Airbus verlagert 70 unternehmenskritische Anwendungen von Amazon Web Services zum französischen Anbieter Scaleway. Ausschlaggebend ist dabei nicht der Preis, sondern die Frage, welches Recht auf die Daten zugreifen darf.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEine souveräne Cloud für die eigene Konstruktions- und Fertigungssoftware: Diesen Auftrag hat Airbus am 16. Juli 2026 an Scaleway vergeben, die Cloud-Tochter der Iliad-Gruppe.[1] Mehr als 150 technische und rechtliche Kriterien hat der Konzern zuvor geprüft. Zwei davon standen über allen anderen: Schutz vor einem Kill Switch und Schutz vor extraterritorialem Recht.
Das Wichtigste in Kürze
- 70 kritische Anwendungen wandern bis Ende 2028 von AWS zu Scaleway, langfristig bis zu 900.
- Airbus hat über 150 technische und rechtliche Kriterien geprüft, darunter den Schutz vor einem Kill Switch.
- Scaleway trägt zusätzlich KI-Anwendungen, die Airbus gemeinsam mit Mistral entwickelt.
- Für Mittelständler zählt der Firmensitz des Anbieters, nicht der Standort des Rechenzentrums.
Welche Systeme wandern zu Scaleway?

Umgezogen werden ERP, Fertigungssteuerung, CRM und die Software für das Produktlebenszyklus-Management, in der die Flugzeugkonstruktionen liegen. Bis Ende 2028 sollen diese 70 Anwendungen laufen.
Danach ist noch längst nicht Schluss. Über fünf bis sechs Jahre rechnet Airbus mit bis zu 900 Anwendungen, also dem kompletten Bestand, den der Konzern intern als „Minimum Viable Company“ führt. Ein vollständiger Bruch mit den US-Hyperscalern bleibt der Wechsel trotzdem nicht: Die Flugdatenplattform Skywise bleibt bei AWS, Microsoft und Google liefern weiterhin die Büro-Software.
Warum reicht ein Rechenzentrum in Europa nicht aus?
Der US-CLOUD Act verpflichtet amerikanische Unternehmen, Daten herauszugeben, auch wenn diese Daten auf Servern in Frankfurt oder Paris liegen. Maßgeblich ist die Gerichtsbarkeit des Mutterkonzerns, nicht die Adresse der Festplatte.
Genau an diesem Punkt setzt die Airbus-Prüfliste an. Ein europäisches Label auf einer US-Cloud-Region ändert an der Zuständigkeit amerikanischer Gerichte nichts, solange die Muttergesellschaft in den USA sitzt. Der Kill Switch als Auswahlkriterium zielt auf denselben Kern: die Sorge, dass ein Anbieter den Dienst auf politischen Druck hin abschalten könnte.
Airbus kauft bei Scaleway keine bessere Technik ein, sondern eine andere Gerichtsbarkeit. Genau diese Rechnung sollte jeder Mittelständler aufmachen, bevor er den nächsten Cloud-Vertrag verlängert.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der Konzern verlagert seine Konstruktions- und Fertigungssoftware zum französischen Anbieter Scaleway. Entscheidend war die Rechtsordnung, nicht die Technik.
Der Unterschied, auf den Airbus geprüft hat
Die Server stehen in Frankfurt oder Paris. Sitzt die Muttergesellschaft in den USA, greift der CLOUD Act trotzdem auf die Daten zu.
Der Betreiber untersteht allein europäischer Gerichtsbarkeit. Schutz vor Kill Switch und extraterritorialem Recht lässt sich vertraglich zusichern.
Was bedeutet der Wechsel für Unternehmen im DACH-Raum?
Airbus steht mit dieser Entscheidung nicht allein. SAP hat 300 Millionen Euro in Frankreichs souveräne Cloud gesteckt, Bosch Mobility setzt beim digitalen Engineering auf denselben Ansatz, und secunet holt US-Cloud-Technik unter deutsche Kontrolle. Brüssel drängt mit dem Tech-Sovereignty-Paket in dieselbe Richtung.
Bemerkenswert ist der Stimmungsumschwung. Noch zur Ausschreibung im Dezember 2025 hat Airbus offen bezweifelt, überhaupt einen europäischen Anbieter mit ausreichender Kapazität zu finden. Sieben Monate später steht der Vertrag.
Für die eigene Beschaffung folgen daraus zwei Prüfschritte. Im Vertrag zählt der Firmensitz des Anbieters, nicht nur der Standort des Rechenzentrums. Ergänzend verlangt der EU Data Act seit September 2025 ohnehin Ausstiegsklauseln, die einen Anbieterwechsel praktisch durchführbar machen.
Prüfen Sie deshalb gerne beim nächsten Verlängerungstermin, unter welcher Rechtsordnung Ihr Cloud-Vertrag steht und wie lange ein Umzug tatsächlich dauern würde. Wie stark europäische Firmen bislang an US-Infrastruktur hängen, zeigt der Befund, dass Europas Firmenwebsites überwiegend über US-Anbieter laufen.
Quelle
[1] Iliad: „Scaleway secures European ‚Trusted Cloud‘ services contract with Airbus“ ↩
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