Bill Gates hat seine Robotersteuer im Podcast der New York Times konkretisiert: Für jede Arbeitseinheit sollen Unternehmen dieselben US-Sozialabgaben zahlen, ob ein Mensch oder eine Maschine sie erledigt. In Deutschland führen Arbeitgeber auf jeden Lohn rund 21 Prozent Sozialbeiträge ab, auf ein KI-Abo keinen Cent.

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„Das Steuersystem lenkt Sie dahin, Menschen durch Maschinen zu ersetzen“, schrieb Bill Gates Ende August zur Begründung seiner Robotersteuer.[1] Im Podcast von Ezra Klein beschrieb der Microsoft-Mitgründer nun, wie die Abgabe funktionieren soll.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gates stellte seine Robotersteuer am 29. September in „The Ezra Klein Show“ der New York Times vor.
  • In den USA wären das 15,3 Prozent des Lohns für Social Security und Medicare.
  • Zusätzlich will Gates KI-Tokens besteuern und mit dem Geld Umschulungen bezahlen.
  • Die SPD-Bundestagsfraktion will den Sozialstaat „breiter finanzieren“, nennt aber keine Robotersteuer.

Wie soll die Robotersteuer von Bill Gates funktionieren?

Umschlag mit Text
Bill Gates fordert gleiche Sozialabgaben für Mensch und Roboter pro Arbeitseinheit, um Massenarbeitslosigkeit durch KI zu verhindern

Für eine definierte Arbeitseinheit sollen Unternehmen dieselben Sozialabgaben zahlen, egal ob ein Mensch oder ein Roboter die Arbeit erledigt. So beschrieb Gates den Vorschlag in der Folge „Bill Gates’s Blunt Warning on A.I.“, die am 29. September bei der New York Times erschien.[2] Nur weil KI billiger sei, müsse die Gesellschaft Menschen nicht durch Maschinen ersetzen, argumentierte der Milliardär.

Die US-Abgaben heißen FICA: Arbeitgeber und Beschäftigte zahlen je 7,65 Prozent des Lohns für die Rentenversicherung Social Security und die Krankenversicherung Medicare.[3] Zusätzlich will Gates die Tokens besteuern, die Sprachmodelle verarbeiten. Beide Abgaben sollen so zugeschnitten sein, dass KI-Anwendungen für günstigere Medizin und Bildung nicht ausgebremst werden.[1]

Die Selbstregulierung der KI-Branche nannte Gates im selben Gespräch „verrückt“.[2] Der Stiftungschef widerspricht so dem KI-Abkommen, das Donald Trump mit Tech-Chefs wie Mark Zuckerberg geschlossen hat, und bleibt bei seiner Forderung nach KI-Gesetzen.

Warum bevorzugt das Steuerrecht die Maschine?

Auf Löhne fallen laufend Sozialabgaben an, Technik lässt sich dagegen meist sofort als Betriebsausgabe absetzen. „Eine Steuer würde die Flucht aus menschlicher Arbeit etwas bremsen und Geld für Umschulung und ein stärkeres soziales Netz einbringen“, schreibt Gates in seinem Essay vom 26. August. Die Idee verfolgt er seit 2017; Roboter, die auf dem Bau und im Gastgewerbe mit Menschen konkurrieren, erwartet er bis Ende des Jahrzehnts.[1]

In Deutschland fällt die Schieflage größer aus. Die Sozialbeiträge summieren sich 2026 samt durchschnittlichem Zusatzbeitrag auf 42,3 Prozent des Bruttolohns, rund die Hälfte davon zahlt der Arbeitgeber. Firmen schreiben Computer und Software seit 2021 im Anschaffungsjahr ab, neue Maschinen bis Ende 2027 degressiv mit bis zu 30 Prozent im Jahr. Ob Roboter bis 2040 die Arbeit der Babyboomer übernehmen, entscheidet so auch über die Einnahmen der Sozialkassen.

Ein Rechenbeispiel: Angenommen, eine Sachbearbeiterin verdient 50.000 Euro brutto im Jahr. Ihr Arbeitgeber würde dann rund 10.600 Euro Sozialbeiträge zusätzlich zahlen, für einen KI-Agenten im Abo, der einen Teil ihrer Vorgänge bearbeitete, dagegen nichts.

