1&1 stellt sein Mobilfunk-Tarifportfolio neu auf und verspricht vielen Kunden mehr Datenvolumen zum gleichen oder sogar niedrigeren Preis. Für Unternehmen mit Firmentarifen und Mitarbeiter-Handyverträgen ist das mehr als eine Randnotiz: Mobilfunkkosten laufen meist über Jahre unauffällig mit, bis eine Preisreform den Blick auf den Vertrag zurückholt. Unternehmen, die jetzt hinschauen, können bares Geld sparen oder zumindest die eigene Vertragslage neu bewerten.
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- 1&1 überarbeitet seine Mobilfunktarife mit mehr Datenvolumen bei stabilen oder sinkenden Preisen
- Treiber ist der eigene 5G-Netzausbau, der schrittweise die teuren Vodafone-Roaming-Kosten senkt
- Firmenkunden sollten vor einem Wechsel die Netzabdeckung an allen Standorten prüfen
- Bindungsfristen von 24 Monaten machen eine sorgfältige Vorabprüfung besonders wichtig
Was ändert sich bei den neuen 1&1-Tarifen konkret?

Die Tarifreform betrifft das gesamte Portfolio des Anbieters. In mehreren Tarifstufen erhöht 1&1 das inkludierte Datenvolumen spürbar, ohne den monatlichen Preis in gleichem Maße anzuheben. In einzelnen Fällen sinkt er sogar. Für Firmenkunden mit mehreren Mitarbeiter-Verträgen kann sich das schnell im vierstelligen Bereich pro Jahr summieren, insbesondere wenn bislang teurere Datenpakete separat zugebucht wurden.
Mehr Datenvolumen, stabile oder sinkende Preise – was Einkauf und IT jetzt für Firmentarife prüfen sollten
Neue Netzbetreiber punkten zunächst über den Preis, weil die Netzqualität noch nicht flächendeckend mithalten kann – ein Muster aus anderen europäischen Märkten.
An allen Firmenstandorten und im Außendienst testen
Regelung zur Datenqualität bei Vodafone-Roaming vs. eigenem Netz
Mobile-Device-Management und Datenverarbeitung durch den Netzbetreiber
Nicht nur den Listenpreis, sondern auch den mittelfristigen Netzausbau einschätzen
Warum überarbeitet 1&1 die Tarife jetzt?
Der eigentliche Mechanismus hinter der Reform liegt im Netzausbau. 1&1 baut seit 2023 als vierter deutscher Mobilfunknetzbetreiber ein eigenes Open-RAN-Netz auf, kommt dabei aber langsamer voran als ursprünglich geplant und ist für die Flächenabdeckung weiterhin auf National Roaming im Vodafone-Netz angewiesen. Je mehr eigene Standorte ans Netz gehen, desto geringer werden tendenziell die Vorleistungskosten für dieses Roaming.
Genau dieser sinkende Kostendruck schafft den finanziellen Spielraum für mehr Datenvolumen zum gleichen oder niedrigeren Preis. Die Tarifumstellung ist damit weniger ein reines Marketing-Update, sondern vielmehr ein Signal für den Fortschritt der eigenen Netzstrategie.
Ist das ein neues Muster oder ein Einzelfall?
Ähnliche Offensiven mit mehr Datenvolumen bei stabilem oder sinkendem Preis gab es in den vergangenen Jahren wiederholt bei Telekom, Vodafone und O2, meist als Reaktion auf Rabattmarken und MVNOs. Der Markteintritt eines vierten Netzbetreibers in einen zuvor von drei Playern dominierten Markt folgt zudem einem aus anderen europäischen Ländern bekannten Muster: Ein neuer Anbieter muss zunächst über den Preis punkten, weil die Netzqualität noch nicht flächendeckend mithalten kann.
Für Firmenkunden entsteht dadurch ein wiederkehrendes Spannungsfeld zwischen günstigeren Konditionen und einer noch nicht bundesweit gleichwertigen Netzabdeckung. Unser Überblick zur deutschen Infrastrukturlandschaft zeigt dieses Muster bereits für andere Bereiche der Digitalisierung.
Was sollten Einkauf und IT vor einem Wechsel prüfen?
Die Praxisrelevanz für DACH-Unternehmen liegt vor allem in der Netzabdeckung. Mobilfunkverträge binden meist über 24 Monate. Ein schwaches Netz am Firmenstandort oder im Außendienst verursacht operative Kosten durch Produktivitätsausfälle, die den Preisvorteil schnell auffressen können. Einkauf und IT sollten vor einer Umstellung eine Abdeckungsprüfung für alle relevanten Standorte vornehmen und vertraglich klären, wie die Datenqualität bei Vodafone-Roaming gegenüber dem eigenen 1&1-Netz geregelt ist.
Bei Mitarbeiter-Handyverträgen gelten außerdem unabhängig vom Anbieter die üblichen DSGVO-Anforderungen an Mobile-Device-Management und die Datenverarbeitung durch den Netzbetreiber. Wer sich generell mit der Kostenstruktur von Selbstständigen und kleinen Unternehmen beschäftigt, kennt das Prinzip: Fixkosten wie Mobilfunk lohnt es sich, regelmäßig gegen den Markt zu prüfen.
Wie geht es mit dem 1&1-Netzausbau weiter?
Der weitere Rollout entscheidet, wie nachhaltig die neuen Tarife kalkuliert sind. Bleibt 1&1 beim eigenen Netzausbau im Zeitplan zurück, bleibt auch die Abhängigkeit vom teureren Vodafone-Roaming bestehen, was künftige Preisspielräume begrenzen könnte. Für Unternehmen empfiehlt sich deshalb, Verträge nicht allein nach dem aktuellen Listenpreis, sondern auch nach der mittelfristigen Netzstrategie des Anbieters zu bewerten. Einkäufer prüfen bei der Wahl von Hosting-Anbietern längst nach diesem Muster, wenn Infrastrukturqualität über den Preis hinaus zählt.