Mobilfunkanbieter haben Prepaid in den vergangenen Jahren nicht abgeschafft, sondern domestiziert. Wer heute zwischen Wertkarte und Laufzeitvertrag wählt, kauft kein Preisversprechen mehr, sondern eine Form der Selbstdisziplin.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Entscheidung zwischen Prepaid oder Vertrag fällt bei den meisten Mobilfunkkunden in Deutschland längst gegen die Wertkarte aus. Laut Jahresbericht der Bundesnetzagentur Telekommunikation 2024 entfielen Ende des Jahres rund 79,7 Millionen der 109,2 Millionen aktiven SIM-Profile in Deutschland auf Laufzeitverträge, knapp 29,5 Millionen dagegen auf Prepaid-Modelle.
Trotzdem hat Prepaid eine zweite Welle erlebt. Discounter und Netzbetreiber bieten Tarife unter zehn Euro inklusive 5G und EU-Roaming an, was vor wenigen Jahren noch dem teureren Vertragssegment vorbehalten gewesen ist. Die alte Faustregel taugt nicht mehr: Prepaid ist nicht mehr nur das Modell für Wenignutzer, Vertrag nicht mehr nur das für Vieltelefonierer.
Das Wichtigste in Kürze
- Prepaid-Tarife verzichten auf Vertragsbindung und Bonitätsprüfung, Verträge subventionieren oft das Smartphone und liefern größere Datenvolumen
- Vertragskunden zahlen trotz Bindung im Schnitt 30 bis 60 Prozent mehr pro Gigabyte als Discount-Prepaid-Nutzer
- Die Bundesnetzagentur zählte 2024 rund 109,2 Millionen aktive SIM-Profile in Deutschland; etwa 27 Prozent (29,5 Millionen) entfallen auf Prepaid-Modelle
- Für Selbstständige sind beide Tarifarten als Betriebsausgabe absetzbar, sofern die berufliche Nutzung dokumentiert wird
- 5G-fähige Prepaid-Tarife sind bei allen drei Netzbetreibern ab rund acht Euro pro Vier-Wochen-Zyklus verfügbar
Kennen Sie sich schon aus? Unser Quiz bringt das ans Tageslicht.
1Wie viele aktive SIM-Profile zählte die Bundesnetzagentur 2024 in Deutschland?Aufklappen ↓
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2Welcher Anteil der SIM-Profile entfällt heute auf Prepaid?Aufklappen ↓
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3Was entfällt beim Prepaid-Abschluss im Gegensatz zum Laufzeitvertrag?Aufklappen ↓
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4Warum sind Verträge oft teurer als Prepaid, obwohl der Kunde sich bindet?Aufklappen ↓
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5Was passiert mit dem Prepaid-Guthaben, wenn die Karte deaktiviert wird?Aufklappen ↓
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6Für welches Nutzerprofil lohnt sich Prepaid besonders?Aufklappen ↓
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7Welchen durchschnittlichen Datenverbrauch pro SIM und Monat maß die Bundesnetzagentur 2024?Aufklappen ↓
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Was unterscheidet Prepaid von Vertrag tatsächlich noch?

Die Unterscheidung wirkt auf den ersten Blick simpel. Beim Prepaid-Modell zahlt der Kunde im Voraus, beim Laufzeitvertrag im Nachhinein. In der juristischen Realität schließen Prepaid-Nutzer ebenfalls einen Vertrag ab; die Bezeichnung „Prepaid-Karte“ ist eine sprachliche Vereinfachung. Drei Trennlinien sind heute wirklich relevant.
Die erste Trennlinie betrifft die Bindungslaufzeit. Klassische Vertragstarife laufen über 24 Monate, danach gilt seit der TKG-Reform 2021 eine monatliche Kündigungsfrist. Prepaid-Tarife sind monatlich kündbar oder können durch Nicht-Aufladen schlicht pausiert werden.
