Die Deutsche Telekom will ihre indirekten Kosten mit KI und Automatisierung bis 2030 um rund 2,5 Milliarden Euro im Jahr senken, gemessen an 2023. Mit KI-Diensten für Firmenkunden außerhalb der USA plant der Konzern für dasselbe Jahr rund 800 Millionen Euro Umsatz. Beim Investorentag in Bonn standen deshalb Kundenservice, Netzbetrieb und Verwaltung im Mittelpunkt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 2,6 Millionen Anrufe hat der Telekom-Chatbot „Frag Magenta“ im ersten Halbjahr 2026 übernommen. Bei der US-Tochter T-Mobile bearbeiten KI-Agenten inzwischen 40 % der Kundenkontakte, die Zahl der Anrufe im Service sank dort um 55 %; einen Vergleichszeitraum nennt die Telekom nicht.[1] Mit diesen Zahlen unterlegte die Telekom am Montag ihr neues Sparziel.
Das Wichtigste in Kürze
- Bis 2030 sollen die indirekten Kosten gegenüber 2023 um rund 2,5 Milliarden Euro jährlich sinken.
- Für 2027 erwartet die Telekom außerhalb der USA rund 1,1 Milliarden Euro Bruttoeinsparungen.
- Der KI-Umsatz mit Unternehmen außerhalb der USA soll von rund 250 Millionen Euro 2026 auf rund 800 Millionen Euro 2030 steigen.
- Einen Teil der Einsparungen will der Konzern in den Glasfaserausbau stecken.
Wo spart die Telekom mit KI?

Das Sparziel bezieht sich auf die indirekten Kosten. Als Einsatzfelder nennt die Telekom Netzbetrieb, Kundenservice, Softwareentwicklung und Verwaltung. In allen vier Bereichen fallen große Mengen gleichartiger Vorgänge an. Automatisierung rechnet sich dort über die Menge: Jede Anfrage, die der Chatbot abschließt, kostet keine Minute Arbeitszeit im Callcenter.
Im Mobilfunknetz erkennt der „RAN Guardian Agent“ Lastspitzen etwa bei Großveranstaltungen. Solche Ereignisse bearbeitet das Netzmanagement nun in rund einer Minute statt in mehreren Stunden.[1] Einen Teil der Einsparungen 2027 will die Telekom in den Glasfaserausbau lenken, den sie zuletzt mit dem Kauf des Essener Glasfasernetzes von Ruhrfibre vorantrieb.
Auf der Umsatzseite fallen die Ziele kleiner aus. Rund 250 Millionen Euro KI-Umsatz mit Unternehmen außerhalb der USA erwartet der Konzern 2026, bis 2030 sollen daraus rund 800 Millionen Euro werden. Beitragen sollen die Industrial AI Cloud in München und eine Plattform, mit der Mittelständler Routineaufgaben in Service und Logistik automatisieren.
Was bedeutet das Sparziel für die Belegschaft?
Eine Stellenzahl nannte die Telekom nicht. Die Arbeitsabläufe will der Konzern so umbauen, dass Beschäftigte Ziele vorgeben, Ergebnisse prüfen und die Verantwortung für Entscheidungen behalten. Konkreter wurde die britische BT Group: Im Mai 2023 kündigte der Telekommunikationskonzern an, bis 2030 bis zu 55.000 Stellen abzubauen, rund 10.000 davon durch KI und Automatisierung.
Palo-Alto-Chef Nikesh Arora will dagegen keinen seiner 6.000 Entwickler wegen KI entlassen, andere Funktionen nahm er von dieser Zusage ausdrücklich aus.
2,5 Milliarden Euro Ersparnis, 800 Millionen Euro KI-Umsatz: Die Telekom plant KI vor allem als Sparprogramm.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was folgt daraus für Unternehmen in Deutschland?
Mehr als 100.000 Beschäftigte hat die Telekom im Umgang mit künstlicher Intelligenz geschult. Schulen muss inzwischen jedes Unternehmen, das KI-Systeme betreibt: Seit dem 2. Februar 2025 verlangt Artikel 4 der KI-Verordnung von Anbietern und Betreibern, nach besten Kräften für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals zu sorgen.[2]
Im Kundenservice kommt die Mitbestimmung hinzu. Software, die Gespräche dokumentiert oder Beschäftigten Antworten vorschlägt, zählt in der Regel zu den technischen Einrichtungen, mit denen sich Verhalten oder Leistung der Beschäftigten überwachen lassen. Die Einführung solcher Systeme ist nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG mitbestimmungspflichtig.[3] Binden Sie den Betriebsrat deshalb gerne früh ein. Messen Sie außerdem vor dem Start Anrufvolumen und Bearbeitungszeiten, damit sich die Einsparung später belegen lässt.
Wie ein Neueinsteiger den Mobilfunkservice von Anfang an mit KI statt Callcenter aufbaut, zeigt Simsalasim. Für Agenten mit Zugriff auf Kundendaten lohnt sich ein Blick auf die EnBW, die jeden KI-Agenten an ihr Berechtigungskonzept bindet.
Quellen
[1] Deutsche Telekom: „Telekom steigert Wachstum, Effizienz und Qualität durch Einsatz von KI“ (05.10.2026)
[2] EUR-Lex: „Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung)“, Artikel 4
[3] Bundesministerium der Justiz: „§ 87 Betriebsverfassungsgesetz: Mitbestimmungsrechte“
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