Mobilfunk aus der Luft war lange eine Notlösung für Stunden, jetzt läuft er unterbrechungsfrei. Über den tschechischen Brdy-Bergen hat die Deutsche Telekom erstmals zwei fliegende Antennen im laufenden Betrieb übergeben, ohne dass ein Gespräch abriss. Rund 1.900 Läufer eines Waldlaufs hingen an einem Netz, das über ihnen kreiste.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Versuch klingt nach Spielerei, löst aber ein hartes Problem: Ein einzelnes Flugzeug stopft ein Funkloch nur so lange, bis der Tank leer ist. Erst der nahtlose Wechsel auf einen zweiten Flieger macht daraus dauerhafte Versorgung.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Telekom und T-Mobile Tschechien haben über den Brdy-Bergen erstmals den nahtlosen Wechsel zwischen zwei fliegenden Mobilfunkantennen im Live-Netz gezeigt.
- Als Träger dienten zwei unbemannte Flugzeuge vom Typ Primoco One 150 in zwei bis drei Kilometern Höhe, die zusammen bis zu 20 Quadratkilometer mit LTE und 5G versorgten.
- Über einen 10-Megahertz-Kanal erreichten handelsübliche Smartphones bis zu 100 Megabit pro Sekunde.
- Gedacht ist die Technik für Waldbrände, Hochwasser und Großereignisse in Regionen ohne festen Sendemast.
Was hat die Telekom über den Brdy-Bergen getestet?

Die Deutsche Telekom hat gemeinsam mit T-Mobile Tschechien zwei unbemannte Flugzeuge als fliegende Basisstationen betrieben und den Datenverkehr erstmals ohne Unterbrechung von einem Flieger auf den nächsten übergeben, während 1.900 Läufer eines Trailrunning-Events telefonierten und Daten übertrugen.
Die Maschinen vom Typ Primoco One 150 kreisten in zwei bis drei Kilometern Höhe und trugen jeweils eine vollwertige Mobilfunkzelle. Ein 10-Megahertz-Kanal reichte für bis zu 100 Megabit pro Sekunde auf gewöhnliche Geräte, das Versorgungsgebiet umfasste rund 20 Quadratkilometer. „Unser Ziel bleibt eine resiliente Mobilfunkversorgung für besondere Einsatzlagen“, sagt Jaroslav Holiš, Senior Manager Research and Trials bei der Telekom.[1] Schon 2025 hatte der Konzern eine einzelne fliegende Antenne im Live-Netz erprobt.
Warum braucht es zwei Flugzeuge statt einer Drohne?
Eine einzelne fliegende Antenne versorgt ein Gebiet nur, solange ihr Träger oben bleibt, und ein Flugzeug muss irgendwann tanken. Erst wenn ein zweiter Flieger die Zelle im Flug übernimmt, ohne dass Anrufe oder Datenverbindungen abreißen, entsteht eine Versorgung, die über Stunden und Tage durchhält.
Der Kern steckt im Handover, dem Verfahren, mit dem Netze ein Gerät von einer Funkzelle zur nächsten reichen. Zwischen zwei bewegten Sendern in der Luft ist das ungleich heikler als zwischen festen Masten, weil Position, Winkel und Signalstärke sich laufend ändern. Fachleute zählen solche Plattformen zu den Non-Terrestrial Networks, die der Mobilfunkstandard seit Release 17 vorsieht. Anders als die stratosphärischen Höhenplattformen, die die Telekom mit der Europäischen Weltraumorganisation getestet hat, fliegen die Primoco-Maschinen tief und lassen sich binnen Stunden verlegen.
Ein Sendemast fällt mit dem Stromnetz aus, eine fliegende Zelle bleibt davon unberührt. Für den Katastrophenschutz zählt genau diese Unabhängigkeit vom Boden.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet fliegender Mobilfunk für Deutschland?
Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 brachen die Mobilfunknetze großflächig zusammen und schnitten Betroffene wie Einsatzkräfte von der Kommunikation ab. Genau dort setzt fliegender Mobilfunk an: Er ersetzt zerstörte Masten binnen Stunden und hält Notrufe und Warn-Apps am Laufen.
Der Ansatz ist nicht neu, aber neu belastbar. In den USA schickt AT&T seit dem Hurrikan Ida sogenannte Flying COWs, Drohnen mit Funkzelle, in Krisengebiete; parallel drängen Starlink und AST SpaceMobile mit Mobilfunk direkt aus dem Orbit auf denselben Markt. Wo Glasfaser und Masten fehlen, zeigt sich der Bedarf längst, etwa beim Boom von Satelliten-Internet in Afrika oder bei Amazons eigenem Orbit-Netz. Für den deutschen Katastrophenschutz zählt die schnelle Verlegbarkeit: Ein Flugzeug erreicht ein Hochwassergebiet, bevor ein Ersatzmast überhaupt geliefert ist. Bis fliegende Zellen im Regelbetrieb stehen, bleiben Fragen zu Flugerlaubnis, Frequenznutzung und Dauereinsatz offen.
FAQ: Mobilfunk aus der Luft
Was hat die Telekom mit fliegenden Mobilfunkantennen getestet?
Die Deutsche Telekom und T-Mobile Tschechien haben über den Brdy-Bergen erstmals zwei unbemannte Flugzeuge als fliegende Basisstationen betrieben und den Mobilfunk im Flug ohne Unterbrechung von einer Maschine auf die andere übergeben, während rund 1.900 Läufer eines Waldlaufs telefonierten und Daten nutzten.
Wie hoch fliegen die Antennen und wie groß ist die Reichweite?
Die Flugzeuge vom Typ Primoco One 150 kreisen in zwei bis drei Kilometern Höhe. Zusammen versorgen sie ein Gebiet von bis zu 20 Quadratkilometern mit LTE und 5G. Über einen 10-Megahertz-Kanal erreichen normale Smartphones bis zu 100 Megabit pro Sekunde.
Was ist der Unterschied zu Satelliten wie Starlink?
Fliegende Antennen hängen an Flugzeugen in wenigen Kilometern Höhe und lassen sich binnen Stunden gezielt über ein Krisengebiet verlegen. Satellitennetze wie Starlink senden aus dem Orbit und decken große Flächen ab, lassen sich aber nicht kurzfristig auf einen einzelnen Ort bündeln.
Wofür soll fliegender Mobilfunk eingesetzt werden?
Vorgesehen ist die Technik für Lagen ohne funktionierenden Sendemast: Waldbrände, Hochwasser und andere Katastrophen sowie große Veranstaltungen in abgelegenen Regionen. Sie ersetzt ausgefallene oder fehlende Infrastruktur, bis der reguläre Betrieb wiederhergestellt ist.
Warum ist der nahtlose Wechsel zwischen zwei Flugzeugen wichtig?
Ein einzelnes Flugzeug bleibt nur begrenzt in der Luft und muss tanken. Erst wenn ein zweiter Flieger die Funkzelle im Flug übernimmt, ohne dass Gespräche abreißen, entsteht eine Versorgung, die über viele Stunden durchhält. Genau diesen Wechsel hat die Telekom nun gezeigt.
Quelle
[1] Deutsche Telekom: „Lückenloser Mobilfunk aus der Luft“
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