Die zweite Trennlinie ist die Bonitätsprüfung. Beim Abschluss eines Laufzeitvertrags durchläuft der Kunde eine Schufa-Abfrage; ein negativer Eintrag kann die Annahme verhindern. Bei Prepaid entfällt diese Schwelle, weil der Anbieter kein Ausfallrisiko trägt. Diese Schwelle ist nicht trivial: Schätzungen der Schufa Holding AG zufolge weist ein erheblicher Anteil der erwachsenen deutschen Bevölkerung einen schlechten oder unbestimmten Bonitäts-Score auf.
Die dritte und ökonomisch interessanteste Trennlinie ist das Subventionsmodell. Laufzeitverträge enthalten häufig ein Smartphone, dessen Anschaffungskosten auf 24 Monatsraten umgelegt werden. Prepaid kennt diese Quersubventionierung nicht; das Endgerät wird separat gekauft oder mitgebracht.
Warum sind Verträge oft teurer als Prepaid, obwohl der Kunde sich bindet?

Die ökonomische Logik der Mobilfunkanbieter ist gegenintuitiv. Kunden, die sich für längere Zeit binden, zahlen in der Regel mehr als jene, die monatlich kündbar bleiben. Bei Telekom, Vodafone und O2 kostet der Einstiegstarif im Vertragssegment regelmäßig das Drei- bis Vierfache der Prepaid-Variante mit vergleichbarem Datenvolumen. Telekom MagentaMobil Prepaid M etwa bietet rund 8 GB für etwa zehn Euro im Vier-Wochen-Takt, der vergleichbare Postpaid-Tarif MagentaMobil S liegt bei knapp 40 Euro pro Monat.
Drei Mechanismen stecken hinter dieser Preisdifferenz. Verträge enthalten häufig ein subventioniertes Endgerät, dessen Anschaffungskosten über die Laufzeit refinanziert werden. Hinzu kommen Servicepakete wie Streaming-Optionen, Auslandsdatenpakete oder eine höhere Priorisierung im Netz, die im Discount-Segment nicht angeboten werden. Der dritte und ökonomisch wichtigste Faktor ist der klassische Lock-in: 24 Monate Bindung bedeuten 24 Monate ohne Verhandlungsoption gegenüber dem Anbieter.
Die Branche begründet diese Preislogik gern mit Servicequalität. Eine ehrlichere Lesart lautet anders: Vertragskunden subventionieren über ihre Grundgebühr genau jenes Smartphone, das ihnen als „kostenlose“ Zugabe verkauft worden ist. Der Branchenumsatz lässt sich beziffern; laut Jahresbericht der Bundesnetzagentur zum Telekommunikationsmarkt erwirtschaftete allein der Mobilfunkbereich 2024 rund 27,48 Milliarden Euro Umsatz, davon stammt die überwiegende Mehrheit aus Vertragstarifen.
Eine ähnliche Mechanik kennt der wirtschaftsjournalistische Diskurs aus anderen Branchen. Selbstständige, die ihr gesamtes Geschäft auf einer einzigen Plattform betreiben, gehen Klumpenrisiken durch einseitige Bindungen ein, die sich in Mobilfunkverträgen im Kleinformat wiederfinden. Die Bindung ist nicht das Problem; das Problem ist die Asymmetrie zwischen Anbieter und Kunde während ihrer Laufzeit.
Welche Nachteile bringt Prepaid wirklich mit sich?

Prepaid hat drei reale Schwächen, die in der Marketing-Kommunikation der Discounter selten auftauchen.
Der häufigste Stolperstein ist der Guthaben-Verfall. Lädt ein Nutzer die Karte über einen längeren Zeitraum nicht auf (je nach Anbieter sechs bis 24 Monate), kann der Anbieter die Karte deaktivieren. Das Guthaben verfällt nicht ohne Weiteres; nach BGH-Rechtsprechung sind Anbieter zur Auszahlung des Restbetrages verpflichtet. Der bürokratische Aufwand bleibt allerdings am Kunden hängen.
