Chinesische Telekomkonzerne sollten aus dem US-Netz längst verschwunden sein, doch ein neuer Kongressbericht zeichnet ein anderes Bild. 192 Mal tauchte allein das Netz von China Mobile International im September 2024 auf Routen zu Servern der Spionagekampagne Salt Typhoon auf. Der Ausschuss nennt das kein Restrisiko, sondern eine offene Tür.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin Blick auf die nackten Zahlen genügt, um die Lücke zu erkennen: China Telecom, China Mobile und China Unicom haben ihre US-Lizenzen verloren, ihre Technik steht trotzdem in amerikanischen Rechenzentren. Der Bericht „Stranger Pings“ des US-Ausschusses zur Kommunistischen Partei Chinas trägt zusammen, wie viel davon geblieben ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Der überparteiliche US-Ausschuss zur Kommunistischen Partei Chinas dokumentiert, dass China Telecom, China Mobile und China Unicom trotz entzogener FCC-Lizenz weiter in US-Rechenzentren präsent sind.
- China Mobile USA unterhält laut Bericht 39 Netzknoten in 27 Anlagen und mindestens 143 aktive Netz-Assets, China Telecom zehn Präsenzpunkte in sieben Metropolregionen.
- Der Bericht verknüpft das Netz von China Mobile mit 192 Routing-Vorfällen zu Salt-Typhoon-Servern und zählt seit 2018 rund 109.000 BGP-Hijacks.
- Deutschland verbannt Huawei und ZTE bis 2026 aus dem 5G-Kern, doch der Fall zeigt, dass Geräteverbote ohne Blick auf Routing und Rechenzentren zu kurz greifen.
Was wirft der US-Ausschuss den drei Konzernen vor?

Der Bericht „Stranger Pings“ kommt zu dem Schluss, dass die US-Töchter von China Telecom, China Mobile und China Unicom nicht unabhängig von ihren Mutterkonzernen in Festlandchina und Hongkong agieren und trotz entzogener Lizenzen tief in der amerikanischen Netzinfrastruktur verankert bleiben.
Die drei Staatskonzerne hatten ihre Section-214-Lizenzen längst verloren, mit der sie regulierte Telekomdienste anbieten durften. Entfernt hat sie das nicht: China Telecom Americas hält laut Ausschuss zehn aktive Präsenzpunkte in sieben Metropolregionen, rund ein Viertel seiner US-Übertragungstechnik stammt von Huawei.[1] Washington zieht die Schraube gleich an mehreren Stellen an und stoppte zuletzt den Import chinesischer optischer Transceiver. Auf detaillierte Anfragen reagierten die drei Konzerne nicht, Pekings Botschaft wies die Vorwürfe als überdehnten Sicherheitsbegriff zurück.
Wie bleiben die Konzerne trotz Lizenzentzug im Netz?
Der Lizenzentzug verbietet nur den Verkauf regulierter Dienste, er löscht aber keine Hardware: Die Konzerne behalten Präsenzpunkte in Rechenzentren, eigene IP-Adressräume und Verbindungen zu anderen Netzen, über die weiter Datenverkehr durch von ihnen kontrollierte Leitungen laufen kann.
Das eigentliche Einfallstor ist das Border Gateway Protocol, das den Verkehr zwischen Netzen lenkt und dabei auf Vertrauen statt auf Prüfung baut. Genau dort zählt der Bericht seit 2018 rund 109.000 eindeutig belegte Routing-Entführungen, über 4.200 davon durch Netze von China Mobile. Neu ist das Muster nicht, schon 2018 wiesen Forscher China Telecom nach, US-Datenverkehr über Monate durch China umgeleitet zu haben. Peking selbst verschärft die Kontrolle im eigenen Netz derweil und lässt SIM-Karten nur noch direkt verkaufen.
Ein Geräteverbot beruhigt die Politik, löst aber nicht das eigentliche Problem. Solange fremde Konzerne Knoten und Routing im Netz behalten, verschiebt sich das Risiko nur von der Hardware zur Leitung.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Deutschland und die 5G-Netze?
Deutschland verbannt Huawei und ZTE per Vertrag bis Ende 2026 aus dem 5G-Kern und bis 2029 aus dem Zugangsnetz, doch der US-Fall zeigt, dass ein reines Lieferantenverbot die Frage nach Betrieb, Routing und Rechenzentren offenlässt.
Der Bund schloss dazu 2024 öffentlich-rechtliche Verträge mit Telekom, Vodafone und Telefónica. Der Blickwechsel aus Washington führt vom Bauteil zur Leitung: Offen bleiben der Betrieb der Interconnection-Punkte, der Ort der Cloud-Verträge und die Frage, welche Netze die eigenen Adressbereiche ankündigen dürfen. Unter NIS2 und dem BSI gehört diese Lieferkette längst zur Risikoanalyse kritischer Betreiber, ähnlich brisant wie Angriffe auf Wasserwerke oder ungesicherte Backups im Grundbuch.
FAQ: Chinesische Telekomkonzerne im US-Netz
Was ist der „Stranger Pings“-Bericht?
„Stranger Pings“ ist ein Bericht des überparteilichen US-Ausschusses zur Kommunistischen Partei Chinas vom 5. August 2026. Er untersucht China Telecom, China Mobile und China Unicom und kommt zu dem Schluss, dass ihre US-Töchter trotz entzogener Betriebslizenzen weiter tief in der amerikanischen Netzinfrastruktur verankert sind und nicht unabhängig von ihren Mutterkonzernen agieren.
Warum reicht der Entzug der FCC-Lizenz nicht aus?
Die Section-214-Lizenz erlaubt den Verkauf regulierter Telekomdienste. Ihr Entzug verbietet dieses Geschäft, entfernt aber weder Hardware noch Standorte. Die Konzerne behalten Präsenzpunkte in Rechenzentren, eigene IP-Adressräume und Verbindungen zu anderen Netzen, über die weiter Datenverkehr laufen kann.
Was hat Salt Typhoon damit zu tun?
Salt Typhoon ist eine China zugeschriebene Spionagekampagne gegen westliche Telekomnetze. Der Bericht zählt 192 Fälle, in denen das Netz von China Mobile International im September 2024 auf Routen zu Servern dieser Kampagne auftauchte. Der Ausschuss wertet das als Hinweis auf eine mögliche Verbindung, nicht als abschließenden Beweis.
Was ist ein BGP-Hijack?
Das Border Gateway Protocol lenkt den Verkehr zwischen den Netzen des Internets und baut dabei auf Vertrauen statt auf Prüfung. Bei einem BGP-Hijack kündigt ein Netz fremde Adressbereiche als eigene an und zieht so Datenverkehr über sich. Der Bericht zählt seit 2018 rund 109.000 solcher eindeutig belegten Vorfälle, über 4.200 davon über China-Mobile-Netze.
Was bedeutet der Fall für Deutschlands 5G-Netze?
Deutschland verbannt Huawei und ZTE per Vertrag bis Ende 2026 aus dem 5G-Kern und bis 2029 aus dem Zugangsnetz. Der US-Fall zeigt, dass ein reines Lieferantenverbot nicht genügt. Betreiber und Aufsicht müssen auch Betrieb, Routing und Cloud-Verträge prüfen, was unter NIS2 und dem BSI zur Risikoanalyse kritischer Infrastruktur gehört.
Quelle
[1] Select Committee on the CCP: „Stranger Pings: Chinese Telecom Companies Infiltrate U.S. Infrastructure“
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