Der Datenverlust bei AWS hat eine klare Adresse: die Cloud-Region Bahrain, im März 2026 bei Angriffen im Nahen Osten beschädigt. Sechs Monate später meldete Amazon, dass sich Daten aus dieser Region und aus einer Verfügbarkeitszone in den Emiraten nicht mehr wiederherstellen lassen. Hinter der Meldung steckt eine Lücke, die jede Cloud-Strategie betrifft.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Amazon kann Daten aus der Cloud-Region Bahrain und aus einer von drei Verfügbarkeitszonen in den Emiraten nicht wiederherstellen; die Schäden übertrafen das Multi-Zonen-Design.
  • Betroffen sind vor allem Daten, die ausschließlich in dieser einen Region lagen; wer regionsübergreifend gesichert hatte, konnte weiterarbeiten.
  • Das Modell der geteilten Verantwortung gilt weiter: AWS stellt die Werkzeuge für Georedundanz bereit, der Kunde muss sie selbst einrichten.
  • Handlungskonsequenz für Unternehmen: eine zweite Region oder ein zweiter Anbieter als Sicherung, dazu ein regelmäßig geprobter Wiederanlauf.

Was ist in Bahrain passiert?

Schwarze Platte mit Riss, Brocken unten, Aufkleber „BAHRAIN“ auf weißem Grund
Anschläge in Bahrain beschädigten mehrere AWS-Verfügbarkeitszonen gleichzeitig, Stromausfälle und Wasserschäden aus Löschanlagen übertraf Amazons Ausfallschutz

Mehrere Zonen betroffen: Amazon betreibt jede Cloud-Region in mehreren räumlich getrennten Verfügbarkeitszonen, damit der Ausfall einer Zone die anderen nicht mitreißt. In Bahrain beschädigten die Angriffe im März 2026 mehrere dieser Zonen gleichzeitig, dazu kamen Stromausfälle und Wasserschäden aus den Löschanlagen. Dieser gleichzeitige Schaden übertraf, wie Amazon einräumt, genau das, wogegen das Multi-Zonen-Design schützen soll.[1]

Eine Region ist kein Backup: Verloren sind vor allem Daten, die ausschließlich in Bahrain lagen, oft in einer einzelnen Zone abgelegt. Kunden mit zonen- oder regionsübergreifender Kopie stellten ihren Betrieb in anderen Regionen wieder her. Dasselbe Muster zeigte schon 2021 der Brand im Straßburger Rechenzentrum von OVHcloud, bei dem Kunden ohne eigene Sicherung ihre Daten endgültig verloren, ein Fall wie der jüngste Angriff auf Rumäniens Grundbuch mit gelöschten Backups.

Wer haftet für verlorene Cloud-Daten?

Geteilte Verantwortung heißt das Prinzip, nach dem Anbieter und Kunde die Sicherheit aufteilen: Amazon betreibt die Infrastruktur, der Kunde entscheidet, wo und wie oft seine Daten liegen. Die AWS-Dokumentation empfiehlt seit jeher, Sicherungen in eine zweite Region zu kopieren. Genau diese Kür wird im Ernstfall zur Pflicht.

Krieg als Ausschluss: Cloud-Verträge schließen Schäden durch Krieg und höhere Gewalt regelmäßig von der Haftung aus. Firmen ohne zweite Kopie bleiben damit auf dem Verlust sitzen, unabhängig davon, wie zuverlässig der Anbieter sonst arbeitet. Genau dieses Risiko treibt Konzerne wie Airbus zum Wechsel. Der Flugzeugbauer verlagert 70 Anwendungen von AWS in eine europäische Cloud.

Die Cloud macht Ausfälle unwahrscheinlicher, nicht unmöglich. Eine einzige AWS-Region ist eine Sicherung, die der Kunde delegiert, und ein Risiko, das bei ihm bleibt.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Der AWS-Datenverlust in Bahrain in Zahlen
Was ausfiel und was Unternehmen daraus mitnehmen, Stand September 2026
me-south-1
Cloud-Region Bahrain, aus der Daten nicht mehr wiederherstellbar sind
1 von 3
betroffene Verfügbarkeitszonen in der AWS-Region Emirate (me-central-1)
6 Monate
von den Schäden im März 2026 bis zur endgültigen Meldung
3-2-1
Backup-Faustregel: drei Kopien, zwei Medien, eine außer Haus
2 Regionen
Mindeststandard, um kritische Daten gegen den Ausfall einer Region zu sichern

Was sollten Unternehmen jetzt tun?

Zweite Region, geprobter Wiederanlauf: Kritische Daten gehören in mindestens zwei Regionen oder zu einem zweiten Anbieter, und die Wiederherstellung muss regelmäßig getestet werden. Ein Backup, das nie zurückgespielt wurde, ist im Ernstfall nur eine Vermutung. Die wichtigsten Muster fasst der Überblick zu den Backup-Strategien für 2026 zusammen.

NIS2 macht Ernst: Für viele Betreiber ist die Wiederanlauffähigkeit inzwischen Pflicht. Die NIS2-Richtlinie verlangt Konzepte für den Notbetrieb und die Wiederherstellung, und die Verantwortung liegt bei der Geschäftsführung, nicht beim Dienstleister. Wie weit diese Pflichten reichen, zeigt sich daran, dass die NIS2-Vorgaben schon die Produktionshalle zur Haftungsfalle machen.

Ausstieg mitdenken: Der Fall stärkt das Argument für Datensouveränität und klare Exit-Strategien. Betriebe mit regulierten oder besonders sensiblen Daten prüfen europäische Alternativen wie STACKIT als souveräne Cloud oder eine Aufstellung über zwei Clouds. Für den Einstieg in das Thema bündeln die Cybersecurity-Grundlagen für KMU die wichtigsten Schritte.

Für Entscheider lohnt der nüchterne Blick auf die eigene Cloud. Welche Daten liegen nur in einer Region? Diese Daten gehören in eine zweite Kopie, deren Wiederanlauf sich einmal echt durchspielen lässt. Der Aufwand fällt vor dem Ernstfall an, der Verlust sonst danach.

Quelle

[1] AWS Health Dashboard: Statusmeldung zur Region Naher Osten (Bahrain), Update vom 15. September 2026, health.aws.amazon.com

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