Die zweite Schwäche betrifft das Datenvolumen. Zwar bieten alle drei Netzbetreiber inzwischen Prepaid-Tarife mit 20, 50 oder mehreren Hundert Gigabyte; Tarife mit echtem Unlimited-Volumen oder Premium-Geschwindigkeit jenseits von 200 MBit/s bleiben jedoch der Vertragswelt vorbehalten.
Die dritte Schwäche ist der Aufladezwang. Anders als beim Vertrag muss der Nutzer aktiv handeln, um die Karte einsatzbereit zu halten. Auto-Top-up-Funktionen mildern das, machen aber genau jene Kostenkontrolle zunichte, die als Hauptargument für Prepaid gilt. Hier liegt der zentrale Selbstwiderspruch des Modells: Bequemlichkeit und Disziplin schließen sich aus.
Wann lohnt sich Prepaid für wen?

Mindestens drei Nutzerprofile haben aus betriebswirtschaftlicher Sicht den größeren Nutzen von Prepaid.
Wenignutzer mit einem Datenverbrauch unter drei Gigabyte pro Monat fahren mit einem Prepaid-Tarif konsequent günstiger. Bereits Tarife unter sechs Euro im Vier-Wochen-Takt decken diesen Bedarf vollständig ab.
Selbstständige mit Kostenkontrollanspruch profitieren ebenfalls. Die monatliche Aufladung zwingt zu einer bewussten Auseinandersetzung mit dem Verbrauch, was bei einem automatisch abgebuchten Vertrag selten gegeben ist. Bevor das passende Mobilfunkmodell überhaupt ermittelt wird, lohnt der Blick auf die monatlichen Fixkosten und ihre realistische Kalkulation; volatile Posten gehören zunächst nach oben gedeckelt, nicht nach unten optimiert.
Zweitkartennutzer brauchen Prepaid für Tablets, Smartwatches oder dedizierte Reise-SIMs. Eine zusätzliche Vertragsbindung lohnt sich für diese Nebenanwendungen praktisch nie.
| Nutzerprofil | Empfehlung | Tragende Begründung |
|---|---|---|
| Wenignutzer (unter 2 GB/Monat) | Prepaid | Kostenkontrolle, keine Bindung |
| Vielnutzer mit hohem Datenbedarf | Vertrag | Unlimited-Optionen, 5G-Premium |
| Selbstständige (Geschäftshandy) | Prepaid (selektiv) | Trennung dienstlich/privat, klare Buchhaltung |
| Bonitätsschwache (negative Schufa) | Prepaid | keine Bonitätsprüfung |
| Familien mit Multi-Card-Bedarf | Vertrag | Familien-Optionen, gemeinsames Datenpaket |
| Reisende außerhalb der EU | Vertrag oder Spezial-Prepaid | EU-Roaming reicht beim Standard-Prepaid nicht |
Was leisten Verträge, das Prepaid nicht ersetzt?

Drei Leistungen sind im Discount-Prepaid bis heute nicht in vergleichbarer Qualität verfügbar:
Subventionierte Smartphones sind das offensichtlichste Beispiel. Ein iPhone 16 Pro oder ein Samsung Galaxy S25 Ultra kostet im freien Verkauf zwischen 1.300 und 1.800 Euro. Über einen 24-Monats-Vertrag wird der Aufpreis von monatlich 25 bis 40 Euro deutlich erträglicher. Mathematisch verschwindet die Subvention zwar in der Grundgebühr; psychologisch funktioniert das Modell trotzdem.
Premium-Datenvolumen mit echtem Unlimited bei voller 5G-Geschwindigkeit (300 MBit/s und mehr) existiert bei den drei Netzbetreibern bislang ausschließlich im Vertragssegment. Für Vielnutzer, Selbstständige mit Cloud-Workflows oder häufigem Tethering ist diese Differenzierung relevant.
Familien-Optionen und Multi-Card-Modelle runden den Vertragsvorteil ab. Familien mit mehreren Geräten unter einem gemeinsamen Datenkontingent finden praktisch nur im Vertragssegment passende Tarife.
