Zwei Ökonomen haben 443.156 Festplatten aus den Rechenzentren von Backblaze über zwölf Jahre ausgewertet. Laufwerke von HGST fallen am seltensten aus, Toshiba schneidet am schlechtesten ab. Den größten Unterschied macht allerdings nicht die Marke, sondern der Platz, an dem eine Platte im Rechenzentrum steckt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFestplatten-Ausfallraten lassen sich im eigenen Serverschrank kaum messen, weil ein Mittelständler über zehn Jahre vielleicht dreißig Laufwerke verschleißt. Christoph Siemroth von der University of Essex und Yeomyung Park von der Sungkyunkwan-Universität hatten 1,66 Millionen Laufzeitjahre zur Verfügung. Ihre Auswertung ist in den IEEE Transactions on Cloud Computing erschienen.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei gleichem Alter, gleicher Kapazität und gleicher Temperatur kommen HGST-Platten auf 41 Prozent der Seagate-Ausfallrate, Western Digital auf 52 Prozent, Toshiba liegt mit 107 Prozent knapp darüber.
- Jedes zusätzliche Grad mittlerer Laufwerkstemperatur hebt die Ausfallrate um 2,1 Prozent, zehn Grad mehr um 23,1 Prozent.
- Zwischen dem schlechtesten und dem besten Speicher-Cluster desselben Rechenzentrums liegt bei sonst identischen Platten der Faktor 2,63.
- Die zuverlässigste Marke der Auswertung steht nicht mehr im Katalog, weil Western Digital den Hersteller HGST 2012 übernommen hat.
Warum taugen die rohen Ausfallquoten wenig?

Backblaze veröffentlicht seit 2013 jedes Quartal die Ausfallquoten der eigenen Flotte. Ein Herstellervergleich lässt sich daraus trotzdem nicht ablesen, weil die Marken über die Jahre ungleich vertreten waren. 2014 baute Backblaze vor allem HGST ein, 2017 Seagate, 2023 Toshiba, 2024 Western Digital. In der rohen Quote stehen damit unterschiedlich alte Baugenerationen nebeneinander. Dazu kommt ein zweiter Störfaktor: 146.943 Laufwerke, rund 31 Prozent des Datensatzes, verschwanden aus der Statistik, ohne je ausgefallen zu sein.[1]
Siemroth und Park haben deshalb zwei Überlebenszeit-Modelle über 442.992 Laufwerke gerechnet und darin Einbaujahr, Kapazität, Bauform sowie mittlere Betriebstemperatur konstant gehalten.[1] Cox-Modell und Weibull-Modell liefern dieselbe Rangfolge. Seagate dient als Basis mit 100 Prozent, HGST landet bei 40 bis 41 Prozent, Western Digital bei 51 bis 52 Prozent, Toshiba bei 107 Prozent. Die Rohdaten dahinter stellt Backblaze frei zum Nachrechnen bereit.[2]
Was kostet jedes Grad im Serverraum?
Die Temperatur schlägt messbar durch. Ein Grad mehr im Tagesmittel hebt die Ausfallrate um 2,1 Prozent, zehn Grad mehr um 23,1 Prozent.[1] Eine Platte mit 2 Prozent Jahresausfall bei 40 Grad liegt bei 50 Grad also schon bei knapp 2,5 Prozent. Umgekehrt sinkt die Rate je zusätzlichem Terabyte um 3,4 Prozent, weil größere Laufwerke die jüngeren Fertigungsstände tragen.
Für deutsche Rechenzentren steckt darin ein Zielkonflikt. Paragraf 11 des Energieeffizienzgesetzes schreibt Neubauten ab dem 1. Juli 2026 eine Energieverbrauchseffektivität von höchstens 1,2 vor, Bestandsanlagen ab dem 1. Juli 2027 höchstens 1,5.[3] Sinkt dieser Wert allein über weniger Kühlung, erkaufen Betreiber die Einsparung mit einer höheren Ausfallrate. Die Größenordnung dieser Kühltechnik zeigt ein Blick auf die zehn größten Rechenzentren Deutschlands. Artikel 32 der Datenschutz-Grundverordnung verlangt daneben Verfügbarkeit und rasche Wiederherstellbarkeit; die Verantwortung dafür bleibt beim Betreiber.
In der Beschaffung bindet die Herstellerfrage die meiste Aufmerksamkeit, dabei entscheidet die Kühlung im eigenen Raum über einen größeren Teil der Ausfälle. Sparsame Klimatechnik hat einen Preis, der erst zwei Jahre später in der Austauschstatistik auftaucht.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Ausfallrate je Hersteller, Seagate als Basis
Was sonst auf die Ausfallrate wirkt
Was zählt mehr als der Herstellername?
Der aufschlussreichste Befund steckt in einer Zusatzrechnung. Siemroth und Park haben die Laufwerke nach ihrem Speicher-Cluster im Rechenzentrum sortiert. Der schwächste Cluster erreicht das 2,63-Fache der Ausfallrate des stärksten, und zwar bei gleichem Hersteller, gleichem Alter, gleicher Kapazität, gleicher Bauform sowie gleicher Temperatur.[1] Last und Einbauort wiegen damit schwerer als die Markenwahl. Wie schnell Dauerschreiben einen Datenträger aufbraucht, zeigte ein Logging-Fehler in OpenAIs Codex.
Die Preisfrage rechnen die Autoren nüchtern durch. Bei zehn Jahren Laufzeit und 87 Euro Austauschkosten je Vorfall lohnt für eine HGST-Platte gegenüber Seagate ein Aufpreis von höchstens 10,27 Euro. Kosten beide gleich viel, zahlt ein Betreiber mit 300.000 aktiven Laufwerken über die Laufzeit rund 2,6 Millionen Euro mehr allein für Ersatz (Umrechnungskurs 0,87, Stand 17. August 2026). Bestellen lässt sich der Sieger allerdings nicht mehr: Western Digital hat HGST 2012 gekauft, die Eigenfertigung lief später aus. Seagate, Toshiba und Western Digital fertigten 2025 rund 99 Prozent aller Festplatten weltweit.[1]
Zwei Schritte lohnen sich vor der nächsten Bestellung. Zuerst lesen Sie die SMART-Temperaturwerte je Einschub aus und vergleichen diese Werte mit den Ausfällen der vergangenen zwei Jahre. Danach räumen Sie die auffälligen Cluster um, statt die Marke zu wechseln. Nicht jeder Datenverlust beginnt an der Platte, wie der 16 Jahre alte SQLite-Fehler bei Tailscale und der Archivverlust bei Nine PBS zeigen. Den Rahmen für eine geprüfte Sicherung liefern unsere Backup-Strategien 2026.
Quellen
[1] Christoph Siemroth und Yeomyung Park: „Are There Manufacturer Differences in Hard-Drive Reliability?“, IEEE Transactions on Cloud Computing, Band 14, Heft 2, Seiten 1015 bis 1024 (April bis Juni 2026)
[2] Backblaze: Drive-Stats-Rohdaten seit 2013 (abgerufen am 17. August 2026)
[3] Bundesministerium der Justiz: Paragraf 11 Energieeffizienzgesetz, Klimaneutrale Rechenzentren (abgerufen am 17. August 2026)
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