Cloud-Verschlüsselung schützt Daten bisher nur auf der Festplatte und auf dem Transportweg. Im Arbeitsspeicher lagen die Daten offen, im Ernstfall sogar für den Betreiber lesbar. IONOS schließt diese Lücke mit Confidential VMs auf Basis von AMD SEV-SNP und verschlüsselt den Arbeitsspeicher jeder einzelnen Instanz.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenConfidential Computing verschlüsselt Daten selbst dann, wenn der Prozessor sie gerade verarbeitet. Genau diese Technik schaltet IONOS für seine Cloud-VMs frei, buchbar über die API und den Data Center Designer. Für regulierte Branchen verschiebt das die Grenze, was sich überhaupt in eine geteilte Cloud auslagern lässt.
Das Wichtigste in Kürze
- AMD SEV-SNP verschlüsselt den Arbeitsspeicher jeder VM auf Hardware-Ebene; selbst IONOS als Betreiber sieht die laufenden Daten nicht.
- Remote Attestation belegt kryptografisch, dass eine Instanz unverändert und isoliert läuft.
- Pro VM stehen 1 bis 62 dedizierte Kerne auf AMD EPYC Turin bereit, buchbar über API und Data Center Designer.
- Zielgruppe sind regulierte Workloads; die Compliance-Verantwortung bleibt beim Kunden.
Was schützt Confidential Computing, das andere Verschlüsselung offenlässt?

Confidential VMs schützen Daten auch während der Verarbeitung, nicht nur auf der Festplatte und im Netzwerk. Klassische Cloud-Verschlüsselung deckt zwei der drei Zustände ab: gespeicherte Daten und den Transportweg. Sobald ein Prozessor die Daten verarbeitet, liegen sie im Arbeitsspeicher im Klartext, im geteilten Rechenzentrum auch in Reichweite des Betreibers.[1]
AMD SEV-SNP verschlüsselt den Arbeitsspeicher jeder Instanz auf Hardware-Ebene und wehrt Manipulationen wie Memory-Remapping und Replay-Angriffe ab. Den Schlüssel hält der Prozessor, nicht der Hypervisor. Selbst IONOS als Betreiber kommt an die laufenden Daten nicht heran, weil der Anbieter einem Bring-your-own-Image-Prinzip folgt und die bereitgestellten Abbilder weder einsehen noch verändern kann.
Ob eine Instanz wirklich unverändert und isoliert läuft, prüft die Remote Attestation: ein kryptografischer Nachweis über einen Attestierungsdienst, den der Kunde selbst betreibt. Erst nach diesem Nachweis lädt die Anwendung ihre Schlüssel und Zugangsdaten in die geschützte Instanz.
Warum ist der Arbeitsspeicher überhaupt ein Einfallstor?
Der geteilte Arbeitsspeicher ist angreifbar, weil viele Kundeninstanzen auf derselben physischen Hardware laufen und Seitenkanäle die Trennung untergraben. Ein Spectre-Angriff auf Cloudflare Workers las genau so das Sicherheits-Token eines fremden Kunden aus dem Speicher.
Gegen dieses Einfallstor half bisher vor allem Disziplin bei der Isolation. Andere Ansätze wie die homomorphe Verschlüsselung rechnen zwar direkt auf verschlüsselten Eingaben, bleiben aber langsam und speziell. SEV-SNP verlagert den Schutz stattdessen in den Chip und lässt gewöhnliche Software unverändert laufen.
Verschlüsselung im Arbeitsspeicher verschiebt die Vertrauensfrage: Nicht mehr der Hoster muss vertrauenswürdig sein, sondern nur noch der Chip. Für regulierte Branchen wird die geteilte Cloud damit erst wirklich buchbar.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Confidential Computing schließt bei IONOS die dritte Lücke: Daten bleiben auch dann geschützt, wenn der Prozessor sie gerade verarbeitet.
Drei Zustände von Daten
Daten auf der Festplatte sind verschlüsselt (Data at Rest).
Daten auf dem Transportweg sind verschlüsselt (Data in Transit).
Der Arbeitsspeicher wird per AMD SEV-SNP auf Hardware-Ebene verschlüsselt (Data in Use).
Die Confidential VMs im Überblick
Betreiber ohne Einblick: Über Remote Attestation weist jede VM kryptografisch nach, dass sie unverändert läuft. IONOS folgt einem Bring-your-own-Image-Prinzip und kann die Abbilder weder einsehen noch verändern.
Was bedeutet Confidential Computing für die DACH-Region?
Für regulierte Branchen senkt Confidential Computing die Hürde, sensible Verarbeitung in eine geteilte Cloud zu geben, verschiebt die Haftung aber nicht. Die DSGVO verlangt in Artikel 32 Schutz nach dem Stand der Technik; die Speicherverschlüsselung rückt damit für Gesundheitsdaten, Kanzleien und Finanzdienstleister vom Kür- zum Pflichtthema.
Zusammen mit dem Trend zur souveränen Cloud, in der die Sicherheit am Entschlüsselungspunkt ansetzt, entsteht ein europäisches Angebot gegen die Abhängigkeit von US-Hyperscalern. Die Grundlagen zum Schutz von Cloud-Daten bleiben dabei die Pflichtübung, auf der die Speicherverschlüsselung aufsetzt.
IONOS betont selbst, dass die Technik nur eine Schutzmaßnahme ist und die Compliance-Verantwortung beim Kunden bleibt. Confidential VMs verlangen zudem Linux-Kernel-Kenntnisse und eigenes Image-Handling, Cloud-init unterstützt der Dienst nicht. Vor dem ersten produktiven Einsatz lohnt daher der Blick darauf, welche Verarbeitung wirklich in den geschützten Speicher gehört und wie der eigene Attestierungsdienst aufgesetzt wird.
Quelle
[1] IONOS Cloud: Confidential Computing
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