Die Telekom stellt 1,3 Millionen reine Telefonanschlüsse auf eine kleine LTE-Box um und legt dafür das alte Kupfernetz still. Die Rufnummer bleibt, der Analoganschluss verschwindet. Für Aufzüge, Alarmanlagen und Kartenterminals im Betrieb hängt jetzt viel an einer Steckdose.

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Das Festnetz der Telekom wird für viele Kunden zur Funkverbindung: Seit dem 12. August 2026 ersetzt eine steckdosengroße Box namens „Call Connect via Funk“ den klassischen Kupferanschluss. Betroffen sind zunächst rund 1,3 Millionen Anschlüsse, die nur zum Telefonieren dienen.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1,3 Millionen reine Telefonanschlüsse wechseln von Kupfer auf eine LTE-Box, die Rufnummer bleibt erhalten.
  • Die Tarife kosten 22,95 bis 32,45 Euro im Monat, dazu 3,95 Euro fürs Gerät oder einmalig 99,99 Euro.
  • Bei Stromausfall bleibt die Funk-Box stumm, anders als der bisher aus der Vermittlungsstelle gespeiste Analoganschluss.
  • Hinter dem Schritt steht die große Kupfer-Glas-Migration, die die Bundesnetzagentur seit Januar 2026 regelt.

Was steckt in der Telefon-Box „Call Connect via Funk“?

Wählscheibentelefon mit getrenntem Kabel und neuem Funkadapter, Text „Funk statt Kupfer, 2026“
Telekom ersetzt Telefondose durch Router für Steckdose mit 4G/LTE-Verbindung, alte Rufnummer bleibt erhalten

Die Telekom montiert keine Technik mehr an der Telefondose und liefert stattdessen einen kleinen Router für die Steckdose. Das Gerät funkt ohne SIM-Karte über 4G/LTE ins Mobilfunknetz. Das vorhandene Telefon kommt weiterhin an die mittlere TAE-Buchse. Die Einrichtung dauert rund 15 Minuten, die alte Rufnummer bleibt erhalten.[1]

Billig ist der Komfort nicht. „Call Basic via Funk“ kostet 22,95 Euro im Monat mit 120 Freiminuten, „Call Comfort via Funk“ mit Festnetz-Flatrate 32,45 Euro, dazu kommen 3,95 Euro im Monat fürs Gerät oder einmalig 99,99 Euro.[1] Das Angebot richtet sich an Menschen, die ihren Anschluss fast nur zum Telefonieren nutzen und keinen Internetzugang darüber brauchen.

Warum verschwindet ausgerechnet jetzt das Kupfer?

Zwei Netze parallel zu betreiben, das kupferne und das gläserne, rechnet sich für keinen Netzbetreiber. Kupferleitungen brauchen Wartung, Strom und Platz in den Vermittlungsstellen, während die Glasfaser daneben wächst. Die Funk-Box holt genau die reinen Telefonkunden aus dem Kupfer, wo sich ein DSL- oder Glasfaserausbau nicht lohnt. Dass die alte Breitbandbasis der Telekom schrumpft, während die Glasfaser wächst, zeigt die Richtung schon länger.

Den Rahmen dafür setzt die Bundesnetzagentur. Ihr Konzept zur Kupfer-Glas-Migration vom 19. Januar 2026 erlaubt, einen Anschlussbereich erst abzuschalten, sobald dort 80 Prozent Glasfaser liegen, mit drei Jahren Vorlauf und einem Vermarktungsstopp für DSL zwei Jahre vorher.[2] Komplett vom Netz geht das Kupfer nach dieser Planung erst zwischen 2035 und 2040. Dass der stockende Glasfaserausbau der Telekom dem Konzern Spielraum verschafft, klingt paradox, doch ohne flächendeckende Glasfaser darf auch nichts abgeschaltet werden.

Die Funk-Box ist bequem eingerichtet, doch sie verlagert ein Stück Ausfallsicherheit vom Netz in die Steckdose des Kunden. Betriebe sollten ihren Aufzugsnotruf und die Alarmanlage prüfen, bevor das Kupfer verschwindet.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Das Kupfer-Aus der Telekom in Zahlen
Wie 1,3 Millionen Festnetzanschlüsse auf Funk umziehen
1,3 Mio.
reine Telefonanschlüsse wechseln auf die LTE-Box
22,95–32,45 €
pro Monat, dazu 3,95 € fürs Gerät oder 99,99 € einmalig
2035–2040
erwartete Komplettabschaltung des Kupfernetzes

