mit einer Kartellauflage retten. Um den Cloud-Zukauf von Broadcom tobt derweil ein Streit bis vor die EU-Kommission. Selbst Doppelmandate von Wagniskapitalgebern prüft das US-Justizministerium inzwischen, etwa im Fall Andreessen Horowitz.

Ein Verbot nach der Unterschrift ist der teuerste Ausgang eines Deals. Zukäufe in den USA gelingen nur mit einer Kartellprüfung von der ersten Stunde an.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das Verbot für deutsche Käufer?

Deutsche Konzerne unterliegen bei US-Zukäufen der amerikanischen Fusionskontrolle, ganz unabhängig von der Freigabe in Brüssel. Der Clayton Act verbietet Zusammenschlüsse, die den Wettbewerb erheblich verringern, und die FTC setzt ihn noch nach der Vertragsunterschrift vor Gericht durch.

Die Erfahrung trifft den deutschen Mittelstand ebenso wie die großen Konzerne. Beim Verkauf von ebm-papst an einen US-Konzern lief die Prüfung durch, doch die Richtung ist klar. Auch das Bundeskartellamt verschärft seinen Ton, wie das Verfahren gegen Apples Tracking-Abfrage zeigt. Entscheider ziehen daraus eine klare Lehre. Die Kartellprüfung gehört an den Anfang jedes US-Deals, nicht ans Ende. Rückbau-Zusagen und ein Plan B für ein spätes Verbot gehören in den Zeitplan.

Der gestoppte Klebstoff-Deal in Zahlen
631 Mio. €
Kaufpreis, den das Gericht kippte (725 Millionen US-Dollar)
Platz 1 & 2
Loctite und Liquid Nails, die größten Bau-Klebstoff-Marken im US-Handel
Dez. 2025
Klage der FTC gegen den Zusammenschluss beim Bundesgericht
2 zu 0
einstimmiges Votum der FTC für den Antrag auf ein Verbot

Der Fall Liquid Nails macht greifbar, dass eine Unterschrift unter den Kaufvertrag noch keine Übernahme ist. Prüfen Sie bei jedem geplanten Zukauf in den USA früh die Marktanteile im engsten relevanten Markt, denn genau dort entscheidet sich die Freigabe.

FAQ: Henkel, Liquid Nails und das Kartellverbot

Kann Henkel gegen das Urteil vorgehen?

Gegen die dauerhafte Verfügung eines US-Bundesgerichts steht Henkel der Berufungsweg offen. Ein einmal ausgesprochenes Verbot ist jedoch schwer zu kippen. Ob der Konzern Berufung einlegt, war zum Redaktionszeitpunkt offen.

Was ist Liquid Nails?

Liquid Nails ist eine bekannte US-Marke für Bau- und Montageklebstoffe, die im Baumarkt-Regal steht. Zuletzt gehörte sie dem Finanzinvestor American Industrial Partners, der sie für 725 Millionen US-Dollar an Henkel verkaufen wollte.

Warum klagt eine US-Behörde gegen einen deutschen Konzern?

Die FTC prüft jeden Zusammenschluss mit spürbarer Wirkung auf den US-Markt, unabhängig vom Sitz des Käufers. Weil Loctite und Liquid Nails beide in den USA verkauft werden, greift das amerikanische Wettbewerbsrecht auch bei einem Käufer aus Deutschland.

Betrifft das Verbot auch den europäischen Markt?

Das Urteil gilt allein für die USA. Loctite und Liquid Nails bleiben dort zwei getrennte Marken. Für den europäischen Markt hat das Verfahren keine unmittelbare Wirkung, da es sich auf den US-Einzelhandel bezieht.

Quellen

[1] Federal Trade Commission: „FTC Sues to Stop Loctite and Liquid Nails Construction Adhesive Merger“

[2] Federal Trade Commission: „Henkel, A-Paint, Cases and Proceedings“

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