Die Verbraucherzentrale weist auf typische Fallstricke beim Laufzeitvertrag hin; darunter den Hinweis, dass die beworbenen Smartphone-Zugaben über die 24-Monats-Laufzeit nicht selten deutlich teurer ausfallen als der Direktkauf desselben Geräts. Verbraucher, die diese Risiken vermeiden möchten, aber dennoch im Netz eines der drei Hauptanbieter bleiben wollen, finden im Prepaid-Portfolio aller großen Netzbetreiber tragfähige Alternativen.
Im Telefónica-Netz, vermarktet unter der Marke O2, reichen die Prepaid-Optionen vom kleinen Einstieg für Wenignutzer bis zum Prepaid Max mit nahezu unlimitiertem Datenvolumen pro Vier-Wochen-Zyklus. Eine vollständige Übersicht aller aktuellen o2 Prepaid Tarife liefert das offizielle Tarifportal des Anbieters; alle Angebote folgen der klassischen Prepaid-Logik mit monatlicher Kündigungsoption, ohne Bonitätsprüfung und mit EU-Roaming inklusive.
Vergleichbare Modelle bieten Telekom (MagentaMobil Prepaid) und Vodafone (CallYa). Drillisch-Marken wie WinSIM und Smartmobil setzen ebenfalls auf das O2-Netz und unterbieten die Netzbetreiber-Tarife im Preis, dafür ohne deren Service-Tiefe.
Wie sehen die Tarifmodelle im direkten Vergleich aus?

Tatsächlich zeigt der direkte Vergleich, wie weit Prepaid und Vertrag preislich auseinanderliegen. Die folgende Übersicht stellt typische Tarifkombinationen der Hauptanbieter Anfang 2026 gegenüber.
| Anbieter (Netz) | Prepaid-Tarif (Beispiel) | Postpaid-Vertrag (Beispiel) | Faktor im Eintrittssegment |
|---|---|---|---|
| Telekom (D1) | MagentaMobil Prepaid M, ca. 8 GB für ca. 10 €/4 Wochen | MagentaMobil S, ca. 10 GB ab ca. 40 €/Monat | etwa 3,5× |
| Vodafone (D2) | CallYa Allnet Flat M, ca. 12 GB für ca. 10 €/4 Wochen | GigaMobil S, ca. 10 GB ab ca. 35 €/Monat | etwa 3× |
| O2 (Telefónica) | O2 Prepaid M, ca. 12 GB für ca. 10 €/4 Wochen | O2 Mobile M, ca. 30 GB ab ca. 30 €/Monat | etwa 2,5× |
| Drillisch (O2-Netz) | WinSIM Prepaid, ca. 8 GB für ca. 8 €/4 Wochen | WinSIM LTE All, ca. 10 GB ab ca. 10 €/Monat | nahezu identisch |
Die Tabelle zeigt zwei Phänomene gleichzeitig. Auffällig ist zunächst der große Preisabstand zwischen Prepaid und Vertrag bei den drei Netzbetreibern. Bemerkenswert ist daneben das Verschwinden dieses Abstandes bei Drillisch und anderen Discountern, die Vertrag und Prepaid preislich nivelliert haben. Die ehemals klare Ordnung der Mobilfunkwelt hat sich damit aufgelöst.
Prepaid und Vertrag im direkten Schritt: Wo jede Tarifart führt und wo sie auf die Füße tritt.
- Keine Vertragsbindung, monatlich kündbar
- Keine Bonitätsprüfung (Schufa)
- Volle Kostenkontrolle, keine Grundgebührfalle
- 5G und EU-Roaming heute inklusive
- Guthaben-Verfall bei längerer Nichtnutzung
- Kein echtes Unlimited, gedeckelte Premium-Geschwindigkeit
- Aufladezwang statt Bequemlichkeit
- Keine subventionierten Top-Smartphones
- Subventioniertes Premium-Smartphone
- Höchstes Datenvolumen bis Unlimited
- Bequeme, automatische Abbuchung
- Familien- und Multi-Card-Optionen
- 24 Monate Bindung (Lock-in)
- Bonitätsprüfung nötig
- Im Schnitt 30 bis 60 Prozent teurer pro Gigabyte
- Gerätekosten versteckt in der Grundgebühr
Welche Fragen sollten Sie sich vor der Entscheidung stellen?