So zieht der Anschluss um

1
Box in die Steckdose
Der Router funkt ohne SIM-Karte über 4G/LTE, die Einrichtung dauert rund 15 Minuten.
2
Telefon an die TAE-Buchse
Das vorhandene Telefon bleibt, die bisherige Rufnummer wandert mit.
3
Kupfer geht vom Netz
Abschaltung je Anschlussbereich erst ab 80 % Glasfaser, mit drei Jahren Vorlauf.
Der Haken: Die Funk-Box hängt am Hausstrom. Bei Stromausfall bleibt das Telefon stumm, anders als der aus der Vermittlungsstelle gespeiste Analoganschluss. Aufzugsnotruf, Alarm und Kartenterminal brauchen dann eine Notstromlösung.

Was müssen Unternehmen jetzt prüfen?

Der klassische Analoganschluss bezog seinen Strom aus der Vermittlungsstelle. Weil diese mit Batterien und Notstrom gepuffert ist, funktionierte das Telefon auch beim Ausfall des Hausstroms. Die LTE-Box hängt dagegen an der heimischen Steckdose. Fällt der Strom aus, schweigt das Telefon. Für den privaten Zweitanschluss ist das verschmerzbar, für sicherheitsrelevante Technik nicht.

In Betrieben hängen an der alten Telefonleitung oft mehr Geräte, als der Vertrag vermuten lässt:

  • der Aufzugsnotruf nach Betriebssicherheitsverordnung, der eine dauerhafte Sprechverbindung braucht,
  • Einbruch- und Brandmeldeanlagen, die ihre Meldungen über die Leitung absetzen,
  • EC-Terminals und Frankiermaschinen, die zur Abrechnung noch analog wählen.

Diese Technik braucht künftig eine Mobilfunklösung mit gepufferter Notstromversorgung. Wie ein Betrieb ganz ohne Festnetz auskommt, zeigt der Blick auf reine Internetanschlüsse fürs Homeoffice.

Ein Anruf beim eigenen Telefonanschluss klärt zuerst, ob er nur der Sprache dient oder ob Fax, Kasse und Notruf mit dranhängen. Betriebe mit geschäftskritischer Technik planen die Umstellung auf Mobilfunk mit Notstrom lieber selbst, statt auf den Umstellungsbrief der Telekom zu warten.

FAQ: Kupfer-Aus bei der Telekom

Was ist „Call Connect via Funk“ bei der Telekom?

„Call Connect via Funk“ ist eine kleine Box der Telekom, die klassische Festnetztelefonie über das 4G/LTE-Mobilfunknetz herstellt. Das vorhandene Telefon kommt an die TAE-Buchse, die Box in die Steckdose, eine SIM-Karte ist nicht nötig. Betroffen sind rund 1,3 Millionen reine Telefonanschlüsse.

Funktioniert das Telefon bei Stromausfall noch?

Nein. Die Funk-Box bezieht ihren Strom aus der heimischen Steckdose und fällt bei einem Stromausfall aus. Der frühere Analoganschluss wurde aus der Vermittlungsstelle gespeist und funktionierte auch ohne Hausstrom. Für Notruf, Aufzug und Alarmanlage ist deshalb eine gepufferte Notstromlösung nötig.

Bleibt meine Rufnummer beim Wechsel auf die Funk-Box erhalten?

Ja. Beim Wechsel auf „Call Connect via Funk“ behalten Sie Ihre bisherige Festnetzrufnummer. Die Einrichtung der Box dauert rund 15 Minuten, ein Technikertermin ist nicht nötig.

Was kostet der Festnetzanschluss über Funk?

„Call Basic via Funk“ kostet 22,95 Euro im Monat mit 120 Freiminuten, „Call Comfort via Funk“ mit Festnetz-Flatrate 32,45 Euro. Für das Gerät kommen 3,95 Euro im Monat oder einmalig 99,99 Euro dazu.

Wann schaltet die Telekom das Kupfernetz ab?

Nach dem Konzept der Bundesnetzagentur vom Januar 2026 darf ein Anschlussbereich erst abgeschaltet werden, sobald dort 80 Prozent der Haushalte Glasfaser erreichen. Der Vorlauf beträgt drei Jahre, die vollständige Kupferabschaltung wird zwischen 2035 und 2040 erwartet.

Quellen

[1] Deutsche Telekom: „Telekom bringt Telefon-Box für klassische Telefonanschlüsse“ (12. August 2026)

[2] Bundesnetzagentur: „Kupfer-Glas-Migration“, Regulierungskonzept (19. Januar 2026)

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