Die Betreibergesellschaft der Smart-Home-Plattform wibutler hat Insolvenz angemeldet, acht Jahre nach dem ersten Verfahren. Fünf Hersteller aus der Gebäudetechnik hatten die Plattform gemeinsam finanziert. Was nun aus den Anlagen in den Häusern wird, betrifft weit mehr Eigentümer als die Kundschaft dieses einen Anbieters.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSmart-Home-Plattformen stehen und fallen mit einem Server, der weiterläuft. Am 17. Juli 2026 hat die DBT Digital Building Technology GmbH & Co. KG, Betreiberin der Plattform wibutler, Insolvenz angemeldet.[1] Vier Wochen zuvor hatten die Gesellschafter bereits beschlossen, ihr Gemeinschaftsunternehmen zu beenden.
Das Wichtigste in Kürze
- DBT Digital Building Technology, Betreiberin der Plattform wibutler, hat am 17. Juli 2026 Insolvenz angemeldet.
- Hinter der Plattform standen fünf gleichberechtigte Hersteller: BEGA, Eltako, Oventrop, Viessmann Climate Solutions und seit 2024 Kemper.
- Der Geschäftsbetrieb läuft vorerst weiter, mit Fokus auf Fertighaushersteller, Modulbauer und die Wohnungswirtschaft.
- Bereits 2018 hat wibutler ein Insolvenzverfahren durchlaufen, damals hat Viessmann das Unternehmen übernommen.
Warum scheitert eine herstellerneutrale Plattform?

Herstellerneutralität kostet Geld, das kein einzelner Gesellschafter allein tragen will. wibutler lief seit September 2022 über ein Gemeinschaftsunternehmen mehrerer Gebäudetechnik-Hersteller. Endet diese Konstruktion, fehlt die Finanzierung, nicht die Technik.
Genau darin liegt der Konstruktionsfehler vieler offener Gebäudeplattformen. Licht, Heizung, Elektroinstallation und Sanitär kommen von Wettbewerbern, die eine gemeinsame Steuerung brauchen, aber jeweils auch am eigenen Ökosystem arbeiten. Die neutrale Mitte trägt sich nur, solange alle Beteiligten einzahlen.
Der Wert einer Anlage hängt deshalb weniger an der Zahl der angebundenen Gewerke als daran, wie viel ohne den Server des Anbieters funktioniert. Wie schnell Cloud-Abhängigkeiten zum Problem werden, hat kürzlich das Standortdaten-Leck bei TP-Links Kasa-Kameras gezeigt; die grundsätzlichen Risiken vernetzter Haustechnik ordnet unser Beitrag zur Smart-Home-Sicherheit im Homeoffice ein.
Wie oft trifft das die Kundschaft im Smart Home?
Solche Abschaltungen wiederholen sich in der Branche regelmäßig. Google hat 2016 die Server der Smart-Home-Zentrale Revolv abgeschaltet, der US-Anbieter Insteon hat 2022 seinen Cloud-Betrieb beendet. Intakte Geräte haben in beiden Fällen über Nacht ihre Steuerung verloren.
Auch im deutschen Markt häufen sich die Brüche. Der Heimspeicher-Pionier Senec hat sein Neugeschäft verloren, nachdem EnBW den Vertrieb gestoppt hat. Anbieter mit offenen Schnittstellen wachsen dagegen weiter, etwa Shelly mit 68,3 Millionen Euro Halbjahresumsatz. Wago setzt beim Einstieg ins Smart Home bewusst auf den offenen Standard Matter.
Ein Gebäudesystem hält nur so lange, wie das Geschäftsmodell dahinter trägt. Bauherren sollten zuerst nach der lokalen Steuerung fragen und erst danach nach dem Funktionsumfang.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Drei Fristen, an denen sich Gebäudetechnik jetzt messen lassen muss
Welche Rechte haben Betreiber ab sofort?
Der EU Data Act gilt seit dem 12. September 2025 und gibt Nutzern vernetzter Produkte Zugang zu den erzeugten Daten sowie das Recht, den Dienst zu wechseln.[2] Für Produkte, die nach dem 12. September 2026 auf den Markt kommen, gelten zusätzlich Gestaltungspflichten.
Ab dem 11. Dezember 2027 greift der Cyber Resilience Act vollständig. Hersteller vernetzter Produkte müssen Sicherheitsupdates dann über den gesamten Supportzeitraum liefern, den das BSI mit mindestens fünf Jahren beziffert.[3] Ein insolventer Plattformbetreiber kann diese Zusage naturgemäß nicht mehr halten.
Für Planer und Eigentümer heißt das: Verlangen Sie vor jedem Zuschlag eine belastbare Auskunft darüber, welche Funktionen ohne Internetverbindung erhalten bleiben, und sichern Sie sich per Vertrag den Export der Anlagendaten. Doppelt abhängig sind Gebäude, deren Technik bereits am Strommarkt mitverdient, wie Viessmann mit Wärmepumpen und Heimspeichern vorführt.
Quellen
[1] wibutler: „wibutler treibt Sanierung und Fortführung der Geschäftsaktivitäten voran“
[2] Europäische Kommission: „Data Act“
[3] BSI: „Cyber Resilience Act“
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