Vor der Tarifwahl lohnen vier Selbstbefragungen.
Die erste betrifft den eigenen Datenverbrauch. Lag dieser im Vorjahr im Durchschnitt unter drei Gigabyte pro Monat, lässt sich mit Prepaid praktisch nichts falsch machen. Lag der Verbrauch dauerhaft über zehn Gigabyte mit Tendenz nach oben, sind Vertragstarife meist die ehrlichere Wahl. Der von der Bundesnetzagentur gemessene Durchschnittsverbrauch pro aktivem SIM-Profil lag 2024 bei 7,4 Gigabyte monatlich.
Die zweite Frage betrifft die Bonität. Eine negative Schufa-Auskunft schließt den klassischen Vertragstarif faktisch aus, lässt aber jeden Prepaid-Tarif offen.
Die dritte Frage gilt dem aktuellen Smartphone. Steht ein Geräteneukauf in den nächsten 24 Monaten ohnehin an, refinanziert ein Vertrag dieses Bedürfnis bequem. Bleibt das vorhandene Gerät länger nutzbar, fehlt das Hauptargument für die Vertragsbindung.
Die vierte Frage betrifft das Auslandsverhalten. Für EU-Reisende reicht jedes EU-Roaming-fähige Prepaid. Reisende außerhalb der EU sollten spezialisierte Datentarife oder einen klassischen Geschäftskundenvertrag prüfen, denn die Roaming-Sätze für Drittstaaten können selbst bei renommierten Anbietern dreistellige Beträge pro Gigabyte erreichen.
Was bedeutet die Entscheidung für Selbstständige und KMU?

Für Selbstständige und kleine Unternehmen verschiebt sich die Frage in einen anderen Rahmen. Steuerlich sind Mobilfunkkosten unabhängig vom Tarifmodell als Betriebsausgabe absetzbar, sofern die berufliche Nutzung dokumentiert ist. Selbstständige können Mobilfunkkosten anteilig oder vollständig als Betriebsausgabe steuerlich geltend machen, sofern eine saubere Trennung zwischen privater und dienstlicher Nutzung möglich ist. In der Praxis bedeutet das eine zweite SIM oder zwei separate Geräte.
Drei Konstellationen sind in der KMU-Praxis besonders verbreitet. Der freiberufliche Solist mit einem Gerät neigt häufig zum klassischen Vertrag, weil das Smartphone als Werkzeug ohnehin regelmäßig erneuert wird. Eine GmbH mit zehn oder mehr Mitarbeitern profitiert hingegen von Geschäftskundenverträgen mit Sammelrechnung und zentraler Verwaltung. Mittendrin liegt das interessanteste Segment: das kleine Team von zwei bis fünf Personen, das entweder mit Bring-your-own-Device-Modellen arbeitet oder mit firmeneigenen Prepaid-Karten. Beide Varianten sparen Verwaltungsaufwand.
Wo Smartphones beruflich eingesetzt werden, geht die Tarifentscheidung mit Sicherheitsanforderungen einher. Anweisungen dazu, wie mobile Geräte im Unternehmen abzusichern sind, wirken auf die Tarifwahl zurück. Geräte mit Mobile-Device-Management-Pflicht passen schlecht zur reinen Privatnutzungs-Logik vieler Prepaid-Tarife, weil dort die zentrale Verwaltung über den Provider fehlt.
Die Mobilfunkbranche verkauft Vertragsbindung als Komfort und Prepaid als Sparmodell. Beides stimmt nur halb. Die ehrlichste Tarifart ist immer die, die der eigenen Disziplin entspricht, nicht die, die ein Anbieter empfiehlt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Welcher Tarif passt zu welchem Leben?

