Der Chipentwickler Hygon steht seit Juni 2019 auf der US-Sperrliste, doch im ersten Halbjahr 2026 stieg sein Umsatz um zwei Drittel. Rund 231 Millionen Euro Nettogewinn zeigen, wie kräftig die Nachfrage nach heimischer KI-Rechenleistung Chinas gesperrte Chipbauer nach oben zieht. Für Europa wächst damit ein Wettbewerber heran, den Washington eigentlich ausbremsen wollte.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Hygon liefert Prozessoren und KI-Beschleuniger für Chinas Rechenzentren, und genau dieses Geschäft boomt. Die Halbjahreszahlen legte der Konzern am 13. August vor. Hinter der Zahl steckt eine unbequeme Botschaft für Washington und Brüssel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Halbjahresumsatz wuchs um 66,5 Prozent, der Nettogewinn um knapp die Hälfte auf rund 231 Millionen Euro.
  • Allein das zweite Quartal brachte mit rund 143 Millionen Euro den höchsten Gewinn seit dem Börsengang 2022.
  • Hygon baut auf zwei Standbeine: x86-Prozessoren und die DCU, einen Beschleuniger als Alternative zu Nvidias KI-Chips.
  • Für Europa verschärft der Sprung die Debatte über den Zugang zu KI-Rechenleistung.

Warum wächst Hygon trotz US-Sperrliste?

Chip mit Krone durchbricht Absperrband mit Aufschrift „Sperrliste 2019“
Hygon profitiert von US-Chipembargo gegen China. Der chinesische Prozessorhersteller verkauft KI-Beschleuniger an Rechenzentren, die auf heimische Alternativen zu Nvidias H20 ausweichen. Umsatz stieg um 66,5 Prozent

Hygon profitiert direkt davon, dass Peking seine Firmen von Nvidia wegdrängt. Seit die USA moderne KI-Chips wie Nvidias H20 mit Auflagen belegten und Chinas Aufsicht vom Kauf abriet, weichen Rechenzentren auf heimische Ware aus. Genau in diese Lücke verkauft Hygon seine Beschleuniger. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 66,5 Prozent. Schon 2025 erlöste der Konzern gut 1,8 Milliarden Euro, umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 11. August 2026.[1]

Ein Blick auf die Branche zeigt das Muster. Der KI-Chip-Entwickler Cambricon verdoppelte zuletzt seinen Umsatz, die Foundry SMIC meldete ein Rekordquartal, und Zhipu trainiert bereits auf 50.000 heimischen Beschleunigern. So entkoppelt sich Chinas KI-Ökosystem Schritt für Schritt vom US-Zulieferer.

Was macht die DCU zur Nvidia-Alternative?

Die DCU ist Hygons Antwort auf Nvidias Rechenbeschleuniger, gebaut für das Training großer Sprachmodelle. Das Kürzel steht für Deep Computing Unit, eine Karte für rechenintensive KI-Aufgaben. Dazu kommt eine x86-kompatible Prozessorlinie, deren Technik ursprünglich aus einer Lizenz von AMD stammt. Beide Produkte zusammen decken den Bedarf ab, den in Europa meist Intel und Nvidia bedienen.

Der Zwei-Säulen-Ansatz trifft den Nerv des Marktes. Große Sprachmodelle, KI-Agenten und der Ausbau der Rechenzentren treiben die Nachfrage, und heimische Anbieter füllen den Platz, den Nvidia räumen musste. Auch Huawei senkt mit schnellerem Speicher die Kosten der KI-Inferenz, ein weiterer Baustein der eigenen Lieferkette.

Washington wollte Hygon von der Weltspitze fernhalten und hat dem Konzern stattdessen einen geschützten Heimatmarkt beschert. Europa steht am Ende ohne eigenen Beschleuniger zwischen zwei Rechen-Blöcken.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Hygon: Chinas Rechen-Champion trotzt dem US-Bann
Halbjahreszahlen 2026, alle Beträge in Euro
~231 Mio. €
Nettogewinn im ersten Halbjahr, plus 49,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr
~143 Mio. €
Nettogewinn allein im zweiten Quartal, Rekord seit dem Börsengang 2022
+66,5 %
Umsatzwachstum im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr
17 → 55 %
Anteil heimischer KI-Chips in China, 2023 bis 2027 (Prognose Bernstein)
66 → 54 %
Nvidias Anteil am chinesischen KI-Chip-Markt, 2024 auf 2025 (Prognose Bernstein)

Was bedeutet Hygons Wachstum für Europa?

Für Europa entsteht in China ein kompletter KI-Rechenstapel, der ohne westliche Technik auskommt. Analysten von Bernstein erwarten, dass der Anteil heimischer KI-Chips in China von 17 Prozent im Jahr 2023 auf 55 Prozent bis 2027 steigt, während Nvidias Anteil von 66 auf 54 Prozent fällt. Der EU Chips Act zielt vor allem auf modernste Fabriken, doch der eigentliche Engpass liegt bei Rechenbeschleunigern und Reifeknoten. Dass ein seit 2019 sanktioniertes Unternehmen so wächst, zeigt die Grenzen der Exportkontrolle.[2]

Für Entscheider in der DACH-Region heißt das, die eigene KI-Infrastruktur nicht allein an Nvidia und Intel zu hängen. Unternehmen, die in China produzieren oder dorthin liefern, treffen künftig auf eine getrennte Rechenwelt mit eigenen Chips und eigener Software. Ein zweiter Bezugsweg und ein Blick auf europäische Beschleuniger kosten heute Marge, senken aber das Risiko von morgen.

Quellen

[1] Hygon Information Technology (Haiguang): Halbjahresbericht 2026, SSE-Pflichtmitteilungen, Wertpapiercode 688041

[2] US Federal Register: „Addition of Entities to the Entity List“, 24. Juni 2019 (Bd. 84, Nr. 121)

Mehr Newshunger?

4,4 14 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?