1&1 meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatz von 2,27 Milliarden Euro und im selben Bericht 150.000 verlorene Mobilfunkverträge.[1] Das Umsatzplus von 1,6 Prozent traf also auf einen schrumpfenden Kundenstamm. Der scheinbare Widerspruch führt mitten in die Ökonomie des vierten deutschen Mobilfunknetzes.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- 12,33 Millionen Mobilfunkkunden zählte 1&1 Ende Juni, 150.000 weniger als ein halbes Jahr zuvor.
- Das EBITDA stieg trotzdem um 5,1 Prozent auf 382,7 Millionen Euro.
- Das eigene 5G-Netz erreicht 34 Prozent der Bevölkerung, bis Jahresende sollen 40 Prozent erreicht sein.
- Jeder neue Funkstandort senkt die Roaming-Kosten beim Partner Vodafone und stützt so die Marge.
Warum verliert 1&1 Kunden und verdient mehr?

Den Kundenschwund verursachte 1&1 selbst. Anfang April ordnete der Konzern sein Tarifportfolio neu, strich die billigsten Rabatt-Angebote und kürzte bei höherpreisigen Tarifen das inklusive Datenvolumen. Rund 100.000 der 150.000 verlorenen Verträge fielen allein in diesem Monat weg.
Übrig blieben die profitableren Verträge. Der Service-Umsatz sank leicht auf 1,80 Milliarden Euro, das EBITDA stieg dagegen um 5,1 Prozent auf 382,7 Millionen Euro. Konzernchef Ralph Dommermuth begründete den Schnitt mit der bewussten Neuordnung des Tarifportfolios.
Was bringt das eigene 5G-Netz?
Der eigentliche Hebel liegt tiefer, im Netzausbau. 1&1 betreibt als vierter deutscher Netzbetreiber ein vollständig virtualisiertes 5G-Netz auf Basis der Open-RAN-Technik. Ende Juni erreichte dieses Netz 34 Prozent der Bevölkerung über 4.600 aktive Funkstandorte in 170 Städten, bis Jahresende soll die Abdeckung auf 40 Prozent steigen.
Überall dort, wo noch keine eigene Antenne steht, leitet 1&1 seine Kunden per National Roaming ins Netz von Vodafone. Jeder neue Standort ersetzt ein Stück dieser gemieteten Kapazität und senkt die Roaming-Rechnung. Genau daraus speist sich die steigende Marge, nicht aus Wachstum bei den Kundenzahlen.
Das eigentliche Produkt von 1&1 ist im Halbjahr nicht der Tarif, sondern der Funkmast. Solange das eigene Netz erst ein Drittel der Republik abdeckt, zahlt der Konzern seinen Rivalen Vodafone für die anderen zwei Drittel.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Geschäftskunden im DACH-Raum?
Für Geschäftskunden zählt weniger die Bilanz als die Abdeckung. In rund zwei Dritteln der Fläche hängt die tatsächliche Netzqualität weiter an Vodafone, nicht an 1&1. Firmen mit Standorten außerhalb der 170 Ausbaustädte sollten die reale Versorgung vor Vertragsschluss am Ort prüfen.
Strategisch ist der Open-RAN-Ansatz mehr als eine Kostenfrage. Die Technik löst den Netzbetrieb von einzelnen Ausrüstern wie Ericsson, Nokia oder Huawei und gilt in Brüssel als Baustein einer souveränen europäischen Mobilfunk-Infrastruktur. Auch die Deutsche Telekom kämpft derweil im Festnetz mit einer schrumpfenden Breitbandbasis, während 1&1 sein Mobilfunk-Fundament erst noch gießt.
Jeder eigene Funkstandort ersetzt ein Stück gemietetes Roaming im Netz von Vodafone. Weniger Roaming-Gebühr bedeutet mehr Marge, auch ohne zusätzliche Kunden.
Quelle
[1] 1&1 AG: Halbjahresfinanzbericht 2026 (Investor Relations, 6. August 2026)
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