Die ehrliche Antwort auf die Ausgangsfrage lautet: keiner pauschal. Prepaid und Vertrag sind keine konkurrierenden Tarifarten mehr, sondern unterschiedliche Werkzeuge für unterschiedliche Lebenssituationen. Eine strukturell günstigste Lösung existiert nicht; eine strukturell ehrlichste schon.
Prepaid ist die ehrlichere Tarifform, weil sie keine versteckten Kostenquellen kennt. Vertrag ist die bequemere Variante, weil er das Smartphone in monatliche Häppchen zerlegt und die Erreichbarkeit nicht von Disziplin abhängig macht. Die Wahl zwischen beiden ist deshalb nicht primär eine Preisrechnung, sondern eine Entscheidung über die eigene Lebenslogik.
In den nächsten Jahren wird sich die Linie zwischen beiden Modellen weiter verschieben. Mehr Vertragstarife werden monatlich kündbar, mehr Prepaid-Tarife bieten Unlimited-Optionen an. Sobald die zwei Modelle technisch und preislich konvergieren, bleibt für die Anbieter ein einziges echtes Differenzierungsmerkmal übrig: Vertrauen. Bis dahin sollten Verbraucher rechnen, nicht binden.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zum Mobilfunktarif

Allnet-Flat
Allnet-Flat beschreibt eine Tarifoption mit unbegrenzten Telefonminuten und SMS in alle deutschen Netze. In Kombination mit einem festen Datenkontingent ist Allnet-Flat heute der Standard für Vertrags- und Prepaid-Premiumtarife.
BYOD
Bring Your Own Device bezeichnet das Modell, bei dem Mitarbeiter ihr privates Smartphone beruflich nutzen. Der Arbeitgeber spart Hardwarekosten, übernimmt aber typischerweise einen Teil der Tarifkosten und stellt Sicherheitsrichtlinien auf.
Datenautomatik
Datenautomatik ist die automatische Nachbuchung kostenpflichtigen Datenvolumens nach Verbrauch des Inklusivkontingents. Verbraucherschützer kritisieren diese Funktion regelmäßig als Kostenfalle; viele Tarife erlauben die Deaktivierung im Kundenkonto.
EU-Roaming
EU-Roaming umfasst die Nutzung des inländischen Tarifs in allen EU-Mitgliedstaaten ohne Aufpreis. Die Regelung gilt seit 2017 und wurde 2022 bis 2032 verlängert. Außerhalb der EU greift sie nicht.
Fair-Use-Policy
Fair Use Policy begrenzt die Roaming-Nutzung im EU-Ausland auf ein als „üblich“ definiertes Volumen. Bei dauerhafter Nutzung im Ausland können Aufschläge oder eine Tarifkündigung folgen.
LTE und 5G
LTE (Long Term Evolution) bezeichnet den 4G-Mobilfunkstandard, 5G den Nachfolger mit höheren Übertragungsraten und geringerer Latenz. Reine LTE-Tarife sind selten geworden; die meisten neuen Tarife bieten 5G mit unterschiedlichen Geschwindigkeitsstufen.
Postpaid
Postpaid beschreibt die nachträgliche Abrechnung von Mobilfunkleistungen, typischerweise per monatlicher Rechnung oder Bankeinzug. Postpaid und Laufzeitvertrag sind in Deutschland praktisch gleichbedeutend.
Prepaid
Prepaid bezeichnet das Vorauszahlungsmodell, bei dem ein Guthaben aufgeladen und über die Nutzung abgebaut wird. Eine Vertragsbindung besteht formal, ist aber monatlich oder durch Nicht-Aufladen kündbar.
Rufnummernmitnahme
Rufnummernmitnahme (Portierung) bezeichnet die gesetzlich garantierte Möglichkeit, die eigene Mobilfunknummer beim Anbieterwechsel zu behalten. Sowohl bei Prepaid als auch bei Postpaid möglich; Kosten zwischen 6,82 Euro und kostenfrei je nach Anbieter.