Mensch oder Maschine: Was Arbeitgeber in Deutschland abführen
Sozialbeiträge auf Löhne, Abschreibung auf Technik und der Vorschlag von Bill Gates, Stand 2. Oktober 2026
Sachbearbeiterin mit 50.000 € brutto
  • 42,3 %: Sozialbeiträge 2026 insgesamt, samt durchschnittlichem Zusatzbeitrag der Krankenkassen
  • rund 10.600 €: Arbeitgeberanteil im Jahr, zusätzlich zum Bruttolohn
  • Jeden Monat: Die Beiträge fallen an, solange die Stelle besetzt ist
KI-Abo, Software und Maschinen
  • 0 €: Sozialbeiträge auf ein KI-Abo
  • Computer und Software: seit 2021 im Jahr der Anschaffung abschreibbar
  • Neue Maschinen: bis Ende 2027 degressiv mit bis zu 30 % im Jahr abschreibbar
  • Vorschlag Gates: dieselben Abgaben pro Arbeitseinheit wie für einen Menschen
Die Robotersteuer seit 2017
  1. 02/2017Bill Gates schlägt erstmals vor, Roboter zu besteuern
  2. 16.02.2017Das EU-Parlament lehnt eine Robotersteuer ab
  3. 08/2017Südkorea kürzt Steuervorteile für Investitionen in Automatisierung
  4. 26.08.2026Gates fordert im Essay Steuern auf KI-Tokens und Roboter
  5. 04.09.2026Die SPD-Bundestagsfraktion will den Sozialstaat breiter finanzieren
  6. 29.09.2026Gates beschreibt im Podcast der New York Times die Abgabe pro Arbeitseinheit

Gates trifft den wunden Punkt des deutschen Sozialstaats: Rente, Pflege und Krankenkasse hängen überwiegend an den Löhnen; mit jeder Automatisierung schrumpft diese Basis. Eine Abgabe pro Arbeitseinheit klingt einfach, nur kann bisher niemand sagen, wie ein Finanzamt die Arbeit eines KI-Agenten misst.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Kommt eine Robotersteuer auch nach Deutschland?

Eine Robotersteuer steht in Deutschland in keinem Gesetzentwurf, die SPD-Bundestagsfraktion denkt aber in dieselbe Richtung. „Wenn Maschinen mehr Aufgaben übernehmen, können Lohnsteuereinnahmen ausbleiben. Deshalb müssen wir unseren Sozialstaat breiter finanzieren“, schreiben die Abgeordneten in ihrem Beschluss von der Klausur am 3. und 4. September.[4] Herangezogen werden sollen „weitere Einkommens- und Wertschöpfungsquellen“, für KI-Gewinne prüft die Fraktion eine angepasste Unternehmensbesteuerung.

Das EU-Parlament lehnte eine Robotersteuer im Februar 2017 ab, Südkorea kürzte im selben Jahr lediglich Steuervorteile für Investitionen in Automatisierung.

Für Automatisierungsprojekte folgt daraus: Die heutige Kostenrechnung gilt nicht zwingend über die gesamte Laufzeit.

  • Rechnen Sie für KI-Agenten und Roboter mit mehr als fünf Jahren Laufzeit gerne ein zweites Szenario mit einer Abgabe auf die ersetzte Arbeit durch.
  • Klären Sie mit Ihrer Steuerberatung, welche Anschaffungen bis Ende 2027 noch unter die degressive Abschreibung fallen.

FAQ: Bill Gates: Unternehmen sollen für Roboter dieselben Sozialabgaben zahlen wie für Menschen

Was ist eine Robotersteuer?

Eine Robotersteuer ist eine Abgabe, die Unternehmen für Arbeit zahlen, die Maschinen, Roboter oder KI-Systeme statt Menschen erledigen. Das Geld soll ausfallende Lohnsteuern und Sozialbeiträge ersetzen. Bill Gates wirbt seit 2017 für eine solche Steuer.

Was sind KI-Tokens?

KI-Tokens sind die Text- und Datenbausteine, die Sprachmodelle wie ChatGPT oder Claude verarbeiten und nach denen die Anbieter ihre Nutzung abrechnen. Ein Token entspricht im Deutschen grob einem Wortteil. Bill Gates schlägt vor, die verarbeiteten Tokens zu besteuern.

Wie hoch sind die Sozialabgaben 2026 in Deutschland?

Die Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung summieren sich 2026 auf 42,3 Prozent des Bruttolohns, den durchschnittlichen Zusatzbeitrag der Krankenkassen eingerechnet. Arbeitgeber übernehmen davon rund 21 Prozent, Beschäftigte den Rest. Kinderlose zahlen zusätzlich einen Zuschlag zur Pflegeversicherung.

Was macht die Gates Foundation?

Die Gates Foundation ist die Stiftung von Bill Gates mit Sitz in Seattle. Die Stiftung finanziert vor allem Projekte für Gesundheit, Entwicklung und Bildung und will in den kommenden rund 20 Jahren etwa 174 Milliarden Euro ausgeben. Gates hat erklärt, dass KI als Mittel für mehr Chancengleichheit ein neuer Schwerpunkt der Stiftung ist.

Quellen

[1] Gates Notes: „The turbulent AI era is here. The choices we make now are critical.“

[2] The New York Times: „Bill Gates’s Blunt Warning on A.I.“ (The Ezra Klein Show)

[3] Internal Revenue Service: „Topic no. 751, Social Security and Medicare withholding rates“

[4] SPD-Bundestagsfraktion: „Damit Fortschritt bei allen ankommt: gute Arbeit im KI-Zeitalter“ (PDF)

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