Mit Version 26.10 ersetzt Ubuntu auch die letzten drei GNU-Klassiker cp, mv und rm durch Rust-Nachbauten. Canonical verspricht mehr Speichersicherheit, tauscht dabei aber still die Lizenz und verschiebt einen Teil des Risikos in die Testphase Ihrer Skripte.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenSeit Version 25.10 ersetzt Canonical die klassischen Ubuntu-Werkzeuge Schritt für Schritt durch Rust-Coreutils. Mit Ubuntu 26.10 fällt nun die letzte Bastion: cp, mv und rm, das Rückgrat jedes Shell-Skripts, laufen künftig über das Rust-Projekt uutils statt über die betagten GNU-Werkzeuge.
Das Wichtigste in Kürze
- Ubuntu 26.10 stellt mit cp, mv und rm die letzten GNU-Werkzeuge auf das Rust-Projekt uutils um.
- Rust soll ganze Fehlerklassen aus unsicherem Speicherzugriff verhindern; ein Audit der Firma Zellic fand im jungen Code aber 113 Probleme, die meisten inzwischen behoben.
- Der Wechsel tauscht zugleich die Lizenz: von der GPLv3 der GNU-Werkzeuge zur freizügigen MIT-Lizenz von uutils.
- uutils zielt auf volle Kompatibilität zu den GNU-Befehlen, Randfälle können trotzdem abweichen. Ein Test eigener Skripte vor dem Rollout lohnt sich.
Was ändert sich mit Ubuntu 26.10?

Ubuntu 26.10 ersetzt die letzten drei GNU-Coreutils durch Rust-Nachbauten. Die Werkzeuge cp, mv und rm blieben im LTS-Release 26.04 vom April noch bei den GNU-Versionen, weil im Rust-Code sogenannte TOCTOU-Lücken zwischen Prüfung und Zugriff offen waren. Mit dem Oktober-Release erklärt Canonical die Umstellung für vollständig.[1]
Den Anfang machte vor rund einem Jahr Version 25.10, die neben ersten Rust-Werkzeugen auch das Passwortkommando sudo in seiner Rust-Fassung sudo-rs als Standard mitbrachte. Ubuntu setzt konsequent auf das Projekt uutils, einen von Grund auf neu geschriebenen Ersatz für die über 40 Jahre alten GNU-Werkzeuge.
Warum ausgerechnet Rust?
Rust unterbindet ganze Klassen von Speicherfehlern schon beim Kompilieren. Pufferüberläufe und Use-after-free-Fehler, die in C-Code seit Jahrzehnten die Sicherheitsstatistiken anführen, lässt der Compiler gar nicht erst durch. Microsoft stuft Rust inzwischen als Tier-1-Sprache ein, und Ansätze wie Fil-C zeigen, wie stark der Druck zu speichersicherem Code geworden ist.
Der Umbau bleibt eine Wette auf die lange Frist, kein Sofortgewinn. Ein von Canonical beauftragtes Sicherheitsaudit der Firma Zellic durchleuchtete den Rust-Code in zwei Phasen und meldete 113 Probleme, die meisten davon inzwischen behoben. Junge Software ersetzt hier über Jahrzehnte gehärtete Werkzeuge, und die Umstellung reiht sich in eine Welle, die von in Rust neu geschriebenen Datenbanken bis zu portierten Laufzeitumgebungen reicht.
Rust-Coreutils sind kein Ideologieprojekt, sondern eine Sicherheitswette: Ubuntu tauscht bekannte C-Risiken gegen die Kinderkrankheiten von frischem Code und darf beim Umstieg keinen Tag Kompatibilität verlieren.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Umstieg für Ihre Systeme?
Für den Alltag soll sich nichts ändern, ein Test lohnt sich trotzdem. Das Projekt uutils zielt ausdrücklich auf ein Drop-in-Verhalten und wertet jede Abweichung von den GNU-Befehlen als Fehler.[2] Randfälle in Skripten, Cron-Jobs und Build-Pipelines können dennoch abweichen, weshalb ein Test auf einer 26.10-Instanz vor dem Server-Rollout die günstigste Absicherung bleibt.
Leiser als die Technik wiegt der Lizenzwechsel. Die GNU-Werkzeuge stehen unter der Copyleft-Lizenz GPLv3, uutils unter der freizügigen MIT-Lizenz, die auch geschlossene Ableger ohne Rückgabepflicht erlaubt. Für Hersteller von Embedded- und Automotive-Systemen senkt die MIT-Lizenz die Hürde, in der Open-Source-Gemeinde verschiebt der Wechsel ein Kräfteverhältnis, das schon beim Nachwuchs unter Druck steht.
Auch das BSI und US-Behörden empfehlen inzwischen speichersichere Sprachen für neue Systemsoftware, insofern trifft Canonical den Zeitgeist. Für IT-Verantwortliche folgt daraus ein klarer Fahrplan: die Zwischenversion 26.10 als Testfeld für die eigenen Skripte nutzen und die produktive Umstellung erst an das nächste LTS koppeln.
Wie Canonical die Standardwerkzeuge von GNU auf das Rust-Projekt uutils umstellt.
Drei Releases bis zum vollen Umstieg
FAQ: Rust-Coreutils in Ubuntu 26.10
Was sind Rust-Coreutils?
Rust-Coreutils sind Nachbauten der klassischen Unix-Kommandozeilenwerkzeuge wie ls, cp oder rm, geschrieben in der Programmiersprache Rust statt in C. Das Projekt uutils liefert sie unter MIT-Lizenz und zielt auf volle Kompatibilität zu den GNU-Originalen.
Ab wann nutzt Ubuntu vollständig Rust-Coreutils?
Mit Ubuntu 26.10, das im Oktober 2026 erscheint. Erste Rust-Werkzeuge kamen mit Version 25.10, das LTS-Release 26.04 behielt cp, mv und rm noch bei GNU. Erst 26.10 stellt auch diese drei Befehle um und erreicht damit 100 Prozent rust-coreutils.
Warum wechselt Ubuntu von GNU zu Rust?
Rust verhindert ganze Klassen von Speicherfehlern bereits beim Kompilieren, die in C-Programmen häufig zu Sicherheitslücken führen. Canonical will damit die Standardwerkzeuge härten. Der Wechsel bringt zugleich die freizügigere MIT-Lizenz mit sich.
Brechen meine Skripte unter den Rust-Coreutils?
In der Regel nicht, denn uutils zielt auf identisches Verhalten zu den GNU-Befehlen. Randfälle bei Optionen, Fehlermeldungen oder Sonderzeichen können dennoch abweichen. Ein Test eigener Skripte auf einer 26.10-Instanz vor dem Produktivbetrieb ist deshalb ratsam.
Was bedeutet der Lizenzwechsel von GPLv3 zu MIT?
Die GNU-Coreutils stehen unter der Copyleft-Lizenz GPLv3, die Änderungen offenlegen lässt. Die MIT-Lizenz von uutils erlaubt auch geschlossene Weiterentwicklungen ohne Rückgabepflicht. Das erleichtert die kommerzielle Nutzung, schwächt aber die Copyleft-Bindung.
Quellen
[1] Canonical (Ubuntu): „An update on rust-coreutils“
[2] uutils: „uutils coreutils, a cross-platform Rust rewrite of the GNU coreutils“
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