Schufa-Score
Schufa-Score ist der von der Schufa Holding AG ermittelte Bonitätswert eines Verbrauchers. Mobilfunkanbieter prüfen den Score vor Abschluss eines Laufzeitvertrags; Werte unter etwa 80 Prozent führen häufig zur Ablehnung.
SIM-Lock
SIM-Lock bezeichnet die anbieterseitige Sperre eines subventionierten Smartphones auf das Netz des Vertragsanbieters. In Deutschland nach 24 Monaten kostenfrei freizuschalten; bei Prepaid-Geräten meist sofort nach Aktivierung möglich.
Triple-SIM
Triple-SIM beschreibt das SIM-Karten-Format, das alle drei gängigen Größen (Mini, Micro, Nano) durch herausbrechbare Module abdeckt. Inzwischen wird das Format zunehmend durch eSIM ergänzt oder ersetzt.
Häufige Fragen zu Prepaid und Vertrag

Was ist günstiger, Prepaid oder Vertrag?
Prepaid ist im Eintrittssegment durchschnittlich 30 bis 60 Prozent günstiger als ein vergleichbarer Vertragstarif. Bei Vertragstarifen mit Smartphone-Subvention kann sich das Bild relativieren, sofern das Gerät benötigt wird und der Direktkauf nicht möglich ist.
Braucht man für Prepaid eine Schufa-Auskunft?
Nein. Beim Abschluss eines Prepaid-Tarifs entfällt die Bonitätsprüfung, weil der Anbieter ausschließlich gegen aufgeladenes Guthaben Leistungen erbringt und kein Ausfallrisiko trägt. Prepaid ist damit für alle Verbraucher mit negativer oder unbestimmter Schufa eine praktikable Option.
Was passiert mit dem Guthaben, sofern die Karte nicht aufgeladen wird?
Die Karte kann nach einem anbieterabhängigen Zeitraum von sechs bis 24 Monaten ohne Aufladung deaktiviert werden. Das verbleibende Guthaben verfällt nach BGH-Rechtsprechung jedoch nicht automatisch und ist auf Anforderung an den Kunden auszuzahlen.
Kann ich meine Rufnummer von Prepaid auf Vertrag mitnehmen?
Ja. Die Rufnummernmitnahme (Portierung) funktioniert in beide Richtungen, also von Prepaid zu Vertrag genauso wie umgekehrt. Der Vorgang dauert in der Regel wenige Werktage und ist gesetzlich garantiert.
Was kostet Prepaid pro Monat im Schnitt?
Discount-Prepaid-Tarife mit drei bis acht Gigabyte Datenvolumen kosten derzeit zwischen vier und zehn Euro pro Vier-Wochen-Zyklus. Premium-Prepaid mit 5G und großem Datenvolumen liegt zwischen zwölf und 30 Euro im Monat.
Lohnt sich ein Prepaid-Tarif als Geschäftshandy für Selbstständige?
Für Solo-Selbstständige mit klar abgrenzbarem Mobilfunkbedarf kann Prepaid eine elegante Lösung sein. Die monatliche Aufladung schafft Kostentransparenz und vereinfacht die Buchhaltung. Bei wachsendem Team oder hohem Datenbedarf überwiegen typischerweise die Vorteile eines Geschäftskundenvertrags.
Quellen
- Bundesnetzagentur (BNetzA) — Jahresbericht Telekommunikation 2024 — https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/20250509_JB_TK.html — besucht am 27.05.2026
- Verbraucherzentrale — Handytarife: Prepaid oder Laufzeitvertrag? — https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/mobilfunk-und-festnetz/handytarife-prepaid-oder-laufzeitvertrag-59732 — besucht am 27.05.2026
- Bundesnetzagentur — Marktdaten Telekommunikation — https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/Telekommunikation/Marktdaten/start.html — besucht am 27.05.2026
- Schufa Holding AG — Bonitäts-Score-Informationen — https://www.schufa.de — besucht am 27.05.2026